Sonntag, 8. Februar 2026

Biellese – Varese 0:0

Italien, Serie D, girone A, 23a giornata, 8.2.2026
Stadio La Marmora – Pozzo, 1.500

Ein 0:0 der chancenarmen Sorte am Spielfeld in einem spannenden Match auf den Rängen. Die Biellese spielt diese Saison nach Verwerfungen, Pleiten und Neugründungen erstmals seit 2008/09 wieder in der Serie D. Im big match, wie man hier sagt, empfing man vor hier selten großer Kulisse Varese. Beide Mannschaften wagten nur vorsichtige Angriffe. Mit nur je einer Torchance von beiden Seiten ging das Spiel auch in dieser Wertung in den 90 Minuten unentschieden aus. Erst in der Nachspielzeit hatte die Biellese dann noch zwei weitere Chancen.
Heim- und Auswärtssektor auf der Längsseite hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon sichtlich gelichtet, da es hinter der Tribüne rund um ein Verbindungstor heiß her ging. Mit Tatütata fuhr dann auch ein Bus der Celere in den Schlussminuten noch ins Stadion ein und brachte Verstärkung der Einsatzkräfte.
Die Heimfankurve mit den 1973 gegründeten Ultras Biella sowie Gioventù Biellese und Pounders hatte einige Male einige gute Lautstärke und einen vollen Sektor, aber auch einiges an Luft nach oben und Leerläufe. Der Gästemob aus Varese wartete zunächst zusammen und betrat dann gemeinsam skandierend und schimpfend („Vaffanculo tutto lo stadio!“) die Tribüne und postierte sich am Rand des langgezogenen Sektors am Trennzaun zum Pufferblock und damit in der geringstmöglichen Distanz zum Heimsektor. Eine beachtliche bauliche Anordnung. Beide tauschten Unfreundlichkeiten aus und auch der eine oder andere Böller detoniert recht lautstark. Dann sangen und supporteten sie neben sich her, bis am Schluss das Finale hinter der Tribüne anstand.
Die Biellese führt als Gründungsjahr 1902, als der seit 1899 bestehende Turnverein Società Ginnastica Pietro Micca eine Fußballsektion einrichtete (1910 wieder aufgelöst) und im selben Jahr auch der Circolo Culturale Excelsior gegründet wurde und der Sport Club Veloces entstand, der 1906 mit dem Fußball begann. 1902 oder 1903 (unklar) wurde auch der Mehrspartensportverein Unione Sportiva Biellese gegründet, der zwar zunächst keinen Fußball betrieb, aber 1919 mit Veloces fusionierte und damit eine Fußballabteilung erhielt. 1902 ist somit das Jahr, das in der Vereinstradition als Beginn gilt, 1919 begann man aber erst als Biellese Fußball zu spielen und begann auch im Meisterschaftsspielbetrieb. 1930 benannte sich der Verein AS Biellese um. Ab 1935/36 spielte man bis zur kriegsbedingten Einstellung des Spielbetriebs in der Serie C. Nach der Befreiung nahm man 1945/46 an der Übergangsmeisterschaft der Serie B-C Alta Italia teil und spielte dann 1946/47 im Girone A der damals dreiteiligen Serie B. Danach spielte die Biellese noch 1947/48 bis 1951/52, 1956/57 bis 1969/70, 1976/77 und 1977/78 in der Serie C, 1978/79 und 1979/80 in der Serie C1 sowie 1980/81 bis 1983/84 und 1997/98 bis 2006/07 in der Serie C2. 1993 war dabei ein Bruch. Nach drei aufeinanderfolgenden Abstiegen 1990/91 aus dem (der Serie D entsprechenden) fünftklassigen Campionato Interregionale bis zum Abstieg 1992/93 aus der siebtklassigen Promozione Piemonte-Valle d'Aosta, trat der Verein in der achtklassigen Prima Categoria nicht an, sondern löste sich 1993 auf. Stattdessen verlegte der frisch in die damals sechstklassige Eccellenza aufgestiegene FC Vigliano aus dem Nachbarort Vigliano Biellese seinen Vereinssitz nach Biella und trat hier 1993/94 als Federazione Calcistica Viglianese Biellese-Vigliano an. Nach dem Aufstieg in die Serie C wurde daraus 1997 der Biellese FC. 2001 benannte man sich in AS Biellese 1902 um. 2007 stieg der Verein zwar in die Serie D ab, schaffte 2008/09 über den Titelgewinn des Girone A der Serie D und das Erreichen