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Sonntag, 12. Oktober 2025

Sambenedettese – Ravenna 0:1 (0:1)

Italien, Serie C, Girone B, 9a giornata, 12.10.2025
Stadio Riviera delle Palme, 8.389

Viel Emotion in der Sonntagabend-Begegnung zweier Aufsteiger. In der Länderspielpause gehört der Hauptabend-Fernsehtermin der Serie C. Rudelbildungen am Platz, viele VAR-Kontrollen heiß umstrittener Foul-Entscheidungen des Schiedsrichters am Spielfeldrand-Bildschirm, nicht gegebener Elfmeter, nicht anerkanntes Samb-Tor in Minute 96 der Nachspielspiel, rote Karte für den Trainer der Sambenedettese, begleitet von aufgebrachten „Buffone!“-Sprechchören zur Beschimpfung des Referees von den Längsseitentribünen. Ravenna, die ich 2018 im Heimspiel auch gegen Sambenedettese gesehen hatte, ging nach zwanzig Minuten in Führung und hielt den Vorsprung bis zum Schluss. Der vermeintliche Nachspielzeit-Ausgleichstreffer ließ die ohnehin schon emotionale Stimmung nochmal explodieren.
„Vi vogliamo così“ lobte die Curva Nord Massimo Cioffi von Sambenedettese trotz der Niederlage nach Schlusspfiff die kämpferische Leistung ihrer Mannschaft. Vor Spielbeginn zeigte sie ein Spruchband im Gedenken an Verstorbene. Sehr gute Gesänge erschallten. „Alè forza Samba alè, lotta per la maglia, vinci per gli ultras. Ultras!“ und ein langhaltendes „Segna per noi, vogliamo vincere“ prägten sich ein.
Einiges hat sich seit meinem Spielbesuch hier vor neun Jahren im Tempio del Tifo getan. Der Verein ging 2021 und 2023 zwei weitere Male pleite und wurde zweimal neu gegründet. Das Stadio Riviera delle Palme war 2016 noch viel grauer. 2019 wurden neue Sitzplätze in den rot-blauen Vereinsfarben installiert. Auch die Curva Nord bot in den letzten Jahren ein unterschiedliches Bild. Ein großer Einschnitt waren die repressiven Folgen der Ausschreitungen in Vicenza 2017, bei denen die Polizei Luca Fanesi schwer verletzte – und trotz Protesten straflos davonkam – und von denen her immer noch bis 2026 laufende Stadionverbote bestehen. Mittig hingen Bandaraia (mit der Schickeria München) und H769 sowie an einem etwas mehr seitlichen Standort Futili Motivi (mit Roma-Gastfetzen) und Piazza S.F.N. Benannt ist die Kurve nach dem Cioffi genannten Massimo Bruni. Am 4. Mai 2003 war er während eines Spiels vom oberen Rang hinuntergestürzt und nach 568 Tagen schweren Leidens am 22. November 2004 verstorben.
Die „Tutto lo stadio“-Aufforderung aus der Heimkurve beantworteten die Gäste mit herzhaften „Vaffanculo tutto lo stadio!“ oder funkten den sich wiederholenden „Samba!“-Rufen mit „Merda!“-Chören dazwischen. Die gegenseitige Abneigung wurde beiderseits deutlich gezeigt und brachte Würze hinein. Eine gute Anzahl von 497 Leuten bevölkerte die Auswärtsseite, mit ordentlichem Ultrasmob in der Mitte und Freunden aus Bologna. Mit einem Spruchband richteten sie Solidarität den von Repression unterworfenen Ultras der AS Roma aus.
Die Saison 2025/26 ist für die Sambenedettese nicht nur besonders, weil man nach zuletzt 2020/21 wieder in der Serie C spielt, sondern auch weil es nach deren Abstieg aus der Serie B 2024 erstmals seit 1986/87 und damit nach vier Jahrzehnten (!) wieder das große Derby gegen Ascoli geben wird. Das sogar gleich dreimal, da man auch in der Coppa Italia Serie C gegeneinander gelost worden ist. So findet nach der ersten Meisterschaftsbegegnung am 26. Oktober in Ascoli hier in San Benedetto del Tronto gleich drei Tage darauf am 29. Oktober das Cupspiel statt, bevor dann im März die Meisterschafts-Rückrunde ansteht. Keine Termine, an denen ich Zeit haben werde. Ob es wieder neun Jahre werden, bis ich erneut in das sehenswerte und stimmungsvolle Stadio Riviera delle Palme komme, wird man sehen.

