Sonntag, 29. März 2026

Squinzano – Trani 0:1 (0:1)

Italien, Coppa Italia Dilettanti Promozione Puglia, Finale, Andata, 29.3.2026
Stadio Santo de Ventura, 2.500

Zwei Vereine und Fanszenen, die beide wie Phönix aus der Asche gestiegen sind, trafen im Hinspiel des regionalen Cupfinales der Promozione Puglia aufeinander. Vor vollem Stadion und mit bester Stimmung. Es war ein kampfbetontes, enges, hitziges Match. Die Nerven der Spieler zeigten sich mehrmals in Diskussionen mit dem Schiedsrichter, der mit früher roter Karte für Squinzano dem Spiel eine Wendung gab. Trani kam auch noch gegen Ende der ersten Hälfte mit einem Weitschuss zum Torerfolg. Weitere Tore ließen die Defensiven aber nicht zu. Squinzano verteidigte sich in Unterzahl und hielt den nur geringen Rückstand, der die Chancen für das Rückspiel noch offen lässt. Trani geht mit Vorteil ins Finale daheim.
Die Wahrzeichen der Stadt Squinzano gab es zu Spielbeginn auf hochgezogenem Vorhang in der Choreographie der Gradinata Nord von Squinzano zu sehen: Nikolauskirche, Nikolausstatue und das Kriegerdenkmal. Eingeleitet von schwarzen und weißen Fahnen in den Vereinsfarben und abgeschlossen von ordentlich orangem Rauch. Als Squinzano 73018 organisierten sich die Ultras im Jahr 2023 neu, nachdem es hier Tifo in den Jahren des sportlichen Absturzes zuvor nur mehr gelegentlich gegeben hatte bis dann zuletzt 2016 bis 2023 der Fußballverein gar nicht mehr bestand. In den sportlich erfolgreichen 1980er Jahren hatte sich hier die Tifoseria entwickelt, ist in Josef Grubers Buch Il tacco d'Italia über apulische Ultras im Kapitel über Squinzano zu lesen: „Mit den Ultras, Viking und Inferno entstanden erste Gruppen. Sie hatten ihren Platz auf der Distinti, die Transparente bestanden aus einfachen weißen Leintüchern, ohne jegliche Symbole. Bei wichtigen Spielen drängten sich immerhin bis zu 5.000 Zuschauer in dem am Stadtrand gelegenen Stadion. Zumindest bis in die ersten 2000er Jahre gab es in Squinzano eine wirklich aktive Szene, die den arrivierten Gruppen in der Gegend um nichts nachstand. Umso bemerkenswerter ist es, dass sich mit der Neugründung des Vereins auch die Ultras wieder zusammenfinden.“ Mitglieder der ehemaligen Vecchia Guardia und der Gruppen Zona Nanni, Vecchie Maniere und Nuove Leve schlossen sich hier zusammen. Vor allem in der laufenden Saison machten sie überregional auf sich aufmerksam. Man denke hier nur an die riesige Pyroshow vorige Woche im Spiel gegen Tricase zur Gedenk-Choreographie zum ersten Todestag des Valentino, als historische Persönlichkeit der Ultras und als für das Vereinsleben wichtiger Zeugwart des Klubs allseits hochgeachtet. Mit einem lauten „Valentino sempre con noi!“ („Valentino immer mit uns!“) begann man hier so auch vor Spielbeginn den Support. Ein langanhaltendes, melodisches „La gradinata vuole vincere!“ („Die Gradinata will gewinnen!“) blieb aus ihrem Gesang in Erinnerung.
Im vollen, langgezogenen Gästesektor entlang der Längsseite zeigte Trani mit den Irascibili zu Beginn eine Schal-Choreographie in blau-weiß. 450 füllten den Gästesektor randvoll. In Windeseile waren die Karten ausverkauft gewesen. Zahlreiche Fetzen hingen, auch viele verschiedene Schals gab es bei Schalparaden zu sehen. Zum schönen 1980er-Popsong Moonlight Shadow von Mike Oldfield sang man hier (wenn ich richtig gehört habe) „Vinci per noi, la grande Trani“. Während im Spiel beide Seiten einander keine Beachtung schenkten, gab es lang nach Schlusspfiff am Trennzaun zwischen den Sektoren noch scontri, indem Wurfgegenstände hin- und her folgen. Das sorgte im Nachgang für einige Aufregung und mediale Stellungnahmen.
Vor dem Spiel überreichte der Squinzano-Präsident eine Tafel in Andenken an Angelo Paticchio, der bei beiden Vereinen gespielt hatte, an den Präsident der Gäste, das 2023 neu formierte ASD Soccer Trani, die 2025/26 wieder in ihrem Stadion spielen, souverän vorzeitig ihre Staffel der Promozione bereits gewonnen haben und somit in die Eccellenza als höchste Spielklasse der Region Apulien aufsteigen. Ein auf das Jahr 1928 zurückgehender Verein, der zwei Saisonen 1964/65 und 1965/66 in der Serie B und insgesamt elf Saisonen in der Serie C von 1940/41 bis 1972/73 in den Annalen stehen hat, aber in den letzten Jahren versunken war und sein Stadion verloren hatte.
