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Samstag, 3. Juni 2023
Schwarz auf Weiß, 48
Rezension
Schwarz auf Weiß
Das Sportclub-Fanzine
№ 48, Mai 2023
64 S.
Reisen und Fußball ist das Thema dieser Ausgabe des Fanzines der Friedhofstribüne des Wiener Sport-Club. Es geht dabei um das Auswärtsfahren mit dem WSC und darüber hinaus um Fahrten zu anderen Spielen.
Die Texte zu Fußballreisen abseits des Wiener Sport-Clubs sind recht vielfältig. Da gibt es Schilderungen aus einer Gruppe, die sich dem Besuch von Nationalteam-Turnieren der Frauen verschrieben hat ebenso wie Berichte zum Unterhaushopping in Wieselburg, zu einer klassischen Tschechien-Fahrt nach Prag, von Süditalien-Rundreisen (Schön! Italien ist und bleibt das beste Land für Reisen und Fußballspielbesuche) oder von einem Südamerika-Aufenthalt. In einem Interview erzählt ein hier als Jonny Rainbow – eines seiner nom de guerre – auftretender bekannter Groundhopper aus den WSC-Reihen von seiner verrücktesten Reise (Gambia), was für ihn den Reiz sowohl großer Derbys als auch der „Hirschenliga“ ausmacht, wie er zum Groundhopping gekommen ist und wie sich auch manches verändert.
Die Texte zum Reisen mit dem WSC sind ebenso bunt (inhaltlich gesehen, gedruckt natürlich in schwarz-weiß). Da geht es u.a. um „worst trips“ (vom nicht kommenden Bus, sich verfahrenden Fahrern oder unterschätzten Fußmärschen), aber auch um Highlights wie Fahrten nach Oberwart mit dem Zug (Sonderzug mit 400 Leuten 2013) oder mit dem Schiff nach Neusiedl 2015. „Nach Neusiedl fährt sonst im Übrigen kein reguläres Passagierboot, der einzige Anleger gehört zu einem schickimicki Etablissement. Dementsprechend pikiert war ein Großteil des dortigen Publikums, als wir lautstark singend dort ankamen.“
Eine zum Nachdenken anregende Reise war ein Besuch der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. Historische Dokumente erinnern an Zeiten, als der WSC noch international spielte. Aus jüngeren, aber auch schon alten Zeiten stammt ein Abdruck aus dem SAW von August 1992.
Reisen unternimmt man auch zu Freundinnen und Freunden. So wird hier von einem Besuch bei Tennis Borussia Berlin erzählt und von Roter Stern Leipzig gibt es einen Text, wie dort das Auswärtsfahren im Unterhaus Sachsens abläuft: Angesichts von Attacken durch örtliche Neonazis gibt es eine eigene AG Sicherheit, die sich um die Auswärtsspielplanung unter dem Gesichtspunkt des unverletzt wieder nach Hause Kommens kümmert. Die weitesten Fahrten führen die FHT derzeit mit den WSC-Frauen quer durch Österreich, da diese in der 2. Bundesliga spielen.
Auf zwei Jubiläen wird aufmerksam gemacht: 1883, vor 140 Jahren, wurde der Wiener Cyclisten Club gegründet, und seit 20 Jahren spielt der WSC (mitsamt der WSK-Geschichte) in der Regionalliga Ost. Dazu ist im Heft eine stattliche Liste der Vereine zu sehen, auf die man in der Ostliga traf. Beim ASK Baumgarten ist der Vermerk „aktuell Burgenlandliga“ leider unrichtig, da der Verein 2014 den Spielbetrieb eingestellt hat und sich seit mittlerweile einem Jahrzehnt aus dem Fußball verabschiedet hat.
Zur Fenix Trophy – einem 2021 gegründeten europäischen Bewerb für große kleine Vereine – gibt es ein Interview mit einem der Organisatoren, Leo von Brera Calcio.
