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Mittwoch, 3. August 2022
Qarabağ – Ferencváros 1:1 (1:1)
Champions League, 3. Qualifikationsrunde, Hinspiel, 3.8.2022
Tofiq Bəhramov adına Respublika Stadionu, 31.200
Remis im Champions-League-Qualifikationsspiel zwischem dem (mit Unterbrechung 2020/21) aserbaidschanischen Serienmeister Qarabağ FK und dem ungarischen Serienmeister Ferencvárosi TC. Das Spiel war mehr spannend als gut, aber auch das macht ja den Fußball aus. Ohne Auswärtstorregel ist das Rückspiel offen.
Auch heimischer Seite supporteten hinter beiden Fankurven um Qarabağ Ordu (2004 gegründet) und die größere İmarət Tayfa (2009 gegründet). Das übrige Stadionpublikum ließ sich von mehrmals durch das Oval gehenden Wellen mitreißen.
Ein historisches Ereignis war das Spiel in der Fanfreundschaft von Ferencváros und Rapid. Aufgrund der schwierigen und kostspieligen Reiseumstände war der Auswärtsblock überwiegend von 60 Leuten aus dem Rapid-Anhang bevölkert, die für das am Folgetag anstehende Rapidspiel angereist waren. Gesungen wurde für Ferencváros, aber natürlich auch für Rapid und die Freundschaft.
Der Qarabağ Futbol Klubu wurde 1951 in der Stadt Ağdam in der Region Karabach unter dem Namen Məhsul gegründet. 1968 stellte man den Spielbetrieb ein. 1977 wurde der Verein unter dem Namen Şəfəq neu gegründet, 1982 wurde daraus Kooperator und 1987 erhielt er den heutigen Namen Qarabağ. Nach der Eroberung der in Aserbaidschan liegenden, armenisch bewohnten Region im Zuge des wiederaufgeflammten Kriegs zwischen Armenien und Aserbaidschan (25.000 bis 50.000 Tote, 1 Million Flüchtlinge 1988 bis 1994) im Jahr 1993, wurde aus der kriegszerstörten Stadt eine Geisterstadt. Die aserbaidschanische Bevölkerung floh und der Verein siedelte sich in Baku neu an. Die andauernden Schusswechsel an der Grenze brachten 1994 bis 2019 etwa 3.000 Tote. Im letzten großen Krieg 2020 gab es 9.000 Tote und 130.000 Flüchtlinge. Seither gibt es wieder die vorherigen Schusswechsel mit 2021 31 Toten. Für internationales Aufsehen samt diplomatischer Entschuldigung des Luxemburger Ministers sorgte 2019 ein Drohnenflug mit armenischer Bergkarabach-Flagge bei einem Europacupspiel in Luxemburg.
Die größten Erfolge des Qarabağ FK sind zwei aserbaidschanische Meistertitel der Regionalmeisterschaft im Rahmen der Sowjetunion 1988 und 1990 sowie neun Meistertitel der eigenen aserbaidschanischen Meisterschaft Premyer Liqası 1993, 2013/14, 2014/15, 2015/16, 2016/17, 2017/18, 2018/19, 2019/20 und 2021/22. Einmal im Rahmen der Sowjetunion (1990) und siebenmal im unabhängigen Land (1993, 2005/06, 2008/09, 2014/15, 2015/16, 2016/17, 2021/22) wurde dazu auch der aserbaidschanische Cup gewonnen. In den letzten Jahren war man auch Gruppenphasen-Stammgast im Europacup. Finanziert wird das ganze seit 2001 vom Landwirtschafts- und Lebensmittel-Konzern Azersun.
