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Donnerstag, 22. Oktober 2026
Blickfang Ultrà, 51
Rezension
Blickfang Ultrà
Nr. 51
2026
212 S.
Nicht von ungefähr ist das im April 2026 erschienene Heft als 50+1 beschriftet. Um den Kampf um den Erhalt des Erfolgsmodells des Fußballs in Deutschland geht es gleich auf den ersten Seiten des Fanzines. Auf die Fandemo in Leipzig im November 2026 blickt man aus der Redaktion zurück, berichtet von hinter den Kulissen, lässt zwei Organisatoren zu Wort kommen und gibt auch ein Statement einer jungen Stimme wider, der bei den vorhergehenden deutschen Fandemonstrationen (zuletzt in Berlin im Jahr 2010) noch nicht dabei war. Ein weiterer Artikel widmet sich den Themen des Herbst 2025 mit Repressionsfantasien und deutscher Innenministerkonferenz. Um das Alleinstellungsmerkmal 50+1 geht es noch weiter hinten im Heft, wobei es auch eine Vorstellung von fünf beispielhaft abschreckenden Investoren-Geschichten gibt.
Thema im Heft ist darüber hinaus ein Rückblick auf das auch von mir besuchte Brandenburg-Derby Stahl Brandenburg gegen BSC Süd 05 im Oktober 2025 samt zahlreichen Hintergrundinformationen zur Entwicklung der Vereine, der Fanszenen und ihrer Rivalität auf 28 Seiten. „Kleine Kurven“ heißt die Rubrik, aber groß ist der Wissenszuwachs in der Lektüre. Weiters gibt es so Unterschiedliches wie Spannendes zu lesen wie Reflexion, warum und wie man Teil der Fanszene des VfL Wolfsburg ist, wie es doch Gästefans in Argentinien gibt und wie es aktuell mit Freundschaften in Polen aussieht und das in einer Grafik von Tomash anschaulich dargestellt wird.
Überaus beachtlich ist die umfangreiche Vorstellung von Tschechien und seinen Fanszenen in der Rubrik Länderpunkt. Da ist sehr viel an geballter Information über mehrere dutzend Vereine drin. Das hat Nachschlagewerk-Charakter. Dazu gibt es ein Interview mit der Tribuna Sever von Slavia Prag. Dabei wird u.a. auch die deutlich erkennbare Entwicklung zum polnischen Supportstil angesprochen. „Anfangs blickten wir stark auf die großen westeuropäischen Kurven. Auch die große Gruppen auf dem Balkan haben uns sehr inspiriert. Die jüngere Generation orientiert sich derzeit eher an Polen und findet deren Stil sehr ansprechend. Infolgedessen etablieren sich einige klassische Gesänge aus ihren Stadien auch bei uns.“
Ein in seiner Fülle an verschiedenen Themen und deren ausführlicher Aufarbeitung hervorragendes Heft.
B6 Format / 6 € / Kontakt blickfang-ultra.de
Donnerstag, 8. Oktober 2026
Tornados Spezial, 55

Rezension
Tornados Spezial
Ausgabe 55
100 S.
„30 surreale Jahre“ Tornados Rapid in 100 Seiten Fanzine. Zu ihrem dreißigjährigen Jubiläum veranstalteten die Tornados ein sehr schönes Fest im Block West und brachten dazu auch gleich das neue Heft heraus. Auch dieses steht ganz im Zeichen des runden Jubiläums. In dreißig persönlichen Geschichten erzählen Mitglieder über einprägsame Momente. Es sind unterschiedliche Anekdoten, deren Erleben die Person jeweils geprägt haben. Wenn man die Leute kennt, erkennt man manche in den anonymen Texten. Lesenswert sind sie alle, gerade in der unterschiedlichen Themensetzung und in der persönlichen Herangehensweise. Da lernt man auch viel, was die Gruppe ausmacht.
Die Geschichte von Tornados Rapid wird auf sechs Seiten noch einmal beschrieben. Zum 25-jährigen Jubiläum hatten sie diese ja erst mehr als umfangreich in einem Buch und einem Film dargestellt. Auf das komplexe Verhältnis zum mittlerweile auch schon wieder zehn Jahre alten Weststadion geht ein Text ein und blickt mit mixed feelings auf Gutes und Schlechtes am Stadion. Weitere Texte widmen sich der Familie Gartler und diversen Veranstaltungen im Rapid-Kosmos im ersten Halbjahr 2026. Über Ferencváros, Parma und Nürnberg ist wieder zu lesen und in gewohnter Manier wird auf diesmal 21 Seiten auf die Rapid-Spiele im Frühjahr 2026 geblickt. Es beginnt hier mit dem Cup-Ausscheiden in Ried und endet gegen denselben Gegner im Play-off nach dem Play-off mit „Das Minimalziel wurde erreicht.“ und freudigem Blick auf Europacupspiele in der folgenden Saison. Eine Kostenabrechnung der Saison ergab für 52 Spiele der Saison 2025/26 (vier Spiele ausgesperrt) 17.560 km Strecke, 1.827,94 € Reisekosten, 782,00 € Ticketkosten und somit Gesamtkosten von 2.609,94 €. Das ist schon eine Menge Geld. Selbst will ich gar nicht wissen, was ich ausgegeben habe. Weniger wird es sicher nicht gewesen sein. Als Fußballfan ist man verrückt. In der Jubiläumssaison ist bei den Tornados das am Titelblatt des Hefts abgebildete 30-Jahre-Jubiläumslogo zu sehen, das vom 30-Jahre-Jubiläumswappen des SK Rapid aus dem Jahr 1929 inspiriert ist. Ein Zeichen dafür, was die Gruppe im Geschichtstext im Heft dermaßen beschreibt, dass sie „großen Wert auf die Geschichte unseres Vereins und die Vermittlung des historischen und bis heute aktuellen Werte, welche die Gemeinschaft Rapid ausmachen und prägen“ legt.
A4-Format / 5 € / erhältlich bei den TR bei Rapid-Spielen oder über den deutschen Fachhandel blickfang-ultra.de und nofb-shop.de.
Dienstag, 15. September 2026
Einspruch! 23