Zu lesen ist auch wieder über das Dauerthema Sportclubplatz-Umbau. Man sollte, schlägt ein Artikel im Heft dazu vor, die erzwungene Pause dazu nutzen, sich auch erst einmal klar zu werden, welche Ziele der Verein mit einem neuen Stadion eigentlich ereichen will. Die bisherige Entwicklung wird gut auf den Punkt gebracht: „Seit 2017, dem ersten Beschluss im Gemeinderat für eine Revitalisierung des Sportclubplatzes, ist das Projekt einerseits immer kleiner geworden und andererseits wurde bisher eigentlich nur abgerissen und nicht gebaut.“
A5 / 2€ / erhältlich auf der Friedhofstribüne
Mittwoch, 27. April 2022
Schwarz auf Weiß, 47
Rezension
Schwarz auf Weiß
Das Sportclub-Fanzine
№ 47, April 2022
64 S.
30 Jahre Friedhofstribüne des Wiener Sport-Club. Das allseits bekannte Thema verzögerte hier wie auch anderswo das Jubiläum. 2020 wäre „die große 30-Jahr-Feier der Freund*innen der Friedhofstribüne angestanden, leider ist uns da eine Pandemie dazwischengekommen. In diesem Heft wollen wir jedenfalls versuchen, auf diese 30 Jahre zurückzublicken in der Hoffnung, dass die nächsten 30 Jahre weniger turbulent werden.“ heißt es eingangs.
Die Geschichte des Fanzines und die Geschichte der Friedhofstribüne hängen zusammen: „Im Herbst 1990 findet sich im schwarz auf weiss das erste Mal ein Impressum mit Freunde der Friedhofstribüne für die Fans der damaligen Tribüne an der Als. Notwendig wurde das Impressum, weil ein paar Polizeibeamten nichts Besseres einfiel, als das Fehlen desselben im Fanzine zu bemängeln.“ So werden in diesem Heft einige Ereignisse aus der Geschichte von dreißig Jahren Friedhofstribüne auf Basis der Berichte im Fanzine dargestellt. Dabei zeigte sich auch wieder einmal die Überlegenheit von Druckwerken gegenüber dem Internetz als Speichermedium der Vergangenheit: „Leider gestaltete sich die Recherche vor allem für den Zeitraum 2003 – 2010 als schwierig. Das Schwarz auf Weiß wurde zu diesem Zeitpunkt vor allem auf die Homepage der Friedhofstribüne verlagert, diese Homepages sind aber, wenn überhaupt, nur mehr bruchstückhaft über das Internet Archiv abrufbar.“ Man liest von der Annemarie, Auswärtsfahrten nach Innsbruck und anderem.
Auch die Anhängervereinigung des WSC begeht ein Jubiläum. Der 1952 gegründete Fanklub wieder heuer 70 Jahre alt, was im Heft ebenfalls gewürdigt wird. Der „unendlichen Geschichte“ der stagnierenden Erneuerung des Sportclubplatzes nimmt sich ein teils chronologisch-rückblickender und teils satirisch in die Zukunft blickender Artikel an. Eine Anklage widmet sich den Missständen beim Derby gegen die Vienna im Herbst 2021, von der organisatorischen Unterbesetzung an den Einlässen, was zu langen Wartzeiten und großen Verspätungen führte, den unnötigen bis seltsamen Lautsprecherdurchsagen gegen Pyro oder dem fragwürdigen Polizeieinsatz der WEGA gegen die Auswärtsfans. An Seitenhieben gegen die Vienna-Fankultur mangelt es dabei aber auch nicht.
In einem Text über die Notwendigkeit einer „Erzählung, was diese Gemeinschaft ist“ für den WSC werden Vergleiche mit dem FC St. Pauli, der Rapid und der Wiener Austria gezogen. Zur Rapid wird die erfolgreiche Transferierung von Werten der Arbeiterbewegung (Kampf, Einsatz, Solidarität) als zentraler Punkt genannt. „Es macht einen großen Teil der Anziehung aus und macht Rapid zu dem Publikumsmagnet im österreichischen Fußball und das durchaus in Wechselwirkung zwischen Verein und organisierten Fans.“
Weiters gibt es im Heft u.a. ein FHT-ABC, ein Interview mit dem Trainer oder ein spannendes Gespräch mit einem Gestalter des berühmten „Home is where the graveyard is“-Graffitis auf der Friedhofstribüne zu den Hintergründen von dessen Entstehung. Zum Interview über die internationale Geschichte der Leute hinter dem Transparent Love Sportclub − Hate Fascism durfte ich das Foto beisteuern.