Spielort war nicht das nach dem Konzern benannte, 2015 eröffnete Stadion Azərsun-Arena in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku, sondern das alte Nationalstadion. Das Tofiq Bəhramov adına Respublika Stadionu wurde in sowjetischen Zeiten 1951 als Josef-Stalin-Stadion eröffnet, was Ausdruck fand in der architektonischen Form eines freistehenden C abseits der Haupttribüne, nach dem kyrillischen Anfangsbuchstaben den Namens Stalin – Cтaлин. Mit dem Bau war bereits 1939 begonnen worden, nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion 1941 wurden die Arbeiten aber eingestellt und der Bau dann nach Kriegsende von deutschen Kriegsgefangenen fertiggestellt. Nach dem Tod Stalins 1953 und der Entstalinisierung wurde das Stadion 1956 nach dessen Vorgänger als sowjetischen Diktator Vladimir-Lenin-Stadion benannt. Nach dem Zerfall der Sowjetunion und der aserbaidschanischen Unabhängigkeit 1991 wurde das Stadion 1993 nach dessen Tod nach dem von hier stammenden, berühmten sowjetischen Schiedsrichter Tofiq Bəhramov benannt. Bəhramov war beim Wembley-Tor im WM-Finale 1966 Linienrichter gewesen und hatte dem Schiedsrichter signalisiert, das Tor zu geben. Der Stadion-Rekordbesuch stammt von einem Spiel von Neftçi gegen Galatasaray 1960, das hier 50.000 Zuschauerinnen und Zuschauer sahen. 2011 bis 2012 wurde das Stadion komplett renvoviert, mit neuen Sitzplätzen sowie einem Dach versehen, die Flutlichtmasten abgerissen und die Beleuchtung stattdessen am Dach angebracht. Derzeit gibt es hier 31.200 Plätze.
Donnerstag, 3. Oktober 2019
Diddeleng – Qarabağ 1:4 (0:3)
Europa League, Gruppe A, 2. Spieltag, 3.10.2019
Stade Josy Barthel, 3.005
Ein Drohnenflug mit Fahne des armenischen Bergkarabach als nationalistische Provokation für den Qarabağ Futbol Klubu aus Aserbaidschan sorgte für Tumult und Spielunterbrechung während des Europa-League-Spiels in Luxemburg.
Zunächst verlief das Spiel normal, mit Führungstreffer der Gäste nach zehn Minuten und ihrem zweiten Tor später drückten sie ihre Überlegenheit gegen F91 Düdelingen aus, die zuvor überraschend bei APOEL in Nikosia gewonnen hatten. Für Stimmung sorgte der Auswärtsblock mit kurzen Sprechchören. Auf heimischer Seite gab es keinen Support, vereinzelt wurde ein paar Mal von jeweils vielleicht einem halben Dutzend auf Haupttribüne und Gegengerade zu verschiedenen Zeitpunkten „Diddeleng, Diddeleng, Diddeleng ...“ gesungen.
Dann schaltete sich nach einer halben Stunde Fußball der Nationalismus in das Geschehen ein. Bald nach dem zweiten Treffer flog plötzlich eine anscheinend vom Dach des Gebäudes des angrenzenden Tenniclubs gesteuerte Drohne mit einer armenischen Karabach-Fahne über den Spielern herum. Die Fahne löste sofort Unruhe im Auswärtssektor aus, in kürzester Zeit kletterten mehrere Leute auf den Zaun und auch darüber, einzelne liefen auf das Spielfeld in Richtung der Drohne und wurden von Ordnern verfolgt und überwältigt. Das Spiel wurde unterbrochen, eine Traube an Menschen bildete sich vor Auswärtssektor und Kabinenabgang davor, Schiedsrichter und Mannschaften verließen schließlich den Innenraum. Die Drohne flog wieder ab. Das Szenario war offensichtlich eine Kopie einer gleichartigen nationalistischen Provokation bei einem Länderspiel Serbien-Albanien 2014. Der aserbaidschanische Verein ist ein Flüchtlingsverein aus der nunmehrigen Geisterstadt Ağdam. Der 1988 aufgeflammte Bürgerkrieg mit gegenseitigen Massakern an der jeweiligen Zivilbevölkerung um die mehrheitlich armenisch bewohnte, aber innerhalb Aserbaidschans liegende Region Karabach endete 1994 mit der armenischen Eroberung, Besetzung und Vertreibung der aserbaidschanischen Bevölkerung. Der Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan ist seither ein eingefrorener, nicht gelöster Konflikt. Mit einer Stadionlautsprecher-Durchsage während der Spielunterbrechung entschuldigte sich der Luxemburger Sportminister in englischer Sprache bei den Gästen für die politische Provokation und betonte, dass diese nicht von Luxemburg kommt sondern von anderer Seite. Der Gästeanhang skandierte daraufhin „Luxemburg, Luxemburg, Luxemburg“, was von heimischer Seite mit Applaus bedacht wurde.
