Posts mit dem Label Transparent werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Transparent werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Transparent 22



Rezension


Transparent
Magazin für Fußball & Fankultur
Nr. 22 (2017)
68 S.







Nach sechs Jahren ist die Nummer 22 leider die letzte Ausgabe des Transparent Magazins. Im Abschieds-Editorial heißt es: „Gestartet waren wir Ende 2011 mit einem sehr idealistischen Antrieb, die politische Bedeutung von Fußball und insbesondere Fankultur aufzuzeigen und nicht – wie in vielen anderen Medien oft geschehen – nur die eine Seite, nämlich die Stimmen von Polizeibeamten oder Innenministern zu Wort kommen zu lassen. Wir hoffen, uns ist ein differenzierter Blick gelungen.“ Ich habe die Zeitschrift gerne gelesen.

Dem Mythos Millwall hatte unnachahmlich bereits 2003 einmal der Ballesterer in einer Schwerpunktausgabe nachgespürt. Transparent hebt ihn in seiner Abschlussausgabe auf das Titelblatt und berichtet über den Verein mit für Gewalt berühmt-berüchtigter Fankultur. Weitere Themen sind Maradona und Napoli − darüber liest man tatsächlich immer wieder gerne − oder linke Ultras und politische Konfliktlagen in Deutschland. Interessant ist vor allem auch ein Reisebericht aus Chile.

Danke für sechs Jahre und 22 Hefte.

Samstag, 10. Juni 2017

Transparent 21



Rezension


Transparent
Magazin für Fußball & Fankultur
Nr. 21 (2017)
68 S.







„Fangesänge im Fußball: Seit Jahrzehnten gehören sie dazu, mal anfeuernd, mal selbstironisch, mal beleidigend. Seit einigen Monaten werden manche von ihnen vom DFB bestraft.“ Einer besorgniserregenden Entwicklung in Deutschland widmet sich das Titelthema. Gegenstand der Strafen sind nicht etwa strafrechtlich Relevantes, Rassismus, Sexismus etc. sondern verunglimpfende Meinungsäußerungen. „So wurden beispielsweise ,Scheiß DFB‘ und ,Alles außer Frankfurt ist Scheiße!‘-Transparente bestraft, genauso wie der Chemnitzer FC bereits zweimal für einen ,Scheiß Red Bull‘-Doppelhalter zahlen musste.“ Es ist zulässig, über Ausdrucksweise und Inhalt der Aussagen unterschiedlicher Meinung zu sein, aber strafwürdig sollten solche Aussagen auf keinen Fall sein. Gemeinsam mit den Bestrebungen, Verbandsstrafen für Fanverhalten an die Vereine von diesen an einzelne erwischte Fans weiterzugeben, läuft dies auf eine Veränderung der Stadionkultur als emotionalem Ort, der auch Unmutsäußerungen und Kritik zulässt, hinaus. Da die Strafenhöhe weiter an Finanzkraft und vergangenen Strafen des Fußballunternehmens und nicht der Einzelperson gemessen werden, können hier für ein und dieselbe Vergehen an verschiedenen Zeitpunkten und Orten Unterschiede von tausenden bis zehntausenden Euro zustandekommen und die betreffende Person in Armut und Verschuldung stürzen.

Weitere Artikel beleuchten den schwierigen Aufstieg aus den Regionalligen in die 3. Liga und eine Polizeistrategie, mit Briefen die Eltern minderjähriger Ultras vor dem Umgang ihrer Kinder zu warnen, um Ultràgruppen zu schaden, die Verurteilung des ehemaligen deutschen Bundesligaprofis Deniz Naki in der Türkei zu einer Gefängnisstrafe (auf Bewährung) aufgrund freier Meinungsäußerung sowie die gegenwärtigen Schwierigkeiten von Fanzines, am Beispiel des Übersteiger aus St. Pauli.

Freitag, 5. Mai 2017

Transparent 20



Rezension


Transparent
Magazin für Fußball & Fankultur
Nr. 20 (2017)
68 S.







„Nirgendwo zeigt sich die Ambivalenz der Fankultur zwischen Datenschutz und Selbstinszenierung jedoch so gut wie im Internet.“ Der Nutzung des Internets und v.a. der sozialen Medien durch Fans widmen sich ein Artikel und ein demgegenüber positiv gestimmter Kommentar. Negative Seiten (selbstzugelassene einfache Ausforschung und Überwachung) werden benannt und ebenso positive Möglichkeiten der Vernetzung und von Aktionen.