„Das Sportclub-Fanzine Schwarz auf Weiß (SaW) war so etwas wie der Kraftdünger für die aufblühende Fankultur am Sportclub-Platz in den späten 1980er Jahren. Vieles, das für uns heute selbstverständlich ist, wurde erstmals in SaW thematisiert und in die Anhängerschaft getragen.“ beschreibt Kurt Reichinger die Anfänge des Schwarz auf Weiß und erinnert sich, wie er 1986 in London bei seinen Queens Park Rangers erstmals auf ein Fanzine stieß. Er sah vor dem Stadion „einen Typen, so etwa in meinem Alter, der nicht die üblichen Match-Programme verkauft, sondern irgendetwas anderes aus einem Pappkarton fischt und an die Fans verkauft. Neugierig geworden, hole ich mit eines der Druckwerke. ,We love you Rangers, we do ...‘ ist der schlichte Titel. Noch ahne ich nicht, was ich da in Händen halte.“ Es sollte zum Vorbild seines, dieses Fanzines werden.
A5 / 2€ / erhältlich auf der Friedhofstribüne
Mittwoch, 10. Juni 2020
Schwarz auf Weiß, 46
Rezension
Schwarz auf Weiß
Das Sportclub-Fanzine
№ 46, Mai 2020
40 S.
Mit Demokratie in Fußballvereinen und dem Mitgliederverein als Konzept beschäftigt sich das in einer fußballspiel-, aber nicht demokratiefreien Zeit erschiene Heft des Fanzines der Freund*innen der Friedhofstribüne des Wiener Sport-Club. „Lasst uns mehr Demokratie!“ ist dabei die Schlagzeile – eine Paraphrase des epochemachenden Satzes „Wir wollen mehr Demokratie wagen“ des Sozialdemokraten Willy Brandt in seiner ersten Regierungserklärung als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland 1969, mit dem er eine gesellschaftliche und geistige Öffnung einleitete.
Im Editorial stellt man die Fragen dazu: „Was bedeutet Demokratie in einem Mitgliederverein? Wie kann das gelebt werden? Was bedeutet das vor dem Hintergrund einer Gesellschaft, in der autoritäre Strukturen wieder Unterstützung inden, in der Ausschluss wieder vermehrt akzeptabel erscheint?“ Antworten geben auch verschiedene Beiträge des Hefts.
Was ist die Aufgabe eines Fußballfans im Stadion? Nicht die „Mitwirkung bei Werbeaktionen“, findet ein kritischer Kommentar zu einer Sponsorenaktion zur Umgestaltung von Torjubel zu kommerzieller Werbung beim letzten WSC-Heimspiel. Ein alter Text aus dem Schwarz auf Weiß aus dem März 1998 berichtet vom Zwiespalt, aus der Fanszene in den Vorstand des Vereins zu kommen, und ein Gespräch mit zwei Protagonisten blickt auf vergangene turbulente Zeiten in den Jahren rund um die Aufspaltung in WSC und WSK zurück. „Im Vorstand hat uns nie jemand was gesagt. Du bist da gesessen für die Wand. Einmal hat sich der Willy Kaipel mit uns und der Angängervereinigung zusammengesetzt, um uns Dinge zu erzählen. Das war aber alles informell.“ Jedenfalls waren es in den 1980er/90er Jahren schwierige Zeiten als Fan, wie ebenfalls erzählt wird: „In der Zeit waren andere Vereine viel prominenter. Allen voran Rapid. Das war voll gschissen. Oder die VÖEST. Das war der gschissenste Verein überhaupt, damals. Wir sind oft grennt. Einmal haben uns am Heimweg fünf VÖESTler abgepasst, wir sind in irgendeinen Hauseingang geflüchtet. Der GAK auswärts war auch scheiße. Du kommst hin und wirst sofort mit Gegenständen beworfen. So sind wir als Gruppe gewachsen.“ (Literaturhinweis für die jungen Leserinnen und Leser zu VÖEST-Hooligans: Reinhard Krennhuber, Ein Tritt zu viel. in: Ballesterer 90)
Zurück zum Hauptthema des Hefts: Information ist eine Problemstellung, die auch in weiteren Beiträgen zum Thema Mitgliederverein eine Rolle spielt. So gibt es eine Vorstellung der basisdemokratischen Konsensfindungsstrategie bei Roter Stern Leipzig, man erfährt über Herangehensweisen beim „unbeschriebenen Blatt“ Dresdner SC, über den im Dezember 2018 in einer Punk-Bar in Bratislava entstandenen FK Kozmos und über den erfolgreichen Kampf um die Vereinsführung bei Tennis Borussia Berlin, wo man mit gewisser Selbstirone auf den eigenen Verein blickt – „Etwa im Zehnjahresrhythmus fühlt sich Tennis Borussia zu Höherem berufen und nimmt freudig Anlauf ins Verderben.“ (das beste Zitat des Hefts). Einiges an Stoff zum Thema gibt es in zwei Interviews mit Leuten des FC United of Manchester, wo auch interne Verwerfungen zur Sprache kommen.