Rezension
Einspruch!
Nr. 23, 2026
106 S.
Sieben Jahre nach der Ausgabe 22 im Jahr 2019 und damit mit nur halb so langem Abstand davor zu Nr. 21 brachte die Union '99 Ultrà Salzburg wieder ein Fanzine heraus. Thema des Hefts im Großformat A4 ist die Rückkehr in den bundesweiten Fußball. „Wir haben endlich die Tiefe des Regional- und Salzburger-Liga-Fußballs hinter uns gelassen und uns im Profifußball etabliert.“ So blickt man hier in Berichten auf die letzten Spiele vor dem Aufstieg und die erste Zweitliga-Saison 2025/26 zurück. Als „Wegbereiter“ des Aufstiegs nennt man klar das Cupspiel gegen die Dosen 2023, das nicht nur Aufmerksamkeit und Medienöffentlichkeit brachte, sondern auch vom Verein organisatorisch bewältigt wurde und ein Umdenken in der Stadtpolitik auslöste, sodass daran gearbeitet wurde, die Spielstätte in Maxglan zweitligatauglich zu machen und eine neue Perspektive eröffnet war. 2024 klappte es infrastrukturell noch nicht, aber 2025 war es dann soweit. Die nervliche Anspannung der entscheidenden Spiele gegen den SC Imst und gegen den SC Schwaz spricht man an. Ein „Auf Nimmerwiedersehen“ richtet man jenen Unterhausfußball-Funktionären aus, welche Salzburger Gastspiele bei ihren Vereinen verkompliziert hatten, während man bei anderen gut empfangen wurde. Dabei wird zu letzterem vor allem Vorarlberg genannt. Die 2025/26-Spielberichte reichen vom Cup-Aus in der ersten Runde über die meisten Zweitligaspiele, beginnend mit dem ersten Heimspiel und dem ersten Auswärtsspiel auf der Hohen Warte. Von jenem erzählt die Wiener Sektion Viennola, die mit einigen Spielen im Osten und in Wien nunmehr kürzere Wege hat und ihr 25-jähriges Jubiläum beim Spiel bei Admira Wacker zelebrierte. Eine Österreich-Karte zeigt die Destinationen ihrer Reisen in diesem Vierteljahrhundert. Im Frühjahr 2026 gab es u.a. das Spiel bei der Rapid II, mit großer Choreo. „Nur zum Vergleich: Der Überzieher gegen Rapid entsprach flächenmäßig mehr als drei Überziehern in unserer Heimkurve.“ Neben den Spielberichten gibt es Texte aus der Gruppe zu Mentalità und zu Kurvenliedern, ein Rückblick auf das UI-Cup-Auswärtsspiel in Lüttich 2000, ein Interview mit den Machern ihres Films Herz der Kurve, etwas zu den Freunden Barletta, Udinese und Aarau sowie zu Länderspielen. A4-Format / 9 € / erhältlich bei der Union '99 Ultrà Salzburg
Mittwoch, 2. September 2026
Supertifo 1 (2026)

Rezension
Supertifo
Anno 1, Numero 1
9 luglio 2026
52 S.
„Siamo tornati!“ („Wir sind zurück!“) hieß es Anfang Juli in Italien. Zehn Jahre nach dem letzten und erfolglosen Versuch, das Heft wieder erscheinen zu lassen, und dem anschließenden Rückzug auf Social Media entschied man sich nun, in unregelmäßigen Abständen wieder gedruckte Hefte zu machen. Die Bedeutung des ab 1985 erschienenen Supertifo für die Entwicklung der Ultràbewegung in Italien und dann darüber hinaus ist in seiner Hochphase der 1980er und 1990er Jahre gar nicht hoch genug einzuschätzen. Nicht umsonst galt es in seiner besten Zeit als das meistgefladerte Heft in italienischen Trafiken.
„Siamo regrediti.“ („Wir haben einen Rückschritt gemacht!“) bilanziert ein Artikel mit Blick auf innere Machtkämpfe der Kurven und die immer stärker werdenden Repressionen des letzten Jahrzehnts in Italien, schließt aber mit verbleibender Hoffnung mit Verweis auf die erfolgreiche Unterschriftensammlung für die jüngste Petition für Freiheiten. Bilder waren schon in früheren Zeiten ein Schwerpunkt des Hefts, als es ja abseits von solchen Druckwerken keine größere weitere Verbreitung von Fotos von Tifo-Aktionen gab. Auch hier gibt es traditionell Bilderstrecken zu Choreographien und Tifo-Aktionen der Saison 2025/26 in Italien. Ivan Cutrupi schreibt in einem Text gegen die zur Normalität gewordenen Verbote von Auswärtsfans an. Auch ein weiterer Text von Fananwalt Giovanni Adami beschäftigt sich im Rahmen mehrerer Problemstellungen aus rechtlicher Perspektive mit der Thematik und verweist etwa darauf, dass die Anzahl dieser Spiele in Vergleich zu anderen Ländern (selbst Griechenland und Frankreich) in Italien vergleichweise viel höher ist und nicht der Spielplan für den Fan der entscheidende Moment ist sondern die drei oder vielleicht vier Tage vor dem Spiel bekanntgegebene Entscheidung über das Gästeverbot. „Il divieto è ormai la regola e partire per la traferta l'eccezione.“ („Das Verbot ist nun die Regel und eine Auswärtsfahrt ist die Ausnahme.“)
Man darf gespannt sein, ob sich das 2026 neu nummerierte Heft wieder etablieren kann. Die 25.000 Stück Startauflage waren offensichtlich jedenfalls schnell weg.
A5 / 3,90€ / erhältlich im italienischen Zeitschriftenhandel
Dienstag, 18. August 2026
Gardener #2 2025/26

Rezension
Gardener
#2 2025/26
60 S.
Zu Saisonbeginn gab es schon das nächste Heft des Vienna-Fanzines Gardener nach der Wiederaufnahme des Erscheinens im Frühjahr. Darin hatte es Spielberichte aus dem Herbst 2025 gegeben und so stehen hier nunmehr Berichte aus dem Rückrunde an. Diese begann im Dezember bei Austria Salzburg („Man muss schon sagen, der Auswärtssektor ist eine Zumutung. Die Sicht auf den Rasen war bereits sehr eingeschränkt, doch um uns als Fans vor diesem drohenden Grottenkick zu beschützen wurde noch zahlreich von oben bis unten der Zaun beflaggt.“) Viel zu jubeln hatten man bei den Spielen nicht, konnte aber einige Akzente auf der Tribüne setzen. Es sind auch Worte der internen Kritik an der eigenen Szene zu lesen (Auswärtsspiel bei Austria Lustenau) und ein persönlich gehaltener, Entrüstung ausdrückender Text über konfliktbeladenes Verhältnis zu den Szenen von Admira Wacker und Austria Klagenfurt. Wo sonst, wenn nicht in einem Fanzine, soll und kann man offen seine Meinung schreiben. Für Außenstehende rekapituliert man im Heft noch einmal die jüngste Fanszenenentwicklung um die Gruppen DKT und BT, die wieder einen aktiveren Tifo als in den letzten Jahren eingeführt haben. Schön sind wiederum erneut Fotos und Collagen der Fanszene aus den 1990er Jahren. Zu Schluss gibt es auch noch eine fachlich-sportliche Betrachtung der für die Vienna unerfolgreichen Saison. Am Titelblatt ist ein im Lauf der Saison entstandener sarkastischer Gesang zitiert: „First Vienna wird 8. und Wels steigt ab.“ A5-Format / 5 € / Kontakt fvfc1894supporters @ outlook.at
Samstag, 1. August 2026
45° Kurvenheft, 54/55/56



