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Mittwoch, 20. Juni 2018

Pfarrwiese-Gedenktafel, Hütteldorf

19.6.2018

1912 zog Rapid von Rudolfsheim nach Hütteldorf zu und wurde hier heimisch. 66 Jahre lang spielte Rapid auf der legendären Pfarrwiese. Für 65 Jahre − mehr als die Hälfte der Vereinsgeschichte − war die Pfarrwiese die unbestrittene Heimat, bis 1977 wenige hundert Meter entfernt das spätere Gerhard-Hanappi-Stadion eröffnet wurde. Aufgrund Baumängel kehrte Rapid im Frühjahr 1978 nocheinmal auf die Pfarrwiese zurück. Dann war Schluss.

Nach langen Jahren, in denen das Thema immer wieder ergebnislos angestoßen worden war, wurde nun am 18. Juni 2018 vom SK Rapid eine Gedenktafel am Grund des 1981 abgerissenen Rapidplatzes errichtet. Seit 1986 befindet sich hier eine Tennisanlage.



Das klassische Panoramamotiv vom ursprünglichen Zustand des Jahres 1912 zeigt die Perspektive vom Standort der Gedenktafel. Durch das transparente Foto kann durchgeschaut werden, womit sich die Ebenen von historischer und gegenwärtiger Ansicht überlagern.



Ein informativer Text des Rapideum fasst die Bedeutung der Pfarrwiese für Rapid zusammen.



Ein Hütteldorfer Gedächtnisort.




Mehr dazu:

Bilder aus der Ausstellung Sport in Penzing, die 2016 im Penzinger Bezirksmuseum zu sehen war.


Ein Modell im Ausbauzustand der letzten Jahrzehnte der Pfarrwiese ist im Rapideum zu sehen.

Montag, 30. Dezember 2013

Lost Ground Rudolfsheimer Sportplatz, Wien XV

Wien, 30.12.2013

Von 1903 bis 1911 hatte der Sportklub Rapid seinen ersten eigenen Sportplatz. Er stand in Wien-Rudolfsheim.

Die ersten vier Jahre nach seiner Gründung 1899 trug die junge Rapid wie schon zuvor der 1. Wiener Arbeiter Fußball-Club die Fußballspiele am Exerzierfeld Auf der Schmelz aus. Das große freie Gelände stand für Aktivitäten offen, wenn es nicht gerade vom Militär in Beschlag genommen war. Es mußte vor jedem Match alles neu aufgestellt werden, Linien waren zu markieren etc. − und anschließend mußte alles wieder abgeräumt werden. Im Herbst 1902 verbot das Militär aber weitere Spiele auf ihrem Exerzierplatz.
Rapid pachtete südlich davon im Bezirk Rudolfsheim ein Grundstück von der Gemeinde Wien (Rudolfsheim und Fünfhaus wurden erst 1938 zusammengeschlossen). Hier konnte an der Selzergasse, zwischen Hütteldorfer Straße und Meiselstraße, im Frühjahr 1903 der erste Rapidplatz eröffnet werden. Bis 1911 war Rapid hier zuhause. Dann ging es auf die Pfarrwiese.


Das Gelände des Rudolfsheimer Sportplatzes heute


Heute ist das Gelände verbaut. 1903 war es eine freigehaltene Fläche neben dem Trinkwasserreservoir der Gemeinde Wien und ein „Platz für Reservoir-Vergrößerungen“. Das wird ein Mitgrund sein, warum Rapid das Grundstück günstig pachten konnte. Es gab dafür den Nachteil einer kurzen Kündigungsfrist, was später schlagend werden sollte, und man hatte hier nicht unbedingt die idealen Maße für ein Fußballfeld.
Die 1873 errichtete Schieberkammer des ehemaligen Wasserspeichers der Ersten Wiener Hochquellwasserleitung.


1910 kündigte die Gemeinde Wien den Pachtvertrag für den Sportplatz. Der 1905 nebenan errichtete Meiselmarkt wurde bis 1913 auf die doppelte Fläche erweitert. Rapid mußte dem Ausbau der Lebensmittelversorgung der rasch wachsenden Bevölkerung Wiens weichen, die zwei Millionen überstieg. 1910 lebten im heutigen Bezirksgebiet von Rudolfsheim-Fünfhaus mit 145.000 Menschen doppelt so viele wie heute. Rudolfsheim war damals einer der Bezirke mit dem höchsten Anteil an tschechischen Zuwanderinnen und Zuwanderern (ca. 300.000 in Wien). Wenn man die Rapid-Aufstellungen jener Jahre liest, wird man auf viele Namen slawischen Ursprungs stoßen.
1995 übersiedelte der Meiselmarkt in die Halle des ehemaligen Wasserbehälters. Die bereits aufgelassenen Marktstände wurden 1996 nach zwei Brandstiftungen abgetragen.