Auf das Leipziger Derby Chemie gegen Lok im Herbst 2016 und seine Begleitumstände blickt ein Artikel zurück. Als Titelgeschichte gibt es ein Interview mit einem wohl in Deutschland bekannten ehemaligen Fußballtrainer, der einiges Widersprüchliches und Unreflektiertes über Tradition und Fankultur plaudert. Weitere Artikel behandeln fünf Jahre erneuerte Sondergesetzgebung mit eingeschränkten Rechten für Fußballfans in der Schweiz („Hooligan-Konkordat“) oder eine Münchner Ausstellung zur Sichtbarmachung von Frauen unter Fußballfans bei 1860. Interessant ist die Vorstellung von Blindenfußball (Rassel im Ball) und dem verwandten Torball (Glocken im Ball).

Donnerstag, 2. März 2017

Transparent 19



Rezension


Transparent
Magazin für Fußball & Fankultur
Nr. 19 (2016)
66 S.







Die 1998 in Deutschland festgelegte 50+1-Regel besagt, dass bei Ausgliederung des Profispielbetriebs in eine Kapitalgesellschaft der Mitgliederverein 50% plus einen Anteil besitzen und somit die bestimmende Mehrheit haben muss. Ausnahmen wurden für Vereine getroffen, bei denen ein Investor zwanzig Jahre mitmischt, sodass neben den Werksvereinen auch bereits das Milliardärsspielzeug Hoffenheim davon ausgenommen ist. Red Bull hat Verband und Liga und ihr Reglement ohnehin nur laut ausgelacht und mit kosmetischen Maßnahmen auf offener Bühne verarscht, so wie es der Konzern eben auch hierzulande gerne mit Regeln und guten Sitten umgeht. Bei Hannover 96 wird Zampano Kind 2018 die 20-Jahres-Grenze erreicht haben und dann auch offiziell den Verein sein Eigentum nennen können, mit dem er tut was ihm beliebt ohne sich um dessen Fans zu scheren. Europaweit gilt das deutsche 50+1 als best practice Modell, um Vereinsidentitäten zu bewahren und Klubs vor oftmals fatalen Launen von Investoren zu schützen. In Deutschland arbeiten einige an seiner Abschaffung. Der Schwerpunkt in diesem Heft erläutert die Thematik.

Ein schöner Fotoessay portraitiert das Karlsruher Wildparkstadion. Ein Bremer Ultra spricht im Heft im Interview über seine Erfahrungen als Rollstuhlfahrer. Weiters gibt es hier u.a. auch über die Auswirkungen des beliebten Polizeieinsatzmittels Pfefferspray zu lesen, die von dauerhaften Augenschäden bei Kontaktlinsenträgerinnen und -trägern bis zum Tod bei bei diversen Vorerkrankungen (Asthma, Allergien, Drogeneinfluss, Psychopharmaka) reichen. Benjamin Wolf erzählt im Interview über die Entstehung seiner 1. FC Nürnberg – Fußballfibel.

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Transparent 18



Rezension


Transparent
Magazin für Fußball & Fankultur
Nr. 18 (2016)
66 S.







Im Titelthema beschäftigt man sich hier mit dem Auftrieb von Rechtsextremisten unter Fußballfans in Europa, eingebettet in den allgemeinen Trend − „Ein Erstarken der Rechten gibt es nicht nur in vielen Stadien, sondern auch auf den Straßen und in den Parlamenten.“ Der politische Akivist, Journalist und Austria-Fan Michael Bonvalot beschreibt das Aufkommen der Neonazis in der Austria-Fankurve. Weiters geht es im Heft um positive und negative Platzstürme, die Leipziger Dosen und die 2. deutsche Bundesliga. Ein Reisebericht nimmt einen zu Gesprächen am Balkan und ein Groundhoppingbericht nach Myanmar mit.

In Pascal Claudes Fußballschallplatten-Serie bespricht er die 1976 erschienene Single „Tuat's net schmimpfen über mi ... / Ein Fußballer ist auch ein Mensch“ des Wieners Hans Pirkner (Meister mit der Austria), der 1971 an der Manipulation des Spiels Schalke gegen Arminia Bielefeld und damit am großen deutschen „Bundesligaskandal“ beteiligt war.

Freitag, 24. Juni 2016

Transparent 17



Rezension


Transparent
Magazin für Fußball & Fankultur
Nr. 17 (2016)
66 S.