Spannend ist ein Artikel über das 1895 fertiggestellte und 1982 verkaufte einstige Klubhaus des Wiener Sport-Clubs in der Hernalser Rötzergasse (Nähe Jörgerbad). Weiters gibt es im Heft u.a. einen Bericht vom Besuch des Fussballfans gegen Homophobie-Hallenturnies in Zürich und einer anschließenden Groundhopping-Spritztour nach Italien. Dabei machte man schlechte Erfahrungen mit Flixbus. Zu ihrer Beruhigung: Damit sind sie nicht allein. Ohne zumindest einmal eine schlechte Flixbus-Erfahrung gemacht zu haben, ist die Welt des Fußballreisens nicht komplett erfahren.
Donnerstag, 31. Oktober 2019
Schwarz auf Weiß, 45
Rezension
Schwarz auf Weiß
Das Sportclub-Fanzine
№ 45, Oktober 2019
40 S.
„Aus unserer Geschichte gelernt – gegen jeden Antisemitismus“ war das Motto, unter dem die Friedhofstribüne ihren Beitrag zur FARE-Aktionswoche stellte. „Als Mitglied eines Vereins tendiert man gerne dazu, die eigene Vergangenheit in einem weicheren Licht zu sehen.“ heißt es im Editorial. Der Wiener Sport-Club war von seiner Gründung weg ein „Verein der bürgerlichen, antisemitischen, christlichsozialen Mittelschicht, der Beamten, Lehrer, Handwerker, Selbständigen“ gewesen. Der Verein hatte eine Ausnahmestellung im Wiener Fußball der 1920er und 1930er Jahre, da hier aufgrund seiner Ausrichtung keine Jüdinnen und Juden Mitglied waren. Anhand von Zitaten aus Zeitungen jener Zeit wird ein Bild des Wiener Sport-Clubs der Jahre 1920 bis 1945 gezeichnet. Ein weiterer Artikel beschreibt das Umfeld, jüdisches Leben, Verfolgung und Widerstand in Hernals. Schlussfolgerung, wieder aus dem Editorial: „Wenn sich der Sport-Club auf seine über 130-jährige Geschichte beruft, und das tut er und auch wir als Freund*innen der Friedhofstribüne gerne, dürfen auch die weniger angenehmen Seiten des Vereins nicht verschwiegen werden.“
Nach jahrelangen Debatten um die Rückführung der 2001 gegründeten Fußballer des Wiener Sportklubs in den Gesamtverein Wiener Sport-Club kam es 2016 zum Zug zum Tor. In der Saison 2016/17 nahm eine wiedergegründete Fußballsektion des Wiener Sport-Club in der 2. Klasse B des Wiener Fußballverbands am Spielbetrieb teil und so konnte 2017 der Zusammenschluss zweier Fußballvereine durchgeführt werden, wie es in den WFV-Statuten vorgeschrieben war. In einer Gesprächsrunde erinnern sich vier beteiligte Spieler an das Zustandekommen des Projekts, das Lehrgeld in der Herbstsaison und die sportlichen Erfolge im Frühjahr jenes Jahres.