Am unteren Ende des ehemaligen Rudolfsheimer Sportplatzes, an der Meiselstraße, stehen heute anstelle des Marktes moderne Wohnhäuser. 1994 wurde hier direkt vor dem einstigen Rapidplatz ein Ausgang der U3-Station Johnstraße errichtet. Rechts die Selzergasse.


Die Häuserzeile der Selzergasse, an der die Längsseite des Sportplatzes lag, sieht heute im wesentlichen noch genauso so wie auf alten Bildern des Sportplatzes.


Der Sportplatzeingang befand sich an der Ecke Hütteldorfer Straße / Selzergasse, wo heute ein Blumengeschäft ist. Während auf der Schmelz der Sportplatzbereich mittels Stangen und gespanntem Spagat abgetrennt wurde, konnten hier eine Sichtbarriere aus Holzbrettern errichtet und Eintritt kassiert werden. Raffinierte Vorstadtjugendliche schreckte dies nicht ab, sodaß sich in den Brettern bald Gucklöcher fanden.


Am oberen Ende des einstigen Sportplatzes steht der 1953/54 errichtete Karl-Frey-Hof. Der Gemeindebau ist nach dem 1934 vom austrofaschistischen Regime abgesetzten letzten frei gewählten Bezirksvorsteher des damaligen Bezirks Rudolfsheim benannt. Im Innenhof gibt es am Ort des einstigen Fußballplatzes zumindest ein wenig Grün. Allerdings darf man sich damalige Sportplätze nicht wie heutige Rasenplätze vorstellen.


Fußball wird hier heute nicht mehr gespielt.


Eine Matchuhr gab es am alten Rapidplatz nicht. Zum Ablesen der Spielzeit wurde die gut sichtbare Kirchturmuhr der 1898 fertiggestellten Rudolfsheimer Pfarrkirche verwendet, die 1904 auch noch mit elektrischer Beleuchtung versehen worden war.



Der Rudolfsheimer Sportplatz in früherer Pracht


Am 15. März 1903 wurde der Rudolfsheimer Sportplatz von Ignaz Abeles, Präsident des Österreichischen Fußballverbands (ÖFV), eröffnet. Die Freude über die Rapid-Heimstätte war groß. Man nahm in Kauf, daß das Spielfeld von Tor zu Tor ein Gefälle von bis zu zwei Metern hatte. Mittels Erdarbeiten waren Böschungen aufgeschüttet worden, die als Stehplatzrampen dienten. 1907 konnte Rapid den Sportplatz weiter ausbauen. Ein Klubhaus (mit Dusche!) und eine Tribüne aus Holz wurden errichtet und der Höhenunterschied etwas eingeebnet. Die beste Sicht boten aber weder die Stehplätze noch die Tribüne sondern die Fenster der Häuser an der Selzergasse.

Auch wenn das erste Spiel 1903 gegen die Graphia mit 0:3 verloren ging, hatte Rapid nun auch Heimvorteil: Die Website Rapid in Zahlen von Franz Fiala nennt für den Rudolfsheimer Sportplatz von 1903 bis 1911 gesamt 216 Rapidspiele, davon 102 Siege, 47 Unentschieden und 67 Niederlagen. Die Bilanz war damit mit 47% Siegen und 31% Niederlagen bedeutend besser als auf der Schmelz, wo es in 45 Spielen nur 24% Siege und 51% Niederlagen gab. Das lag wohl auch daran, daß Verein und Mannschaft nunmehr im Unterschied zu den Anfangsjahren etabliert und eingespielt waren, doch ein Eutzerl wird die neue Heimstätte auch beigetragen haben.

