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Dienstag, 18. August 2026

Gardener #2 2025/26




Rezension


Gardener
#2 2025/26
60 S.









Zu Saisonbeginn gab es schon das nächste Heft des Vienna-Fanzines Gardener nach der Wiederaufnahme des Erscheinens im Frühjahr. Darin hatte es Spielberichte aus dem Herbst 2025 gegeben und so stehen hier nunmehr Berichte aus dem Rückrunde an. Diese begann im Dezember bei Austria Salzburg („Man muss schon sagen, der Auswärtssektor ist eine Zumutung. Die Sicht auf den Rasen war bereits sehr eingeschränkt, doch um uns als Fans vor diesem drohenden Grottenkick zu beschützen wurde noch zahlreich von oben bis unten der Zaun beflaggt.“) Viel zu jubeln hatten man bei den Spielen nicht, konnte aber einige Akzente auf der Tribüne setzen. Es sind auch Worte der internen Kritik an der eigenen Szene zu lesen (Auswärtsspiel bei Austria Lustenau) und ein persönlich gehaltener, Entrüstung ausdrückender Text über konfliktbeladenes Verhältnis zu den Szenen von Admira Wacker und Austria Klagenfurt. Wo sonst, wenn nicht in einem Fanzine, soll und kann man offen seine Meinung schreiben.

Für Außenstehende rekapituliert man im Heft noch einmal die jüngste Fanszenenentwicklung um die Gruppen DKT und BT, die wieder einen aktiveren Tifo als in den letzten Jahren eingeführt haben. Schön sind wiederum erneut Fotos und Collagen der Fanszene aus den 1990er Jahren. Zu Schluss gibt es auch noch eine fachlich-sportliche Betrachtung der für die Vienna unerfolgreichen Saison. Am Titelblatt ist ein im Lauf der Saison entstandener sarkastischer Gesang zitiert: „First Vienna wird 8. und Wels steigt ab.“


A5-Format / 5 € / Kontakt fvfc1894supporters @ outlook.at

Mittwoch, 15. April 2026

Gardener #1 2025/26




Rezension


Gardener
#1 2025/26
60 S.









Nach acht Jahren erschien wieder ein Heft des Vienna-Fanzines Gardener. Die letzten Ausgaben des Fanzines erschienen 2015 und 2018. Jetzt gibt es in Döbling neue Leute und auch das Heft wurde von diesen erstellt.

In Spielberichten wird von den Vienna-Spielen im Herbst 2025 erzählt, vom ersten Pflichtspiel im ÖFB-Cup im steirischen Tillmitsch (was mich daran erinnert, dass ich dort nur am alten Sportplatz war und am Neubau noch gar nicht) bis zum vorletzten Meisterschaftsspiel auswärts in Bregenz. Dazu gibt es noch einen Text zur Leistungsbetrachtung der Kampfmannschaft. Die Saison begann man als Aufstiegsaspirant, fand sich aber schon bald abgeschlagen wieder. „Bereits am 8. Spieltag sind wir also nun auf der Jagd nach der goldenen Ananas.“ resumiert man nach einem Auswärtsspiel in Kapfenberg. Diese Trophäe der goldenen Ananas findet man auch am Titelblatt in Szene gesetzt.

Zu lesen ist in den Spielberichten vom Support, von Aktivitäten und Veränderungen im Fansektor wie Einführung einer Trommel oder Diskussionen um Fahneneinsatz und Sichtbehinderung, Häkel mit dem FAC sowie den vielen Möglichkeiten, wofür der neue Fetzen DKT stehen kann. „Nach dem Rückzug der Wanderers und Urban Group 2017 ist es recht dünn geworden, wenn es um Choreos oder ,aktives‘ Fanleben bei der Vienna geht. Als Reaktion haben sich ein paar Ältere zusammengetan, um dieses Loch zu schließen (...) Für was DKT dann am Ende des Tages tatsächlich steht, darf sich jeder für sich selbst ausmachen.“ Zum Spiel der Vienna gegen Austria Salzburg ist auch der online zu lesen gewesene Text von Ines über die beiden Vereine in ihrem Leben abgedruckt. Einen Blick in vergangene Zeiten bringt ein Interview mit Erich, der mit dem verstorbenen Michael Czeschka 1997 bis 2001 das Fanzine Old Firm Review herausgab und über jene Zeiten erzählt.