Schließlich ging das Spiel nach 25 Minuten weite. Bald erfolgte per Elfmeter das 0:3. Mit einem Mann weniger in der letzten halben Stunde wurde es für Düdelingen auch nicht leichter. In Minute 89 gelang aber immerhin noch der Ehrentreffer.
Der F91 Düdelingen (deutscher Name) bzw. luxemburgisch F91 Diddeleng und französisch F91 Dudelange entstand 1991 aus der Fusion von Alliance Dudelange (1916), Stade Dudelange (1908) und US Düdelingen (1912). Die drei Vereine hatten ihre erfolgreichen Zeiten, waren aber Ende der 1980er Jahre zurückgefallen, sodass man sich zum Großverein der Stadt Düdelingen zusammenschloss. Mit schlussendlichem sportlichen Erfolg: In den letzten beiden Jahrzehnten ist man luxemburgischer Serienmeister mit 15 Meistertiteln seit 1999/2000. Zuletzt wurde man 2014/15 einmal nicht Meister.
2005 erreichte Düdelingen als bis dahin größtem Luxemburger Erfolg im Europacup die zweite Qualifikationsrunde der Champions League. Gegen Rapid war hier aber Endstation. Rapid gewann in Düdelingen, wo damals noch gespielt werden konnte, 6:1 und im Hanappi-Stadion nach 0:2-Rückstand noch 3:2. 2018 schaffte es Düdelingen wiederum als erster Luxemburger Verein in die Gruppenphase der Europa League, in der man nun 2019 gleich zum zweiten Mal hintereinander spielt. 2012 hatten die Düdelinger Amateure auch die Salzburger Dosen aus der Qualifikation zur Champions League rausgeworfen.
Das Stade Josy Barthel wurde 1931 als Städtisches Stadion von Luxemburg eröffnet. 1993 wurde es nach dem 1992 verstorbenen Joseph „Josy“ Barthel benannt, der Olympiasieger von 1952 im 1500-Meter-Lauf, Präsident des Luxemburger Olympischen Komitees und Minister gewesen war. Das Stadion wurde 1989 bis 1990 renoviert und bietet als größtes Stadion der Stadt und des Landes Luxemburg 8.054 Plätze. Hier spielt die luxemburgische Nationalmannschaft und als derzeit einzigem europacuptauglichem Stadion alle Luxemburger Vereine in den UEFA-Bewerben. 2012 wurde gegen eine erneute Renovierung des Stadions entschieden und 2017 mit dem Bau des neuen Nationalstadion Luxemburg (luxemburgisch Nationalstadion vu Lëtzebuerg, französisch Stade national du Luxembourg) begonnen, das im Mai 2020 eröffnet werden soll.
Vor dem Spiel wurde die Stadt Luxemburg besichtigt.



































Stade Josy Barthel, 3.005
Ein Drohnenflug mit Fahne des armenischen Bergkarabach als nationalistische Provokation für den Qarabağ Futbol Klubu aus Aserbaidschan sorgte für Tumult und Spielunterbrechung während des Europa-League-Spiels in Luxemburg.
Zunächst verlief das Spiel normal, mit Führungstreffer der Gäste nach zehn Minuten und ihrem zweiten Tor später drückten sie ihre Überlegenheit gegen F91 Düdelingen aus, die zuvor überraschend bei APOEL in Nikosia gewonnen hatten. Für Stimmung sorgte der Auswärtsblock mit kurzen Sprechchören. Auf heimischer Seite gab es keinen Support, vereinzelt wurde ein paar Mal von jeweils vielleicht einem halben Dutzend auf Haupttribüne und Gegengerade zu verschiedenen Zeitpunkten „Diddeleng, Diddeleng, Diddeleng ...“ gesungen.
