Mittwoch, 1. April 2026
Latina – Potenza 1:0 (0:0)
Italien, Coppa Italia Serie C, Finale, Ritorno, 1.4.2026
Stadio Domenico Francioni, 9.000
Bummvolles Stadion, tausende Gäste – das Final-Rückspiel der Coppa Italia Serie C. Das Hinspiel hatte Potenza Calcio 3:1 gewonnen, wobei sich Latina mit dem Ehrentreffer in den Schlussminuten noch Chancen für das Rückspiel eröffnet hatte. Aber auch wenn ein engagiertes Latina nach der Pause das 1:0 erzielen konnte und damit Jubelstürme auf den Tribünen auslöste, spielte Favorit Potenza den Vorsprung souverän nachhause und gewann den Cup letztlich klar und verdient. Latina hat den Cup mit der damaligen Coppa Italia Lega Pro 2012/13 schon einmal gewonnen. Damals im Finale gegen Viareggio nach Hinspielsieg mit einem 1:1 ebenso hier im Heimspiel im Rückspiel. Der Cupsieg im Cup der italienischen Drittligisten bringt neben einem nationalen Titel die Teilnahme an den Play-offs dieser Saison für den Aufstieg in die Serie B (solange der Cupsieger nicht auf einem Abstiegsplatz in der Meisterschaft abschließt) sowie die Teilnahme an der sonst den Vereinen der Serie A und Serie B vorbehaltenen Coppa Italia in der nächsten Saison.
Ein derart volles Stadion hat Latina Jahrzehnte nicht gesehen. Latina hat in der laufenden Meisterschaftssaison in der Serie C einen Schnitt von 2.242 Zuschauerinnen und Zuschauern. Bestbesucht war dabei die Begegnung mit der Salernitana vor fünf Monaten vor 5.545 Leuten gewesen, mit massivem Auftritt von 2.147 Gästen. Für Spiele hier mit über 7.000 Zuschauerinnen und Zuschauer muss man bis zu den Play-off-Spielen der Serie B um den Aufstieg in die Serie A 2013/14 im Semifinale gegen Bari (7.200) und im Finale gegen Cesena (7.191) zurückgehen. Über 6.000 waren es hier zuletzt im Derby mit Frosinone in der Serie C1 2012/13 mit 6.462 sowie in der Serie B 2013/14 mit 6.840 gegen Palermo und 6.513 gegen Trapani gewesen.
„Nel buio brilliamo piu forte!“ („Im Dunkeln leuchten wir heller!“) stand als Spruch groß an der Curva Nord. Zu Spielbeginn wurde sie in die Farben Schwarz-Weiß-Blau getaucht und es blinkte und rauchte. So eine volle Kurve hat man hier auch lange nicht gesehen. In der Curva Nord ist man seit auf die Entstehungsgeschichte der Stadt bezogen politisch klar faschistisch ausgerichtet. Auf die Entstehungsgeschichte der 1932 errichteten faschistischen Planstadt mit Besiedlung durch aus dem Veneto geholte Bevölkerung verweisen venezianische Symbolik mit dem Markuslöwen. Seit den 1980er Jahren gab es in Latina verschiedene Gruppen an Ultras, wobei manche ihrer Namen wie Falange (1978) oder Brigata Littoria 1932 (2002) auch faschistische Begriffe als Namen wählten. Aktuell ist hier die 2007 gegründete Leone Alato aktiv. Dabei waren heute Freunde aus Chieti, Casal Barriera, Viterbese, Jahn Regensburg, Cantù, Fondi und Cisterna.
1.500 Gäste füllten die beiden Stahlrohrtribünen des Gästesektor randvoll, dazu kamen einige hundert weitere Potenza-Fans auf der Haupttribüne daneben, sodass hier an diesem Abend sicher über 2.000 aus Potenza dabei waren. Zu Spielbeginn gab es einen Konfettiwurf (nicht gescheit fotografiert). Aufällig schön waren mehrmals die Schalparaden. Unter den Fetzen an der Tribüne hingen die Freunde der Curva Nord Rosarno und aus Rionero. Im Sektor vertreten waren ebenfalls noch Rionero, Catanzaro und Turris.