„Dieser Platz sah das Wachsen und Werden Rapids.“ heißt es in Roland Holzingers Rapid-Chronik. Auf der Schmelz hatte Rapid die ersten Schritte unternommen. Doch zu einem richtigen Sportverein wuchs man hier zusammen. Hier wurden 1905 auch die Vereinsfarben von blau-rot auf grün-weiß geändert. 1906 erkämpfte und erspielte sich die kleine Rapid gegen die damalige Spitzenmannschaft des WAC aus dem Prater ein gefeiertes 3:3. Am eigenen Sportplatz konnte man nun auch Spiele gegen internationale Gegner austragen. Am 31. März 1907 begrüßte Rapid im Rahmen eines Osterturniers den FC Phönix aus Karlsruhe (1:4) und am 30. Mai 1907 spielte Rapid gegen den Portsmouth FC (0:5), die erste Begegnung der Vereinsgeschichte mit einem Profiverein aus England.

Am 5. Mai 1907 kam der Rudolfsheimer Sportplatz zu internationalen Ehren. Damals wurden sogenannte Städtespiele ausgetragen, die später meist als Länderspiele anerkannt wurden. Da WAC, Cricketer und Wiener Sport-Club das Spiel zwischen Wien und Budapest am 5. Mai 1907 boykottierten, wurde dieses hier am Rapidplatz ausgetragen und Rapid stellte mit sieben Spielern den Großteil der Wiener Mannschaft. Sie gewann 3:1. Die Allgemeine Sport-Zeitung lobte Rapid und das Spiel, aber nannte es „ein Armutszeugnis für die Wiener Sportgäste, daß eine Voreingenommenheit gegen einen Klub das Interesse an einem schönen Wettkampfe überwiegt.“ Dies sagt etwas über den Status Rapids aus. Beim noch überwiegend bürgerlichen Fußballpublikum war der Verein mit proletarischer Prägung nicht beliebt. 900 Zuschauerinnen und Zuschauer werden hier genannt. Auch wenn andere Quellen mehr nennen, dieselbe Begegnung besuchten ein Jahr später im Mai 1908 auf der alten Hohen Warte 4.000 Leute.


Allgemeine Sport-Zeitung, 12.5.1907
Bild: anno.onb.ac.at

Eine Anekdote vom Match Wien-Budapest 1907 erzählte der Rapidler Leo Schidrowitz in seinem Buch aus dem Jahr 1951: „Die humoristische Einlage in diesem Städtespiel bot der ungarische Mannschaftsführer, der sich das Dach der Rapidtribüne als Feldherrenhügel erwählt hatte, auf dem er seinen Spielern durch ein Sprachrohr Weisungen zurufend umhertobte und umso mehr aus dem Gleichgewicht kam, je näher ein Sieg der österreichischen Ersatzmannschaft in den Bereich der Wahrscheinlichkeit rückte. Schließlich verlor er das Gleichgewicht in des Wortes simpelster Bedeutung ganz und stürzte vom Tribünendach auf die Laufbahn. Erfreulicherweise ohne sich Schaden zuzufügen.“
Die Schadenfreude des Wiener Publikums kann man sich vorstellen.

Die Kündigung des Pachtvertrags für den Sportplatz kam 1910 für Rapid überraschend. In diesem Jahr stand Rapid vor dem Aus. Nicht nur der Sportplatz ging verloren: Der Klub war nicht zuletzt aufgrund des Platzausbaus 1907 schwer verschuldet, nach einer Krise war die Vereinsleitung zurückgetreten und viele Spieler hatten mit ihr den Verein verlassen. Das Frühjahr 1910 verlief sportlich katastrophal. Im Herbst 1910 übernahm der erst 22-jährige, als Fußballer unauffällige, Rapidspieler Dionys Schönecker in dieser Existenzkrise die Verantwortung für Rapid. Nach längerer Suche wurde weiter im Westen ein neues passendes Grundstück gefunden und 1911 von der Pfarre Hütteldorf gepachtet. Es wurde die legendäre Pfarrwiese.
Die Holztribüne des Rudolfsheimer Sportplatzes wurde abgebaut und am 1912 eröffneten neuen Rapidplatz in Hütteldorf wiederaufgestellt. Sie stand dort bis zum großen Stadionausbau 1920/21.
Aus der Rudolfsheimer Rapid wurde die Hütteldorfer Rapid.

Funfacts: Eine gewisse Kontinutät gibt es, da der Rudolfsheimer Sportplatz ja an der Hütteldorfer Straße lag. Auch ist Rudolfsheim-Fünfhaus heute zwar der 15. Wiener Gemeindebezirk, der bis 1938 selbständige Bezirk Rudolfsheim war aber damals der 14. Bezirk. So wie es heute der 1938 begründete Bezirk Penzing ist (bis dahin Teil des 13. Bezirks). Rapid war also auch zu Rudolfsheimer Zeiten in Wien XIV zuhause.


