Mittwoch, 2. September 2026

Red Bull – Rapid 5:1 (3:0)

Bundesliga, 4. Runde, 2.9.2026
EM-Stadion Wals-Siezenheim, 12.153

Rapid verliert. Dabei war das nicht so schlecht, aber eben auch nicht gut genug und unterlegen gegen Dosen, die eine Chance nach der anderen zum Tor verwerteten. Letzte Saison hatte Rapid alles verschissen, allerdings gegen die Dosen drei von vier Spielen 1:0 gewonnen. Darunter war auch das letzte Match hier im März gewesen. Seither hat die außerhalb der Regeln der Fußballwelt und normalen Wirtschaftens frei agierende Marketingtruppe des Dosenkonzerns wie seit zwei Jahrzehnten um Millionen Euro nach Lust und Laune neues Personal geholt. Ein 1:0-Sieg war schon nach wenigen Minuten nicht mehr möglich, da es bereits 1:0 gegen uns stand. Nach einer Viertelstunde 2:0 und nach zwanzig Minuten 3:0. Das Match war früh gelaufen. Die Rapid vergab ihre Chancen, den anderen ließen wir ihren Platz zum Torschießen. Nur ein Seidl-Weitschuss ging rein.
„Rapid!“ erschallte es dennoch trotzig aus dem Gästeblock durch das Stadion.
Es war ein Nachtragsspiel, nachdem Rapid die von der Bundesliga vorgesehene Verschiebung der Begegnung beantragt hatte, um Kräfte zu sparen und fokussiert mit einem Mann mehr in Führung liegend im Europacup auszuscheiden.

Supertifo 1 (2026)



Rezension


Supertifo
Anno 1, Numero 1
9 luglio 2026
52 S.








„Siamo tornati!“ („Wir sind zurück!“) hieß es Anfang Juli in Italien. Zehn Jahre nach dem letzten und erfolglosen Versuch, das Heft wieder erscheinen zu lassen, und dem anschließenden Rückzug auf Social Media entschied man sich nun, in unregelmäßigen Abständen wieder gedruckte Hefte zu machen. Die Bedeutung des ab 1985 erschienenen Supertifo für die Entwicklung der Ultràbewegung in Italien und dann darüber hinaus ist in seiner Hochphase der 1980er und 1990er Jahre gar nicht hoch genug einzuschätzen. Nicht umsonst galt es in seiner besten Zeit als das meistgefladerte Heft in italienischen Trafiken.

„Siamo regrediti.“ („Wir haben einen Rückschritt gemacht!“) bilanziert ein Artikel mit Blick auf innere Machtkämpfe der Kurven und die immer stärker werdenden Repressionen des letzten Jahrzehnts in Italien, schließt aber mit verbleibender Hoffnung mit Verweis auf die erfolgreiche Unterschriftensammlung für die jüngste Petition für Freiheiten. Bilder waren schon in früheren Zeiten ein Schwerpunkt des Hefts, als es ja abseits von solchen Druckwerken keine größere weitere Verbreitung von Fotos von Tifo-Aktionen gab. Auch hier gibt es traditionell Bilderstrecken zu Choreographien und Tifo-Aktionen der Saison 2025/26 in Italien. Ivan Cutrupi schreibt in einem Text gegen die zur Normalität gewordenen Verbote von Auswärtsfans an. Auch ein weiterer Text von Fananwalt Giovanni Adami beschäftigt sich im Rahmen mehrerer Problemstellungen aus rechtlicher Perspektive mit der Thematik und verweist etwa darauf, dass die Anzahl dieser Spiele in Vergleich zu anderen Ländern (selbst Griechenland und Frankreich) in Italien vergleichweise viel höher ist und nicht der Spielplan für den Fan der entscheidende Moment ist sondern die drei oder vielleicht vier Tage vor dem Spiel bekanntgegebene Entscheidung über das Gästeverbot. „Il divieto è ormai la regola e partire per la traferta l'eccezione.“ („Das Verbot ist nun die Regel und eine Auswärtsfahrt ist die Ausnahme.“)

Man darf gespannt sein, ob sich das 2026 neu nummerierte Heft wieder etablieren kann. Die 25.000 Stück Startauflage waren offensichtlich jedenfalls schnell weg.



A5 / 3,90€ / erhältlich im italienischen Zeitschriftenhandel

Dienstag, 1. September 2026

Ballesterer 208



Rezension


ballesterer
Nr. 208
September 2026
84 S.








Aktive Teilhabe am Vereinsgeschehen durch Fans, die Funktionen im Verein übernehmen, ist am Beispiel Deutschland Schwerpunktthema des Hefts. FCN-Aufsichtsrätin Sandra Hummel erzählt in der Titelgeschichte „Ich sehe es als meine Aufgabe, in die Kurve zu tragen, was bestimmte Dinge für den Verein bedeuten, aber vor allem in den Verein hinein zu erklären, warum etwas in der Kurve passiert.“ und nennt dabei etwa die Proteste gegen die DFL-Investorenpläne 2024 als Beispiel. Artikelautorin Nicole Selmer bezeichnet diese Tätigkeit als „Übersetzerin“.