Da Fußballeuropa aufgrund der Europameisterschaft nach Frankreich blickt, widmet sich auch dieses Heft der Lage der französischen Fankultur vor der EM. „Gruppenverbote, der Einsatz von Gummigeschossen und leere Gästeblöcke sind Teil des französischen Fußballalltags geworden.“ Einschränkung der Reisefreiheit ist im nach den Terroranschlägen verhängten Ausnahmezustand normal geworden, auch wenn die mit Entlastung der Polizeikräfte argumentierten Verbote von Auswärtsfans durch wohl nicht weniger Polizisten überwacht und durchgesetzt werden. „Beim Spiel der korsischen Mannschaft Ajaccio durfte niemand mit einer Meldeadresse in der Stadt des Gegners, St. Étienne, die Insel Korsika betreten − egal ob Fußballfan oder Tourist.“ Durch Gummigeschosse aus Polizeigewehren gab es nicht nur verletzte Fußballfans (zwei sind aufgrund Treffern am Auge erblindet) sondern außerhalb des Fußballs auch schon einen Toten in Frankreich. Das behördliche Verbot einer Fangruppe ist das härteste Repressionsmittel: „Nach der zwangsweisen Auflösung einer Gruppe ist es ebenfalls verboten, Namen oder Symbol der Gruppe weiterhin zu zeigen. Das mit Strafen bis hin zur Haft belegte Verbot betrifft Kleidung genauso wie Fahnen. Im März dieses Jahres machte die Nachfolgegruppe der ,Brigade Sud Nice‘, die ,Ultras Populaire Sud Nice‘ (Nizza, Verbot wegen des Vorwurfs eines Platzsturms, Anm.), eine Papptafelchoreo mit den Buchstaben BSN in Erinnerung an die verbotene Gruppe. Daraufhin wurde der Anführer der ,Ultras Populaire Sud Nice‘ verhaftet und die Räumlichkeiten der neuen Gruppe durchsucht.“

Im Heft gibt es noch Interessantes zu Antiziganismus und als Beispiel erfolgreicher Fanproteste die Durchsetzung der Zulassung von Gästefans aus Rostock und Dresden in Magdeburg sowie einen Antwerpen-Reisebericht. Remo Zollinger (viaggiarepartire.tumblr.com) erzählt von einem Nicht-Spielbesuch in Prato.

Donnerstag, 31. März 2016

Transparent 16



Rezension


Transparent
Magazin für Fußball & Fankultur
Nr. 16 (2016)
66 S.






Dem Thema „Fußballgewalt“ widmet sich das Heft schwerpunktmäßig, in fast wissenschaftlicher Betrachtungsweise. Ergänzt wird der Artikel u.a. um Kommentare von Nicole Selmer vom Ballesterer und Mirko Otto von Blickfang Ultrà. Selmer macht auf eine grundsätzliche Frage im Reden über Gewalt aufmerksam: „Das Problem beginnt schon bei der Definition. Denn Gewalt kann im Fußball vieles sein: Ist damit der pöbelnde Zuschauer auf der Haupttribüne gemeint? Der Einsatz von Pyrotechnik? Ein Platzsturm? Oder geht es um die Faszination an der gewalttätigen Auseinandersetzung, um den Kick, der Thema zahlloser Bücher, Filme und Reportagen über Hooligans der 1980er und 1990er-Jahre ist? Wo eine Definition fehlt, ist es umso schwieriger, zu klaren Antworten zu kommen.“

Weitere Themen sind u.a. die polizeiliche Datensammelwut über Fußballfans in geheimen und damit nicht legalen Dateien und ein Blick auf teils skurril anmutende Fußballfankulturansätze in den USA. Sehr stimmungsvoll und Fernweh verursachend ist ein Groundhoppingbericht aus Süditalien, vom unterklassigen Spiel San Vito Positano gegen Sorrento. Neben schöner Lage überzeugte den Hopper die ungewöhnliche vormittägliche Anstoßzeit, „wie in Tschechien, nur mit Ultras“.

Donnerstag, 24. Dezember 2015

Transparent 15



Rezension


Transparent
Magazin für Fußball & Fankultur
Nr. 15 (2015)
66 S.






„Fußball ohne Gästefans?“ ist das Titelthema. Der internationale Trend geht dazu, aus sogenannten Sicherheitsgründen Auswärtsfans einzuschränken oder gleich zu verbieten. Noch ist das in Deutschland ebenso wie in Österreich eher ein Bedrohungsszenario. Doch es ist auch ein Zukunftsszenario, da es für Vereine und Polizei den Aufwand reduziert. Da dies Einnahmenentfall ausgleicht, ist das wohl auch für die schütter besuchte österreichische Bundesliga möglich. Das Interesse eines Fußballfans, das Spiel seiner Mannschaft zu erleben und sie zu unterstützen, ist nachrangig. Seit ihrem Sicherheitspapier von 2012 haben die Vereine der 1. und 2. deutschen Bundesliga die vormalige Regel eines 10%-Gästekontingents beendet. Zusammen mit der Polizei wird diese Möglichkeit auch gern genutzt. Gladbacher Fans erhielten in Köln im September 2015 nur mehr 6,5% statt 10% der Stadionkapazität und den Schalkern wurde der Gästesektor von Borussia Dortmund im November 2015 gleich halbiert. Beschränkungen der Reisefreiheit durch vorgeschriebene geschlossene Anreisefahrten von bestimmten Orten zu bestimmten Zeiten wurden ebenfalls bereits angeordnet.
Ergänzende Artikel über die Situation in England, Italien und den Niederlanden beleuchten die mögliche Zukunft. Herjan Pullen von der Ajax Supportersveriniging im Interview: „Zur Zeit kommt es nach meiner Einschätzung bei etwa 7 von 10 Fußballspielen in den Niederlanden zu solchen Auflagen mit verpflichtender Anreise. Also reisen holländische Fußballfans mit Zug oder Bus. Selbst wenn man die Möglichkeit hat, mit dem Auto anzureisen, muss das Ticket für das Spiel am Stadion oder am Parkplatz zu einer bestimmten Zeit abgeholt werden. [...] Die Fußballfans gewöhnen sich immer mehr daran. Die jüngste Supporter-Generation weiß nicht einmal mehr, wie es ist ohne Auflagen zu Auswärtsspielen zu reisen.“

