Mittwoch, 19. November 2008

Ballesterer 37



Rezension


Ballesterer fm
Nr. 37, November 2008
66 S.






Das Foul. Der Arzt Wolfgang Pennwieser schreibt in seiner Titelgeschichte (eine schöne Melange aus Literatur-, Fußball- und Foulgeschichte) über die Veränderung des Foulverhaltens mit dem Wechsel der taktischen Systeme, vom 3-5-2 zum 4-4-2 und damit von der Mann- zur Raumdeckung:
"So macht es einen Unterschied, ob der Verteidiger seinem Gegenspieler über den gesamten Platz hinterherläuft, oder ob er den Angreifer in seinem Raum stellt. Manndeckung bedingt ein Attackieren und folglich auch ein Foulen des Gegners von der Seite oder von hinten. Bei der Raumdeckung treffen die Gegenspieler hingegen frontal aufeinander. Auswirkungen hat dies auch auf die Art der Verletzungen: Kopfweh, Kreubandrisse, Nasenreiberl und Sprunggelenksverletzungen sind typische Blessuren der Raumdeckung. Weitgehend vorbei ist die Zeit der Paarläufe und der Unterschenkelbrüche durch laterales Einsteigen."

Dazu gibt es ein Interview mit Robert Pecl - zu Recht, er ist ja wohl die Koryphäe zum Thema. Eine Legende. Wie er 1995 den Pokal in der Hand gehabt hat, war schon sehr emotional. Aber zurück zum Thema: Sehr interessant ist noch ein Artikel über die "Hardmen" des österreichischen Fußballs: vom ersten Spiel, das 1897 nach dem Schlüsselbeinbruch eines Vienna-Spielers abgebrochen wurde bis zu "Mad Dog" Pogatetz. Ziemlich unsympathisch Andoni Goikoextea, der die Schuhe, mit denen er Maradona 1983 den Knöchel zertrümmert hat, in einer Glasvitrine in seinem Wohnzimmer aufbewahrt.

Eigentliches Highlight der Ausgabe sind aber die historischen Artikel: Über Pepi Bican, Legende von Rapid sowie Slavia Prag aus den 1930er und 1940er Jahren, zu dessen 95. Geburtstag eine tschechisch-österreichische Delegation sein Grab besuchte (darunter u.a. Radek Bejbl). Über Wacker Wien und dessen Legende "Turl" Wagner. Über das legendär harte Spiel von Simmering in den 1950ern.

Martin Schreiner teilt mein Urteil über John Foots Buch über die Geschichte des italienischen Fußballs und rezensiert es sehr positiv. Er hat sich die unter dem Titel Winning at All Costs. A Scandalous History of Italian Soccer erschienene amerikanische Ausgabe vorgenommen und kritisiert, daß dieser "fälschlicherweise eine rein skandalbezogene Aufarbeitung der Geschichte des Calcio" insinuiere. Stimmt, aber der Titel der englischen Originalausgabe, Calcio. A History of Italian Football, tut dies nicht.

Sonst gibt's noch Interessantes über Feyenoord und Panathinaikos. Ich kann mich an die monatliche Lieferung gewöhnen.

Keine Kommentare:

Kommentar posten