Samstag, 28. Februar 2026

Varteks – Uskok 1:3 (0:1)

Kroatien, 2. NL, 17. kolo, 28.2.2026
Stadion Sloboda, 350

Gute Stimmung herrschte beim Fanverein Varteks Varaždin trotz Niederlage. In der Begegnung zweier Aufsteiger in die landesweite drittklassige Liga (auch wenn sie Druga nogometna liga, also wortwörtlich Zweite Fußballiga heißt) gingen die Gäste bereits nach drei Minuten in Führung und machten es Varteks dadurch schwer. Die Sonne schien und es gab frühlingshafte äußere Bedingungen, das Spielfeld war aber noch winterlich tief und sichtlich schwierig zu bespielen. Nachdem der NK Uskok aus einem Freistoß in der zweiten Hälfte auf 0:2 ausgebaut hatte, konnte Varteks aber den Anschlusstreffer aus einem Corner erzielen. Doch den Schlusspunkt zu ihrem letztlich verdienten Sieg kam erneut von den Gästen aus dem dalmatinischen Klis, benannt nach den Uskoken des 16./17.Jh., aus vor den Osmanen aus der Herzegovina an die dalmatinische Küste Geflohenen gebildete Freischärler-Truppen, die in den Kriegen zwischen Habsburgerreich, Venedig und Osmanischem Reich in jener Zeit zu Wasser und am Land auf eigene Rechnung einmal gegen diese und einmal gegen jene und teilweise gegen alle kämpften, und in Klis eine Burg hatten.
Die Varteks-Mannschaft unter Trainer Dražen Besek, der als Spieler österreichischer Meister 1996/97 mit Austria Salzburg gewesen war, hatte allerdings sichtlich engagiert gespielt und bekam so auch nach Schlusspfiff dennoch Applaus von den Rängen.
Die White Stones Varaždin wurden 1990 gegründet. „Der Legende nach waren entlang der zum Stadion verlaufenden Bahnstrecke weiße Steine angeordnet und die Gründungsmitglieder zudem fasziniert von der Musik der Rolling Stones. Andere haben schlichtweg einen Aufkleber mit dem Namen in Verdacht, den eines Tages einer der Fans in der Vereinskneipe verklebt hatte.“ berichtet das informative Buch Navijači über die Fanszenen Ex-Jugoslawiens (polnisch 2021, deutsche Übersetzung 2023) über sie. Der schwarz gekleidete Mob supportete stimmgewaltig von Anfang bis zum Ende mit kurzen Chants wie „White Stones!“ oder „Varteks Varaždin!“, aber auch längeren, trommelbegleiteten Gesängen und einigen Malen Pyro.
Der NK Varteks wurde 2011 auf Initiative der Fanszene der White Stones in Fortsetzung der Varteks-Fußballtradition neu gegründet, da sie sich nach Identitätsverlust und Umbenennung des Erstligisten von diesem abwandten. Der alte NK Varteks war 1931 als Slavija Varaždin gegründet worden. Gründer war Ernst Stiassny, aus Prag stammender Eigentümer des 1918 als Aktiengesellschaft tschechischer Industrieller und kroatischer Händler gebildeten Textilunternehmens Tivar (Tekstilna industrija Varaždin), der Anhänger von Slavia Prag war und daher den Namen wählte. Von Beginn an war der Sportverein eng mit der Textilfabrik verbunden. Nach Auflösung im faschistischen Ustaša-Kroatien 1941 wurde der Verein im kommunistischen Jugoslawien 1945 als Tekstilac als Textilindustrie-Sportverein wiedergegründet. 1958 wurde der Name mit dem Firmennamen in Varteks geändert, wobei Var für Varteks und Teks für Textil stand. Das Unternehmen Varteks wurde der größte Bekleidungshersteller Jugoslawiens, prägte Arbeit und Leben in der Stadt und war damit mehr als nur ein Sponsor des Sportvereins. Die größten Erfolge im jugoslawischen Fußball waren die Erstliga-Saison von Slavija 1938/39 und die Teilnahme an jugoslawischen Cupfinale 1960/61, das Varteks gegen Vardar Skopje verlor. Zumeist spielte man zwei- oder drittklassig. Mit der Unabhängigkeit 1991 wurde Varteks kroatischer Erstligist, erreichte mehrmals das kroatische Cupfinale und spielte im Europacup. Rapid spielte im Juni 1999 in einem Sommertestspiel in Ritzing gegen Varteks und gewann dies vor 800 Zuschauerinnen und Zuschauern 1:0.
Wendepunkt der Vereinsgeschichte war der Autounfall-Tod des Anđelko Herjavec im Jahr 2001, der seit 1994 Generaldirektor der Firma Varteks und seit 1998 Vereinspräsident des NK Varteks Varaždin gewesen war. Seine Nachfolger häuften schnell einen großen Schuldenberg an und sahen die Zukunft in der Lösung von Varteks. Zur Attraktivität für neue Sponsoren strich der Verein 2010 den Traditionsnamen Varteks aus dem Vereinsnamen. Bereits nach den ersten Ankündigungen hatte 2009 eine Fan-Initiative Varteks Nedamo („Wir geben Varteks nicht her“) dagegen protestiert. Schon 2012 wurde der nun als NK Varaždin Varaždin (sic!) angetretende Verein aufgrund Überschuldung von 40 Mio. Kuna (6 Mio. €) und Zahlungsunfähigkeit während der laufenden Saison 2011/12 vom kroatischen Fußballverband suspendiert. Während der Anhang 2011 den neuen NK Varteks gegründet hatte, gründete die alte Vereinsführung ihr eigenes Projekt, das heute in der ersten Liga spielt.
Varteks baut derzeit etwas außerhalb seine eigene Heimstätte mit dem Stadion Hrašćica aus, wohin man nächste Saison umziehen will. Hier im Leichtathletikstadion Sloboda ist man nur vorübergehend zu den Spielen zu Gast, trainiert auch nicht hier. Das Sportski centar Sloboda wurde in den Jahren 1986 und 1987 für die Junioren-Europameisterschaften der Leichtathletik 1989 in Varaždin anstelle des alten Sloboda-Sportplatzes als Leichtathletikstadion mit überdachter Tribüne erbaut. Als Kapazität genannt werden 5.000 Plätze. Bei der letzten Tribünenrenovierung 2019 hat man die alten Sitzplätze durch 2.815 neue Sitze getauscht. Heimverein ist hier der NK Sloboda Varaždin, der 1931 als Arbeitersportverein Radnički športski klub Sloboda gegründet worden war. Sloboda heißt „Freiheit“. Nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Jugoslawien wurde der Verein 1941 im Ustaša-Staat ebenfalls aufgelöst. Im kommunistischen Jugoslawien entstand Sloboda wieder und wurde zum städtischen Verein, während Tekstila bzw. später Varteks der Arbeiter-Werksverein war. Die Fußballsektion spielte in den regionalen Ligen mit der besten Zeit in den 1970er und 1980er Jahren. Mit der kroatischen Unabhängigkeit 1991 änderte der NK Sloboda seinen Namen in NK Varaždin, kehrte aber 1999 wieder zum Namen Sloboda zurück. 2002 fusionierten der NK Sloboda und der NK Kučan '99 zu einem neuen Verein namens NK Sloboda-Derma. Seit August 2005 trägt NK Sloboda wieder seinen heutigen Namen und spielt derzeit in der achtklassigen 2. ŽNL Varaždin.
Vor dem Spiel habe ich die Stadt Varaždin besichtigt.

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