Montag, 18. Januar 2016

Sambenedettese - Campobasso 2:1 (1:0)

Italien, Serie D, Girone F, 20a giornata, 17.1.2016
Stadio Riviera delle Palme, 3.500

Die diese Saison dominierenden und die Tabelle überlegen anführende Samba hatte gegen Campobasso kein leichtes Spiel. Sambenedettese war zwar stärker, doch der zwischenzeitliche Ausgleich der Gäste war nicht unverdient. Ein Elfmeter brachte dann Führung und den Sieg. Die letzten fünf Minuten der regulären Spielzeit plus sechs Minuten Nachspielzeit war Sambenedettese nur mehr zu zehnt.
„Tradizione è custodia del fuoco, non adorazione della cenere“ („Tradition ist das Hüten des Feuers, nicht das Anbeten der Asche“) war in der Kurve zu Spielbeginn am Spruchband unter der großen Blockfahne der Ultras Samb zu lesen. Sie zeigten dann auch Feuer im Support in ihrem Tifo-Tempel, wie die Aufschrift „Tempio del tifo“ außen verkündet. Dass dies ein Viertligaspiel war, merkte man nur beim Blick auf das Spielfeld. Die Ultras Campobasso war ebenfalls in ordentlicher Anzahl erschienen und präsentierten sich gut.
Die SS Sambenedettese Calcio wurde 1923 al Unione Sportiva Sambenedettese aus einer Fusion der drei Mannschaften Fortitudo (1907), Serenissima und Forza e Coraggio in San Benedetto del Tronto (Sambenedèttë im lokalen Dialekt) gegründet. Die Farben waren zunächst grün-weiß, seit 1928 trägt man rot-blau. Die besten Jahre der SS Sambenedettese (Name seit 1941) waren die Saisonen in der Serie B von 1956 bis 1963 und 1974 bis 1989. 1994 ging man pleite und musste unten in der Eccellenza neu beginnen, schaffte es aber bis 2002 zurück in der Serie C. Eine neue Pleite folgte 2006, man durfte aber in der Liga bleiben. 2009 krachte man sowohl sportlich (Abstiegsplatz) als auch finanziell (Lizenzentzug) und musste wieder hinunter in die Eccellenza, aus der man es 2010 zumindest zurück in die Serie D schaffte.
Das Stadio Riviera delle Palme wurde infolge der Stadionkatastrophe im alten Stadio Fratelli Ballarin als Neubau 1985 eröffnet. Eine Gedenktafel erinnert an die Toten des Brands im Ballarin. Die höchste Zahl an Zuschauerinnen und Zuschauern erlebte das Stadion Riviera delle Palme 1997 bei einem mit mit 25.000 Leuten ausverkauften Freundschaftsspiel zwischen Juventus und Bayern München. Auf der Haupttribüne gibt es heute in den offenen Bereichen Plastiksitze, ansonsten sind die Plätze hier italienischer Standard der 80er Jahre: Betonstufen mit Platznummern. Daher stehen auch auf der Längsseite Wellenbrecher. Die genehmigte Kapazität wurde später aus Sicherheitsgründen auf zuletzt 7.494 Plätze reduziert. 2010 wurde das Stadion renoviert, vollständig überdacht und verfügt seither über 13.500 Plätze.
Zum Spielbesuch wurde auch die Stadt San Benedetto del Tronto besichtigt.