Rapid am Meiselmarkt


1911 verließ Rapid Rudolfsheim. Doch noch bis 2011 regierte der SCR am Meiselmarkt im Reich einer jahrzehntelangen Anhängerin und Abonnentin. Am Stand der „Kraut-Elfi“ Elfriede Rauscher gab es nicht nur Sauerkraut und Gemüse, sondern auch viel Grün-Weiß zu sehen. Als „halb Kraut-Laden, halb Rapid-Shop“ charakterisierte Wenzel Müller ihren Marktstand in einem Artikel 2010 im Augustin:
„Irgendwie war die Liebe schon immer da, erzählt sie, auch schon in ihrer Jugend, als sie selbst noch Fußball spielte, und zwar als Torfrau. Später war es für mich klar, daß ich nur einen Mann heirate, der mit mir am Wochenende ins Stadion geht.
Und nicht nur am Wochenende zieht es sie ins Hanappi-Stadion, sondern auch montags, um beim Training zuzuschauen. Das ist möglich, da ihr Geschäft an diesem Tag geschlossen bleibt.“




Die Lage des Rudolfsheimer Sportplatzes


Eine schöne Übersichtskarte zu den ersten Heimstätten Rapids gibt es im übrigen im Rapideum zu sehen.




Literatur

  • Franz Fiala, Rapid in Zahlen rapid.iam.at (30.12.2013)
  • Roland Holzinger, Rapid. Die Chronik. 1899 − 1999. Waidhofen/Thaya 1999
  • Matthias Marschik, Vom Herrenspiel zum Männersport. Die ersten Jahre des Wiener Fußballs. Wien 1997
  • Wenzel Müller, Halb Kraut-Laden, halb Rapid-Shop. Die „Kraut-Elfi“ vom Wiener Meiselmarkt. in: Augustin 3/2010
  • Leo Schidrowitz, Geschichte des Fußballsportes in Österreich. Wien 1951
  • Edgar Schütz / Andreas Tröscher, Rudolfsheimer Sportplatz. Wien-Rudolfsheim. in: Andreas Tröscher / Matthias Marschik / Edgar Schütz, Das große Buch der österreichischen Fußballstadien. Göttingen 2007, S. 133f.

Samstag, 29. Dezember 2012

Lost Ground Pfarrwiese, Wien-Hütteldorf

Wien, 29.12.2012

Im Jahr 1912 bezog Rapid die Hütteldorfer Pfarrwiese als Spielstätte. Seit diesen hundert Jahren sind die Worte Rapid und Hütteldorf nicht auseinander zu denken.
Auf der Schmelz erblickte Rapid das Licht der Welt. Dann verbrachte man einige Jahre in Rudolfsheim an der Hütteldorfer Straße, bevor es ganz in den Westen Wiens ging. Für 65 Jahre − mehr als die Hälfte der Vereinsgeschichte − war die Pfarrwiese die unbestrittene Heimat, bis 1977 wenige hundert Meter entfernt das spätere Gerhard-Hanappi-Stadion eröffnet wurde. Aufgrund Baumängel kehrte Rapid im Frühjahr 1978 nocheinmal auf die Pfarrwiese zurück. Dann war Schluß.

Für Trainings und Jugendspiele wurde der alte Rapidplatz noch bis 1981 genutzt. Dann wurde er überraschend schnell abgerissen. Eine seit den 70er Jahren projektierte, auf Stelzen getragene Autobahn sollte über den Flötzersteig bis ins Stadtzentrum führen und eine zweite Wiener Westeinfahrt bilden. Genau über die Pfarrwiese hinweg. Eine Volksbefragung brachte im März 1980 ein unklares Ergebnis, wodurch das Straßenprojekt schließlich ad acta gelegt wurde. Doch bevor dies geschah, kamen 1981 eines Tages für viele überraschend die Bulldozer, um Platz für die dann doch nicht gebaute Straße zu schaffen.


Das Gelände der Pfarrwiese heute


Der Weg der Isbarygasse führte früher hinter der alten Nordtribüne entlang. Er wird von älteren Grätzlbewohnerinnen und Bewohnern auch umgangssprachlich „Rapid-Gasse“ genannt. Hier ist ein Stück der Fläche der einstigen Pfarrwiese zu sehen.


