Sonntag, 4. Januar 2026
Ostiamare – Ancona 0:1 (0:0)
Italien, Serie D, girone F, 18a giornata, 4.1.2026
Stadio Anco Marzio, ca. 500
Ancona gewinnt beim Tabellenführer und bleibt damit im Titelrennen. Nur mehr drei Punkte trennen jetzt das erstplatzierte Ostiamare und den Dritten Ancona. Dazwischen steht noch Teramo in der Tabelle des Girone F der Serie D. Ostiamare musste erst ihre zweite Saisonniederlage hinnehmen und tat dies in Unterzahl mit nur mehr neun Mann nach Ausschluss für ein Foul als letzter Mann und einer weiteren roten Karte für einen Ellbogencheck. Sie verteidigten sich zäh. Ein Tor für Ancona wurde wegen Abseits nicht gegeben und ihr Goldtor erzielten die Gäste in der neunminütigen Nachspielzeit der zweiten Hälfte. Ancona, die in den letzten zwei Jahrzehnten 2004, 2010, 2017, 2021 und 2024 fünfmal pleite gingen, spielt seit dem letzten Neubeginn vorige Saison in der Serie D.
„C'mon Gulls!“ zeigte die Curva Ernesto Nevi ein Spruchband als Intro zum Spielbeginn. Der englische Begriff gulls für „Möwen“ bezieht sich auf das Wappentier von Ostiamare. Zwei Stunden vor Beginn dieses Spiels hatte einige Kilometer weiter östlich Lazio im römischen Stadio Olimpico eine mit Spruch „C'mon Guys!“ versehene große Choreo gezeigt, die ein Selbstzitat einer auf ihren damaligen englischen Stürmerstar Paul Gascoigne bezogenen Derbychoreo aus dem Jahr 1994 war. Selbst das nach rechts geneigte Rufzeichen war bei Lazio und Ostiamare gleich, sodass hier ein Zufall unwahrscheinlich ist.
Die Geschichte der Ultras in Ostia begann in den 1980er Jahren mit den Brigate Bianco Viola. Später gab es hier auch Fossa Lidense und Cani Sciolti. Zum Höhepunkt des Aufstiegs in die Serie C2 vereinigte man sich 1989 zu Ultras Ostia 1989. Diese lösten sich 2005 auf. Danach gab es Tifo unter dem Namen Ostia 1945. Heute ist die Kurve nach dem 2001 verstorbenen historisch bedeutenden Anhänger Ernesto Nevi benannt. Ältere Veteranen haben sich als Old Story 1989 zusammengeschossen, jüngere als Nuova Guardia. Beide treten sie auch mit dem Namen Lidensi auf, der auf den Ortsnamen von Lido di Ostia verweist. Verbunden ist man in gemellaggio mit Civitavecchia.
Die geringe Zuteilung von nur 80 Gästesektorkarten hatte die Curva Nord Ancona im Vorfeld öffentlich kritisiert „un numero imbarazzante per una categoria come la Serie D e vista l'importanza della partita“ („eine peinliche Zahl für eine Liga wie die Serie D und angesichts der Bedeutung des Spiels“) und dazu aufgerufen, auch ohne Karte nach Ostia zu fahren: „o entreremo tutti o resteremo tutti fuori“ („Entweder wir kommen alle rein oder wir bleiben alle draußen.“) Schlussendlich waren alle rund 100 Leute im Sektor drin. Es wurde ansprechend laut, durchgängig und schön gesungen und dem prasselndem Regen getrotzt.
Die AS Ostiamare Lido Calcio wurde im Oktober 1945 als AS Ostia Mare 1945 neu gegründet. Die Farben waren zunächst granatrot, wurden aber bald in violett-weiß geändert. Vor der Befreiung vom Faschismus hatte es in Lido di Ostia zuvor bereits einmal eine 1923 gegründete AS Ostia gegeben. Der neue Verein begann 1945/46 in der Seconda Divisione Laziale im Verbandsspielbetrieb und trat später als Ostiamare Calcio auf. 1980 wurde der Verein in US Ostia Mare umbenannt. 1983 kaufte man die Spielberechtigung der AS La Rustica, mit der man ab 1983/84 im überregionalen Campionato Interregionale (entsprach der Serie D) antreten konnte, und benannte sich in AS Ostia Mare Lido Calcio um. Als Meister 1988/89 stieg man in die viertklassige Serie C2 auf, in der man als Höhepunkt der Vereinsgeschichte 1989/90 und 1990/91 zwei Saisonen spielte. In den Jahrzehnten seither wechselte man zwischen Eccellenza Laziale als höchster Spielklasse der Region Lazio und der Serie D. Derzeit spielt Ostiamare seit 2012/13 in der Serie D. Der Römer Daniele De Rossi (Weltmeister 2006) hatte hier als Jugendlicher 1997 bis 2000 gespielt und war von hier zur AS Roma gewechselt, wo er bis 2019 spielte und berühmt wurde. Seit einem Jahr, seit Jänner 2025, fungiert er hier als Vereinspräsident.
Das Stadio Anco Marzio bietet eine Kapazität von 1.000 Plätzen. Benannt ist es nach Anco Marzio, lateinisch Ancus Marcius, der Legende nach der vierte König Roms, unter dessen Regentschaft im 7.Jh.v.u.Z. der Hafen von Ostia begründet worden sein soll. Die damalige Meeresküste und das antike Ostia lagen aber noch drei Kilometer landeinwärts, in zwei Jahrtausenden hat der Flusslauf des Tiber viel Material angeschwemmt und das Land ausgedehnt. Die Spiele der Serie C2 wurden nicht hier sondern im damals Stadio Stella Polare genannten und heute Stadio Pasquale Giannattasio heißenden Stadion des CONI ausgetragen. Auch heute wäre eine Serie C hier schwer vorstellbar. Allerdings sieht man die jüngsten Investitionen mit Kunstrasenkleinfelderm Werbeplanen zur violetten Farbgebung und einer kleinen Geschichtsausstellung zum Jubiläum 1945 – 2025. In jener Ausstellung ist auch ein Stadionneubauprojekt Thema.
Vor dem Spiel habe ich die Stadt das antike Ostia besichtigt.
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