Mittwoch, 18. Februar 2026
Pistoiese – Ancona 2:0 (1:0)
Italien, Coppa Italia Serie D, Finale, Andata, 18.2.2026
Stadio Marcello Melani, 3.500
Hinspiel im Finale der Coppa Italia Serie D zwischen zwei Vereinen mit Vergangenheit in der Serie A, wenngleich sie beiderseits schon etwas her ist. Bei Ancona datiert sie aus den Saisonen 1992/93 und 2003/04 sowie bei Pistoiese aus der Saison 1980/81. Beide haben auch mehrere Pleiten und Neugründungen hinter sich. Mit einem Kopfballtor in der ersten Hälfte und einem Elfmeter am Schluss gewann Pistoiese mit Trainer Cristiano Lucarelli das Hinspiel verdient und geht somit mit Vorsprung in das Rückspiel in Ancona. Das Match an sich war eher mäßig und nicht groß unterhaltsam, allerdings auch durch das im Regen entsprechend beeinträchtigte Spielfeld geprägt. Emotional wurde es mit Rudelbildungen und roter Karte am Ende.
Umso interessanter war das Geschehen in den Kurven. Zu Spielbeginn hielten beide gleich formulierte Spruchbänder hoch: „Serie minori calcio popolare / mala l€ga pensa solo ad incassare“ („Fußball des Volks in den unteren Ligen, aber die Liga denkt nur ans Geldverdienen“) und kritisierten den Ligaverband. Im Vorfeld hatte dieser auch nicht mit Kompetenz geglänzt. Eigentlich war das Finale zu Saisonbeginn mit Hin-und Rückspiel an 25. Februar und 4. März im Spielplan festgehalten worden. Ein Monat nach den Semifinalbegegnungen am 7. Jänner entschloss sich der Verband aber am 10. Februar zu einem Einzelspiel, das am 7. März in Gubbio stattfinden sollte. Allerdings meldete sich danach gleich die zuständige Polizeibehörde von Perugia und lehnte eine Austragung dort mit den zwei Fan-Lagern aus Sicherheitsgründen ab. Somit wurde die Änderung vom Verband am 11. Februar wieder zurückgenommen und stattdessen das Finale wieder mit Hin- und Rückspiel diesmal für 18. Februar und Rückspiel am 7. März festgelegt.
Die Curva Nord von Pistoiese um die Hauptgruppe MilleNovecentoVentuno (MNV), was 1921 auf italienisch heißt, bot mit stark besuchter Tribüne und ihren guten Rahmenbedingungen mit Überdachung einen guten Tifo. In den 1970er Jahren gab es hier mit den Ultras Pistoia die erste Gruppe, gefolgt von den Brigate Arancioni (1982 bis 1999) und dem Club 82 (1975 bis 2003). 1999 entstanden aus den Brigate Arancioni einerseits neue Ultras Pistoia in der Curva Nord und andererseits die 1982, die sich aber zunächst auf die Längsseite stellten und erst sieben Jahre später in die Kurve zurückkehrten. 2024 lösten sie sich auf. Andere Gruppen entstanden und hörten wieder auf. Im Gemellaggio ist Pistoia mit VeneziaMestre (seit 1996) und Vis Pesaro verbunden. Beide hingen auch über dem Fetzen der MNV und wurden besungen. Aus Venedig hing die Banda Spericolata, welche die Freundschaft derzeit trägt. Mit Ancona vaffanculo beschimpft wurde das Gegenüber.
Die Curva Nord Ancona hatte es im Regen am Stahlrohr schwerer, machte ihre Sache aber gut. Trotz der Bedingungen wurden die Fahnen unablässig geschwenkt, wobei das bei Plastikfahnen im Regen auch besser geht als wenn es Stofffahnen gewesen wären. Vertreten war bei Ancona Napoli (gemellaggio seit 1984) mit großer Schwenkfahne der Curva A, und auch Genoa (seit 1988).