Rezension
45°
Kurvenheft
Tripleausgabe 54/55/56
Dezember 2025
3x 112 S.
Zum dritten Mal hintereinander eine Dreifachausgabe des 45°, über deutsche Kurven von Jänner bis Mai 2025. Im Editorial des im Winter 2026 in laufender Saison 2025/26 erschienenen Konvoluts heißt es für die Nachfolgeausgabe: „Die ersten 100 Berichte der aktuellen Saison sind bereits geschrieben. Was vor wenigen Jahren noch eine komplette Hinrunde hätte abdecken können, sind mittlerweile die Spiele von gerade einmal zwei Monaten.“ Auch für diese Überblickshefte für das Frühjahr 2025 in Deutschland ist man beim Lesen der Berichte und Betrachten der Bilder fast überwältigt, was für eine Fülle an Szenen, großen Spielen und Ereignissen es im dortigen Land gibt, wie hier dokumentiert wird. Und solche Massen. Hauptquelle meiner Meinungen ist ja doch immer, was ich selbst mit eigenen Augen gesehen habe. Seite um Seite wird einem hier vorgeführt, dass da fast alles Makulatur ist. Weil die Stadien zwar dieselben sein mögen, in denen ich gewesen bin, aber das darin offensichtlich zu Sehende, wie hier dokumentiert, eine andere Quantität und Qualität hat. Pars pro toto Kaiserslautern aber irgendwie auch Bielefeld, wo meine Meinung vom eigenen Augenschein dominiert ist, dass es dort eh okay ist, aber auch nicht so stark beindruckend war. Gefühlt war ich dort ja auch noch nicht vor langer Zeit erst. Aber wenige Jahre machten hier sichtlich viel aus. Da sieht man hier anderes und liest vor allem auch entsprechendes darüber, wodurch man nicht alleingelassen mit einem Bild rätseln muss sondern Hintergründe erfährt. Fanzines lesen ist zur Weiterbildung unersetzlich. Somit bin ich jetzt einmal wieder am Stand Frühjahr 2025.
A5-Format / 10 € / erhältlich über 45grad-heft.de
Donnerstag, 9. Juli 2026
Blickfang Ultrà, 50
Rezension
Blickfang Ultrà
Nr. 50
2025
204 S.
Fanzine lesen ist weiterhin die beste Form der Informationsgewinnung. Der Faktor Zeit ist ja weniger wichtig als das Erfahren zutreffender Inhalte aus erster Hand und guter Recherche. Aufschlussreich war für mich das Interview mit der Clique du Nord des HSV. Der Einleitungssatz „In dieser Saison bekam auch der letzte Unwissende in ‚Fanszene-Deutschland‘ etwas von den Aktionen der Hamburger Fanszene mit.“ ließ mich aufschrecken. Das Heft erschien im August 2025, die Aussage bezieht sich also wohl auf 2024/25. Da Deutschland außerhalb meines regulären Blickfelds ist, hat mich das schon grübeln lassen. Damals stiegen sie in die Bundesliga auf, beantwortete mir Google und das wird dann auch im Interview gleich zu Beginn angesprochen. Dass es beim HSV große Umbrüche in der Fanszene gab, seit Rapid seinerzeit gegen sie gespielt hatte, wusste ich aus diverser Lektüre. Zuletzt hatte ich sie aber 2015 gesehen, was mein letzter Eindruck von ihnen war. Da haben die Abbildungen hier doch staunen lassen. Auch die Erzählungen haben da eine terra incognita kartiert.
Anschaulich erweist sich aus der Berichterstattung im Heft wieder einmal, dass der DFB-Pokal in Deutschland einen großen Stellenwert hat. Zahlreiche Berichte verschiedener Szenen über ihre Spiele im Lauf der Saison zeigen das und dann gibt es auch noch einen längeren Teil über das DFB-Pokal-Finale, in dem erstaunlicherweise Arminia Bielefeld spielte. Über das Finale wird aus deren Perspektive berichtet wird. Da das Heft auch schon wieder ein Jahr alt ist, gab es dazwischen ja schon wieder ein weiteres DFB-Pokal-Finale. Es wird interessant sein, beizeiten darüber zu lesen.
Eine weitere Rundumschau widmet sich Europacupspielen der Saison 2024/25. Berichte gibt es nur aus einer Perspektive jeweils. Daher ist die Djurgården-Berichterstattung der Begegnung mit Rapid zwar interessant, aber doch sehr eindimensional und tendenziös. Dennoch 43 Seiten lesenswerte Europacup-Berichte. Weitere Themen im Heft sind das gerichtliche Vorgehen gegen das Karlsruher Fanprojekt, der Abriss des Berliner Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks und andere verschwundene Stadien und eine Erinnerung an die deutsche Fandemo im Jahr 2010. Im Rahmen der Rubrik Länderpunkt wird Zypern, seine Fußballgeschichte und seine Fanszenen vorgestellt, wobei die Insel sinnvollerweise als ganzes betrachtet wird.
B6 Format / 6 € / Kontakt blickfang-ultra.de
Dienstag, 12. Mai 2026
Athleticker 11

