Sonntag, 25. Januar 2026

Sestri Levante – Imperia 4:0 (1:0)

Italien, Serie D, girone A, 21a giornata, 25.1.2026
Stadio Giuseppe Sivori, ca. 400

Die um die Play-off-Plätze oben mitspielende US Sestri Levante gewann in einem ligurischen Derby in der Serie D klar gegen Imperia. Die Gäste waren nach einer glatt roten Karte etwas weniger als eine Stunde Spielzeit nur mehr zu zehnt. Kurz zuvor hatte die Heimmannschaft das 1:0 erzielt und triumphierte in der zweiten Spielhälfte in Überzahl deutlich.
„Unico vero amore“, die „einzige wahre Liebe“, feierte die Kurve von Sestri Levante mit rotem und blauem Rauch in den Vereinsfarben. Auch im Lauf des Spiels stieg immer wieder Rauch auf. Am Ende in den italienischen Nationalfarben grün-weiß rot. „Vaffanculo“ hieß es u.a. in Richtung der Gäste. Hochgezogen wurde auch ein Trikot mit Aufschrift Corsari. Mit dem Begriff der Korsaren, die einst als Freibeuter Schiffe am Meer überfielen, identifiziert man sich im Verein der jahrhundertelang von der Seefahrt geprägten Stadt Sestri Levante. Die Ultrasbewegung entstand hier in den 1970er Jahren mit einer sich Ultras nennenden Gruppe und später den Boys S.A.R.. In den 1990er Jahren traten die Ultras Unione 1995 hervor, die sich 2007 auflösten. Nunmehr steht man wieder auf der Stahlrohrtribüne hinter dem Tor, die man in den vergangenen beiden Saisonen in der Serie C den Gäste überlassen musste. Die Kurve stand da auf der Gegentribüne. In der Vergangenheit war man auch auf der Haupttribüne gewesen. Das große Derby ist hier das Derby del Tigullio (ligurisch Derby do Tigullio), benannt nach dem hiesigen Meer des Golfo Tigullio, mit Virtus Entella aus dem benachbarten Chiavari. Historisch geprägt von der Rivalität zwischen der Arbeiterstadt Sestri Levante und dem bürgerlichen Chiavari. In der Serie C gab es die Begegnung zuletzt wieder, was mit schönen Choreographien in vollen Stadien gefeiert wurde und auch zu 18 Stadionverboten (jeweils neun auf beiden Seiten), fünf davon mit einer Laufzeit von fünf Jahren und 13 mit einer Laufzeit von einem Jahr, nach Ausschreitungen führte.
„Bastardi“ war aus dem Auswärtssektor in Richtung Sestri Levante zu hören. Hauptrivale der Imperia ist hier Sanremese, aber auch die Abneigung gegenüber Sestri Levante tat man kund. Ein kompakter Mob kam eine Viertelstunde vor Spielbeginn im polizeiüberwachten Autokonvoi an. Die Fahne der Ultras Imperia (1977) wehte, Ultimi Romantici hing am Zaun und man supportete mit Gesängen, Schals und Händen unverdrossen für Imperia.
Die Unione Sportiva Sestri Levante wurde 1919 gegründet. Der rot-blaue Verein musste 1930 auf Anweisung der faschistischen Machthaber mit den anderen lokalen Vereinen Pro Sestri, Savoia und Fulgor zu einem neuen Verein mit dem Namen Segesta Sestri Levante und den Farben Gelb-Rot fusionieren. 1931 kehrte man aber schon wieder zu Rot-Blau zurück und trat nun als AS Sestri Levante an. Associazione Sportiva statt Unione Sportiva laut Chronik deswegen, weil die Faschisten das Wort Union zu sehr an die Sowjetunion (italienisch Unione Sovietica) erinnert haben soll. Diese Überlieferung klingt hinterfragenswert. Jedenfalls benannte man sich nach der Befreiung wieder Unione. Der größte Erfolg der Vereinsgeschichte nach einer Saison in der Nord-Gruppe der dreiteiligen, zweitklassigen Prima Divisione 1927/28 ist aus jüngster Zeit, nämlich der nach dem Meistertitel im Girone A der Serie D 2022/23 mit dem Sieg im Poule Scudetto (dem Bewerb der Meister der Gruppen der Serie D) im Finale gegen Sorrento in Piancastagnaio geschaffte landesweite Meistertitel der Serie D und der folgende Aufstieg in die Profiliga Serie C, in der man 2023/24 und 2024/25 zwei Saisonen spielte. 2025 schied man im Play-out aus und musste absteigen, sodass man 2025/26 wieder in der Serie D spielt.
Das Stadio Giuseppe Sivori wurde 1945 eröffnet und nach einem legendären Spieler aus den 1930er Jahren benannt. Sieben Jahrzehnte lang bestand das Stadion nur aus der Haupttribüne. Erst 2003 und 2007 kamen die anderen Tribünen dazu. Der erstmalige Aufstieg in die Serie C 2023 erforderte umfangreiche Bauarbeiten, wobei neben diversen Renovierungen und Modernisierungen die Tribünenkapazität auf 1.614 Plätze erweitert wurde. 2023/24 musste Sestri Levante alle Heimspiele der Serie C auswärts austragen. Sie fanden erst in Carrara und danach in Vercelli statt. Für das Derby gegen Virtus Entella ging man 2023/24 ins Marassi in Genua. 2024/25 konnte man dann hier im Heimstadion alle Spiele in der Serie C spielen, wobei das ausverkaufte und mit Choreographie über die Längsseitentribüne eingeleitete Derby del Tigullio das größte Spiel war. Aktuell dient das nun ligataugliche Stadion derzeit auch der AC Bra aus dem 200 km entfernten Bra im Piemont in der Serie C als Spielstätte.
Vor dem Spiel habe ich die Stadt Sestri Levante besichtigt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen