Montag, 18. Januar 2021

Manni 6



Rezension


Manni
Dat Fanzine vonne Borussia
Ausgabe 6 (Oktober 2020)
72 S.










In Corona-Zeiten werden wir alle dicker, so auch der Manni. „Wie ihr sicherlich bemerkt habt, hat diese Geburtstags-Ausgabe ordentlich zugelegt. Passt sich vom Umfang somit der Redaktion bestens an.“

In Rückblicken in die Vergangenheit kann man hier Berichte über das Erleben des Saisonfinales 1994/95 lesen, als der BVB zum ersten Mal seit 32 Jahren wieder deutscher Meister wurde. Entscheidend war dabei auch das Ergebnis eines Parallelspiels, das im Westfalenstadion zeitgemäß anders verfolgt wurde als dies heute geschehen würde. „Aber was war in München los? Smartphones gab es damals noch nicht, aber Radios sorgten dafür, dass wir alle über die Ereignisse an der Isar informiert waren.“
Höhepunkt in den Rückblicken auf vergangene Spiele ist ein im Stil des damaligen Hooligan-Hefts Fan Treff gestalteter Bericht vom Europacupspiel beim Chemnitzer FC am Abend des 2. Oktober 1990, also Stunden vor der deutschen Wiedervereinigung mit 3. Oktober 0:00 Uhr („Überall Raketen und Böller. Die Leute feierten da einfach das Ende der DDR, die Wiedervereinigung. Niemand wartete auf uns. Nichts.“). Über das historische Ereignis des letzten deutsch-deutschen internationalen Spiel vor dreißig Jahren war unlängst auch in 11 Freunde ein Artikel zu lesen.
Weitere stimmungsvoll geschriebene Rückblicke gibt es im Heft über die DFB-Pokal-Erstrundenniederlage in Wattenscheid 1996 („als der Pokal noch Pokal war...“) und über das Ausscheiden im UI-Cup bei Sigma Olomouc 2005, wo recht alkohollastige Fahrten geschildert werden – samt Worst Case bei einer Nachtzugreise: Schienenersatzverkehr. „Es hätte alles so schön sein können, aber auf einmal wurde man unsanft von einem Kontrolleur geweckt. Wir völlig zerstört, kein Wort verstanden, dennoch dämmerte uns, dass wir den Zug verlassen müssen, da ,Strecke kaputt – Bus‘. Für mich der personifizierte Albtraum. (...) Ich habe mich echt zusammengerissen, aber irgendwann gewannen die ganzen beschissenen Serpentinen. Ich wühlte aus meinem Rucksack eine Tüte, um das Unausweichliche zu erledigen. Hui, was waren die Mitinsassen begeistert, aber hey, nicht mein Problem, wenn die mich in einen Bus stecken.“

Stichwort International: In der Reihe über Gesänge wird die Genese verschiedener Dortmunder Varianten des Europapokal-Lieds nachgezeichnet. Im Groundhopping-Teil gibt es einen Bericht über eine Afrika-Tour zum Jahreswechsel 2019/2020. In den Buchrezensionen wird Stadionrebellen von Pierluigi Spagnolo empfohlen, das BVB-Buch in der Fußballfibel-Reihe hingegen nicht. Positiv hervorzuheben ist auch der umfangreiche Fanzine-Rezensionsteil im Heft.

Weiters finden sich hier Texte über den Umgang mit Geisterspielen, die Fanbeauftragten des Vereins oder eine „Schmierenkomödie“ von Polizei und Vereinen in Nordrhein-Westfalen, die zielsicher Fußballgewalt als öffentlichkeitswirksames Top-Thema angegangen sind. Mit einem Bundesligaspiel und einem Amateure-Spiel gibt es immerhin auch zwei aktuelle Spielberichte im Heft. Am ersten Bundesliga-Spieltag am 19. September waren 9.300 Zuschauerinnen und Zuschauer beim Spiel von Borussia Dortmund gegen Borussia Mönchengladbach dabei – im Heft wird über den Ablauf berichtet. „Der heutige Besuch hat jedenfalls gezeigt, dass Fußball im Stadion unter den gegebenen Auflagen funktionieren kann. Mein Fußball ist es jedoch nicht ...“

Freitag, 15. Januar 2021

Rapid – Admira Wacker 3:1 (2:1)

Testspiel, 15.1.2021
Happel-Stadion Rapid-Trainingsplatz, unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Zum Abschluss der Wintervorbereitungsspiele traf Rapid auf den letzten Pflichtspielgegner. Auf Admira Wacker werden wir nach menschlichem Ermessen nach Punktestreichung und Auseinanderreißen der Tabelle im Play-off wohl nicht mehr wieder treffen. Aber Annahmen sind wie Seepocken, wie wir seit einer Woche wissen. Nach Rückstand drehte Rapid jedenfalls die Partie recht schnell und gewann verdient. Fountas hatte einen unrühmlichen Abgang mit roter Karte.
Im Ernst-Happel-Stadion nebenan steht Interessierten seit 2015 ein „Besucher-Corner“ offen, um einen Blick in das Stadioninnere werfen zu können. Die denglische Wortbildung ist zwar einerseits irreführend, da es ein Gang und keine Ecke ist, andererseits sieht man hinter der Eckfahne hinein. Für Groundspotting ist das ein zuvorkommender Service der Stadt Wien für Stadiontouristinnen und Stadiontouristen.