Dann schaltete sich nach einer halben Stunde Fußball der Nationalismus in das Geschehen ein. Bald nach dem zweiten Treffer flog plötzlich eine anscheinend vom Dach des Gebäudes des angrenzenden Tenniclubs gesteuerte Drohne mit einer armenischen Karabach-Fahne über den Spielern herum. Die Fahne löste sofort Unruhe im Auswärtssektor aus, in kürzester Zeit kletterten mehrere Leute auf den Zaun und auch darüber, einzelne liefen auf das Spielfeld in Richtung der Drohne und wurden von Ordnern verfolgt und überwältigt. Das Spiel wurde unterbrochen, eine Traube an Menschen bildete sich vor Auswärtssektor und Kabinenabgang davor, Schiedsrichter und Mannschaften verließen schließlich den Innenraum. Die Drohne flog wieder ab. Das Szenario war offensichtlich eine Kopie einer gleichartigen nationalistischen Provokation bei einem Länderspiel Serbien-Albanien 2014. Der aserbaidschanische Verein ist ein Flüchtlingsverein aus der nunmehrigen Geisterstadt Ağdam. Der 1988 aufgeflammte Bürgerkrieg mit gegenseitigen Massakern an der jeweiligen Zivilbevölkerung um die mehrheitlich armenisch bewohnte, aber innerhalb Aserbaidschans liegende Region Karabach endete 1994 mit der armenischen Eroberung, Besetzung und Vertreibung der aserbaidschanischen Bevölkerung. Der Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan ist seither ein eingefrorener, nicht gelöster Konflikt. Mit einer Stadionlautsprecher-Durchsage während der Spielunterbrechung entschuldigte sich der Luxemburger Sportminister in englischer Sprache bei den Gästen für die politische Provokation und betonte, dass diese nicht von Luxemburg kommt sondern von anderer Seite. Der Gästeanhang skandierte daraufhin „Luxemburg, Luxemburg, Luxemburg“, was von heimischer Seite mit Applaus bedacht wurde.
Schließlich ging das Spiel nach 25 Minuten weite. Bald erfolgte per Elfmeter das 0:3. Mit einem Mann weniger in der letzten halben Stunde wurde es für Düdelingen auch nicht leichter. In Minute 89 gelang aber immerhin noch der Ehrentreffer.
Der F91 Düdelingen (deutscher Name) bzw. luxemburgisch F91 Diddeleng und französisch F91 Dudelange entstand 1991 aus der Fusion von Alliance Dudelange (1916), Stade Dudelange (1908) und US Düdelingen (1912). Die drei Vereine hatten ihre erfolgreichen Zeiten, waren aber Ende der 1980er Jahre zurückgefallen, sodass man sich zum Großverein der Stadt Düdelingen zusammenschloss. Mit schlussendlichem sportlichen Erfolg: In den letzten beiden Jahrzehnten ist man luxemburgischer Serienmeister mit 15 Meistertiteln seit 1999/2000. Zuletzt wurde man 2014/15 einmal nicht Meister.
2005 erreichte Düdelingen als bis dahin größtem Luxemburger Erfolg im Europacup die zweite Qualifikationsrunde der Champions League. Gegen Rapid war hier aber Endstation. Rapid gewann in Düdelingen, wo damals noch gespielt werden konnte, 6:1 und im Hanappi-Stadion nach 0:2-Rückstand noch 3:2. 2018 schaffte es Düdelingen wiederum als erster Luxemburger Verein in die Gruppenphase der Europa League, in der man nun 2019 gleich zum zweiten Mal hintereinander spielt. 2012 hatten die Düdelinger Amateure auch die Salzburger Dosen aus der Qualifikation zur Champions League rausgeworfen.
Das Stade Josy Barthel wurde 1931 als Städtisches Stadion von Luxemburg eröffnet. 1993 wurde es nach dem 1992 verstorbenen Joseph „Josy“ Barthel benannt, der Olympiasieger von 1952 im 1500-Meter-Lauf, Präsident des Luxemburger Olympischen Komitees und Minister gewesen war. Das Stadion wurde 1989 bis 1990 renoviert und bietet als größtes Stadion der Stadt und des Landes Luxemburg 8.054 Plätze. Hier spielt die luxemburgische Nationalmannschaft und als derzeit einzigem europacuptauglichem Stadion alle Luxemburger Vereine in den UEFA-Bewerben. 2012 wurde gegen eine erneute Renovierung des Stadions entschieden und 2017 mit dem Bau des neuen Nationalstadion Luxemburg (luxemburgisch Nationalstadion vu Lëtzebuerg, französisch Stade national du Luxembourg) begonnen, das im Mai 2020 eröffnet werden soll.
Vor dem Spiel wurde die Stadt Luxemburg besichtigt.



































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