Die heute frei zugängliche Fläche war früher hinter der nordseitigen Stehplatztribüne und dem westseitigen Tor. Einen eigenen Trainingsplatz hatte Rapid am Gelände nie, nur eine „rote Erde“ nebenan, sodaß der Rasen aufgrund der Beanspruchung nie richtig gut aussah und die Wiese hier heute wohl grüner ist.


„Mit Tränen in den Augen stand mein Vater ,Bimbo Binder am alten Zaun und beobachtete gemeinsam mit alten, treuen Rapid-Anhängern die Planierung und Zerstörung ihres so geliebten Platzes. Als letztes Andenken an die Pfarrwiese steckten sie sich noch schnell einen Holzsplitter der Tribüne in die Tasche.“ erzählt Franz Binder jun.
In Roland Holzingers Rapid-Chronik sind einige alte Kassenschilder abgebildet, die als rare Sammlerstücke existieren. Im Rapideum gibt es eine originale Sitzbank der Pfarrwiese zu sehen, auf der man sich auch niederlassen darf. Recht viel mehr existiert von diesem Stadion nicht mehr. Am Ort selbst erinnern Graffiti an seine Geschichte.


Nach dem Abriß der Pfarrwiese war das Gelände mehrere Jahre lang schlicht eine G'stettn, da die projektierte Autobahn ja nicht gebaut wurde. 1986 wurde eine Tennisanlage errichtet, die seither erweitert und ausgebaut wurde. Hier darf man sich den Blick von einer Position einige Meter hinter dem westseitigen Tor vorstellen, links die Nordtribüne.


Eine Halle bedeckt heute einen Gutteil des einstigen Platzes der Pfarrwiese. Siehe dazu auch den Übersichtsplan weiter unten im Text.


Das Klubhaus der Tennisanlage mitsamt Restaurant wurde im Jahr 2008 neu errichtet. Es befindet sich mitten am ehemaligen Spielfeld.


Die Hütteldorfer Brauerei neben der Pfarrwiese stellte 1937 ihren Betrieb ein. Zuvor waren Gastgarten und Gaststätte Schauplatz zahlreicher Siegesfeiern gewesen. Seit 1952 befindet sich am ehemaligen Brauereigelände der Margarinenhersteller Senna, heute gibt es hier auch zwei Supermärkte. Seit dem Abriß eines historischen Gebäudes 2007 gibt es nicht mehr viel Bausubstanz der ehemaligen Brauerei.



Die Pfarrwiese in früherer Pracht


Am 28. April 1912 erfolgte die Eröffnung des Hütteldorfer Sportplatz „Rapid“, vis-a-vis dem Brauhause mit einer Doppelveranstaltung: Rapid spielte gegen den WAC, anschließend die Amateure gegen die Cricketer. Die neue Heimstätte brachte sogleich Erfolg: Nachdem Rapid im Herbst der ersten Meisterschaftssaison 1911/12 alle Auswärtsspiele ausgetragen hatte, wurden nun in der eigenen Spielstätte alle Heimspiele nachgeholt. Hütteldorf wurde sogleich zur Festung und Rapid gewann die erste Meisterschaft. Vorerst gab es nur südseitig eine kleine Tribüne und Platz für 4.000 Menschen, später für 8.000. Die Tribüne hatte schon in Rudolfsheim gestanden und wurde beim Umzug 1911/12 ab- und neu aufgebaut. Auf diesem Platz entstand um 1918/19 herum die Rapidviertelstunde.

Dionys Schönecker führte seit 1910 den Verein. Sein Bruder Eduard Schönecker war Architekt plante den Ausbau der Pfarrwiese auf 20.000 Plätze 1920/21. In dieser Form bestand das Stadion im wesentlichen bis zum Abriß 1981. Südseitig gab es eine überdachte Sitzplatztribüne. Beide Längsseiten zierte ein Giebeldach, auf dem stolz in grünen Buchstaben „Rapid“ geschrieben stand.

