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Samstag, 7. Oktober 2023

St. Gallen – Stade Lausanne-Ouchy 4:0 (2:0)

Schweiz, Super League, 10. Runde, 7.10.2023
Stadion St. Gallen, 16.591

„Hopp Sangallä!“ begrüßte der Espenbock die Mannschaft zum Aufwärmen. Sie setzte die Aufforderung um und gewann das siebte Heimspiel in Serie souverän gegen den FC Stade Lausanne-Ouchy.
Zu Beginn waren alle Augen auf den Espenblock gerichtet, wo es die Choreographie zur Feier des 15-jährigen Jubiläums der 2008 gegründeten Compadres zu sehen gab. „11 Compadres müsst ihr sein“ stand sinnigerweise ein bekanntes deutsches Fußball-Diktum paraphrasierend zu lesen, was angesichts des Gruppennamens Compadres (Freunde) sehr gut passte. Ein für die Compadres typischer Mann mit Hut, der einen Compadres-Schal hielt, war im Zentrum einer Überrollfahne. Unter dem Tribünendach waren hochgezogenen Bilder zu sehen. Schließlich folgte nach Anpfiff noch schöne Pyro. Die bis in Spielminute vier gehaltene Choreographie erhielt bei ihrem Ende Applaus von den übrigen Tribünen.
„Nur der FCSG“ stand schließlich bis Spielende vorne zu lesen, wo sonst der gemeinsame große Espenblock Sankt Gallen-Fetzen für die Gesamtheit der Fanszene steht. Bei Auswärtsspielen sind die Fetzen von Jokers und Green Power sowie Saint Brothers, Compadres, Bangor Maniacs, Flash, Green Fires, Cruisers oder Sonderklasse St. Gallen zu sehen.
Wie in der sprachgewandten Schweiz üblich, sagte der Stadionsprecher seine Durchsagen zweisprachig auch in der Sprache der Gäste durch. Für etwaige Gästefans hätte er an diesem Abend allerdings nicht in die französische Sprache wechseln müssen, da den kleinen Lausanner Stadtteilverein mangels Anhang niemand begleitete und der Auswärtssektor leer blieb.
Die Stadt St. Gallen ist das städtische Zentrum der Ostschweiz und erreicht so trotz einer Stadtbevölkerung von nur 77.000 relativ hohe Stadionbesuchszahlen. Der FC St. Gallen wurde 1879 gegründet und ist damit der älteste noch bestehende Fussballverein der Schweiz und auf dem europäischen Festland. Man hatte zwar schon seit 1876 organisiert Fußball gespielt, die Gründung als offizieller Verein erfolgte aber erst 1879. 1898 wurde daraus nach Fusion mit dem FC Phönix St. Gallen der bis 1903 Vereinigte FC St. Gallen, danach kehrte man wieder zum vorherigen Namen zurück. 1968/69 gewann man den Schweizer Cup und fünf weitere Male erreichte man das Cupfinale (zuletzt 2020/21 und 2021/22). Schweizer Meister war der FC St. Gallen zweimal, 1903/04 und 1999/2000.
Rapid traf 1980 im Intertoto-Cup auf den FC St. Gallen, gewann auswärts in St. Gallen vor 2.700 Zuschauerinnen und Zuschauern 2:1 und in Hütteldorf 3:2.
Das Stadion St. Gallen wurde zusammen mit einem Einkaufszentrum im westlichen Stadtteil Winkeln errichtet und 2008 als Neubau eröffnet. Es bietet 19.568 Plätze (17.317 Sitzplätze in UEFA-Bewerben). Der Neubau löste das charakteristische Stadion Espenmoos ab.

Samstag, 8. Oktober 2022

Stade Lausanne-Ouchy – Lausanne-Sport 2:1 (1:1)

Schweiz, Challenge League, 10ème journée, 8.10.2022
Stade Olympique de la Pontaise, 4.450