Rezension
Athleticker
So tickt die Kurve
Ausgabe 11 – Frühjahr 2026
172 S.
„Während des Heimboykotts sahen viele nur das Schlechte, jetzt wird plötzlich alles perfekt geredet.“ Der LASK wandelte sich im Lauf der Saison 2025/26 vom Abstiegskandidat zum Titelgewinner. Kurvenboykott und Konflikt mit der Vereinsführung, die der Fanszene ein breit getragenes Grundsatzpapier (dokumentiert im letzten Heft) zurückwarf und ihr „mafiöse Strukturen“ unterstellte, stehen als Themen am Anfang des Halbjahresrückblicks auf den LASK im Herbst 2025. Ohne besuchte Heimspiele gibt hier zunächst nur die Auswärtsspiele, beginnend mit dem Cupspiel gegen den Wiener Sport-Club auf der Hohen Warte. Mit der Klärung der Vereinsfarben-Frage, womit der LASK nun wieder in eigenen schwarz-weißen Farben oder roter Farbe der Stadt Linz antritt und nicht mehr in Sponsorfarben, wurde der Heimsupport nach einer Länderspielpause wieder aufgenommen.
Cupsieger sind sie heuer bereits. Meister werden sie vielleicht auch noch. Da das nicht der Normalfall ist, und es über die Jahre und Jahrzehnte Hinauf und Hinunter ging, widmet sich eine neue Rubrik dem Thema „Warum gehst du eigentlich noch zum LASK?“. In der ersten Folge beschreibt jemand (wie alle Texte anonym) hier dazu seine Motivlage. Weitere Themen im Heft sind karitative Spendensammlung, Feste und Feiern, eine Fanklubvorstellung von Semper Fidelis oder ein Interview mit Erika, die den LASK als Fan seit den 1960er Jahren begleitet. Zu Kosten und Arbeitsaufwand ausgewählter Choreographien gibt es wieder Zahlen und Daten im Heft. Neben klassischen Fotos ist hier auch erneut eine Analogkamera-Bilderstrecke dabei, die aktuellem Geschehen die Optik der 1990er Jahre verleiht. Etwas aus dem Rahmen des Hefts fällt eine Abhandlung in wissenschaftlicher Sprache, die mit empirischer Datenanalyse ergibt, dass im Gegensatz zum LASK Blau-Weiß Linz kein Traditionsverein wäre und näher an einem „temporären Projektverein“ wie Pasching, das in der Studie als „Referenzpunkt für strukturelle Marginalität“ dient. Ah ja.
Protest und Unzufriedenheit waren in den letzten Jahren große Themen im LASK. Ein Text im Heft beschäftigt sich mit Fanprotesten in Deutschland, Ägypten und Frankreich. Über das Thema „Sudern“ philosophiert ein Kommentar. Reiselust machende Groundhoppingberichte liest man von einer Tour auf Zypern und Fanzine-Rezensionen bietet das Heft auch wiederum.
Einen Einblick in seine Arbeit an einem Vereinsgeschichtsbuch bietet LASK-Chronist Günther Waldhör mit einem Auszug über die Europacupbegegnung mit Dundee United 1984/85. In jüngere Geschichte der Regionalligazeit blickt ein anderer Text „mit einer Mischung aus Nostalgie, Freude und Scham“ auf das „vermutlich asozialste Auswärtsspiel, das die LASK-Fanszene im 21. Jahrhundert – oder jemals – erleben durfte“, dem Meisterschaftsspiel in Vöcklamarkt im Jahr 2012. Diese historische Ausnahmestellung war mir bei meinem Besuch dieses Spiels vor bald eineinhalb Jahrzehnten nicht bewusst. Höflich zurückhaltend schrieb ich in meinem obengenannten Bericht davon nur, dass die LASK-Fanszene „am schlechten Ruf gearbeitet“ habe. A5 / gegen Spende / erhältlich bei den Landstrasslern
Freitag, 8. Mai 2026
Diabolik 4
Rezension
Diabolik
Fanzine der Fraternité Violette
Ausgabe 4
Saison 2024/25
246 S.
Die Salzburger Regionalligameister- und Zweitligaufstiegssaison im Rückblick der Fraternité Violette. Nachdem die Austria Salzburg schon in der vorherigen Saison Meister geworden war, aber aus infrastrukturellen Gründen noch nicht aufsteigen durfte, schaffte sie es diesmal. „Schwelgt noch einmal in Erinnerung und genießt die Aufstiegssaison 24/25“ ist so auch die Aufforderung im Vorwort. Verschiedene Autoren erzählen von den Spielen der Austria Salzburg sowie gewohnt oft von den zahlreichen Besuchen beim 1. FC Saarbrücken. Ein Drittel der Spielberichte handelt von Saarbrücken. Eine stets beachtliche Intensität der Besuche. Weiters ist auch wieder von Spielbesuchen beim FC Aarau zu lesen. Über das Bündnis Fanszene Deutschland liest man Informationen aus Saarbrücken. Lehrreich ist darüber hinaus auch ein Jugendsprache-Lexikon, von dem ich als alter Mann keinen der vorgestellten Begriffe kannte. Aber vielleicht ist das ja auch Salzburger Sprache. Erzählt wird im Heft noch von Veranstaltungen abseits des Spieltags und es gibt Graffiti-Bilder zu sehen.
Der unterschiedliche Schreibstil der Autoren tritt in den Beiträgen deutlich zu Tage und gibt den Texten stets eine persönliche Note. Es gibt kaum einen Text von Grinch, der einen nicht an zumindest einer Stelle schmunzeln lässt, nicht nützliche Informationen oder einen Bezug zu Musik enthält. Er schließt das Heft auch ab mit persönlichen Worten nach dem finalen Erfolg des Meistertitels und der Aufstiegsfixierung im letzten Spiel der Austria Salzburg gegen den SC Schwaz.
Vom Tief mit frühem ÖFB-Cup-Ausscheiden gegen Reichenau und dem schweren Schlag der Testspiel-Absage gegen den FSV Zwickau zum Saisonbeginn bis zur Euphorie am Ende beschreibt das Heft die erstaunliche Bandbreite des Fußballs. A5 / 8 € / erhältlich bei der Fraternité Violette
Mittwoch, 6. Mai 2026
Am Wörthersee geboren ... 3

Rezension
Am Wörthersee geboren ...
Das Kurvenheft des Fandachverbands Wir.Austrianer
Ausgabe 3 / April 2026
24 S.
„Dort zu sein, wo das Herz der Austria schlägt, ist in diesem Frühjahr das Wichtigste.“ Aufgrund der Misswirtschaft der Klubführung hat sich die Fanszene der Austria Klagenfurt entschlossen, sich von der als GmbH geführten Zweitligamannschaft abzuwenden und die im Verein angesiedelten Mannschaften bis inklusive der zweiten Mannschaft in der viertklassigen Kärntner Liga im Fokus zu haben. Auch die Frauen unterstützte man etwa beim Kärntner Derby gegen den SV Kraig in Guttaring und war bei einem Hallenturnier der Austria Klagenfurt Champions, bei denen Menschen mit Behinderung Fußball spielen.
In Spielberichten wird von den verbleibenden Zweitligaspielen im Herbst 2025 erzählt und dann von den Spielen der Austria-Amateure in März und April 2026, wo man zur Heimspielpremiere gleich auch mit einer „Zurück zu den Wurzeln“-Choreographie der Barrakudas am Kunstrasenplatz neben dem Wörthersee-Stadion startete. Mit zweifacher Bedeutung, einerseits als Hinweis auf die Rückkehr zu den Wurzeln des Mitgliedervereins und andererseits der „Bezug auf die für uns historisch bedeutende Örtlichkeit am Freddy-Hohenberger-Platz (...) mit dem einzigen Überbleibsel des alten Wörthersee-Stadions: dem Austria-Stüberl“ neben der dortigen Tribüne.
Weitere Themen sind u.a. die Buchpräsentation zu 105 Jahren Austria Klagenfurt, fanszeneninterne Filmvorführungen von A guardia di una fede sowie Nachrufe zu einem verstobenen Austrianer und einem Freund von Vicenza. In der Rubrik „Gedankenritschert“ geht es in Texten die Krise und Pleite des Vereins und um den Umgang mit Support auf Dorfplätzen im Frühjahr. Ein beigelegter Flyer informiert über die Spieltermine von Amateuren und Frauen.
A5-Format / erhältlich vor Spielen am Freddy-Hohenberger-Platz
Dienstag, 28. April 2026
Rückspiegel 2