Gegenüber auf der Nordseite befand sich die große Stehplatztribüne, überdacht nur in einem kleinen oberen Bereich. Bald war der Stehplatz berühmt-berüchtigt. Hier standen die Leute dicht gedrängt beinander, hier entstand die Leidenschaft der Rapidfans. Hier pochte das Herz. Bis zu 25.000 Menschen drängten sich zu Spitzenspielen auf der Pfarrwiese bis an den Spielfeldrand. Wer auf der Nordtribüne auf der untersten Stufe stand, hatte den Kopf gerade überm Rasen. 1955 wurde die Böschung mit Stufen betoniert, große Umbauten blieben aus. Flutlicht gab es nie.

Die Kabinen befanden sich außerhalb. Die Spieler betraten durch einen Tunnel unter der Böschung der Ostseite das Spielfeld. Darin war es finster, man hörte nur die erwartungsvolle Menge und die trampelnden Menschen oberhalb und betrat schließlich aus dem Halbdunkel den Hexenkessel. Heimvorteil und Einschüchterung des Gegners waren mit Leben erfüllte Begriffe. Manch Gegenspieler schloß im Dunkeln Bekanntschaft mit Füßen oder Ellbogen. „Der Boden des Tunnels war nur festgetretene Erde. Nach einem Regen stand immer Wasser am Boden, im Herbst und Winter war es immer sehr feucht, glitschig oder eisglatt. An ihrer tiefsten Stelle hatte die Tunneldecke zwei große, freiliegende T-Stahlträger, beleuchtet wurde das ganze unwirkliche Szenario von einer 40-Watt-Glühbirne.“ schildert Franz Binder jun. den Zustand in den 1960er Jahren (Tunnelhöhe: 1,80m, Binder-Höhe: 1,90m).

Fahnenschwenker am Stehplatz in den 1970ern: Im Laufe der siebziger Jahre entstand nach britischen und deutschen Vorbildern ein veritabler Fanblock mit Fahnen, selbstgestrickten Schals, Hupen, Sprechchören.

Bild: Roman Zach-Kiesling

Am 22. April 1978, fast auf den Tag genau 66 Jahre nach ihrer Eröffnung, fand auf der Pfarrwiese das letzte Meisterschaftsspiel statt. Rapid gewann 6:0 gegen Admira Wacker. Fünf Tore schoß allein Hans Krankl. Es waren seine Saisontore 37 bis 41 (!), womit er den bis heute gültigen Torrekord aufstellte. „Mit einem Freistoßtor, hoch ins linke Eck, begann es. Dann ein Elfmeter, eine heikle Sache, denn Admiras Torhüter Fleischmann wußte vom Teamtraining, wie ich Elfer schieße. Aber ich habe ihn überlistet. Und dann ging es Schlag auf Schlag. Fünfmal Hans Krankl beim 6:0 Sieg! Die Buben waren nach diesem Match entfesselt. Alle machten Jagd auf mich.“ erzählte Krankl 1978. In die Geschichte ging das Bild ein, wie die Menge freudig aufs Feld läuft, ein Polizist dazu lächelt und Hansee strahlt, wie nur er strahlen kann.


Das im Rapideum zu sehende hervorragende Modell läßt die Pfarrwiese dreidimensional wieder aufleben. Ein Besuch ist wärmstens zu empfehlen. Detailansichten des Modells gibt es hier zu sehen.


Lage der Pfarrwiese in Hütteldorf


Luftbild: Stadtplan Wien


Literatur

  • Franz Binder jun., Franz „Bimbo“ Binder. Ein Leben für den Fußball. St. Pölten / Salzburg 2011
  • Roland Holzinger, Rapid. Die Chronik. 1899 − 1999. Waidhofen/Thaya 1999
  • Domenico Jacono, Jugendliche Fankultur. in: Block West Echo neu, Ausgabe 4 (2009), Extrablatt 1899 − 2009. 110 Jahre SK Rapid, S. 14-18
  • Hans Krankl, Mein Weg zur Weltmeisterschaft. Tulln 1978
  • Othmar Loschy, Die Hütteldorfer Heimstätten des SK Rapid − Chronologie eines Fans. in: Peter Eppel / Bernhard Hachleitner / Werner M. Schwarz / Georg Spitaler (Hg.), Wo die Wuchtel fliegt. Legendäre Orte des Wiener Fußballs. Wien 2008, S. 98−103
  • Edgar Schütz, Pfarrwiese, Hütteldorf. Wien-Penzing. in: Andreas Tröscher / Matthias Marschik / Ders., Das große Buch der österreichischen Fußballstadien. Göttingen 2007, S. 116−122