Dienstag, 13. Januar 2015

Cappella di Maradona, Neapel

11.1.2015

In der Bar Nilo auf der Piazzetta Nilo in der Spaccanapoli gibt es einen Maradona-Altar. In Neapel gibt es eine Tradition von Marterln und kleinen Altären an Privathäusern. Die Cappella di Maradona steht in dieser Tradition, nur gilt die religiöse Verehrung hier eben keinem christlichen Heiligen sondern einem Fußballgott.


Diego Armando Maradona kam 1984 nach zwei unglückseligen Jahren in Barcelona nach Neapel. Der international unscheinbare Mittelständler SSC Napoli zahlte eine Rekordablösesumme. Es war damals der teuerste Transfer der Fußballgeschichte. Maradona zahlte es dem Verein und der Stadt zurück. Napoli gewann mit dem weltbesten Spieler 1987 und 1990 die ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte, dazu 1987 auch den italienischen Cup sowie 1989 den UEFA-Cup. Die Titel beschreiben die gegenseitige Liebesbeziehung der Napoli-Tifosi und von Maradona aber nur unzulänglich. Das Abbild Maradonas prangt hier zwischen Marien- und Heiligenbildern.


Bis 2014 war der Altar an das Außenwand der Bar angebracht, seither befindet er sich im Innenraum derselben.


Barbesitzer Carmine „Bruno“ Alcidi führt die Bar Nilo in dritter Generation. Er und sein Vater haben den Altar 1991 errichtet. Unter dem zentralen Foto des Verehrten werden als Reliquie auch Haare Maradonas ausgestellt. Bruno Alcidi hat sie 1990 auf dem Rückflug von einem Europacupspiel vom Sitz seines Idols aufgesammelt.


Das Ende kam 1991 abrupt, als Maradona bei einer Dopingprobe Kokainkonsum nachgewiesen wurde. Verehrt wird er in Neapel aber ungebrochen weiterhin. Ein Glasflascherl enthält gesammelte Tränen aus dem Jahr 1991, als Maradona Neapel fluchtartig verließ.


Ein Ausdruck der kultischen Vermischung des christlichen Glaubens mit fußballerischer Verehrung ist die Garnierung des Maradona-Altars mit Figuren des gegenwärtigen Papstes und sowie des neapolitanischen Stadtheiligen San Gennaro.


Ein Zettel fordert dazu auf, nicht nur ein Foto zu machen sondern auch etwas zu konsumieren. Damit einem nicht der Fotoapparat runterfalle. Ich hoffe, dass dies dort mit Augenzwinkern geschrieben ist. Ein Espresso wurde jedenfalls getrunken.


Die Fotomontage La creazione di calcio („Die Erschaffung des Fußballs“) paraphrasiert die Szene der Erschaffung Adams (Creazione di Adamo) des Renaissancekünstlers Michelangelo aus der Sixtinischen Kapelle in Rom. Hier wird nicht Adam von Gott erschaffen sondern der Fußball in Person Maradonas.


Die Bar Nilo an der Piazetta Nilo.


Den Platz vor der Bar dominiert die erst im November 2014 restaurierte Figur des Flussgottes Nil aus dem römischen 1. oder 2. Jh. u.Z. Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg waren zwei der drei Engelsköpfe und der Kopf der Sphinx abgeschlagen und geraubt worden. Der Sphinx-Kopf wurde erst 2013 in einer Privatsammlung in Österreich gefunden und von der Polizei sichergestellt.



Epilog

Neben anderen mehr oder weniger Heiligen gibt es an den diversen Ständen mit geschnitzten Krippenfiguren in der Via San Gregorio Armeno in der Altstadt auch Maradona-Figuren zu erwerben. Die Vermischung von Religion und weltlichen Anbetungsfiguren ist hier Alltag.

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