Donnerstag, 18. Juli 2013

Forza Rapid, 2


Rezension


Forza Rapid
Die Hütteldorfer Revue
Nr. 2, Herbst 2013
66 S.







Erst zum zweiten Mal erscheint dieses Heft und man mag sich eine Zukunft ohne diese halbjährliche Portion gescheiter Rapid-Lektüre nicht mehr vorstellen.

Das Heft bietet eine lesenswerte sportliche Analyse des „Frühjahrs zum Vergessen“. Die im Statistikteil abgebildete Tabelle des 3. Saisonviertels drückt die furchtbare Bilanz in Zahlen aus (Tabellenführung von unten betrachtet). Neben der sportliche Misere war das bemerkenswerteste Ereignis des Frühjahrs wohl die bei uns so noch nie dagewesene Fandemonstration beim Heimspiel gegen Wiener Neustadt, was im Heft allerdings wenig Niederschlag findet (Bild beim Vorwort).
Es gibt ein historisch interessantes Interview mit dem Abwehrspieler der 70er Egon Pajenk und ein sehr gutes Portrait von Peter Persidis. Das Ausgraben solcher Interviewpartner wie Pajenk, die in der Medienöffentlichkeit nie auftauchen und doch Interessantes zu berichten haben, ist ein besonderes Verdienst. Das gibt es nirgendwo anders.

Lukas Resetarits erzählt in amüsanter Manier über den Fußball und das Rapidfansein in seinem Leben, etwa über eine prägende Europacuppartie gegen die Shamrock Rovers 1964: „Der Glechner Walter hat damals die Abseitsfalle perfektioniert und die Iren sind gefühlte 80 Mal einigrennt. Ich habe noch nie in einem Spiel so viele Abseits-Freistöße gesehen! Der Walter hat zum Schluß nur mehr den Schritt gemacht und die Hand gehoben, worauf der Schwarze das gepfiffen hat, weil er so begeistert war.“

Überhaupt gibt es sehr viel an schöner Geschichtsbetrachtung, neben einem Schwerpunkt zu den Rapid-Präsidenten etwa einen Artikel über die Gastspielreise Rapids auf die britische Insel 1933, wo Rapid mit einem freundschaftlichen 3:3 gegen die Rangers im Glasgower Ibrox Park Sportgeschichte schrieb (und gutes Geld verdiente). Solche Reportagen erfreuen das grüne Herz! Detail am Rande: Die Gagen mögen bei Rapid in Zeiten der Weltwirtschaftskrise nur für einen Halbamateur-Betrieb gereicht haben, als Profiliga wurde die österreichische bzw. Wiener Meisterschaft aber bereits seit 1924 geführt.
Die Geschichte der Rapid-Präsidenten ist tatsächlich bemerkenswert. Viele agierten nur in repräsentativer Funktion, während z.B. Sektionsleiter Dionys Schönecker der eigentliche Chef war. Andere waren wiederum starke Präsidenten in Entscheidungsfunktion und lange Zeiten war der Posten überhaupt vakant und der Verein wurde von Vizepräsidenten geführt. Eine spannende Betrachtung. Bei der Erwähnung des Rapid-Präsidenten Hans Fischer (1925 bis 1928) hätte man hinzufügen sollen, warum er 1938 Österreich in Richtung Brasilien verließ. Er flüchtete, um sein nacktes Leben zu retten, weil er, obschon als evangelischer Christ lebend, nach den rassistischen Kriterien der Nazis als Jude galt und daher verfolgt wurde.

Neben einem Bild vom noch von Hoffnung geprägten Match bei den Dosen im Februar (Tippfehler in der Bildlegende), das ich beisteuern durfte, sowie einem bemerkenswert langen Erratum und einem Auszug aus meiner Rezension der Premierenausgabe taucht meine Wenigkeit in einer Umfrage der Redaktion zur kommenden Präsidentenwahl bei Rapid auf. Ich wurde von der Redaktion für ausreichend prominent befunden, um neben Fachleuten, Fans und Journalisten eine Meinung dazu kundzutun. Ob dies so ist und ob ich etwas Gehaltvolles beizutragen vermochte, liegt im Auge des Betrachters oder der Betrachterin.

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