Samstag, 22. November 2008

Fußball wie noch nie - George Best


Rezension

Fußball wie noch nie - George Best
BRD 1970
Regie: Hellmuth Costard
u.a. mit: George Best
DVD: 11 Freunde Edition Nr.7






Der deutsche Experimentalfilmer Hellmuth Costard verwirklichte 1970 eine Idee, die ihm viel Unverständnis einbrachte, wie der Begleittext berichtet. Erst in jüngerer Zeit wurde der Film "wiederentdeckt", nicht zuletzt durch die Wiederaufnahme des Motivs mit einem Film über Zidane.

Nicht das Spiel, nicht die Mannschaft - und damit eigentlich auch: nicht der Fußball - stehen im Fokus, sondern das Agieren einer Einzelperson. Des britischen Fußball- und Lebenskünstlers der späten 1960er Jahre, George Best. Costard richtet die Kamera (es sind acht Kameras) auf ihn, während des Spiels von Manchester United gegen Coventry City am 12.9.1970.

Im Unterschied zur "Coverversion", dem angesprochenen Zidane-Film, macht es vom subjektiven Standpunkt hier mehr aus, daß man Bests Agieren im Spielgeschehen bestenfalls hie und da erahnen kann, da ich ihn weder live noch im Fernsehen spielen gesehen habe. Man sieht einen Fußballer, dessen Ballkontakte oft von einem "Ahh" des Publikums begleitet sind, der ein anderes Tempo geht, als man das heute gewohnt ist, gezielt doch zu Sprints startet, der dann aber auch wieder nur dahintrabt oder mit in die Hüften gestützten Armen dasteht. In wenigen Szenen wie seinem schönen 1:0 kann man sein Können sehen, den Pass auf Bobby Charlton (dank seiner Frisur unverkennbar) zum 2:0 kann man nicht sehen, aber erspüren - das Filmerlebnis ist so trotz gleichem Konzept ein anderes. Da mir die fußballerische Landkarte fehlt, auf der ich Best verorten kann, bin ich auf etwas zurückgeworfen, das womöglich dem eigentlichen Sinn des Films am nächsten kommt: Ich sehe, 90 Minuten lang in Echtzeit (mit Ausnahme einer kurzer Halbzeitpause, in der Bests Gesicht Sergio-Leone-artig im Großformat zu sehen ist), einem Menschen zu. "Costard war interessiert an Gesellschaftskritik. Er wollte zeigen, dass Fußballstars keine Götter sind, sondern normale Menschen. Das merkt man aber erst, wenn man sie in Ruhe ansehen und beobachten kann." erzählt der Produzent Werner Grassmann im Booklet.

P.S.: Kamera/Mikrophon sind offenbar nah an den Auswärtsfans positioniert, denn Coventry-Gesänge hört man öfter und lauter als United.

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