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Freitag, 10. Oktober 2008

Abenteuer Groundhopping kennt keine Grenzen


Rezension


Jörg Heinisch
Abenteuer Groundhopping
...kennt keine Grenzen
Kassel 2008 (Agon Sportverlag)
280 S.





Nach dem vor vier Jahren erschienenen 2. Band der Groundhopping-Bücher von Jörg Heinisch liegt nun bereits das 3. Werk vor. Wieder sammelt Heinisch einige interessante, weil ungewöhnliche Reise- und Hoppingberichte deutscher (Profi-)Groundhopper. Spannendes gibt es von einer Tour durch den Kaukasus und sehr viel über Lateinamerika zu lesen, auch über Afrika, Asien und Ozeanien gibt's was. Neben klassischen, persönlich gehaltenen Matcherlebnisberichten (nett etwa Heinischs Tagebuch zur Filmproduktion Futbol fanatico über Argentinien) stehen dem Titel Abenteuer entsprechende Texte über das Reisen zwischen den Matches an sich im Zentrum des Buchs.

Am schönsten sind dann aber doch Erlebnisse aus den Stadien dieser Welt, wie Maximilian Laackmans Notiz über ein Match der 1. Liga von El Salvador zwischen Club Deportivo Águila und CD Once Municipal im Estadio Juan Francisco Barraza in San Miguel, am 12. August 2006:
"Der monsunartige Regen setzte binnen Sekunden alles unter Wasser und war dermaßen heftig, dass es schwierig war, von der einen Seite des Stadions auf die andere zu sehen, weshalb das Spiel dann auch unterbrochen wurde. Kurz darauf folgte ein weiterer Blitz mit zeitgleich markerschütterndem Donner. Es war stockdunkel im Stadion und der näheren Umgebung. Stromausfall! Nicht auch das noch. Kann so was nicht wenigstens bis zur zweiten Halbzeit warten? Die Fans auf der unüberdachten Tribüne feierten jetzt so richtig, riefen die ganze Zeit zum Weiterspielen auf - sehen konnte man diese nicht. Es war wirklich so dunkel, dass man seine eigene Hand nicht vor Augen sehen konnte. Nur die ständigen Blitze des Unwetters erleuchteten das Stadion und die Menge in Sekundenbruchteilen. Laut FIFA-Regel muss der Schiedsrichter in solch einem Fall mindestens 30 Minuten warten. Sollte nach dieser Zeit immer noch kein Weiterspielen möglich sein, kann er das Spiel im eigenen Ermessen abbrechen. So wurde also eine halbe Stunde lang gebangt und gezittert, während die Fans im Stadion die Zeit damit überbrückten, das davonziehende Unwetter zu supporten. So wurde das bekannte "Oooooooo" angestimmt und bei jedem neuen Blitz gab's die Welle und Applaus."
Großartig! Wie's weitergegangen ist? Fortsetzung folgt nicht. ;-)

Neben zusammengetragenen und selbsterlebten Tourberichten bietet Heinisch auch Einiges an Stoff über das Selbstverständnis (deutscher) Groundhopper. Er stützt sich dabei auf eine Fragebogenerhebung mit gutem Sample (unter Leuten, die Groundhopping ernsthaft betreiben, also nicht so spaßeshalber hie und da wie ich). Eine seriöse Vorgangsweise, die höchst lobenswert ist, da sie das Buch damit stark aufwertet. Herausragend auch das Kapitel über das Leiden der Freundinnen von Groundhoppern, die beständig Grounds und Länderpunkte im Kopf haben und dazu fast jedes Wochenende in der Weltgeschichte unterwegs sind. - "Zur Geburt war ich zwar pünktlich, da mein Sohn erst nach dem Testspiel bei der SG Lenne-Wangelnstedt zur Welt kam, aber bei ein paar anderen Terminen (Taufe, Einschulung und so ein Quatsch) musste ich passen..."

Sonntag, 15. April 2007

Das Abenteuer Groundhopping geht weiter


Rezension

Jörg Heinisch, Das Abenteuer Groundhopping geht weiter. Band 2 zu Stadien sammelnden Fußballfans. Kassel 2004 (Agon Sportverlag)
224 S., kart., 8°, schöne Schwarz-Weiß-Photographien





Das 2004 erschiene Buch (2000 hat es bereits einen Vorgänger gegeben) versammelt verschiedene Hopping-Berichte, von Italien über eine Zugreise durch Zentralasien bis zur WM Japan/Korea, sowie einige Texte über grundsätzliche Fragen des Groundhopping. Grundlage ist hierbei der Ansatz der V.d.G.D., also auch mit einer kritischen Sichtweise des Hopping-"Booms". Positiv ist aber, daß keineswegs auf "Mode-Hopper" mit weniger als 30 Länderpunkten und 150 Spielen im Jahr hinabgeblickt wird, sondern die Gründe einer kritischen Sichtweise durch "Elite-Hopper" sachlich beschrieben werden. Für den Mini-Hopper, der ohne große Amibition gerne Grounds auf Auswärtsfahrten "mitnimmt" oder kleine Touren zur Abwechslung unternimmt, ein nettes Eintauchen in die Welt der "Profis".


Die von verschiedenen Autoren stammenden Beiträge sind durchaus unterschiedlicher Qualität - teilweise mühsam langatmig und umständlich geschrieben, teilweise dann aber doch ziemlich interessant und den Reiz des ganzen anschaulich vermittelnd. Als Adorant der fast immer gut geschriebenen Groundhopping-Rubriken von "Ballesterer" und "11 Freunde" wird aber deutlich, daß verknappte Darstellung doch sehr stark zur Qualität des Berichts beiträgt. Dennoch ist das Buch eine interessante Lektüre und empfehlenswert.


P.S.: Aber wirklich gar nichts anfangen kann ich mit rechten Sprüchen wie zur ethnischen Herkunft von Nationalteamspielern (S.190).