Weitere Artikel behandeln Unterhausfußball im Ruhrgebiet und die triste Lage des Fußballs fünf Jahre nach der Weltmeisterschaft in Südafrika: „Die WM war zwar positiv für das Image Südafrikas, finanziell hat sie aber einen Riesenschaden hinterlassen. Sie hat keine langfristigen Jobs gebracht und die Stadien stehen fast immer leer.“

Ein Groundhoppingbericht erzählt vom Europacupspiel Rapids bei Ajax Amsterdam im August 2015, wobei den Autor der Rapid-Support als eintönig fadisierte. Ich bin da natürlich nicht unparteiisch, habe ihn aber als ganz im Gegenteil großartig in Erinnerung.

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Transparent 14



Rezension


Transparent
Magazin für Fußball & Fankultur
Nr. 14 (2015)
66 S.






Über die Türkei konnte man vor zwei Jahren aufgrund der Beteiligung von Fußballfans an den Protesten in Istanbul viel lesen und hören. Hier ist in Reportage und Interview zu lesen, wie es weiterging und der Staat zurückschlug, etwa mit der Anklage von 35 Mitgliedern der Çarşı von Beşiktaş wegen Putschversuchs. Ein schwerwiegender Vorwurf in einem Land, in dem schon hunderte Oppositionelle und auch nur potentielle Regierungsgegner aus Politik, Militär, Wirtschaft und Religion wegen Vorbereitungen für Putschversuche für viele Jahre im Gefängnis landeten. Auch wenn sich ein Angeklagter vor Gericht mit den Worten verteidigte, „Wenn wir die Stärke hätten, um einen Putsch durchzuführen, dann hätten wir Beşiktaş zuerst zur Meisterschaft verholfen.“ um die Absurdität aufzuzeigen.

Weiters geht es im Heft u.a. um Ajax und Tottenham, wo aufgrund antisemitischer Zuschreibungen und Anfeindungen in den Fankulturen eine dagegen gekehrte positive Bezugnahme zu einer konstruierten jüdischen Identität entstanden ist (als „Superjoden“ in Amsterdam und „Yid Army“ in London). Beide Vereine versuchen dies in einer Art Täter-Opfer-Umkehr durch Verbot von jüdischen oder israelischen Symbolen im Stadion zu unterbinden, um so den in beiden Ländern üblichen antisemitischen Hassgesängen gegen ihre Vereine vorzubeugen.

Dienstag, 7. Juli 2015

Transparent 13



Rezension


Transparent
Magazin für Fußball & Fankultur
Nr. 13 (2015)
66 S.






Das Thema der für das Fernsehen zerspragelten Beginnzeiten der oberen Ligen ist immer wieder virulent und wurde in Deutschland mit Wünschen nach weiterer Aufteilung der Spieltermine zuletzt wieder aktuell. Der Heftschwerpunkt beschäftigt sich mit den deutschen Diskussionen darüber seit den 1990er Jahren − etwa um die Montagsspiele der zweiten Liga − und die Probleme, welche die Orientierung am Fernsehpublikum für Leute bringt, die ins Stadion gehen wollen und insbesondere ihren Verein auch auswärts begleiten. Sig Zelt von der Initiative Pro Fans kritisiert fanunfreundliche Anstoßzeiten und meint: „Wer aber die gesellschaftliche Bedeutung und ja, den Hype um den Fußball, nicht auf die Sportart an sich zurückführt, sondern − im weitesten Sinne − auf die Fankultur, der wird erkennen, dass die Gästefans dafür wichtiger sind, als ihre reine Anzahl vermuten lässt.“

