Donnerstag, 19. Juli 2018

Geza!



Rezension


Thomas Gallos
Geza!
Die Geschichte der stillen Fußballlegende Geza Gallos.
Munderfing 2017 (Verlag Innsalz)
192 S.







Den Lebensweg des 2013 verstorbenen Ex-Rapidlers Geza Gallos zeichnet dieses Buch nach. Thomas Gallos berichtet anhand familiärer Quellen und Erzählungen von Weggefährten und Mannschaftskollegen vom Aufwachsen des 1948 als Arbeiterkind in der Werkskolonie im damaligen Fabriksort Neufeld an der Leitha geborenen Burgenländers, dem Fußballspielen beim ASV Neufeld, den Bundesliga-Stationen beim SC Eisenstadt 1968 bis 1969, der Rapid 1969 bis 1973 und 1977 bis 1979, dem LASK (1973 bis 1977, er wurde von Rapid für Gustl Starek eingetauscht), Admira Wacker 1979 bis 1982 und Neusiedl 1982, seine letzten Spieljahre zurück in Neufeld und seine anschließenden Trainerjahre als Unterhaustrainer im burgenländischen Amateurfußball. Allein die Länge der Bundesligakarriere von 1968 bis 1982 zeigt seine fußballerische Klasse. In seiner gesamten aktiven Zeit bei Rapid bestritt der offensive Mittelfeldspieler Geza Gallos 170 Spiele in der Meisterschaft (45 Tore), 26 Cupspiele (12 Tore) und 16 Europacupspiele (zwei Tore).

„Geza fuhr täglich mit dem Auto, einem Ford Taunus, nach Wien in Richtung Hütteldorf. Robert Körner und auch Gerd Springer waren harte und faire Trainer und behandelten die Spieler immer gut. Eine Trainingswoche bei Rapid Wien bestand darin, dass fast täglich trainiert wurde. Ausnahme war der Sonntag. Der Trainingstag begann um 9 Uhr 30 und dauerte bis ca. 11 Uhr 30. Nachmittags wurde wieder trainiert. [...] Geza und Stefan [Luzsicza] fuhren dann natürlich gemeinsam zum Training nach Wien. Da es vormittags und auch am nachmittag Trainingseinheiten gab, lohnte sich eine Heimfahrt nach Neufeld natürlich nicht. Stefan und Geza und auch andere Spieler verbrachten daher die trainingsfreie Zeit in Wien. Sie hatten sich Campingbetten mitgenommen und rasteten auf der Pfarrwiese oder spielten Karten, bevor das Training am Nachmittag weiterging.“ erfährt man etwa vom nüchternen Fußballeralltag bei Rapid Anfang der 70er Jahre.

Persönliche Details stehen im Buch im Vordergrund: „Bei Rapid standen Flugreisen zu internationalen Auswärtsspielen auf der Tagesordnung. Das Fliegen war aber nicht unbedingt Gezas Sache. Er litt unter Flugangst, rollte mit den Augen und verzog den Mund. Aber als er dann sein Cola zu trinken bekam, war es mit der Flugangst wieder vorbei. Geza hatte ein Lieblingsgetränk, und das war ein gutes kaltes Cola. Seine Mannschaftskollegen wunderten sich oft, wie viel Cola ein Mensch trinken konnte.“

Sein Privatleben wird ebenso erzählt wie sein berufliches Leben nach dem Fußball. Ein trauriges Kapitel ist die Schilderung seiner Erkrankung und seines frühen Sterbens mit erst 65 Jahren im Jahr 2013. Neben dem Haupttext gibt es zehn Seiten Vorworte, zwanzig Seiten Erinnerungstexte von Weggefährten und ein 22-seitiges Making-of des Autors zur Entstehung des Buchs. Sehr schön ist die große Anzahl an Fotos.

Dienstag, 17. Juli 2018

When Saturday Comes, 377



Rezension


When Saturday Comes
The Half Decent Football Magazine
Issue 377, July/August 2018
48 S.








“As with most things in Northern Ireland, football tends to be viewed through the prism of religion – with almost all senior clubs there considered to be either catholic or protestant.” berichtet ein Artikel über den Konflikt um das Abspielen der britischen Hymne vor dem nordirischen Cupfinale, bei dem sich mit Coleraine aus einer protestantisch-unionistischen Stadt und Cliftonville aus einer katholisch-irischen Stadt zwei Repräsentanten der Konfliktparteien gegenüberstanden. “Since the Troubles ended, Northern Irish society has slowly strived for greater balance between the British and Irish identities of its population, but football has proven to be broadly immune to such change. While the provinces’ population is split 50-50 between its two main religions, senior football remains dominated by clubs from a primarily protestant background. Of the 36 teams that comprise the top three divisions in Northern Irish football, only five could be considered catholic. That has given football in the province a rather unionist outlook”. scheibt Steve Bradley. Cliftonville verlangte auf das Abspielen der als den Gegner unterstützendes, provokatives britisch-unionistisches Nationalsymbol gesehenen Hymne zu verzichten, wie schon einmal vom Fußballverband gewährt, was aber diesmal abgelehnt wurde. Die Mannschaft protestierte bei God save the Queen mit gesenkten Köpfen. Fußball verbindet, aber Religion und Nationalismus entzweien und zerstören, was nur geht.

Weiters im Heft u.a.: Der Niedergang der britischen Matchprogramm-Kultur und ein Blick auf die ungarische NBI-Saison 2005/06.