Weitere Themen im Heft sind ein Interview mit dem antifaschistischen Projekt 0161-Manchester, Berichte von der Teilnahme an den Fanturnieren von Kicken ohne Grenzen und Tennis Borussia Berlin sowie den 20-Jahres-Feiern von Roter Stern Leipzig und natürlich der alljährliche Ute Bock Cup. Auch auf die Ausstellung Fan.Tastic Females – Football Her.Story gibt es einen Ausblick.
Donnerstag, 30. Mai 2019
Schwarz auf Weiß, 44
Rezension
Schwarz auf Weiß
Das Sportclub-Fanzine
№ 44, Mai 2019
36 S.
Nachdem das Fanzine Schwarz auf Weiß der Friedhofstribüne nach vielen Jahren im Herbst erstmals wieder erschien, kann man man nun bereits die nächste Ausgabe lesen.
Neben dem Fußball betreibt der Wiener Sport-Club traditionell weitere Sportsektionen, in denen sich auch Leute von der Friedhofstribüne betätigen. Zuletzt wurde die historische Eishockeysektion nach fast einem Jahrhundert wiedergegründet (1920 war sie eingestellt worden). Für jene, die keine Ahnung von Eishockey haben (wie mich), wird der Sport kurz beschrieben – „Für Zuschauer ist er ein Kälteschock und meistens zu schnell, für Spieler ein Saunagang und meistens zu schnell.“ – und von Geschichte und Gegenwart des WSC-Eishockey erzählt.
Mit Martin Roßbacher, ehemaligem Obmann des Vereins der FreundInnen der Friedhofstribüne, gibt es einen Rückblick auf seine Fanbiographie. Seine ersten Eindrücke von der FHT damals: „Das war am Anfang ein vorsichtiges Herantasten, weil am Anfang schauen die Leute hier ja alle wie Freaks aus. Es sind ja auch Freaks. Aber dann sieht man: Diese liebenswerten Freaks machen einen positiven Support.“ Für die Zukunft sieht er eine Überdachung der Tribüne als wesentlich an und tritt der Meinung von einer in den letzten Jahren schlechter werdenden Stimmung entgegen: „Ich kann nicht sagen, ob es früher besser war als jetzt. Sicher ist: Die, die am meisten über die Stimmung meckern, sind jene, die während des Spiels am meisten tratschen. Und es sind heute einfach mehr Leute auf der Tribüne, die Sänger*innen stehen verteilter.“ Diese Form des auch schon in der vorigen Ausgabe zu lesenden Rückblicks mit einer interessanten Persönlichkeit über seine Geschichte und allgemeine Themen ist eine spannende Sache.
Ein Blick über die Grenzen geht zum befreundeten Tennis Borussia Berlin, wo es einen großen Krach zwischen Vereinsführung und Fanszene gab. Dazu gibt es einen Bericht über eine Ostdeutschlandreise, bei der man ebenjenes TeBe sowie den Dresdner SC und Roter Stern Leipzig bei Spielen besuchte. Historisch interessant ist ein älterer Text eines Vienna-Anhängers über seine Eindrücke vom WSC im Lauf der Jahrzehnte. In der Kulinarik-Bewertung der Ostliga-Plätze wird Neusiedl vorgestellt und die Surbratensemmel empfohlen.
Mittwoch, 17. Oktober 2018
Schwarz auf Weiß, 43
Rezension
Schwarz auf Weiß
Das Sportclub-Fanzine
№ 43, September 2018
44 S.
Anfang der 1990er Jahre war das Fanzine Schwarz auf Weiß maßgeblich für die Entwicklung der Fankultur der Friedhofstribüne am Sportclub-Platz verantwortlich und erschien dann bis 2004 in 41 Ausgaben. Zur Initiative Come Together – Kommts zsamm zur Wiedervereinigung von WSC und WSK gab es 2010 eine Sonderausgabe und jetzt kehrt das Heft mit einer regulären Ausgabe zurück. Darin gibt es gleich mehrere interessante Texte.