Die Welt der Fußballsongs ist eine Leidenschaft von Pascal Claude (knappdaneben.net). Er erzählt darüber und über seine Sammlung an Vinyl-Singles mit Fußballbezug in Interview und ortet ein qualitatives Nord-Süd-Gefälle der Fußballmusik: „Ich sage immer: Je weiter südlich man reist, desto interessanter wird es musikalisch. In England und Deutschland gab es, bis sich dann in den späten Siebzigern die ersten Punkbands wie die Cockney Rejects bei West Ham des Fußballs annahmen, im Wesentlichen nur mehr oder weniger originelle Märsche. In Italien dagegen ist sicher mindestens ein Drittel der Lieder musikalisch wirklich ansprechend. Auch in Südamerika gibt es wirklich unglaublich gute Sachen.“ Ab dieser Ausgabe stellt Claude in einer Kolumne im Heft Singles vor.

Weiters gibt es im Heft einen Reisebericht zu den EM-Stadien in Portugal heute. Die Eindrücke aus dem spärlich besuchten Coimbra, dem sich aus Transfers finanzierenden Porto oder dem Kontrast in Braga zwischen dem alten Estádio 1º de Maio und dem in den Felsen gebauten EM-Stadion, die beide architektonisch bemerkenswert sind, kann ich teilen.

Donnerstag, 19. März 2015

Transparent 12



Rezension


Transparent
Magazin für Fußball & Fankultur
Nr. 12 (2015)
66 S.






Die UEFA verhängt Geisterspiele als Strafe für rassistisches Verhalten und trifft damit die unschuldigen Fans der Gastmannschaft genauso. Ihr schuldloser Ausschluss von der Unterstützung ihres Vereins interessiert aber die Verantwortlichen nicht, da die Spiele ja für das Fernsehen und nicht für die Fans im Stadion stattfinden. Bei Bayern München wurde dagegen zuletzt unter dem Titel „Respect Fans“ protestiert. Ein Artikel beleuchtet hier die Pro- und Contra-Argumente für die Kollektivstrafen. Fare befürwortet die Strafen, da sie wirksamer als die bisherigen Geldstrafen seien. Daniela Wurbs von den Football Supporters Europe (FSE) kritisiert die Begründung der Strafen (Vermischung/Gleichsetzung mit Pyrotechnik) und auch die Kollektivstrafen grundsätzlich: Die bisherigen Beispiele zeigten, „dass noch keine Kollektivstrafe der UEFA dazu geführt hat, dass die Rassisten oder die rassistischen Aktionen aus dem Stadion verschwinden.“ Es würde nicht Rassismus bekämpft, sondern durch unterschiedslose Sanktionen würden vielmehr Solidiarisierungseffekte gefördert. Wurbs kritisiert den Ansatz der UEFA generell: „Die UEFA hat sich auf den Weg begeben, nicht nur klar diskriminierende oder gewalttätige Vorfälle zu sanktionieren, sondern alles, was nicht dem Bild eines kommerziell verwertbaren Fußball entspricht.“

Die Welt ist klein. In der Rezension der vorletzten Ausgabe hatte ich auf eine lässliche Fehlstelle in einem ansonsten interessanten Artikel des Autors Marcel Storch hingewiesen. Wenige Wochen später befragte er mich für seine Reportage über die Wiener Fußballkultur. Seine Reportage erzählt vom großen und dem kleinen Wiener Derby sowie den unterschiedlichen Fankulturen.

Weiters gibt es im Heft u.a. wieder interessante Groundhoppingberichte sowie einen Text rund um die politischen Hintergründe der mit einem Toten geendeten Schlägerei vor dem Estadio Vicente Calderón, über deren Ursache und Verlauf es unterschiedliche Angaben gibt. In Folge wurde in Spanien ein generelles Verbot von Ultras in Stadien angedacht.

Montag, 29. Dezember 2014

Transparent 11



Rezension


Transparent
Magazin für Fußball & Fankultur
Nr. 11 (2014)
66 S.