Der Pistoiese FC wurde 1921 als US Pistoiese gegründet. Mit dem Fußball begann man hierin 1922, als die Spieler des 1911 gegründeten ersten Fußballvereins der Stadt FBC Pistoia in den Verein eintraten und eine Fußballsektion bildeten. 1928/29 spielte man im Girone B der Divisione Nazionale in der letzten Saison dieser zweiteiligen ersten Liga vor der Einführung der Serie A, erreichte für die Folgesaison aber nur einen Platz in der Serie B. Darin spielte die Pistoiese 1928/20 bis 1935/36. Geprägt waren die 1920er und 1930er Jahre von ungarischen Trainern. 1921 bis 1937 trainierten die Pistoiese mit Unterbrechungen und Wiederbestellungen Dezső Kőszegi, Géra Ederly, György Kőszegi, Emerich Hermann, Árpád Hajós, János Nehadoma, Pál Szalay, István Mészáros und József Zilisy. 1938 wurde der Verein aufgelöst und die AC Pistoia trat die Nachfolge an. Nach der kriegsbedingten Einstellung des Spielbetriebs im Zweiten Weltkrieg stellte man nach der Befreiung 1945 die alte US Pistoiese wieder her, die 1946/47 und 1947/48 wieder zwei Saisonen in der Serie B spielte. Danach ging es hinunter. 1975 stieg man aus der Serie D wieder in die Serie C auf, 1977 weiter in die Serie B und erreichte mit dem zweiten Platz der Serie B 1979/80 den größten Erfolg der Vereinsgeschichte: Eine Saison in der Serie A 1980/81. Am Ende reichten 16 Punkte in 30 Runden nicht für den Klassenerhalt und man stieg direkt wieder ab. Legendär war aber der Auswärtsderbysieg gegen die Fiorentina in der Serie A. Aus der Serie B ging es 1984 wieder runter in die Serie C1 und dann 1985 gleich nocheinmal in die Serie C2. 1988 ging der Verein darin pleite und wurde aufgelöst. Eine neugegründete AC Nuova Pistoiese begann 1988/89 im fünftklassigen Campionato Interregionale (entsprach der Serie D). 1990 wurde der Name in AC Pistoiese geändert. 1991/92 war man wieder in der Serie C2, 1993/94 wieder in der Serie C1 und 1995/96 für eine Saison wieder in der Serie B. 1999/2000 bis 2001/02 spielte die Pistoiese zuletzt in der Serie B. Nach dem Abstieg aus der Lega Pro Prima Divisione (entsprach der Serie C1) 2008/09 ging der Verein pleite und wurde aufgelöst. Eine neugegründete US Pistoiese 1921 begann in der sechstklassigen Eccellenza Toscana 2009/10 neu, stieg auf und spielte ab 2014/15 wieder in der drittklassigen Lega Pro bzw. ab 2017/18 wieder rückbenannten Serie C. 2021/22 erfolgte der Abstieg daraus in die Serie D, in welcher die Pistoiese seit 2022/23 spielt. 2024 ging der Verein dabei pleite und wurde aufgelöst. Ein neugegründeter Pistoia FC kaufte die Spielberechtigung der AC Aglianese, erwarb vom Konkursgericht auch die Vereinstitel der US Pistoiese und benannte sich Pistoiese Football Club.
Die markante Vereinsfarbe orange (arancione) soll in den 1920er Jahren von den Niederlanden inspiriert gewesen sein, da es in Pistoia seinerzeit starke Tätigkeit im Blumenhandel gab. Das verschaffte der Pistoiese den Spitznamen Olandesina („Holländer“). Kombiniert wird das Orange im Lauf der Jahre später vor allem mit einem kräftigen Blau.
Das <>Stadio Marcello Melani wurde 1966 eröffnet. Zunächst hieß es Stadio comunale, wurde 2006 aber nach dem 2002 verstorbenen Pistoiese-Präsidenten des erfolgreichen Jahrzehnts 1974 bis 1984 a Marcello Melani benannt. Während es anfangs nur die beiden Längsseitentribünen gab, wurde zum unter seiner Präsidentschaft erreichten Aufstieg in die Serie A 1980 die Hintertortribüne der Curva Nord gebaut. Die als Gästesektor dienenden Stahlrohrtribünen hat man 1999 aufgestellt. 13.195 Plätze gäbe es hier an voller Kapazität, für den Spielbetrieb zugelassen sind aber nur rund 3.000.
Vor dem Spiel habe ich die Stadt Pistoia besichtigt.
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