Qualitätsjournalismus prangt deutlich sichtbar unter dem ballesterer-Schriftzug am Titelblatt, wo zuvor das Wort Fußballmagazin als Inhaltsbeschreibung stand. Im Heft geht man darauf ein, dass dem Magazin die aufwändig beantragte Qualitätsjournalismusförderung nicht genehmigt worden war, was Wut auslöste. In den Redaktionsinterna versteckt sich der Hinweis „Übrigens: Seit einigen Ausgaben verwenden wir mehr diakritische Zeichen.“ und ich finde das auch ganz hervorragend, weil einfach richtig und wichtig, korrekt zu schreiben. Das angemerkte Problem mit den nicht in allen Schriftarten darstellbaren Zeichen kann in Kauf genommen werden.

Im Nachruf auf Antonio Rattín zeigt ihn das Bild dazu im Argentinien-Dress vor leeren Rängen im Wiener Praterstadion. Es handelt sich offensichtlich um ein Foto des Testspiels der argentinischen Nationalmannschaft, die sich auf Trainingslager in der niederösterreichischen Wachau auf die WM vorbereitete, gegen die Wiener Austria dort 1966, die damals wie heute wenig Interesse hervorrief. Nur 4.000 Leute verloren sich damals zu dieser Veranstaltung im großen Oval des heutigen Ernst-Happel-Stadions.

Themen im Heft sind u.a. Debatten um fankulturelle Veränderungen beim Wiener Sport-Club, der Fall des in Algerien seit über zwei Jahren eingesperrten Christophe Gleizes, eine Onlineplattform für Spielervermittlung und eine herzerfrischende Reportage vom nördlichsten im Meisterschaftsbetrieb bespielten Rasenfußballfeld Schwedens, dem Palovallen in Parkalompolo.

Vom schönen Rapideum-Buch Dein Name in Europa ist famos ist eine Rezension von mir im Heft zu lesen. in meiner Folge der Amateurfußball-Serie „Nebenschauplätze“ geht es im Heft auf den Kalvari zum FC Fliess im Tiroler Oberland.


A4 / 9€ / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Sonntag, 30. August 2026

Rapid – Sturm Graz 3:1 (2:1)

Bundesliga, 5. Runde, 30.8.2026
Weststadion, 24.689

Ein wichtiger Sieg an einem kritischen Moment. Die Mannschaft zeigte nach dem schweren Rückschlag vom Mittwoch, den der Trainer öffentlich faktenwidrig nicht als solchen bezeichnet haben wollte (ein Europacupaus ist allerdings nicht einfach nur ein Remis wie jedes andere), dass sie nicht in ein Loch fiel, sondern weiter besteht. Wie es nach der anstehenden Ausdünnung weitergeht, wird man in Kürze sehen. An diesem Tag ging Rapid per Elfmeter durch Demir nach ewig langer VAR-Fernsehrichter-Kontrolle früh in Führung. Lang dauerte es nicht, bis Sturm Graz ausglich. Doch der Unglücksrabe vom Mittwoch, Tilio, erzielte nach etwas mehr als einer Viertelstunde bereits wieder das 2:1. Der ebenfalls am Mittwoch am Elfmeter gescheiterte Haidara hatte es in der Nachspielzeit der ersten Hälfte am Fuß, es ihm mit einem Torerfolg gleichzutun. Stattdessen dauerte es bis in die Rapidviertelstunde, bis Dahl mit dem 3:1 den Rapidsieg fixierte.
Lautstark war der Block West bei diesem Spitzenspiel auf den Rängen und am Spielfeld. Die Worte Ultras und Rapid schrieben die Ultras Rapid nacheinander groß über die ganze Tribüne, zur Botschaft „immer & überall“. Mit „Auf geht's, Rapid, kämpfen und siegen“ motivierte man die Mannschaft nach dem Feiern des Siegs am Ende auch noch für das kommende Auswärtsspiel bei den Dosen.
Lange Stadionverbote und auch Meldepflichten gibt es nach bekannten Ereignissen der letzten Saison im Block West, weswegen Entsprechendes zu sehen war.
„Gegen Meldeauflagen“ hatte die Grazer Nordkurve an ihrem Sektor aufgehängt, da sie solche im Zuge der polizeilichen und gerichtlichen Repressionsmaßnahmen gegen plagen. Lange vor Spielbeginn sang der Sturm-Block bereits freudig mit großer Häme ihr „Sportklub Sturm Graz in Europa, und a klana Indiana fangt an zum wanan“ und beschimpfte Rapid in diversen ihrer Lieder als „Hurensöhne“ und „Hurenkinder“. Ein Spruchband zum Europacupausscheiden Rapids hatten sie natürlich auch mitgebracht, in dem sie das Choreographiethema vom Mittwoch aufnahmen. Mit null Punkten und geschlagen schickte sie Rapid jedenfalls hier wieder zurück nach Hause.