Die Verluste an Fans, welche die jeweiligen Stadion-Umzüge von 1860 München mit sich brachten, beschreibt ein interessanter Artikel von David Rösler. Schon den Auszug aus dem Grünwalder Stadion in das große Olympiastadion Mitte der 1990er machten Teile der älteren Fanszene nicht mehr mit, „schauten die Spiele von nun an lieber in Kneipen oder vorm Fernseher, weil sie sich nicht mehr heimisch fühlten und die Atmosphäre in keinster Weise vergleichbar war.“ Die Gesamtzahl der Zuschauerinnen und Zuschauer stieg in jenen erfolgreichen Jahren, doch die Fanszene hatte sich verändert. Nach kurzer Rückkehr für eine Saison ins Grünwalder Stadion (wobei fünf Spiele dann doch wieder im Olympiastadion ausgetragen wurden) kam 2005 mit dem Wechsel in die Arena der nächste Einschnitt. „Löwenfans, die sich über die Jahre klar und intensiv gegen die Pläne des allmächtigen Präsidiums (Wildmoser, Anm.) positioniert hatten, bleiben bis heute spürbar der Arena, abgesehen von ein paar Highlights, fern. Tatsächlich fehlt in der Arena bis heute ein wichtiger Anteil an aktiven Fans zwischen 30 und 40 Jahren.“ erzählt ein Mitarbeiter des Fanprojekts.
Zuletzt gab es um den Einstieg eines vereinsfremden Investors vereinsinterne Konflikte, auch zwischen Fans, die u.a. zum Rückzug einer Ultragruppe führten. „Zusammenfassend haben wir durch die Stadionwechsel, die vereinsinternen Auseinandersetzungen und den Einstieg von Ismaik in den letzten 20 Jahren sicherlich 5.000 bis 10.000 jahrelange Löwenfans verloren, die durch jüngeres und Eventpublikum ersetzt wurden.“ analysiert ein 1860-Fan die Veränderungen im Stadion.

Eine bemerkenswerte Frage stellt sich das Magazin im Schwerpunkt: „Haben Fans überhaupt noch eine Zukunft im Profifußball?“ Ein Text beschäftigt sich mit der Fanvereingründung HFC Falke von HSV-Fans, dem Abgang der Ultras in Hannover zur Amateurmannschaft und den Protest jener in Jena gegen einen Investoreneinstieg. „Wie die Zukunft aussieht, ist unklar, − die aufgezeigten Beispiele zeigen aber, dass es zunehmend Brüche gibt. Brüche mit der Selbstverständlichkeit einer bunten Fankurve bei jedem Spiel, Brüche zwischen Vereinen und Fans.“
Interessant sind im Heft noch eine schöne Fotoserie zum von mir auch erst unlängst besuchten Bruchwegstadion in Mainz, ein fankultureller Reisebericht aus Kroatien und exotische Groundhoppingberichte.

Dienstag, 21. Oktober 2014

Transparent 10



Rezension


Transparent
Magazin für Fußball & Fankultur
Nr. 10 (2014)
66 S.






Schwerpunktthema ist der Aufstieg von Red Bull in Leipzig. Viel Platz gibt es für ein Interview mit etwas seltsam erscheinenden Leuten, die dort Claqueure sind und Fußballfans spielen sowie anscheinend Selbstillusionisten sind, wenn sie Ansichten vertreten wie „weil wir nicht wollen, dass dieser Verein nur auf den Sponsor reduziert wird.“ Als würde es um irgendetwas anderes als um diesen gehen. Ansonsten kennt man die Argumente. Da es um nichts weniger als um das Selbstverständnis von Fußball geht, mag es aber immer wieder wichtig sein, das zu thematisieren.

Patrick Stegemann blickt auf die Folgen der WM 2014 in Brasilien, wo z.B. öffentlicher Raum in den Städten kommerzialisiert wurde. „Für Luiz hat ihm diese WM mehr weggenommen als ,nur‘ die Stadt. ,Sie klauen uns den Fußball‘, klagt er.“ Er ist Fan von Flamengo, die in Rio im umgebauten Maracanã spielen. Die billigste Eintrittskarte für ein Meisterschaftsspiel kostet dort jetzt umgerechnet 30 Euro. Das westeuropäische Preisniveau ist für brasilianische Verhältnisse utopisch hoch.

Interessant sind ein Artikel darüber, wie Teile der Fans und auch der Verein bei Borussia Dortmund etwas gegen rechtsextreme Gewalt und Agitation im Stadion zu tun beginnen, sowie über das verbreitete Fußball-Desinteresse in Litauen. Autor Marcel Storch schreibt eine schöne Reportage, übersieht oder vergisst dabei allerdings, dass es dieses Phänomen im gesamten Baltikum gibt, also auch in Lettland und Estland anzutreffen ist.

Mittwoch, 9. Juli 2014

Transparent 9



Rezension


Transparent
Magazin für Fußball & Fankultur
Nr. 9 (2014)
66 S.






Eine WM-Spnderausgabe widmet sich den dunklen Seiten der Weltmeisterschaft. Nicole Selmer berichtet von den sozialen Problemen in der Gesellschaft und im brasilianischen Fußball, welche durch die übergestülpte WM eher verschärft als überdeckt wurden. Andere Artikel beschäftigen sich mit Homophobie oder dem deutschen Länderspielpublikum, das wie Peter Römer beschreibt, zwischen 1988 und 1998 zu einem bedeutenden Teil aus Hooligans bestand und stärker als im Vereinsfußball dabei die Neonazis vereinigte. Um Fußball oder selbst Fußballgewalt ging es dabei nicht immer, sondern auch um rechte Politik, wenn etwa zu einem Länderspiel versammelte Hools 1988 von Linken besetzte Häuser im Hamburger St. Pauli angriffen und diese von dort zu vertreiben versuchten. Römer blickt auch auf die heutigen Allesfahrer der deutschen Nationalmannschaft und ihre Organisation.

