Donnerstag, 2. April 2026
Prato – Seravezza Pozzi 1:0 (0:0)
Italien, Serie D, girone E, 30a giornata, 2.4.2026
Stadio Lungobisenzio, ca. 2.000
Prato gewann im ausverkauften Stadion wichtige Punkte im Aufstiegsrennen. Erst in der Nachspielzeit erzielten sie aber den Siegtreffer. Das Match war zunächst ausgeglichen und Seravezza Pozzi war um nichts schlechter. In der zweiten Hälfte machte Prato mehr Druck, aber es sah bis zum Schluss dennoch nach 0:0 aus. Mit diesem Sieg verkürzte Prato den Abstand zu den in der Tabelle vorher Platzierten – nur vier Punkte auf Platz 2, zwei auf Platz 3 und ein Punkt auf Platz 4 – und ist damit gut dabei für die Play-offs.
„Sei nell'anima. E lì ti lascio per sempre.“ („Du bist in meiner Seele. Und dort lasse ich dich für immer bleiben.“) Eine Zeile aus dem schönen Lied Sei nell'animo von Gianna Nannini aus dem Jahr 2006. Dazu zeigte die Curva Ferrovia Matteo 27, 2014 benannt nach dem verstorbenen Anhänger Matteo Ventisette und ausgesprochen „Curva Ferrovia Matteo Ventisette“), eine prächtige Choreographie mit blauen und weißen Fahnen in den Vereinsfarben, die erst gehalten und dann geschwenkt wurden. Das Gründungsjahr 1908 war links und rechts auf gespannten Bannern zu sehen und in der Mitte auf Doppelhaltern Prato. Laut und leidenschaftlich zeigte man einen die Bedeutung des Spiels widerspiegelnden sehr guten Tifo. Die Geschichte der Ultrasbewegung reicht hier fünf Jahrzehnte zurück zu den Ultras Prato 1974. Seither entstanden und verschwanden im Lauf der Zeit verschiedene Gruppen. Heute wird die Kurve von Wild Kaos (1985) und Ultras Prato 1908 (2009) geprägt. Präsent waren am Abend die Freunde der Boys Casale, deren Fetzen zentral in der Mitte der Kurve hing. Die Freundschaft wurde mit „Prato e Casale!“ besungen. Gemellaggi hat man mit Mantova und Saronno. Amicizia gibt es mit Montecatini (Bilancio Pesante) und Cesena. Der große Rivale ist Pistoiese, aber historisch auch Siena.
Die AC Prato wurde 1908 in der toskanischen Stadt Prato unter dem Namen Società Sportiva Emilio Lunghi gegründet. Emilio Lunghi war ein damals berühmter italienischer Leichtathlet, der bei den Olympischen Spielen von 1908 eine Silbermedaille gewonnen hatte. 1911 wurde daraus der Prato Sport Club und schließlich 1937 AC Prato. 1928/29 spielte Prato in der in zwei Staffeln ausgespielten Divisione Nazionale, die im Jahr darauf von der eingleisigen Serie A als höchste Spielklasse abgelöst wurde. Da man sich dafür nicht qualifizierte, spielte man 1929/30 für eine Saison in der ebenfalls neueingeführten Serie B, stieg aber gleich ab. Weitere Saisonen in der Serie B folgten 1941/42, 1947/48, 1949/50, 1957/58 und 1958/59, 1960/61 und 1961/62 und zuletzt 1963/64. Danach spielte Prato von 1964/65 bis 2017/18 jahrzehntelang drittklassig in der Serie C bzw. dritt- oder vierklassig in der Serie C1 und Serie C2. Seit fast einem Jahrzehnt müht man sich nun seit 2018/19 in der Serie D um die Rückkehr in die Serie C.
Zwei Wiener trainierten in den 1920er Jahren Prato: Maximilian Schiffmann (Ex-Wiener Sport-Club) 1925/26 und wurde dann Karl Stürmer (Ex-Vienna und WAC) 1926 bis 1929.
Das Stadio Lungobisenzio wurde 1941 nach dreijähriger Bauzeit eröffnet. Seinen Namen hat es vom nahen Fluss Biszenio. Mit der Haupttribüne und einer Holztribüne gegenüber gab es hier damals 10.000 Plätze. In den 1960ern wurde die Haupttribüne durch Anbauten vergrößert und die Kapazität auf 15.000 erhöht. In den 1980er Jahren wurden die Holztribünen abgerissen und durch drei neue Tribünen ersetzt, zwei gegenüber der Haupttribüne (eine als Gästesektor) und im Norden die Richtung Eisenbahnstrecke stehende Curva Ferrovia hinterm Tor. 2015 bis 2018 fand ein großer Umbau statt, bei dem die Längsseitentribünen und die Hintertortribünen abgerissen wurden. In Form von Stahlrohrgerüsten wurde eine neue Curva Ferrovia und ein Gästesektor errichtet, sonst blieb die Längsseite leer. Durch Abbau der Laufbahn wurde das Spielfeld um 15 Meter an die Haupttribüne herangerückt. Auf finanziellen Gründen stellte die Stadtgemeinde dem 2018 abgestiegenen und klammen AC Prato das Stadion dann aber nicht mehr zur Verfügung. Der Verein musste jahrelang um die Rückkehr in seine Heimstätte kämpfen, was ihm erst im Jänner 2022 gelang. Währenddessen war die Haupttribüne sanierungsbedürftig geworden, wurde bis September 2022 gesperrt und renoviert. Aktuell wird um eine Kapazitätserhöhung gerungen, für die es jüngst vor dem Derby gegen Siena auch eine Demonstration der Curva Ferrovia Matteo Ventisette mit Kritik an mangelnder Aktivität hierzu gab. Dieses Donnerstagabendspiel gegen Seravezza war drei Stunden nach Vorverkaufsbeginn im Prato-Bereich ausverkauft gewesen. Lediglich im Gästesektor blieb viel frei.
Vor dem Spiel habe ich die Stadt Prato besichtigt.
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