Mittwoch, 11. Februar 2026

Čelik Zenica – Sarajevo 0:1 (0:0)

Bosnien und Herzegovina, Kup BiH, osmina finala, 11.2.2026
Stadion Bilino Polje, 12.000

Ausverkauftes Stadion, zwei motivierte Kurven und ein spannendes Match im bosnischen Cup-Achtelfinale. Eine große Rivalität verbindet die beiden Traditionsvereine, die einander aufgrund der sportlichen Auseinanderentwicklung lange nicht mehr begegnet waren. Entsprechend prickelte die Stimmung. Der Erstligaverein FK Sarajevo hatte zwar etwas mehr Ballbesitz, aber cupspieltypisch verteidigte sich der Zweitligist Čelik gut und konterte. Die Entscheidung brachte ein Hands-Elfmeter eine Viertelstunde vor Schluss.
Die 1988 gegründeten Robijaši haben einen markanten Namen, der auf deutsch „Sträflinge“ heißt, da Zenica neben dem Stahlwerk auch für das größte Gefängnis des Landes bekannt ist. So nutzen sie auch die englische Übersetzung Convicts. Erhöht im Sektor hing ein Banner United Convicts, wobei in den Buchstaben die einzelnen Teilgruppen standen und somit zusammen die Gemeinsamkeit ergaben. Ordentlich Feuerwerk wurde in den Himmel geschossen. und reichlich Pyro untermalte ihren lautstarken Support. Sie gehören wirklich zur Top-Liga des Landes. Auch auf den übervollen Längsseiten, auf denen es freie Plätze oder freie Stiegenaufgänge nicht gab und bis auf den VIP-Bereich auf der Haupttribüne praktisch alle Leute durchgehend standen, wurde gezündet. Seit 2018 besteht die Freundschaft zur Fanszene des GAK, die an diesem Abend im Block auch gut vertreten waren. Exakt auf den Tag genau vor drei Jahren war das fünfjährige Freundschaftsjubiläum groß in Gratkorn zelebriert worden. Der GAK-Besuchsfetzen hing auch neben dem Vorsängerpodest. Dort war der Fetzen mit violettem Auto angebracht, der an den 2017 an Krebs verstorbenen Mirsad Mujkanović, genannt „Mirso Fiesta“, erinnert. Er war berühmt dafür, mit dem abgebildeten Ford Fiesta zu jedem Čelik-Spiel zu fahren. Sarajevo wurde von alle drei Tribünen beschimpft und ein Spruchband in der Kurve richtete sich an das Gegenüber der Horde Zla: „Sad zna horda š koje je ljubav boje!“ („Nun weiß die Horde, welche Farbe die Liebe hat!“), wobei das Rufzeichen in den rot-schwarzen Vereinsfarben von Čelik gehalten war. Koje je ljubav boje ist aus ihrer Vereinshymne, womit das Stehen zum eigenen Verein betont wurde.
Nach spätem Eintröpfeln in den Gästesektor, wie es aufgrund der Verhältnisse hierzulande nicht selten ist, begann die Horde Zla („Horden des Bösen“) des FK Sarajevo erst nach rund 25 Minuten mit ihrem Support, als alle herinnen waren. Sobald sie noch etwas lauter wurden, bekamen sie ein Pfeifkonzert von den Längsseiten links und rechts. Aufgehängt hatten sie wie üblich den Gedenkbanner für Vedran Puljić, der 2009 vor dem Auswärtsspiel im herzegovinischen Široki Brijeg von einem Polizisten erschossen worden war. Flugeigenschaften von Leuchtstiften und Fackeln wurden aus dem Gästeblock demonstriert.
Der NK Čelik Zenica wurde 1945 gegründet. Schon der Name Čelik zeigt die Verbindung zur Stahlstadtidentität von Zenica. Im Zuge einer Neuorganisation angesichts mangelnder sportlicher Erfolge benannte man sich 1953 in FK Zenica um. Zweimal verpasste man den Aufstieg in die erste jugoslawische Liga und fusionierte 1959 mit dem Lokalrivalen, dem Eisenbahnerverein FK Željezničar Zenica zu Radnički Zenica. Groß änderte sich aber nichts und so benannte sich der FK Radnički in FK Čelik um. 1966/67 spielte man endlich ind er ersten jugoslawischen Liga. Čelik stieg zwar zunächt gleich wieder ab, kehrte aber zurück und spielte 1969/70 bis 1979/80 ein Jahrzehnt in der ersten Liga. 1983/84 und 1985/86 bis 1988/89 war Čelik erneut in der ersten jugoslawischen Liga, wobei die letzte Saison von einem Punkteabzug von sechs Punkten nach einem Bestechungsskandal 1987/88 belastet war. Nah dem Krieg gab es zunächst keine gemeinsame Liga in Bosnien und Herzegovina, mit ihrer Einführung 2000/01 war Čelik aber als Gründungsmitglied dabei und spielte zwei Jahrzehnte bis 2019/20. Die finanzielle Pleite brachte dann einen Rückzug in die Viertklassigkeit. Seit 2023/24 spielt der Verein wieder zweitklassig. Außergewöhnlich ist die Struktur des Vereins nach dem Finanzkrach, da man seither ein Mitgliederverein ist und nicht wie sonst in der Region üblich vom Wohl und Wehe einzelner Eigentümer abhängig ist.
Internationale Höhepunkte in jugoslawischer Zeit waren die Teilnahmen am außerhalb der UEFA ausgetragenen und von Vereinen der zweiten und dritten Reihe ausgespielten Mitropacup, der nichts mehr vom Glanz des Namens in der Zwischenkriegszeit hatte, aber eine europäische Plattform bot. 1970/71 erreichte Čelik mit Siegen über Catania in der ersten Runde, Diósgyőri VTK im darauffolgenden Viertelfinale und Semifinalgegner MTK Budapest das Finale gegen Austria Salzburg. Da das Hinspiel des Finales in Salzburg in einem Gewitter in Minute 57 abgebrochen werden musste, fand statt Neuaustragung des Hinspiels und anschließendem Rückspiel ein einzelnes Finalspiel im italienischen Gorizia statt, in dem Čelik die Salzburger vor 2.500 Zuschauerinnen und Zuschauern 3:1 besiegte und Mitropacupsieger wurde. Als Titelverteidiger gewann Čelik Zenica 1971/72 gleich nocheinmal den Bewerb.
Das Stadion Bilino Polje wurde 1972 eröffnet und ersetzte das vorherige Stadion Blatuša, das danach aber noch zeitweise weiter genutzt wurde. Die Stadioneröffnung kam rechtzeitig zum Finale des Mitropacups, den Titelverteidiger Čelik Zenica hier nach 0:0 im Hinspiel mit 1:0-Rückspielsieg gegen die Fiorentina vor 35.000 Zuschauerinnen und Zuschauern gewann. Das ist bis heute der Rekordbesuch im Stadion. Derzeit gibt es hier im 2009 renovierten Stadion nur mehr eine Kapazität von 13.812 Sitzplätzen. Es ist jedenfalls optisch ein Fußballstadion mit eigenem Charakter. Samt Farbgebung in den rot-schwarzen Vereinsfarben. Seit ihrer Premiere gegen Albanien hier im Jahr 1996 spielte die Nationalmannschaft Bosniens und Herzegovinas die meisten ihrer Heim-Länderspiele hier in den letzten Jahren. Auch Cupfinali wurden hier ausgetragen.
Vor dem Spiel habe ich die Stadt Zenica besichtigt.

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