Jan Tölva beschäftigt sich mit dem zum „Partyotismus“ gewordenen deutschen Fußballnationalismus. An manchen Stellen ist mir seine Argumentation zu weitgehend, in Österreich ist auch manche Ausgangslage anders. Aber oft und grundsätzlich hat er recht: „Es gibt allerdings einen gehörigen Unterschied zwischen der Identifikation als ,Wir mit einem Verein und der Identifikation als ,Wir mit einer Nationalmannschaft. Während ersteres ein mehr oder minder freiwilliger Akt ist und prinzipiell jede und jeder Fan jedes beliebigen Vereins werden kann, verhält es sich bei Nationalmannschaften anders. Da diese in den Augen der meisten gleichbedeutend sind mit den Nationalstaaten beziehungsweise den Nationen, die sie vertreten, wird zumindest implizit erwartet, daß Menschen sich auch mit der Nationalmannschaft identifizieren, mit deren Spielern sie die Staatsangehörigkeit teilen.“

Beim letzten Heft hatte ich noch das ohne Hinweis abgebildete Stadion erkannt. Welches Stadion oder welche Stadien diesmal auf Titelblatt und Rückseite des Hefts abgebildet sind, blieb mir leider verschlossen und wird wiederum im Heft nicht aufgelöst.

Donnerstag, 24. April 2014

Transparent 8



Rezension


Transparent
Magazin für Fußball & Fankultur
Nr. 8 (2014)
66 S.






In der Titelgeschichte geht es um den Umgang deutscher Fußballvereine mit ihrer NS-Vergangenheit. Die Beschäftigung mit diesem Thema wurde oft erst von den Fans angestoßen. Ähnlich war es ja auch bei Rapid, dessen Beispiel der Aufarbeitung hier auch erwähnt wird. Weitere Beispiele aus Österreich gibt es hier ja leider nicht. Pavel Brunßen und Peter Römer bemerken kritisch, daß auch die vorbildlichen Gedenkveranstaltungen von Vereinen hauptsächlich den Opfern gewidmet waren, während keine Aufarbeitungsveranstaltungen über die Täter in den eigenen Reihen stattfanden: „Gedenkveranstaltungen, die eigene Schuld thematisieren, bestärken eben weniger eine positive Gegenwartsidentität als ein Opfergedenken.“

Dazu wird im Heft über die repressiven Maßnahmen von Stadtverboten als polizeiliche Ausweitung von Stadionverboten der Vereine/Liga berichtet und ein allerdings nicht in die Tiefe gehender Artikel über linke Fußballfans und den in der Krise auflebenden gewalttätigen Rechtsextremismus in Griechenland.
Sehr schön sind die Bilder vom Stadion am Schloß Strünkede im deutschen Herne. Auf der vorderen Umschlag-Innenseite und der Rückseite sind Bilder aus dem riesigen Strahov-Stadion in Prag abgebildet. Das konnte allerdings nur das Kenner-Auge erkennen, einen Bildtext dazu habe ich im Heft nicht gefunden.

Freitag, 17. Januar 2014

Transparent 7



Rezension


Transparent
Magazin für Fußball & Fankultur
Nr. 7 (2013)
66 S.






Gemäß dem Leitmotiv „Football, Culture & Politics“ widmet sich die Titelgeschichte des Transparent wieder den Konfliktlinien links/rechts und Ultras/Hooligans in Fanszenen in (West-)Deutschland und berichtet über Aktivitäten gegen rechts sowie Lok Leipzig. Dazu gibt es auch einen Artikel, der sich mit zunehmender Vielfalt unter dem Dachbegriff Ultras beschäftigt. Einerseits ein Trend zu kleineren Gruppen anstelle Großgruppen („die Abspaltungswelle“) und andererseits eine inhaltliche Ausdifferenzierung, die sich nicht nur in der politischen Ausrichtung ausdrückt und auch etwa beim Abseitsstehen von Bündnissen wie 12:12 erkennbar wird.

Ein recht lehrreicher Artikel von Benedikt Kaneko beschreibt die Fußballkultur in Japan. Es geht auch um die Vereine und Fangruppen, aber als kleiner Einblick in die Exotik: Am Stadioneingang gibt es kein Abtasten, da dies in der japanischen Kultur undenkbar wäre, wo schon ein Händeschütteln zuviel Körperkontakt darstellt (man verbeugt sich zur Begrüßung). Getränke und Essen nimmt man ins Stadion mit und man kann dieses auch einmal wieder verlassen, um von draußen Nachschub zu holen. Dafür herrscht außer in kleinen gekennzeichneten Bereichen striktes Rauchverbot.