Rezension
Rückspiegel
Ausgabe 2
April 2026
116 S.
„Es gibt viel zu erzählen – wir haben viel zu erzählen.“ schreibt die SAF im Vorwort ihres zweiten Hefts. Es hätte schon im Winter da sein sollen, aber wie es eben kommt, wurde es umständehalber April 2026. Der Vorteil eines Hefts im Print ist aber, dass dies nichts ausmacht. Denn so etwas ist für Langfristigkeit da und nicht für den Augenblick. Fanzines haben einen Wert. Seit dem ersten Heft vor sechs Jahren ist viel passiert. So wird hier auf die Zelebrierung des zehnjährigen Gruppenjubiläums 2022 und das Making-of der Choreographie eingegangen, auf Aufmerksamkeit erregende Aktivitäten zum 125-jährigen Jubiläum Rapids oder den Wechsel des Gruppenlogos vom Bus zum Strizzi 2024. Auf spezielle Europacup-Reiseabenteuer in Zeiten der Coronapandemie 2021 und 2022 sowie schönen Reisen 2023. Mit und für Rapid zu reisen ist dann doch immer das Allerbeste.
Groundhopping, große Fotostrecken von Graffiti und etwas zur Beziehung zu 1860 München gibt es weiters. Zu guter Letzt darf auch meine Person selbst in Form eines Interviews zu Wort kommen. Ein Jahrzehnt nach dem Interview bei den Tornados. Mich selbst will ich nicht in den Vordergrund stellen und präsentieren, sondern durch diesen Blog hier und meine Arbeit für den Fußball generell sprechen. Fanzines sind aber eine gute Plattform für die an Themen nachhaltig interessierte Zielgruppe abseits der großen Öffentlichkeit. Daher habe ich die Einladung der SAF gerne angenommen und freute mich, hier ein wenig über mich zu erzählen.
A5-Format / 4 € / nur szeneintern erhältlich
Freitag, 24. April 2026
Da Brunnenmiller, 118, 120, 127, 130, 131





Rezension
Da Brunnenmiller
Stadionheft der aktiven Fanszene
Ausgabe 118 (7. Spieltag: TSV 1860 München – TSG Hoffenheim II)
Ausgabe 120 (11. Spieltag: TSV 1860 München – MSV Duisburg)
Ausgabe 127 (25. Spieltag: TSV 1860 München – Hansa Rostock)
Ausgabe 130 (31. Spieltag: TSV 1860 München – Waldhof Mannheim)
Ausgabe 131 (33. Spieltag: TSV 1860 München – Jahn Regensburg)
Saison 2025/26 / 3. Liga
20 S. (118) / 36 S. (120) / 56 S. (127). / 28 S. (130) / 32 S. (131)
„Nächster Halt ... 3. Liga“ hieß es am Titelblatt der jüngsten Ausgabe des Stadionhefts der aktiven Fanszene des TSV 1860 München zum letzten Heimspiel gegen Jahn Regensburg. „Realistisch betrachtet ist der Aufstiegskampf für die Saison jetzt endgültig beendet.“ bilanzierte die Redaktion im Vorwort dieses Hefts die Tabellensituation nach der vorherigen Auswärtsniederlage bei Energie Cottbus. Mit zwei Unentschieden seither hat sich daran nichts geändert. Verbliebenes Saisonziel ist der Titelgewinn im in einem Monat anstehenden Finale im bayerischen Toto-Pokal bei den Würzburger Kickers, welcher die Qualifikation für den DFB-Pokal brächte. Wie es im Spielbericht zum gewonnenen Semifinale in Regensburg zum Abschluss heißt: „Nur noch 7 Spiele bis Europa!“ Hervorzuheben lehrreich sind hier die Gegnervorstellungen, in denen fundiert und faktenreich über Vereinsgeschichte und Stadiongeschichte der jeweiligen Gegenüber sowie über deren Fanszene und ihre Einschätzung informiert wird. Da liest man etwa starke 25 Seiten über Hansa Rostock (127) oder eine redliche Bewertung der Regensburger Freundschaften zu Stuttgarter Kickers und Blau-Weiß Linz („das ist schon nicht schlecht, wie gut die gelebt werden – von allen Seiten.“ ohne diesen Vereinen positiv gegenüberzustehen. Die Hefte bieten sonst wie stets Spielberichte der vergangenen 1860-Spiele, Erklärungen zu gezeigten Spruchbändern (für Außenstehende immer aufschlussreich) und auch einen Blick zurück in die Geschichte. Historische Spielberichte liest man anlässlich der Begegnung mit der Zweitmannschaft der TSG Hoffenheim etwa vom Auswärtsspiel in der 2. Bundesliga 2007/08. Dieses fand damals auch noch im Dietmar-Hopp-Stadion in Hoffenheim selbst statt und am Weg vom Bahnhof dorthin wurden Leute im erstbesten Dönerlokal mit den Worten „Seid ihr die Verrückten, die mit den Löwen-Amateuren schon mal da waren und mir den ganzen Laden leergesoffen haben?“ begrüßt. Andere Rückblicke auf historische Begegnungen mit dem jeweiligen Gegner führen einen ins Jahr 1997 (1860-Duisburg in der Bundesliga), 1996 in Rostock („Für uns naiv-dümmlichen Wessis zu dieser Zeit ein echter Kulturschock. Die Löwenfans, die mit Klischees über unsere neuen Mitbürger aus Dunkeldeutschland nach Rostock reisten, kamen dafür aber voll auf ihre Kosten.“), nach 1991 (2. Bundesliga gegen Waldhof Mannheim) oder gar ins Jahr 1990 (Bayernliga bei Jahn Regensburg gegen 1860 im alten Jahnstadion). Die dickste Ausgabe der hier behandelten fünf Hefte ist Nummer 127 mit 56 Seiten, was für ein Spieltagsheft beachtlich ist. Diverses an aktuellen Themen gibt es jeweils auch, seien es Blicke in andere Sportabteilungen von 1860, ein Pro und Contra zur erneuten Abhaltung Olympischer Spiele in München (120), ein Interview mit dem Portal sechzger.de oder Graffiti im Stadtviertel Giesing (130). Fanpolitische Kommentare und Texte gibt es zur „Machtgier der Bonzen“ (118), kollektiven Protest (127) oder Ultras in Deutschland (131). Bildungsarbeit gibt es mit Texten über Stefano Furlan oder mit einem Nachruf auf den verstorbenen Karsten Wettberg. Anlässlich der Wahlen in der Stadt München fragt man kandidierende Parteien mit einem Fragebogen zu ihren Positionen zum Stadionausbau ab. Schmunzeln kann man u.a. bei Stadionbezeichnungen wie „Wellblecharena Wiesbaden“ oder den gut gezeichneten Comics im Heft. Praktischen Informationswert für die unmittelbare Zielgruppe hat die „Bierpreisrecherche für`s nächste Auswärtsspiel“ samt Angabe zu Marke, ausgeschenkte Menge und eben Preis.
A5 Format / erhältlich bei den Heimspielen des TSV 1860 München / ab einer Spende von 60 Cent
Mittwoch, 15. April 2026
Gardener #1 2025/26
Rezension
Gardener
#1 2025/26
60 S.
Nach acht Jahren erschien wieder ein Heft des Vienna-Fanzines Gardener. Die letzten Ausgaben des Fanzines erschienen 2015 und 2018. Jetzt gibt es in Döbling neue Leute und auch das Heft wurde von diesen erstellt.
In Spielberichten wird von den Vienna-Spielen im Herbst 2025 erzählt, vom ersten Pflichtspiel im ÖFB-Cup im steirischen Tillmitsch (was mich daran erinnert, dass ich dort nur am alten Sportplatz war und am Neubau noch gar nicht) bis zum vorletzten Meisterschaftsspiel auswärts in Bregenz. Dazu gibt es noch einen Text zur Leistungsbetrachtung der Kampfmannschaft. Die Saison begann man als Aufstiegsaspirant, fand sich aber schon bald abgeschlagen wieder. „Bereits am 8. Spieltag sind wir also nun auf der Jagd nach der goldenen Ananas.“ resumiert man nach einem Auswärtsspiel in Kapfenberg. Diese Trophäe der goldenen Ananas findet man auch am Titelblatt in Szene gesetzt. Zu lesen ist in den Spielberichten vom Support, von Aktivitäten und Veränderungen im Fansektor wie Einführung einer Trommel oder Diskussionen um Fahneneinsatz und Sichtbehinderung, Häkel mit dem FAC sowie den vielen Möglichkeiten, wofür der neue Fetzen DKT stehen kann. „Nach dem Rückzug der Wanderers und Urban Group 2017 ist es recht dünn geworden, wenn es um Choreos oder ,aktives‘ Fanleben bei der Vienna geht. Als Reaktion haben sich ein paar Ältere zusammengetan, um dieses Loch zu schließen (...) Für was DKT dann am Ende des Tages tatsächlich steht, darf sich jeder für sich selbst ausmachen.“ Zum Spiel der Vienna gegen Austria Salzburg ist auch der online zu lesen gewesene Text von Ines über die beiden Vereine in ihrem Leben abgedruckt. Einen Blick in vergangene Zeiten bringt ein Interview mit Erich, der mit dem verstorbenen Michael Czeschka 1997 bis 2001 das Fanzine Old Firm Review herausgab und über jene Zeiten erzählt. A5-Format / 5 € / Kontakt fvfc1894supporters @ outlook.at
Freitag, 10. April 2026
Clockwork Jewels, 8

