Sonntag, 21. Dezember 2025
Casarano – Altamura 1:0 (1:0)
Italien, Serie C, girone C, 19a giornata, 21.12.2025
Stadio Giuseppe Capozza, 2.302
Mit einem 1:0-Sieg nach Tor gleich in der ersten Minute beendete Casarano das historische Aufstiegsjahr 2025, in dem man nach einem Vierteljahrhundert in die Serie C zurückgekehrt war. Nach dem Paukenschlag zu Beginn entwickelte sich ein Spiel ohne erwähnenswerte Torchancen, in dem die Gäste aus Altamura zeitweise die Oberhand hatten.
Vor Spielbeginn donnerte AC/DC mit Thunderstruck (wie es sich gehört in Stadionlautstärke) aus den Lautsprechern. Ein Zitat der italienischen Indierockband Litfiba, aus ihrem rebellischen Song Il Vento, hing hingegen als Spruchband vor dem Stadion „Come il vento, sono libero … come il vento!“ (Wie der Wind bin ich frei … wie der Wind“). Versehen mit „Ciko vive“ galt es wohl einem Verschiedenen.
Jahreszeitlich passend empfing die Curva Nord von Casarano zu Beginn den Einlauf der Mannschaften mit einem Gesang zur Melodie von „Oh Tannenbaum“. Schalpräsentation, Gesänge und Pyro machten etwas her auf einer gut gefüllten Curva Nord, auf der nach Aufspaltung auf die Osttribüne in den vergangenen Jahren wieder alle Ultras stehen.
Das Jahr 1980 markierte hier den Beginn der Ultrasbewegung, wobei im Lauf der Jahrzehnte verschiedene Gruppen bestanden. Im Buch Il tacco d'Italia berichtet Josef Gruber von der Geschichte, den 1980 in der Bar São Paulo gegründeten und entsprechend Commando Ultrà São Paulo CUSP 1980 benannten ersten Gruppe und der Kurvengeschichte. Aus einem übersetzt abgedruckten, drei Jahrzehnte alten Interview aus dem Supertifo erfährt man auch, dass neben dem Bar-Treffpunkt auch die Faszination für südamerikanischen Support 1980 prägend war. Aktiv erkennbar sind derzeit CUSP 1980, Casarano scelta di vita, Cani Sciolti, Street Mentality und Antichi Valori Casarano. „Canterò per te, Casarano alé“ („Ich werde für dich singen, Casarano vorwärts) hieß es hier u.a. an diesem Abend.
Die stärkste Verbindung (gemellaggio) hat man seit dreißig Jahren mit Cosenza. Casarano und Altamura sind seit 2003 in einer wichtigen amicizia verbunden. „Ohoh, Casarano e Altamura, alé!“ war so aus beiden Kurven zu hören und von Casarano wurde auch ein Spruchband „La nostra amicizia per noi un vanto … Casarano e Altamura uniti nel tempo!!“ („Unsere Freundschaft ist für uns eine Quelle des Stolzes... Casarano und Altamura für alle Zeit vereint!!“) gezeigt. Flutlicht, Abendspiel, Apulien, Feier einer amicizia ...
Mit „Buon Natale Ultras“ („Frohe Weihnachten, Ultras“) und einer Sternspritzer-Choreographie des mit Weihnachtsmann-Hauben ausgestatteten Blocks hatte sich auch Altamura eine jahreszeitlich passende Aktion überlegt. Sie stellten sich in die Mitte des Sektors, während sie die Fetzen unter hinter dem Tor aufhingen. Sie supporteten kompakt.
Casarano Calcio wurde 1927 als US Casarano gegründet. 1927 wurde daraus Pro Patria Casarano und 1948 AS Casarano. Überregional spielte man erstmals 1957/58 im Campionato Interregionale – Seconda Categoria sowie 1961/62 in der Serie D. 1969 wurde die AS Casarano nach Vorfällen aus der Liga der Seconda Categoria Puglia ausgeschlossen. Der neugegründete Verein Virtus Casarano begann 1969/70 in der Terza Categoria neu. 1973 änderte man den Namen in Polisportiva Virtus Casarano, stieg 1977 in die Serie D, 1980 in die Serie C2 und 1981 in die Serie C1 auf und änderte 1984 den Namen erneut in diesmal Casarano Calcio. In der Serie C1 spielte Casarano 1981/82 bis 1985/86 und 1988/89 bis 1997/98 und gewann 1984/85 mit der Coppa Italia Serie C im Finalsieg gegen Carrarese mit 2:0-Auswärtssieg und 1:2-Heimniederlage einen landesweiten Titel. Prägende Persönlichkeit jener Jahre war der Vereinspräsident von 1978 bis 1997 Antonio Filograna. Als erfolgreicher Unternehmer, dessen Schuhfabrik Filanto zu Spitzenzeiten 50.000 Paar Schuhe täglich herstellte, ermöglichte er mit dem von seinen Arbeiterinnen und Arbeitern erwirtschafteten Geld dem Verein sportliche Erfolge. Die Schattenseite war, dass er von November 1980 bis Juni 1981 non Entführern gefangengehalten wurde, die ihn auch nach Erhalt der geforderten Summe von 1,4 Mrd. Lire durch seine Familie nicht freiließen, sondern ihm einen kleinen Finger abschnitten und noch einmal mehr Geld verlangten, bis er endlich nach 215 Tagen freikam.
Nach dem Abstieg 1998 fiel der Fußballverein die Ligen hinunter bis nach dem Abstieg aus der Eccellenza 2006 das Ende kam. Dazwischen hatte man 2001/02 mit Mario Kempes einen als Fußballer prominenten Trainer. Aus der Fusion der Vereine US Assi Maglie und AS Calcio Contrada Casarani bildete man 2006 eine neue ASD Virtus Casarano, die 2006/07 in der Promozione begann, zweimal aufstieg und 2009/10 bis 2011/12 wieder in der Serie D spielte. 2012 war auch dieser Verein am Ende und es wurde die heutige SSD Casarano Calcio gebildet, die 2012/13 wieder in der Promozione Puglia einstieg, sofort den Aufstieg in die Eccellenza schaffte, 2019 in die Serie D weiter aufstieg und als Meister dort 2024/25 die Rückkehr in die Serie C erreichte. Erstmals seit 1997/98 in der Serie C1 und 1998/99 in der Serie C2 spielt Casarano somit 2025/26 wieder in der Serie C.
Das Stadio Giuseppe Capozza wurde ab 1956 als städtisches Stadion gebaut. Benannt ist das Stadion nach einem 1944 bei einem Verkehrsunfall verstorbenen angesehenen Bürger der Stadt. In den 1980er Jahren wurden die Tribünen ausgebaut und dabei auch die Curva Nord errichtet. Noch sehr viel mehr Menschen als heute zugelassen sind, nämlich bis zu 10.000, drängten sich hier am 8. Oktober 1995 im Derby gegen Lecce. Heute präsentierten sich die beiden niedrigeren Längsseitentribünen ebenso wie die beiden kürzeren, aber höheren Hintertortribünen frisch renoviert.
Zum Spiel habe ich auch die Stadt Casarano besichtigt.
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