Erstmals kehrte Lausanne-Sport als Gastverein in die jahrzehntelange ehemalige Heimstätte zurück. Nach dem Abstieg trifft man in der zweiten Liga auf Stade Lausanne-Ouchy, allgemein kurz SLO genannt, die im vom FC Lausanne-Sport von 1954 bis 2020 genutzten Stadion nunmehr spielen. Das erste Meisterschaftsderby hatte 0:0 geendet und auch diesmal sah es nach einem Remis aus, nachdem LS eine SLO-Führung ausgeglichen hatte. Mit einem späten Tor zu Spielende gewann allerdings Stade Lausanne-Ouchy das Derby, womit Lausanne-Sport (mit dem vorherigen Altach-Trainer Ludovic Magnin) nicht die Tabellenführung übernehmen konnte.
Der Kop Sud Lausanne marschierte im Cortège von ihrem jetzigen neuen Stadion zum ehemaligen Heimstadion. Die Fanszene hatte den Anhang vorab aufgefordert, sich Karten für die Haupttribüne und nicht den Gästesektor zu kaufen – „parce que nous ne serons jamais visiteuers à la Pontaise, le Kop Sud a décidé de suivre le match en tribune nord du Stade Olympique“ („weil wir niemals Gäste auf der Pontaise sein werden, hat der Kop Sud beschlossen das Spiel auf der Nordtribüne des Stade Olympique zu verfolgen“). Das hatte sogar Diskussionen über ein Geisterspiel zur Folge, was glücklicherweise nicht umgesetzt wurde. So postierte sich der Auswärtsanhang um die heuer zehn Jahre alt werdenden Loz Boys und Tricards südostseitig unter dem Dach der Tribune Nord. Zu Spielbeginn war eine Schalparade zu sehen und ein guter Support zu hören, mit französischem Text zu italienischen Melodien. Einen Wechselgesang mit dem Rest des LS-Anhangs auf der Tribüne gab es auch.
Am anderen Ende der Tribüne hatte der SLO-Anhang mit „Ici c'est Lausanne“ („das ist Lausanne“) mit dem von PSG entlehnten Spruch eine starke Ansage. Mit Trommel, Fahne und zweimal rotem Rauch wurde auch hier supportet.
Der FC Stade Lausanne-Ouchy wurde im Jahr 2000 aus der Fusion des FC Stade Lausanne und des FC Ouchy gebildet. Stade Lausanne war seinerseits 1901 als FC Signal Lausanne gegründet worden und 1926 nach Fusion mit Cercle des Sports (1907) zu Stade Lausanne geworden. Der FC Ouchy ging auf den 1895 bis 1916 bestehenden FC La Villa Ouchy zurück, der 1897 Gründungsmitglied des Schweizerischen Fussballverbandes war und in der ersten Meisterschaftsaison 1897/98 in der Serie A, der damals höchsten Spielklasse, gespielt hatte. 1918 wurde der Nachfolgeverein FC Ouchy Olympic gegründet, der später zum FC Ouchy wurde. Der neue Fusionsverein hat eine erfolgreiche junge Vergangenheit. 2017 gelang nach zwei vergeblichen Anläufen im Play-off der Aufstieg in die drittklassige Promotion League und 2019 der Aufstieg in die zweitklassige Challenge League, in der man seit 2019/20 spielt. Der Aufstieg in den Profifußball brachte das Verlassen der Heimstätte Centre sportif de Vidy im Lausanner Stadtteil Ouchy mit sich. Zunächst musste man in Colovray spielen. Nach dem Freiwerden des Stade Olympique de la Pontaise durch den Auszug von Lausanne-Sport konnte man aber hier einziehen.
Das Stade Olympique de la Pontaise wurde 1954 als Austragungsort der WM 1954 eröffnet. Es war ein Neubau an der Stelle eines Vorgängerstadions aus dem Jahr 1904. Bei der WM 1954 fanden hier fünf Spiele statt, darunter das torreichste Spiel der WM-Geschichte und eines der berühmtesten der österreichischen Nationalmannschafts-Geschichte – die „Hitzeschlacht von Lausanne“ gegen WM-Gastgeber Schweiz (7:5).
Olympische Spiele fanden hier nie statt, Olympiastadion wurde das Stadion dennoch aufgrund des Sitz des Internationalen Olympische Komittees (IOC) in Lausanne benannt. Seit 1986 findet hier die jährliche Leichtathletik-Großveranstaltung Athletissima statt. Der FC Lausanne-Sport spielte hier bis zur Eröffnung seines neuen reinen Fußballstadions Stade de la Tuilière im Herbst 2020. Der ursprüngliche Plan sah danach einen Abriss des Stade Olympique de la Pontaise und Verbauung des Geländes vor. Dies wurde aber 2009 in einer Volksabstimmung abgelehnt. Stattdessen wurde das Stadion für den Weiterbetrieb als Leichtathletikstadion saniert. Mit Stade Lausanne-Ouchy kam es dann aber auch noch zur weiteren Nutzung für den Fußball. 1954 bot das Stadion eine Kapazität von 50.000 Plätzen. Nach der Renovierung 1985 waren es 25.000 und seit jener von 1993 sind es nunmehr 15.786. Bei den Zweitliga-Spielen von SLO wird dieses Fassungsvermögen nicht ausgeschöpft. Das größte Publikum in der Meisterschaft hatte man hier bisher im April 2022 mit 1.017 Zuschauerinnen und Zuschauern im Regionalderby gegen Yverdon Sport gehabt. Ansonsten waren es im Schnitt rund 500 Leute gewesen. An diesem Abend neunmal mehr.
Vor dem Spiel wurde die Stadt Lausanne besichtigt.