Rezension
Clockwork Jewels
Ausgabe 8
04/2026
84 S.
Die achte Ausgabe des Fanzines der Jewels Sturm kam wie zum vorigen Heft versprochen schon nach einem Jahr, während es bis zur Ausgabe 7 ja fast zwei Jahrzehnte waren. Ultras liberi hält der Kater Karlo der Jewels am Titelblatt ins Bild und das Hauptthema des Hefts ist auch das aktuelle große Thema der Nordkurve Graz mit Polizeirepression neuer Qualität und mehreren gerichtlichen Verurteilungen zu Haftstrafen. „Zählt man die gesamten Verurteilungen der letzten anderthalb Jahre zusammen, so stehen wir aktuell bei 320 Monaten Haft, verteilt auf 15 Mitglieder unserer Szene, wovon ungefähr ein Drittel als unbedingt ausgesprochen wurde.“ Dabei bleibt es nicht, sondern es folgten auch Verfahren zum Führerscheinentzug aufgrund der Verurteilungen wegen Gewaltdelikten, Briefe an und Anrufe bei Arbeitgebern von Personen in Ermittlungsverfahren etc. Dazu gab es bei zahlreichen Kurven Solidaritäts-Spruchbänder, die im Heft dokumentiert werden. Zu lesen ist hier in einem reflektierten Text auch über Folgen medialer Narrative über Ultras. Spielberichte erzählen von ausgewählten Spielen von Sturm Graz von Mai 2025 bis Februar 2026. Besonders wird dabei auf die Choreographien eingangen. Lesenswert ist auch die Geschichte der Norwegen-Reise zum Europacupspiel beim FK Bodø/Glimt, mit den teuersten je gekauften PVC-Rohren und Besichtigung landschaftlicher Schönheiten auf abenteuerlichen Autofahrten und Wanderungen bei Regen, Wind und Schnee im Hochsommer. Ein abschließender Essay beschäftigt sich mit den sportlichen Erfolgen der letzten Jahre und ihrer Auswirkung für das Fandasein.
A5-Format / erhältlich bei den Jewels Sturm
Freitag, 20. März 2026
Tornados Spezial, 54

