Donnerstag, 25. April 2019

Ballesterer 141




Rezension


Ballesterer
Nr. 141, Mai 2019
84 S.









„Die wilden 90er Jahre“ rückt der Ballesterer ins Zentrum seiner neuen Ausgabe. „Ein Verein nach dem anderen träumte groß und stürzte umso tiefer hinab.“ Es waren turbulenten Zeiten im österreichischen Fußball, denen Moritz Ablinger nachspürte. „Mit den neuen Gönnern und Präsidenten hielt auch ein neuer Geist Einzug: Marketing war das Gebot der Stunde.“ Alles, was zu Geld zu machen war, wurde zu Geld gemacht und dieses manchmal glücklich und manchmal unglücklich investiert. Ablinger beschäftigt sich im Text mit den plötzlich als mediale Lichtgestalten auftauchenden Präsidenten und Managern. Als Geschäftsmodell war der Steuerbetrug verbreitet. „Sie zahlen ihre Spieler schwarz. ‚Das war damals fast überall so‘, sagt Gewerkschafter Novotny. ‚Beim GAK hat es geheißen, dass sie 90 Prozent ihrer Gehälter schwarz zahlen. Das haben sie dann im Lauf der Zeit auf die Hälfte reduziert und waren irrsinnig stolz.‘“ Kalter Schauer läuft mir immer noch über den Rücken, wenn ich an die drohende Vereinsauflösung infolge der Pleite des Anfang jenes Jahrzehnts groß inszenierten Börsegangs Rapids 1991 denke. Die Blase zum Platzen brachte damals die Verhaftung des Bankers Michael Margules in den USA. Hier im Heft spricht er erstmals seit Jahrzehnten über seine Sicht der Dinge. Ein Interview gibt es auch mit dem von Selbstzweifeln noch nie angekränkelten Hannes Kartnig.

Der bei Rapid mit Anlauf an sich selbst als Trainer gescheiterte Damir Canadi spricht im Interview über seine Monate bei Rapid und seine Erfolge bei Atromitos in Athen. Mit Josef Hickersberger erzählt ein weiterer ehemaliger Rapid-Trainer aus seinem Leben, der im Unterscheid zum Erstgenannten nicht mit der Peitsche sondern mit kluger Menschenführung agierte und daher auch etwas gewann. Weiters finden sich im Heft Reportagen und Berichte aus Spanien, der Ukraine, Deutschland und Italien.

Mit dem 27. Beitrag meiner Amateurfußballreihe über Schwechat in diesem Heft habe ich „Nebenschauplätze“ aus allen neun Landesverbänden je dreimal vorgestellt. Mit dem nächsten Heft wird dann also sozusagen die vierte Staffel der Serie beginnen.

Dienstag, 23. April 2019

Hartberg – Rapid 2:4 (1:1)

Bundesliga, Unteres Play-off, 5. Runde, 23.4.2019
Stadion Hartberg, 3.919

Im oststeirischen Regen standen in einer schlechten ersten Halbzeit die beiden Goalies im Mittelpunkt. Beide Tore aus Eigenfehlern. Die zweite Hälfte war dann deutlich besser anzuschauen. Eigentlich war das sogar sehr gut anzuschauen. Mit Toren durch Murg gleich nach Wiederbeginn sowie später noch Bolingoli per Kopf und mit glanzvollem Heber Pavlović gewann Rapid aufgrund dieser Halbzeit doch noch souverän. Die Niederlage im Herbst hier war ein Knackpunkt für den Weg ins Untere Play-off. Jetzt heißt es: Der SK Rapid im Abstiegsplayoff – doch wir holen den Pokal.