Sonntag, 28. September 2014

Slavia Praha - Sparta Praha 0:2 (0:0)

Tschechien, 1. liga, 9. kolo, 27.9.2014
Stadion Eden, 16.661

Slavia erlitt eine Derbyniederlage, die sie sich zu großen Teilen selbst zuzuschreiben hatten, nachdem sie nach dem 0:1 unglaubliche Torchancen zum Ausgleich vergaben. Sparta vergab sogar einen Elfmeter und gewann schließlich mit zwei Toren eines Spielers, der einmal bei den Unaussprechlichen gespielt hatte. Gesprächsstoff lieferte ein Corner für Slavia, der vom Schiedsrichter auf die andere Seite verlegt wurde, nachdem der Schütze von einigen Bechern aus dem dahinterliegenden Auswärtssektor beschossen wurde.
Auf den Rängen verlief das Stadtderby stimmungsvoll wie man sich ein solches wünscht und erwartet. Die Tribuna Sever von Slavia zeigte im Lauf der ersten Halbzeit eine als Geschichtsstunde konzipierte Choreographie, in welcher Sparta die zehn Meistertitel im Kommunismus als Schande im Namen der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei KSČ vorgeworfen wurden. Einige Minuten später wurde auf die vier Meistertitel verwiesen, die Slavia unter deutscher Besatzung im Zweiten Weltkrieg im damaligen sogenannten „Protektorat Böhmen und Mähren“, Protektorát Čechy a Morava − PČAM, errungen hatte. Nach der Pause gab es bei Slavia eine große Pyroshow, die dann für einige Minuten Spielunterbrechung sorgte. Auf Seiten von Sparta würden ebenfalls immer wieder gezündelt und Bengalen mehrmals auf das Spielfeld geworfen. Darüber hinaus sorgte der Sparta-Fanblock wieder einmal für die Bestätigung seines politisch unsympathischen Images.
Der SK Slavia Praha wurde 1892 als Akademický cyklistický odbor při Literárním a řečnickém kroužku Slavia (ACOS) gegründet. Der Studenten-Sportverein wurde 1894 aufgrund tschechischen Nationalismus von den Behörden des Habsburgermonarchie verboten. aber 1895 als SK Slavia wiedergegründet. Die Fußballsektion nahm 1896 ihren Betrieb auf und blieb vom 25. März 1897 bis 21. März 1909 gegen eine tschechische Mannschaft ungeschlagen. Geprägt wurde Slavia in jenen ersten Jahrzehnten bis 1930 vom schottischen Trainer John William Madden. Slavia war von 1929 bis 1937 sieben Mal tschechoslowakischer Meister und gewann 1938 den Mitropacup. 1947 wurde Slavia noch Meister, dann war die große Zeit vorerst vorüber. Von 1953 bis 1964 wurde Slavia in Dynamo Praha umbenannt und musste zum Unmut des Anhangs in blau-weiß spielen. Nach dem Fall des Kommunismus wurde Slavia mit dem Geld von Investoren wieder eine Spitzenmannschaft, wurde 1992/93 Zweiter der letzten tschechoslowakischen Saison und gewann 1995/96 zum ersten Mal nach 49 Jahren wieder die Meisterschaft. Im UEFA-Cup gelangte Slavia in jener Saison 1995/96 mit u.a. Karel Poborský, Vladimír Šmicer und Radek Bejbl bis ins Semifinale. Ein zwischenzeitlicher Besitzer, die britische ENIC Group, stellte nach ihrem Ausstieg 2006 Slavia die bisherigen Investitionen in Rechnung und brachte den Klub damit 2011 an den Rand des Konkurses und des Lizenzentzugs. Es kam zu teilweise aufsehenerregenden Fanprotesten samt Spielabbruch eines Cup-Semifinales. Slavia war zwölfmal tschechoslowakischer Meister (zuletzt 1947), viermal Meister unter der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg und dreimal tschechischer Meister (1996, 2008 und 2009) sowie dreimal Cupsieger (1997, 1999 und 2002) nach 1993.
Das Derby gegen Sparta im Stadion Eden war bereits vor fünf Jahren einmal besucht worden. Diesmal wurde die Perspektive gewechselt und das Spiel von der Längsseite anstatt hinter dem Tor geschaut.
Das 1897 eröffnete ehemalige Slavia-Stadion im Stadtteil Letná, in Nachbarschaft zum Stadion des Rivalen Sparta, wurde 1945 von der deutschen Wehrmacht im Kampf gegen den Prager Aufstand im Mai 1945 niedergebrannt. 1948 konnte Slavia hier im Stadtteil Vršovice das Stadion Eden als Heimstätte eröffnen. Im Jahr 2000 wurde das alte Stadion mangels Renovierungen als baufällig geschlossen und 2004 schließlich abgerissen. Acht Jahre spielte Slavia im Stadion Evžena Rošického bis 2008 das heutige neue Stadion Eden mit einer Kapazität von 20.800 Plätzen nach zwei Jahren Bauzeit eröffnet wurde.
































































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