„Was ist der Wiener Sport-Club?“ Mit einer gewichtigen Frage beginnt das Heft gleich ohne Umschweife ein großes Thema anzureißen − die Frage, wofür der Verein nach der erkämpften Rückführung der 2001 als Wiener Sportklub abgetrennten Fußballsektion in den Breitensportverein Wiener Sport-Club 2017 nunmehr stehe. „Der WSC ist ein relativ biederer mittelgroßer Vorstadtverein, dessen Image zwar sein größtes Kapital ist, aber kaum Niederschlag in der Realität des Vereinsalltages findet.“ analysiert die Autorin oder der Autor schonungslos und benennt eine klare Zukunftsperspektive: „Mehr so werden, wie alle glauben, dass wir sind.“
Klare Aussagen folgen auch zur Thematik „Derby of Love ... ich kann's nicht mehr hören.“ Das Derby mit der Vienna hat sich im Laufe des letzten Jahrzehnts nicht nur immer größeren Publikumszuspruchs und medialen Interesses erfreut sondern wurde auch kommerziell interessanter. Die Austragung eines Freundschaftsspiels im Juni als Kulmination der „Eventisierung“ des Spiels durch die beiden beteiligten Vereine wird kritisiert und etwas mehr Feingefühl verlangt. Es gibt aber auch eine Abgrenzung von der Redaktion bekannten Teilen des Vienna-Anhangs, der ebenfalls „Unbehagen“ auslöse, und zwar mit „entbehrlichen“ Aktionen: „Wenn gewisse Südtiroler Studentenultras plötzlich einen auf harte Rivalität machen und bestenfalls halblustige Provokationen per Spruchband loslassen, ist das mehr als mühsam.“
Interessant sind ein Hintergrundtext zu den Solidaritätsbekundungen mit Afrin beim Spiel gegen Neusiedl im Frühjahr samt Hinweis auf Brösel, die es danach gab, und der Matchbesuchsbericht bei Austria Salzburg gegen FC United of Manchester im Sommer. Für eine Humornote soll offenbar ein „Interview“ mit dem 1911 gewonnenen Challenge-Pokal (ja, mit dem Pokal) im Heft sorgen. Für die Servicefunktion im Alltag beginnt SaW wiederum eine Serie von Toilettentests der Ostliga, standesgemäß auf der Friedhofstribüne. Weitere Artikel behandeln u.a. das Hallenturnier der Fußballfans gegen Homophobie und die Position, warum Politik auch ins Stadion gehöre, kritisieren innere Entwicklungen in der FHT oder geben einen Rückblick auf zehn Jahre Ute-Bock-Cup.
Der spannendste Teil des Hefts blickt auf die Geschichte des Fanzines Schwarz auf Weiß und die Anfänge der Friedhofstribüne zurück − von den Anfängen mit Schreibmaschine und Tuschestift-Schablone und der Verwendung eines Computers ab der vierten Ausgabe. Die autobiographischen Erzählungen von SaW-Gründer Kurt Reichinger führen von den 1970er Jahren und Auswärtsfahrten zu viert oder fünft über Inspiration durch Reisen in Großbritannien in den 1980er Jahren, der Etablierung der Friedhofstribüne zu seiner Rückkehr nach Fanszenen-Pause in die Anhängervereinigung des Wiener Sportclub. Diesem 1952 gegründeten Fanklub steht Reichinger heute vor. Es ist wohl nicht falsch, wenn die SaW-Redaktion schreibt: „Seine Lebensgeschichte ist gleichzeitig ein gutes Stück Zeitgeschichte. Sie steht für die Entwicklung einer kritischen Fankultur in Österreich und am Sportclubplatz.“ Seine Geschichte ist auch ein Miterleben des sportlichen Entwicklung des Vereins, der Anfang der 1990er Jahre noch in der Bundesliga spielte. In Reichingers Worten: „Diese Zeit ist in meinem Kopf immer noch drin. Meine ernstzunehmenden Gegner sind Sturm, Wacker und so weiter. Dass wir heute nach Neusiedl fahren ist mir immer noch fremd. Das ist wirklich eine Bruchlinie in unserem Anhang zwischen den Generationen.“
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