Squinzano Calcio wurde 1913 als Sport-Club Salus et Virtus gegründet. Mit lateinischem Namen nach körperlicher (salus) und geistiger (virtus) Stärke strebend, war dies der erste Sportverein der Stadt. Die Farben waren blau-weiß. Mit Eintritt Italiens in den Ersten Weltkrieg im Jahr 1915 kam die Vereinstätigkeit zum Erliegen, mit der US Squinzanese entstand 1916 aber ein weiterer Sportverein. In den Jahren nach Kriegsende gingen beide Vereine aufgrund des politischen Engagements der Mitglieder für den Faschismus 1923 in der US Mussolini auf und dann 1925 im Football Club Savoia (benannt nach dem italienischen Königshaus). 1928 fasste man den Fußball der Stadt in der neugegründeten US Squinzano zusammen, die dem Fußballverband FIGC beitrat und 1928/29 in der Meisterschaft der Terza Divisione Puglia spielte und nunmehr in den heutigen Farben schwarz-weiß antrat. Trotz drittem Platz im Girone C waren aber die wirtschaftlichen Voraussetzungen zu prekär, um weiter Meisterschaft zu spielen. Man beschränkte sich auf lokale Aktivitäten und Turniere bis man 1941/42 in der Seconda Divisione Puglia wieder an der Meisterschaft teilnahm. Man gewann die Liga auf Anhieb und stieg in die Prima Divisione Puglia auf, als deren Drittplatzierter im Girone A 1942/43 sich Squinzano für die Serie C qualifizierte. Dazu kam es nicht, da 1943 mit der Landung der Alliierten das Kriegsgeschehen des Zweiten Weltkriegs Italien erreichte und an Fußball im Süden aufgrund der Kämpfe um die Befreiung des Landes nicht zu denken war. Nach der Befreiung 1945 musste man darauf verzichten, in die Serie C einzusteigen und begann erst 1946/47 wieder in der Prima Divisione Puglia.
Die 1970er und 1980er Jahre waren die Zeit der größten Erfolge, mit dem Aufstieg von der damals höchsten regionalen Spielklasse Promozione in die viertklassige Serie D 1976, wo Squinzano ab 1976/77 spielte und als Meister im Girone E der Serie D 1978/79 weiter hinauf 1979/80 bis 1981/82 in die neue Serie C2 kam. Auch nach Abstieg war Squinzano dann noch 1982/83 und 1983/84 im damaligen Campionato Interregionale und 1984/85 in der fünftklassigen Serie D in überregionalen Ligen, bevor es hinunter ging. Tiefpunkt war wohl die Fusion der US Squinzano mit dem Lokalrivalen Trepuzzi Calcio nach dem Abstieg in die Prima Categoria Puglia 1985. Ein neugegründetes Squinzano begann 1986/87 wieder in der untersten Spielklasse Terza Categoria Puglia neu, stieg gleich weiter auf und spielte 1990/91 schon wieder in der Eccellenza Puglia und damit der höchsten Spielklasse der Region. Nach dem Abstieg daraus 1999/2000 änderte man 2003/04 den Namen in ASD Real Squinzano. Der Verein ging 2011 nach dem Abstieg aus der Prima Categoria pleite und wurde aufgelöst. Erst 2014 wurde mit der A.S.D. N.S. Nuova Squinzano ein neuer Verein gegründet, der 2014/15 unten in der Terza Categoria begann, zweimal schnell aufstieg, aber 2016 seine Spielberechtigung an die A.S.D. San Pietro Vernotico verkaufte. Diesmal dauerte es sieben Jahre, bis der Verein wiederentstand. 2023 wurde die heutige Squinzano Calcio 1913 gegründet, konnte 2023/24 in der Seconda Categoria Puglia einsteigen, gewann diese auf Anhieb und stieg 2024/25 über die Play-offs aus der Prima Categoria Puglia weiter in die Promozione auf.
Das Stadio Santo de Ventura wurde 1961 eröffnet. Benannt ist das Stadion nach Santo De Ventura, einer wichtigen Persönlichkeit des Fußballgeschichte von Squinzano. 2.500 Plätze gibt es hier heute, davon 1.500 auf der Haupttribünenseite, 500 auf der als Gästesektor dienenden Längsseite gegenüber und 500 auf der in den 1980er Jahren für die Serie C2 dazugebauten Hintertortribüne im Norden.
Vor dem Spiel habe ich mitsamt den in der Choreographie danach zu sehenenden Sehenswürdigkeiten die Stadt Squinzano besichtigt.

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