A5-Format / 5 € / Kontakt fvfc1894supporters @ outlook.at

Freitag, 25. Mai 2018

Gardener 4




Rezension


Gardener
When Friday Comes #4 2018
24 S.









„Welcome to fünfte Liga“ grüßt die neue Ausgabe des Fanzines der Vienna Supporters. Nach dreijähriger Pause seit dem letzten Heft meldet man sich wieder, nachdem seither im First Vienna Football Club viel passiert war. „Richard Kristek und die Firma seines Sohnes Martin, Care Energy, retteten den Verein und sicherten die Existenz des Vereins für die nächsten 3 Jahre. Ein aufgeblasenes Budget ohne Nachhaltigkeit und ohne Lizenz für einen Aufstieg prägten die Jahre von Care Energy. Der tragische und plötzliche Tod des Hauptfinanziers stürzte die Vienna erneut in eine existenzielle Krise.
Im März 2017 stand die Vienna erneut vor dem Aus und musste Insolvenz anmelden. Gut ein Jahr später ist der Verein, dank neuem Hauptsponsor Uniqa und erfolgreichem Ausgleich im Insolvenzverfahren finanziell stabilisiert. Zumindest für die nächsten Jahre. Sportlich findet sich unsere Vienna nach einer nervenaufreibenden, aber letztendlich erfolglosen gerichtlichen Auseinandersetzung mit dem WFV in der 2. Wiener Landesliga wieder.“
blickt der 2014 gegründete Fanclubdachverband Supporters auf diese Zeit zurück.
Dies hatte Auswirkungen: „Die Krise, das Scheitern und auch die Verzweiflung sind eingeschrieben in das kollektive Gedächtnis unseres Vereins und unserer Fanszene. Besonders das letzte Jahr hat viel Kraft und Energie gekostet.“ Das organisierte gemeinsame Auftreten der Fans als Dachverband dem Verein gegenüber hat sich nach ihrer Einschätzung dabei positiv ausgewirkt und man hat vereinspolitische Erfolge verzeichnen können. Dass es dennoch auch Differenzen mit der aktuellen Vereinsführung gibt, zeigte ein im Heft nachgedruckte Debatte u.a. um „vereinsschädigendes Verhalten“ durch Pyrotechnik aus dem Ballesterer 129 zwischen Fanvertreter und Geschäftsführer (bzw. „Geschürung“).

Als weiteres kritisches Thema wird ein Statement der zur Sektion Menstruation zusammengeschlossenen Frauen abgedruckt, in dem sie fehlende Sensibilität für Sexismus im Verein thematisieren: „Wir wollen zum Fußball gehen und dabei unser Team lautstark supporten, ohne dabei auf unser Geschlecht reduziert zu werden.“ Kürzlich feierten die Wanderers mit einer Jubiläumschoreographie ihr zehnjähriges Bestehen. Sie blicken hier auf das Jahr 2008 sowie die Entwicklung seither kurz zurück und umreißen ihr Selbstverständnis. Weiters wird im Heft die Idee für gärtnerische Gestaltung von Beeten im Stadionareal durch Fans beschrieben, die bisher abgelehnt wurde bzw. bei Versuchen von Guerilla Gardening durch Mähen zunichte gemacht wurde.

In einem historischen Teil werden Karriere und Leben des Vienna-Tormanns Karl Pekarna geschildet, der 1904/05 als erster österreichischer Fußballer als Profi bei den Rangers in Glasgow spielte und später bei Wacker München und Bayern München im Tor stand. 1924 traf ihn ein Schlaganfall und 1946 starb er völlig verarmt in Wien.

Im Zuge der finanziellen Krise des Vereins kam auch noch die Sperre der Tribüne der Hohen Warte durch Baufälligkeit des Daches hinzu. Das Dach wurde nach Verzögerungen abgerissen und durch eine neue Konstruktion ersetzt. Sie hat leider nicht mehr die charakteristische geschwungene Form. Auf der letzten Seite des Hefts wird mit einem Bild vom Tribünendach Abschied genommen: „1974 − 2018: forever in our hearts“

Donnerstag, 10. September 2015

Gardener 3



Rezension


Gardener
When Friday Comes 3/2015
39 S.






