Donnerstag, 9. November 2017

Immer wieder geht die Sonne auf


Rezension


Immer wieder geht die Sonne auf
Die Geschichte des FC Blau Weiß Linz
Ein Film von Dominik Thaller
Zack Prack Productions
Österreich 2017
105 Min.

Premiere: Tabakfabrik Linz, Ètage Lumière, 9.11.2017




20 Jahre FC Blau Weiß Linz wurden mit der Premiere des Dokumentarfilms Immer wieder geht die Sonne auf gefeiert. Der Film des Blau-Weiß-Fans Dominik Thaller erzählt die Geschichte des Vereins von den Anfängen 1997 an. Man beginnt mit dem Ende des zum FC Stahl Linz gewordenen einstigen SK VOEST Linz, der als VOEST-Werksverein 1974 österreichischer Meister geworden war. Die als Fusion mit dem Stadtrivalen LASK bezeichnete Vereinsauflösung wurde nicht akzeptiert. Mit Blau Weiß Linz entstand ein Verein, der einerseits neu war und andererseits an die Tradition anschloss.

Viel Archivmaterial an TV-Ausschnitten und Fanfotos führt einen neben über dreißig Interviews mit Funktionären, Spielern und Fans auf eine Zeitreise durch Höhe- und Tiefpunkte. Die Entwicklung der Fanszene wird beleuchtet, von Pyromanen und Blauhelmen bis zu der Entstehung und den Aktivitäten der ARGE ToR! („Arbeitsgemeinschaft Tribüne ohne Rassismus!“) und dem Stahlstadt Kollektiv. Es sprechen neben diversen Protagonisten u.a. auch „Ano“ und „Nymnus“ genannte Herren. Nach Auf und Ab schaffte man es 2011 „erstmals zurück“ in den Profifußball, was ebenso wie das Scheitern in der Relegation 2003 seinen Platz im Film hat. Man musste später wieder absteigen, aber kam doch nocheinmal wieder in die zweite Liga. Derzeit geht es dem Verein darin sportlich nicht gut, denn trotz großer Planungen für die Zukunft (Agenda 2027) kämpft man in der Gegenwart hart gegen die rote Laterne in der Tabelle. Von kulturellen Aktivitäten rund um den Verein zeigte der Film ebenso Szenen wie von der Nachwuchsarbeit.

Der Ort der Filmpremiere und 20-Jahres-Feier hat auch einen Bezug zur Gründungsgeschichte 1997. Die Linzer Tabakfabrik bzw. Tabakregie, umgangssprachlich Tschickbude, wurde von 1929 bis 1935 errichtet. Die denkmalgeschützte Industrieanlage war der erste Stahlskelettbau Österreichs im Architekturstil der Neuen Sachlichkeit. Bis Ende September 2009 wurden hier Zigaretten hergestellt. Ein Werksverein wurde 1934 als SV Tabakfabrik gegründet. Als der seit 1969 SV Austria Tabak heißende Landesligist 1997 in Ungewissheit um die Fortführung seines Fußballbetriebs war, konnte Blau Weiß Linz seine Stelle einnehmen und auch den Tschickbudenplatz, seither Donauparkstadion, übernehmen. Seit diesem Frühjahr hat Blau Weiß Linz in der zum Kreativwirtschaftszentrum umgewandelten Tabakfabrik auch seine Geschäftsstelle.

„Es geht beim Fußball um mehr als 22 Leute, die einem Ball nachlaufen.“ stellte der Filmautor Thaller, im Vorprogramm fest. Er erstellte den Film in einjähriger Arbeit als Student an der Linzer Kunstuni. Ein Erscheinen auf DVDs ist in Arbeit. Der Ballesterer-Mitgründer und langjähriger Chefredakteur Reinhard Krennhuber moderierte das Vorprogamm mit Humor. Seine Anregung, bei jeder Erwähnung des Vereinsnamens am Podium lautstark den Gesang „Blau Weiß Linz, alé alé!“ anzustimmen, wurde im Publikum dankbar aufgenommen. Der aktuelle Vereinspräsident Walter Niedermayr und der Präsident der letzten zwanzig Jahre, Hermann Schellmann, sprachen und bekamen eine Torte überreicht. Der als „Commandante“ besungene Schellmann erinnerte, dass das Lied „Immer wieder geht die Sonne auf“ (Udo Jürgens), dem der Filmtitel entnommen ist, eines der letzten Lieder war, die aus den Stadionlautsprechern nach dem letzten Spiel des alten FC Linz (3:0 im Linzer Derby gegen den LASK) kamen (neben „Marmor, Stein und Eisen bricht“ von Drafi Deutscher sowie und „Warum nur, warum?“, ebenfalls Udo Jürgens). Ein doch recht schlagermusiklastiges Abschiedsprogramm. Aus anderer musikalischer Richtung kommt der Linzer Independent-Musiker und Autor Andreas Kump, der im Film erklärt, „Die Fusion, die keine Fusion war, war eigentlich ein totales Geschenk.“ da sie mit dem FC Blau Weiß Linz viele neue Erlebnisse und einen neuen Verein beschert hat.




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