Rezension
Tornados Spezial
Ausgabe 54
108 S.
„Dieses halbe Jahr hat uns nicht nur wesentlich älter gemacht, sondern auch Jahre näher an den Tod gebracht.“ leiten die Tornados im Vorwort ihr Heft mit dem Rückblick auf die Rapid-Herbstsaison 2025 zutreffend ein. Als Rapidfan altert man aufgrund der emotionalen Hochschaubahnen mit rasanten Abstürzen nach kurzen Höhenflügen generell schnell. Die Saison 2025/26 sticht dabei aber nocheinmal aus dem langjährigen Schnitt heraus. Einer der zahlreichen Punkte dieses Alterungsprozesses war die in sieben Jahrzehnten Europacupgeschichte erstmalige Entscheidung einer Begegnung Rapids im Elfmeterschießen im Sommer bei Dundee United, wobei nach 2:0-Pausenrückstand das jähe frühe Ende der Europacupsaison auch schon davor nahe war. Unter dem Titel „Auf den Punkt gebracht“ beschäftigen sich die Tornados in ihrer stets lehrreichen Geschichtsbetrachtung diesmal mit den Elfmetern in der Rapid-Geschichte und versuchten dazu auch soweit möglich die Daten und Zahlen zusammenzutragen. Man lernt wieder einige Fakten der Rapid-Geschichte dazu. „Oida. Puh.“ und ähnliche Gedanken kommen einen zu den aufsteigenden Grausbirnen beim Lesen der Spielberichte des Herbsts 2025. Da waren Tiefpunkte wie die Heimniederlage gegen den Tabellenletzten GAK dabei, die ich gern verdrängt gehabt hätte. Aber an die guten Momente wird man hier zumindest auch erinnert. Auch wenn der Europacupherbst katastrophal zu bilanzieren ist, konnte man immerhin doch wieder einmal mit der Rapid kreuz und quer durch Europa reisen. Ein Schmunzeln entlockte die Bildunterschrift „Statue eines fassungslosen Rapidfans im Herbst 2025“ zur abgebildeten Statue des Jan Kiepura in Sosnowiec, wo Rapid sich von Raków Częstochowa an die Wand spielen ließ. Im Text über das Freundschaftsspiel von VeneziaMestre in Hütteldorf gehen die Tornados auch auf die besondere Situation aufgrund ihrer Freundschaft zu deren Rivalen Parma und den Umgang damit ein. Im großen Interview gibt es diesmal ein Gespräch mit Chris und Moriz, die mit den Lords die Fanszene Rapids lange mitgeprägt haben und heute in anderer Rolle in von den Vereinsmitgliedern gewählten ehrenamtlichen Funktionen des SK Rapid tätig sind. Sie reflektieren Vergangenheit und Gegenwart. Weiters liest man im Heft wieder von Veranstaltungen und von Besuchen bei Ferencváros und Parma sowie Nürnberg. Im Rezensionsteil fällt den Tornados im Film der Union '99 Ultrà Salzburg eine Vorliebe für Ottakringer Bier aus Wien auf. Ein Reisebericht entführt einen gedanklich in Text und Bild nach Kolumbien.
A4-Format / 5 € / erhältlich bei den TR bei Rapid-Spielen oder über den deutschen Fachhandel blickfang-ultra.de und nofb-shop.de.
Dienstag, 10. März 2026
Nonstop 1

Rezension
Nonstop
Fanzine von Red Fanatic München Ausgabe 1
Saison 2024/25 300 S.
Ein neues Fanzine brachten die 2008 gegründeten Red Fanatic München 2025 heraus. Als „lang gehegter Traum, oft verworfen und jetzt endlich vor euch liegend“ beschreibt die Redaktion im Vorwort die Herausgabe eines eigenen Hefts der Gruppe. Dies Motivation dafür ist gut: „In Zeiten, in denen Fußball und der Stadionbesuch völlig zum Event verkommen sind, in denen in Social Media x-tausende Seiten existieren, die alles und jedes ins Internet pressen, in denen Influencer ihre ,Karriere‘ über Berichte über die Kurven aufbauen, schlicht in denen auch das Geschehen in den Kurven konsumierbar wird. In diesen Zeiten bildet dieses Heft – und andere Hefte auch – einen Gegenpol.“ Erklärt wird anfangs auch der Heftname. Er begründet sich im Leitspruch der Gruppe „No one can stop us.“ Inhalt des Hefts ist vor allem ein Rücklick auf die Saison 2024/25 des FC Bayern München, die für die Gruppe einen neuen Standort und das erstmalige Stellen eines Vorsängers brachte. Nach einem einleitenden Saisonfazit liest man einzelne Spielberichte. 153 Seiten widmen sich dabei Bayern-Spielbesuchen und weitere ausführliche Seiten Besuchen bei den „Freunden und Kontakten“ VfL Bochum (27 Seiten), FC Carl Zeiss Jena (21 Seiten) und Bologna FC (13 Seiten). „Die Kontakte unserer Gruppe nach Bologna zu den Forever Ultras/Ultras Rosso Blu (URB) bestehen nun bereits seit ungefähr acht Jahren und nahmen ihren Anfang in Bochum.“ liest man über letztere u.a. Über Bochum handelt auch ein Interview mit den Ultras Bochum, in dem über die vergangene Saison, die Kurvenentwicklung und die Freundschaft gesprochen wird. Weiters liest man im Heft über die 15-Jahres-Feierlichkeiten und es gibt Bilderstrecken zu Pickerl und Graffiti. Ein Abschnitt mit recht persönlichen Gedanken und Zugängen von Gruppenmitgliedern zu verschiedenen Themen schließt das Heft ab.
A5 / 10 € / erhältlich bei Red Fanatic München
Freitag, 27. Februar 2026
Gegen den Strom, 18

Rezension
Gegen den Strom
Ultrazine der Schickeria München 18/25-26
252 S.
Nachdem vier Jahre zwischen Nummer 16 und Nummer 17 gelegen waren, erschien die Nummer 18 des Fanzines der Schickeria München im November 2025 und so schon ein halbes Jahr nach der vorherigen Ausgabe. Die neue Redaktion hielt damit das Versprechen eines erhöhten Tempos ein.
Einen großen Brocken im Heft nehmen mit 147 Seiten die Spielberichte aus der Saison 2023/24 ein. Eine für Bayern München ungewöhnliche Saison, da sie weder Triple noch Double sondern am Ende gar keinen Titel gewannen. Die Spielberichte werden von zahlreichen Fotos illustriert und dazu werden jeweils die in jener Zeit veröffentliche Stellungnahmen zu verschiedenen Themen abgedruckt. Hie und da gibt es auch unter dem Titel „Andere über uns“ Auszüge aus Fanzines der Gegner über den eigenen Auftritt. Zum Europacupspiel des FC Bayern gegen den FC København druckt man hier des weiteren übersetzte Ausschnitte aus einem Bericht eines geschätzten Kollegen von der Seite sportpeople.net ab. In die Saison fällt auch das erstmalige Aufhängen des großen Südkurve München 1972 am Mittelrang samt vorheriger Einweihung in der Südkurve im Olympiastadion, worüber auch zu lesen ist. Öfters ist bei Heimspielen der Marsch vom Südkurvenplatz zum Stadion abgebildet, was den Stellenwert anzeigt, den der Treffpunkt entwickelt hat. Als historisch Interessierter und Groundhopper sind mir die Red Munichs 89 ein Begriff. Mit einem 59 Seiten (!) langen ausführlichen Interview werden sie hier gewürdigt, erzählen von sich, aus der Entwicklung der Fanszene des FC Bayern, über Reisen in den 1990er und 2000er Jahren sowie ihren Haltungen zu kontroversen Themen wie Unterstützung der Nationalmannschaft, Reise zur WM in Katar etc. Die Frage der Politik wird auch angeschnitten, aber nicht erschöpfend behandelt. Während anderswo Europacupreisen Sehnsüchte wecken, sprechen sie davon, dass diese keine Freude mehr machten. „Die Abwertung des Europacup-Auswärtsfahrens hat zwei Gründe. Erstens, dass jeder Trottel hinfährt. Jeder Bayernfan fährt heutzutage nach Barcelona. Wenn wir da in zehn Jahren nacheinander zehn Mal spielen, sind jedes Jahr 4.500 Bayernfans und jedes Jahr 3.000 andere, die noch nie vorher da waren. Die andere Abwertung ist die Champions League an sich, weil diese ja mittlerweile fast noch mehr eine Zweiklassengesellschaft ist als die Bundesliga.“ Weiters gibt es u.a. über rechtsextremen Terrorismus in München oder A guardia di una fede im Heft zu lesen. Den Abschluss bildet wieder eine viele Seiten lange Graffiti-Bilderstrecke.
A4 / 10 € / erhältlich bei der Schickeria München
Samstag, 7. Februar 2026
45° Kurvenheft, 51/52/53