des Semifinales des landesweiten Poule Scudetto der regionalen Meister der Serie D aber den Wiederaufstiegsplatz in die Serie C2. Allerdings verzichtete man darauf aus finanziellen Gründen und zog sich sogar eine Spielklasse weiter hinunter in die Eccellenza zurück. Nach der Saison dort 2009/10 löste sich der Verein auf. Bereits 2009 hatte sich mit der ASD Junior Biellese 2009 ein Klub gegründet, der 2009/10 gleichzeitig in der untersten Spielklasse, der Terza categoria spielte. Nach der Auflösung der Biellese 1902 fusionierte Junior Biellese mit der in der Promozione spielenden ASD Libertas Biella Cossato und trat 2010/11 dort als ASD Junior Biellese Libertas an. Man stieg gleich in die Eccellenza auf, änderte 2016 den Namen in ASD La Biellese und 2021 in ASD Biellese 1902 und erreichte mit dem Meistertitel im Girone A der Eccellenza Piemonte-Valle d'Aosta 2024/25 die Rückkehr in die Serie D.
In den 1920er Jahren kamen drei österreichische Spieler aus Wien nach Biella. Rudolf Soutschek kam 1924 vom Wiener Sport-Club, spielte aber nur wenige Matches für die Biellese. Er ließ sich allerdings dauerhaft in Italien nieder und begann eine bis in die 1950er Jahre währende Trainerkarriere, mit den Höhepunkten als Trainer von Triestina, Alessandria, Novara und Fiorentina jeweils in der Serie A. Josef Liebhart kam 1924 vom SC Wacker nach Biella, spielte hier bis 1927 und trainierte die Biellese 1928/29, als sie im Girone B der erstklassigen Divisione Nazionale spielte. Ebenfalls von Wacker kam 1925 Ferdinand Schachinger und spielte hier 1925/26 und 1926/27 für die Biellese.
Das Stadio La Marmora – Pozzo wurde 1936 eröffnet und Campo Polisportivo Alessandro La Marmora nach Alessandro La Marmora benannt, einem aus dem Piemont stammenden General, der für das Königreich Sardinien-Piemont an vielen Kriegen teilnahm. Er betrieb die Aufstellung der Jägertruppe der nach seinem Konzept 1836 gegründete Bersaglieri. Er starb wie zehntausende andere Soldaten im Krimkrieg gegen Russland 1855 an der Cholera-Epidemie. 1911 wurden seine Überreste von der Krim überführt und in der Familiengruft in Biella bestattet. Mit Fußball und Sport hatte er nichts zu tun. 2008 erfolgte eine Benennung des Stadions mit einem zweiten Namen, dem Turiner Vittorio Pozzo, als Stadio Vittorio Pozzo. Berühmt ist er als Trainer der italienischen Nationalmannschaft 1929 bis 1948, mit der er 1934 und 1938 Weltmeister wurde. Am Haupteingang ist ein großes schon etwas verblasstes Schwarz-Weiß-Foto von ihm angebracht. Das Stadion ist als Leichtathletikstadion in Betrieb. Die Tribünen bieten 5.827 Plätze, zur Verfügung stehen davon rund 2.000 Plätze. 2023 und 2024 wurde renoviert und dabei u.a. neue Sitze in den Vereinsfarben schwarz und weiß installiert. Die Seitenteile der Haupttribüne sind noch nicht renoviert, sollen aber beizeiten folgen. Der Turiner Großklub Juventus betreibt das ihnen von der Stadt Biella vertraglich übergebene Stadion, lässt in der auf modernen Stand hergerichteten Spielstätte seit 2023/24 seine Frauen ihre Heimstätte haben und hat in der Saison 2024/25 auch seine Zweitvertretung in der Serie C hier spielen lassen, die zuvor 2018/19 bis 2023/24 im Stadio Giuseppe Moccagatta von Alessandria gespielt hatte und seit 2025/26 nunmehr dort auch wieder spielt. Erst im März 2025 konnte die Biellese nach Vereinbarung mit Stadionbetreiber Juventus von der kleinen Spielstätte Campo Sportivo Corso 53° Fanteria auf der anderen Straßenseite wieder in ihr Stadion zurückkehren. Die Spiele der Juventus-Frauen in der Serie A hier bringen für die Biellese nun mitunter Spielverschiebungen, da dann das Stadion für sie nicht zur Verfügung steht.
Vor dem Spiel habe ich die Stadt Biella besichtigt.

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