
Rezension
ballesterer
Nr. 210
November 2026
84 S.
Bosnien und Herzegovina ist das Ziel einer langen Reise. Aus vier über das Land verteilten Stationen berichtet Stephan Wabl in Gesprächen mit Leuten vor Ort und aus Lokalaugenschein über das Land prägende Themen. Zwei Themen erleben er und sein aufgrund der Vorfälle pseudononymisierter Fotograf gleich recht drastisch, indem sie in der gespaltenen Stadt Mostar von den Ultras von Zrinjski aufgrund des Vorwurfs, im Stadion Nahaufnahmen ihrer Leute gemacht zu haben und somit wohl versteckte Agenten des Feinds zu sein, attackiert werden, und in der politisch hoch aufgeladenen Stadt Banja Luka mit juristischer Klagsdrohung von Borac Banja Luka konfrontiert werden, weil sie dem Spieler Srđan Grahovac eine sich aus dem Fußballkontekt ergebende politische Frage gestellt hatten. Im Krieg in den 1990er Jahren gelegte Minenfelder töteten und verletzten nach Jahre und Jahrzehnte danach Menschen im Land. Auch in vielen anderen Fragen ist das Land im übertragenen Sinn sichtlich ein Minenfeld, in dem man schnell viel falsch machen kann. Florian Haderer schreibt in einem weiteren Artikel über markante Stadien in Bosnien und Herzegovina und dazu gibt es noch ein Interview mit Musikern über die Nationalmannschaft. Außerhalb des Schwerpunktswird in der schönen Rubrik Wappenkammerl diesmal das Vereinswappen eines bosnischen Vereins präsentiert. Christian Nell schreibt hier über Čelik Zenica.
Weitere Themen im Heft sind u.a. die Spielweise des LASK unter Trainer Kühbauer in der Taktikkolumne von Emanuel Van den Nest sowie Berichte aus und den USA, über das afghanische Frauen-Team im Exil, über einen Südtiroler bei Cagliari oder ein Artikel von Juraj Červenka über die ausgelöschte Geschichte der Fußballsektion des jüdischen Sportvereins Makkabea Bratislava. Ein wichtiges Thema behandelt den Vorschlag der Einführung eines period out als Regel im Fußball, der Frauen mittels eigens dafür eingeführten Handzeichen kurzzeitiges Verlassen des Spielfelds erlauben würde. Vom ausgezeichneten Fußballfotografen Hans van der Meer, von dem es viele inspirierende Bilder gibt, sind im Heft schönes Fotos aus seinem Buch über allein stehende Torleute zu sehen.
Auf den Fetzenberg geht es in meiner Amateurfußball-Serie „Nebenschauplätze“ diesmal zum SV Wolfau.
A4 / 9€ / erhältlich im Zeitschriftenhandel
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