Rezension
45°
Kurvenheft
Tripleausgabe 51/52/53
Mai 2025
3x 96 S.
Erneut eine Dreifachausgabe des 45°, über deutsche Kurven von Juli bis Dezember 2024, erschien im Frühjahr letzten Jahres. Die Masse an Bildern und Aktionen ist schon beeindruckend, wenn man Deutschland im großen und ganzen nicht verfolgt. Aus der Fülle an Berichten nach der Lektüre einzelne herauszugreifen, ist schwierig. In Summe wird ein breites Panorama vor allem aus 2. Bundesliga und 3. Liga vermittelt. Zeitlich erscheint ein Fanzine natürlich im Nachhinein und bis ich zum Lesen komme vergeht auch etwas Zeit, sodass ich dem Geschehen vorsichtig formuliert etwas hinterherhinke. Aber hier kompakt und vor allem nicht allein mit Bildern sondern mit den so wichtigen Hintergrundinformationen dazu einen Informationsstand auf sehr gutem Niveau (wenn auch zeitlich versetzt) zu bekommen, erfreut mich dann doch jedesmal. Von manch einem Spiel hatte ich Bilder gesehen, aber nur damit weiß man dann ja eigentlich auch nichts und erwirbt Wissen erst durch das Lesen von Texten mit Hintergrundinformationen dazu. Damit kommt man weiter und dafür lese ich Fanzines wie dieses.
A5-Format / 10 € / erhältlich über 45grad-heft.de
Freitag, 9. Januar 2026
Fuori di testa, 3

Rezension
Fuori di testa
#3
Nov. 25
68 S.
Schon bald nach Numero 2 erschien im November 2025 auch schon das dritte Heft des Fanzines Fuori di testa der Grazer Sturmflut. Man liest Spielberichte aus dem Frühjahr 2025 am Weg zum erneuten Meistertitel, wobei es nicht nur klassische Berichte sondern wiederum auch einen speziellen literarischen Text als kleinen Roman gibt. Die harte Repression gegen die Nordkurve Graz mit Polizeiermittlungen und Gerichtsverfahren seit Herbst 2024 ist Thema und wird mit einem grundsätzlichen Text mit Blick auf den Nachgang des Cup-Derbys 2023 behandelt. Es gibt weiters im Heft einen Ausflug nach Vallecas und aus der Kreativabteilung findet sich je ein Spiel zur Saison 2024/25 und 2025/26 für Freundinnen und Freunde des Trinkens und des Bingo. „Wie immer gilt: Heftl ist für GSF & Friends aus der Nord gedacht. Weitergabe an außenstehende Freunde der Fanzine-Kultur nur mit Bedacht.“ ist die im Vorwort ausgegebene Devise des nicht offen erhältlichen Zines.
A5-Format / erhältlich bei der Grazer Sturmflut
Mittwoch, 17. Dezember 2025
Erlebnis Fußball, 94
Rezension
Erlebnis Fußball
Ausgabe 94
02/2025
196 S.
Die aufsehenerregendste Artikel in dieser im Mai 2025 erschienenen Ausgabe ist sicher die in Kooperation von EF und ballesterer entstandene investigative Reportage von Moritz Gross auf den Spuren der Schalmafia im Kosovo und in Nordmazedonien, die mit nachgemachten Ultras-Schals diverser Gruppen und Szenen zu deren Schaden Geschäft macht. Indonesien-Experte Andrin Brändle erzählt im Heft wiederum über jenes ferne Land und die Kölner Coloniacs über das Freundschaftsjubiläum mit den Ultimi Rimasti Lebowski. Dazu gibt es einen Einblick in die Situation in Serbien zum Umgang der Fankurven mit der landesweiten Protestbewegung auf den Straßen gegen die Regierung. Nach einem Reisebericht aus Marokko in der vorherigen Ausgabe gibt es hier solche aus Algerien. Spannend, da mir da alles neu ist. Aber offenkundig gibt es dort zahlreiche Schwierigkeiten bei einer Fußballreise. Aus Marokko kann man aber auch in diesem Heft wieder lesen, genauer aus Tanger.
Weiters gibt es Texte der Kurven der deutschen Europacupteilnehmer über ihre Spiele im Herbst 2024, wobei die unterschiedlichen Erwartungshaltungen und Ausgangslagen deutlich hervortreten. Der Bericht von Borussia Dortmund über ihr Spiel gegen Sturm Graz und jenes gegen Bologna ist ergänzt durch jeweils einen Text von der Nordkurve Graz und den bei den Forever Ultras Bologna als Freunde teilnehmenden Ultras Bochum sowie jener des VfB Stuttgart über ihr Spiel gegen die Young Boys mit einem Text der Ostkurve Bern. So etwas ist immer eine gute Sache, da es unterschiedliche Perspektiven bringt.
Der offene Brief von Claudio „Bocia“ Galimberti gegen das Unrecht an ihm ist übersetzt abgedruckt. In der beliebten Italien-Reiseberichtsrubrik gibt auch wieder einiges zu schmökern und bei der Betrachtung des Fotos des Spielberichtsautors beim Mithelfen der Beseitigung der Wassermassen am Spielfeld in Catanzaro auch zu schmunzeln.
A5 Format / 5,95 € / Kontakt erlebnis-fussball.de
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