Zum jüngsten kleinen Wiener Derby auf der Hohen Warte erschien unter neuem Namen Gardener eine neue Ausgabe des Fanzines When Friday Comes der Vienna Supporters. Der Name erschließt sich allen, die mit der Vienna-Geschichte vertraut sind. Der Verein wurde einst 1894 von englischen Gärtnern der Döblinger Rothschildgärten gegründet.

Zum Derby-Schwerpunkt gibt es einen historischen Rückblick auf die Begegnungen der Vienna mit dem Wiener Sportklub sowie einen Fanszenenbericht vom Frühjahrs-Derby am Sportclub-Platz. Man war mit Auftritt und Verlauf sehr zufrieden. Dabei spricht man hier vom „kleinen Derby“ oder schlicht vom „Derby“. Ein bekannter älterer Text zum „Dörbi of love“ der Wanderers wird hier dazu geringfügig verändert abgedruckt. Er wendet sich gegen inflationäre Verwendung dieses Begriffs, der aus einem Schmäh heraus geboren wurde: „Grundsätzlich ist etwas nicht gleich Liebe, nur weil es zufälligerweise nicht ‚Hass‘ heißt. Intelligente menschliche Wesen, die sich selbst nicht über alle Maßen ernst nehmen, die zur Ironie fähig sind und sich gelegentlich gegenseitig necken, die lieben sich nicht automatisch.“

„Derby of Love“ war der Titel eines von beiden Fanszenen zum kleinen Derby im Oktober 2007 gemeinsam herausgegebenen Hefts. Im persönlichen Archiv (alles wird aufgehoben!) wurde es nun wieder hervorgekramt und nachgelesen. Es finden sich darin keine innigen Liebesschwüre sondern neben antirassistischen Texten eine Art gemeinsame Grundsatzerklärung: „Fan-sein heißt: ‚positiver Support‘! Das bedeutet, dass den gegnerischen Spielern und Fans mit Respekt begegnet wird und im Zentrum der Chants und Anfeuerungen die eigene Mannschaft und nicht das Diffamieren des Gegners steht.“

Weiters gibt es im Gardener eines Jahresrückblick des Dachverbands Vienna Supporters zu lesen, eine Vorstellung der Futsal-Freunde aus dem Südtiroler Meran, eine kursorische Stellungnahme zu Zuständen im österreichischen Fußball „und seinen sauren Gurkaln“, einen sportlichen Saisonrückblick und einen Ausblick in die laufende Saison, Berichte von einer Sammelaktion für Flüchtlinge und der Gründung von Fußballfans gegen Homophobie Österreich oder ein Interview mit einem aktuellen Spieler.
Eine besonders feine Sache sind ein Nachruf auf die 2009 verstorbene Vienna-Legende Karl Koller sowie ein Interview mit dem nicht minder legendären Hans Buzek, der als 17-jähriger 1955 in die große Vienna-Mannschaft der 1950er Jahre kam. Er spielte schließlich bei allen vier großen Wiener Vereinen, gegen Ende seiner Karriere 1970 bis 1972 auch zwei Saisonen bei Rapid. 1955 wurde er österreichischer Meister mit der Vienna, für die er bis 1963 spielte (320 Spiele, 314 Tore). Es war allerdings nicht sein einziger Titel in dieser Saison, wie er erzählt: „Ich war damals ja noch für die Schüler und die Jugend spielberechtigt. 1955 ist es an gewissen Meisterschaftstagen schon vorgekommen, dass ich um 9 Uhr in der Früh bei den Schülern gespielt habe, anschließend in der Jugend und am Nachmittag dann in der ersten Mannschaft. In der Saison 1954/55 bin ich Meister mit den Schülern, in der Jugend und mit der Kampfmannschaft geworden.“ Drei Spiele an einem Tag: Da würde auch manch austrainiertem Profi von heute die Luft ausgehen.