Latina Calcio 1932 heißt der Verein offiziell, entstand allerdings nicht etwa im Jahr 1932. In jenem Jahr wurde vielmehr die als faschistisches Prestigeprojekt im Gebiet trockengelegter Sumpflandschaften erbaute Stadt eröffnet. Diese hieß nach dem faschistischen Parteisymbol damals Littoria und so wurde hier auch mit dem Namen AS Littoria 1935 ein erster Fußballverein gebildet. Nach der Befreiung und der Umbenennung der Stadt auf den Namen Latina 1944 gründete man hier 1945 unter dem damaligen Namen Virtus Latina den heutigen Klub. 1946 gab es eine Namensänderung in La Pontina Latina, mit Bezug zur Region der ehemaligen Pontinischen Sümpfe. Als Tabellendritter im Girone C der Prima Divisione Lazio 1946/47 kam man 1947/48 erstmals in die Serie C, stieg 1947/48 daraus in die Promozione ab, aber sogleich wieder auf und spielte 1948/49 bis 1951/52 in der Serie C. Ab 1950 unter dem Namen AS Latina. 1960 fügte man einen Sponsor dem Namen hinzu, änderte dies aber 1963 schon wieder in ein sponsorenfreies Unione Calcio Latina. In die Serie C schaffte man es nach Auf und Ab im Unterhaus nur für eine Saison 1968/69 und für zwei Saisonen 1973/74 und 1974/75 zurück. 1976 benannte man sich Latina Football Club, war ab 1976/77 wieder in der Serie C und dann ab 1978/79 abwechselnd in Serie C1 oder Serie C2. Ab 1979 unter dem Namen Latina Football Club Polisportiva. Nach dem Abstieg aus der Serie C2 1983/84 folgte der erste große Einschnitt mit einem Bankrott. Eine neugegründete US Latina konnte eine Spielklasse darunter aber die Sporttitel als Nachfolgeverein weiterführen, im Girone G des Campionato Interregionale gleich wieder aufsteigen und war 1985/86 schon wieder in der Serie C2 zurück. Den Namen änderte man 1986 in AS Latina 1932, spielte bis 1992/92 in der Serie C2 und danach weiter fünftklassig. Hier folgte 1996 der nächste finanzielle Pleite. Die Sporttitel gingen auf die neugegründete AS Latina 1996 über, die in der Liga weiterspielte. Als Tabellendritter im Girone G der Serie D 2001/02 rückte Latina nach einem Jahrzehnt erneut in die Serie C2 auf, änderte 2004 den Namen in AS Latina, stellte nach dem Abstiegsplatz 2005/06 aber den Spielbetrieb ein. Steuern und Sozialversicherungsbeiträge waren ebenso wie Gehälter von Spielern nicht bezahlt worden. Der absolute Tiefpunkt der Vereinsgeschichte war danach die leere Saison 2006/07. Der kleine Verein Viribus Cisterna Montello aus dem Stadtteil Borgo Montello versuchte die Lücke zu füllen, indem er seine Farben in Blau-Schwarz änderte, sich FC Latina benannte und von der Stadtgemeinde wie andere kleinere Vereine die Möglichkeit bekam, seine Spiele der Eccellenza im Stadion zu bestreiten. Ehemalige Mitglieder des alten Vereins gründeten aber stattdessen 2007 die USD Virtus Latina und kauften die Spielberechtigung der Real Latina aus dem Stadtteil Borgo Santa Maria in der Promozione, wo dieser Verein 2007/08 einstieg. Im Unterschied zur sportlich schwächelnden Konkurrenz schaffte es dieser Verein auch zweimal schnell aufzusteigen, wurde 2007/08 Meister in der Promozione und 2008/09 in der Eccellenza und startete somit 2009 in der Serie D. Der Wettbewerb zwischen den beiden widerstreitenden Vereinen wurde beendet. Der FC Latina verkaufte seine Spielberechtigung an Aprilia und aus Virtus Latina wurde die US Latina Calcio. Aufgrund zahlreicher Vereinskonkurse konnte der Klub als Tabellenneunter (!) seiner Staffel der Serie D dennoch in die Lega Pro Seconda Divisione (entsprach Serie C2) aufsteigen, stieg 2011 in die Lega Pro Prima Divisione auf und erreichte dort über die Play-offs 2013 den größten Erfolg der Vereinsgeschichte: Aufstieg in die Serie B. 2013/14 bis 2016/17 hielt sich Latina vier Saisonen in der zweiten Liga, wobei man in der Aufstiegssaison 2013/14 sogar nahe am Durchmarsch in die Serie A war und erst im Play-off-Finale scheiterte. 2017 kam erneut das finanzielle Aus. Eine SSD Latina Calcio 1932 wurde neu gegründet und begann 2017(18 in der Serie D. Über die Play-offs stieg man 2021 in die Serie C auf und benannte sich Latina Calcio 1932.
Das Stadio Domenico Francioni wurde im Zuge des Baus der Stadt ab 1932 errichtet und 1935 mit faschistischem Namen als Stadio Littorio eröffnet. Der massive Eingangstorbereich stand schon damals, für das Sportplatzpublikum gab es aber nur eine kleine unüberdachte Tribüne an der Stelle der heutigen Haupttribüne. 1945 benannte man das Stadion in Stadio Comunale um und 1996 erhielt es seinen heutigen Namen nach einem verstorbenen Vereinspräsidenten. Die aus festen Tribünen und Stahlrohrgerüsten bestehenden Ränge bieten heute 9.310 Plätze. Blickfang ist der hinter der Haupttribüne hoch aufragende und weit ausgreifende „Pilz“-Wasserturm Fungo Acquedotto di Latina Centro, der gemeinsam mit dem weiter hinten stehenden ebenso hohen Torre dell'Acquedotto an die Entstehungsgeschichte der Stadt durch Abpumpen des Wassers und Trockenlegung der sumpfigen Naturlandschaft erinnert.
Vor dem Spiel habe ich die Stadt Latina besichtigt.
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