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Samstag, 28. Februar 2026

Varaždin – Hajduk Split 1:1 (1:1)

Kroatien, HNL, 24. kolo, 28.2.2026
Stadion Varteks, 8.177

Über ein Remis kam Hajduk Split trotz Führung und am Ende auch Überzahl in Varaždin nicht hinaus. Mit Rückstand auf die Tabellenspitze brauchen sie Punkte, um oben mitspielen zu können. Sie waren die bessere Mannschaft und gingen auch in Minute 23 verdient in Führung, Varaždin gelang aber der Ausgleich und bei diesem 1:1 blieb es auch.
Außer einigen „Varaždin!“-Rufen auf der Haupttribüne kam von heimischer Seite keine Stimmung auf. Die 1990 gegründeten White Stones hatten hier beim einstigen Varteks Varaždin in den 1990er und 2000er Jahren viel Farbe, Feuer und Lebendigkeit auf die Tribüne gebracht, hatten aber 2011 als Protest gegen den Verlust der Vereinsidentität den Klub verlassen und den neuen NK Varteks wiedergegründet.
Hinter dem Tor ging es im Gästesektor der Torcida Split hoch her. Laut erschallten die Gesänge für Hajduk, große Fahnen wehten, es gab viel Pyro und in der zweiten Halbzeit langanhaltend viele Doppelhalter zu sehen. Beim Torjubel für Hajduk sprang praktisch die gesamte Gegentribüne jubelnd auf und beteiligte sich etwa später lautstark an einem mächtigen Wechselgesang mit dem Gästesektor. Das Echo von der Längsseite war aufgrund dort zahlreicheren Hajduk-Anhangs lauter als die Kurve. Leider blieb es bei diesem einen Mal. Aber das war locker mindestens 80% wenn nicht mehr der Längsseite für Hajduk Split. Somit über der Hälfte des Stadionpublikums.
Der heutige NK Varaždin ist ein Kommerzprodukt des modernen Fußballs und besteht seit einem Jahrzehnt. Der alte NK Varteks war 1931 als Slavija Varaždin gegründet worden. Gründer war Ernst Stiassny, aus Prag stammender Eigentümer des 1918 als Aktiengesellschaft tschechischer Industrieller und kroatischer Händler gebildeten Textilunternehmens Tivar (Tekstilna industrija Varaždin), der Anhänger von Slavia Prag war und daher den Namen wählte. Von Beginn an war der Sportverein eng mit der Textilfabrik verbunden. Nach Auflösung im faschistischen Ustaša-Kroatien 1941 wurde der Verein im kommunistischen Jugoslawien 1945 als Tekstilac als Textilindustrie-Sportverein wiedergegründet. 1958 wurde der Name mit dem Firmennamen in Varteks geändert, wobei Var für Varteks und Teks für Textil stand. Das Unternehmen Varteks wurde der größte Bekleidungshersteller Jugoslawiens, prägte Arbeit und Leben in der Stadt und war damit mehr als nur ein Sponsor des Sportvereins. Die größten Erfolge im jugoslawischen Fußball waren die Erstliga-Saison von Slavija 1938/39 und die Teilnahme an jugoslawischen Cupfinale 1960/61, das Varteks gegen Vardar Skopje verlor. Zumeist spielte man zwei- oder drittklassig. Mit der Unabhängigkeit 1991 wurde Varteks kroatischer Erstligist, erreichte mehrmals das kroatische Cupfinale und spielte im Europacup. Wendepunkt der Vereinsgeschichte war der Autounfall-Tod des Anđelko Herjavec im Jahr 2001, der seit 1994 Generaldirektor der Firma Varteks und seit 1998 Vereinspräsident des NK Varteks Varaždin gewesen war. Seine Nachfolger häuften schnell einen großen Schuldenberg an und sahen die Zukunft in der Lösung von Varteks. Zur Attraktivität für neue Sponsoren strich der Verein 2010 den Traditionsnamen Varteks aus dem Vereinsnamen. Bereits nach den ersten Ankündigungen hatte 2009 eine Fan-Initiative Varteks Nedamo („Wir geben Varteks nicht her“) dagegen protestiert. Schon 2012 wurde der nun als NK Varaždin Varaždin (sic!) angetretene Verein aufgrund Überschuldung von 40 Mio. Kuna (6 Mio. €) und Zahlungsunfähigkeit während der laufenden Saison 2011/12 vom kroatischen Fußballverband suspendiert. Während der Anhang 2011 den neuen NK Varteks gegründet hatte, führte die alte Vereinsführung 2012 mit dem NK Varaždin Škola nogometa 2012/13 bis 2013/14 im Unterhaus in der 2. ŽNL Varaždin – Istok bzw. in der 1. ŽNL Varaždinska 2014/15 den Spielbetrieb fort. 2015 wurde dieser Klub mitsamt Schulden in den Konkurs geschickt. Mittlerweile hatte man einen neuen, schuldenfreien Varaždinski športski nogometni klub (VŠNK) gegründet, aus dem dann der heutige NK Varaždin wurde, der vom Verband gleich in die dritte Liga eingeordnet wurde, Aufstiege schaffte und seit 2019/20 mit einer Saison Unterbrechung wieder in der ersten kroatischen Liga spielt. Als Tabellenvierter 2024/25 konnte man 2025/26 in der 2. Qualifikationsrunde der Conference League spielen, schied aber gegen Santa Clara aus.
Rapid hatte im Juni 1999 in einem Sommertestspiel in Ritzing gegen Varteks Varaždin gespielt und vor 800 Zuschauerinnen und Zuschauern 1:0 gewonnen.
Das Stadion Varteks wurde 1931 gegenüber der Textilfabrik, damals TIVAR, als Sportgelände errichtet. In der Nachkriegszeit wurde es mehrmals erweitert. Die Haupttribüne stammt im wesentlichen aus dem Umbau 1986/87. Die gegenüberliegende Längsseitentribüne wurde 1999 erbaut. Inoffiziell wurde das Stadion nach dem Tod von Anđelko Herjavec von den Fans Stadion Anđelko Herjavec benannt. Heute nennt der sich von der Varteks-Vergangenheit distanzierende Klub sein Stadion weder nach der auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegenden Varteks-Fabrik noch nach Anđelko Herjavec sondern als Gradski stadion schlicht städtisches Stadion.
Vor dem Spiel habe ich die Stadt Varaždin besichtigt.

Samstag, 9. März 2024

Gorica – Hajduk Split 0:3 (0:3)

Kroatien, HNL, 26. kolo, 9.3.2024
Gradski Stadion Velika Gorica, 4.749

Klarer Sieg von Hajduk Split, die für zumindest einen Tag die Tabellenführung übernahmen. Gegenüber HNK Gorica zeigte sich ein Klassenunterschied. Nach der Pause wurde der Spielstand aber nicht mehr erhöht, dafür bekam die Heimmannschaft mehr Platz im Spiel und auch zu Chancen. Es blieb aber 0:3.
Der Anpfiff verzögerte sich um einige Minuten, nachdem im Regen der Schiedsrichter mit Maßband ausgerückt war und die Höhe der Tore kontrollierte. Tatsächlich waren die Pfosten wohl etwas eingesunken. Die Torlinie wurde mit Schaufel und Hacke etwas gesenkt und neu gezogen. Dann konnte begonnen werden.
Die Karten für die Gegentribüne waren als Auswärtssektor in Split vor Ort verkauft worden. Auf die Karten für die Haupttribüne herrschte ein großer Andrang, sodass sie Anfang der Woche bereits ausverkauft waren. Ein Restkartenkontingent ging am Freitagnachmittag online, war dann aber binnen Minuten ebenfalls schon vergriffen. Wohl mehr als zwei Drittel des Stadionpublikums waren Hajduk-Fans. Die Torcida sorgte für kräftige Gesänge, die ordentlich Stimmung und etwas her machten. In Erinnerung blieb u.a. das „Torcida!“ zur Tequila-Melodie. Nach 70 Minuten gab es erwartungsgemäß eine Pyroshow.
Der HNK Gorica entstand 2009 aus der Fusion des 1945 gegründeten NK Radnik aus Velika Gorcia mit dem 1934 gegründeten NK Polet Buševec aus dem zur Stadtgemeinde Velika Gorica gehörenden Dorf Buševec. Velika Gorica ist eine Stadt mit 61.000 Einwohnerinnen und Einwohnern im Süden der kroatischen Hauptstadt Zagreb, wobei im eigentlichen Stadtgebiet nur die Hälfte lebt und der Rest in dazuzählenden Ortschaften ringsum. Der NK Polet Buševec war 1934 als SK Seljak gegründet worden und wurde 1949 NK Polet benannt. Der Fusionsverein HNK Gorica übernahm zur Saison 2009/10 Drittligaplatz und Mannschaft des NK Polet. Der NK Polet begann mit Übernahme des Vierligaplatzes von NK Velika Mlaka anschließend neu im Zagreber Unterhausfußball. Der NK Radnik hatte zum Zeitpunkt der Fusion mit zwei Spielzeiten in der 1. HNL 1992/93 und 1993/94 die größere Historie, aber war pleite. In die Fusion brachte Radnik seine Spielstätte ein, das städtische Stadion von Velika Gorica. Der Fusionsklub gewann auf Anhieb die dritte Liga 2009/10 und auch die zweite Liga 2010/11, schaffte aber nicht die Lizenz für die 1. HNL. Der Erstligaaufstieg gelang erst 2018. Seit 2018/19 spielt man hier nun in der ersten Liga.
Das Gradski Stadion Velika Gorica oder auch ŠRC Velika Gorica wurde als Austragungsort für die Universiade von Zagreb 1987 errichtet. Vor 10.000 Zuschauerinnen und Zuschauern wurde es am 30.6.1987 mit einem Spiel von Radnik gegen die jugoslawische Studentennationalmannschaft eröffnet. Im Fußballturnier der Universiade fanden hier 1987 fünf Spiele statt, mit dem Höhepunkt eines 6:0 des Studententeams der Sowjetunion gegen Brasilien vor 8.000 Zuschauerinnen und Zuschauern.