Donnerstag, 12. September 2013

Transparent 6


Rezension


Transparent
Magazin für Fußball & Fankultur
Nr. 6 (2013)
66 S.







Es gibt hier einen interessanten kleinen Schwerpunkt über Fußballfans in der DDR und die Fankultur in den 80er Jahren. Die Staatsgewalt scheiterte mit ihrem Versuch, die Fankultur mit einer Doppelstrategie aus Vereinnahmung und Repression zu kontrollieren. Die grassierende Gewalt wurde ausgeblendet. Als größtmögliche Provokation für den kommunistischen Staat galt offener Neonazismus und so wurde dieser von der jugendlichen Fankultur weidlich gepflogen (die Dynamik entwickelte sich nach der Wende fatal fort). Die polizeistaatlichen Aktivitäten ließen ihnen hier einen Freiraum und konzentrierten sich lieber auf grenzüberschreitende Beziehungen wie etwa Vorlieben für oder Kontakte zu westdeutschen Vereinen: Allein 2.500 Fans von Union Berlin, wo eine Freundschaft mit Hertha BSC gepflegt wurde, wurden von der Stasi erfaßt.
Eine bezeichnende Geschichte erzählt Carl-Zeiss-Jena-Fan Matthias Stein im Interview: „Was mir in Erinnerung geblieben ist, dass der Stadionsprecher im Zusammenhang mit den Ereignissen in Kambodscha und dem daraus resultierenden Grenzkonflikt zwischen China und Vietnam vor dem Spiel eine Protestresolution ,Gegen die chinesische Aggression wider unseren vietnamesischen Freunden verlas. Was passierte? Der gesamte Fanblock skandierte sofort ,China, China! Vermutlich wußten die meisten gar nicht, worum es ging. Da hat man sich dann einfach auf die andere Seite geschlagen, nur weil man sich nicht indoktrinieren lassen wollte.“

Hervorzuheben sind an Transparent im übrigen die wirklich guten und informativen Groundhopping-Berichte. Genau so soll es sein.

Mittwoch, 8. Mai 2013

Transparent 5


Rezension


Transparent
Magazin für Fußball & Fankultur
Nr. 5 (2013)
66 S.







In Fortsetzung und Vertiefung des Themas der letzten Ausgabe drehen sich diesmal Beiträge um das Klischee „Die Ultras haben die Politik ins Stadion gebracht“, womit in Deutschland oft jene gemeint sind, die sich gegen gesellschaftlich unerträglichen und vereinsschädigenden Rassismus und Rechtsextremismus verwehren. Doch natürlich waren die deutschen Stadien vor Auftreten der Ultras vor einem Jahrzehnt ganz und gar nicht politikfrei. Peter Römer berichtet, wie rechte Politik in den 1980er Jahren dort präsent war und wie sich in den 90ern Gegenbewegungen entwickelten. Ein Beispiel einer solchen ist die Schalker Fan-Initiative (diese gibt auch das Fanzine Schalke unser heraus), von der Roman Kolbe interviewt wird. Er berichtet, daß sie dabei damals keine großen Probleme hatten, da die Schalker Hooliganszene im Unterschied zu Borussia Dortmund nicht politisch aktiv und rechtsradikal ausgerichtet war und ist. Er sieht das sehr realistisch: „Machen wir uns nichts vor, die Fans von Schalke und Dortmund sind eigentlich sehr nah beieinander. Die ticken ähnlich und trotzdem sind der Kern der Fanszene und die Positionierung des Vereins ausschlaggebend für die Frage: Fühlen sich Nazis oder rechtsoffene Personen in diesem Umfeld wohl oder merken die, daß hier nichts zu gewinnen ist?“

Sehr interessant und überaus aufschlußreich ist weiters im Heft ein Bericht von Thalia Hirsch über einen Besuch bei der Torcida Verde in Lissabon, einer der Ultragruppen von Sporting.

Donnerstag, 21. Februar 2013

Transparent 4


Rezension


Transparent
Magazin für Fußball & Fankultur
Nr. 4 (2013)
66 S.







Kurveninternen Konflikten in Deutschland widmet sich das Heft in seiner Titelgeschichte: Während es oftmals ein Nebenher oder Miteinander gibt, kam es mancherorts zu Auseinandersetzungen zwischen „zwei prägenden Subkulturen“ in den Fanszenen, nämlich Hooligans und Ultras. In unterschiedlich gelagerten Fällen u.a. in Bremen, Essen, Leipzig, Duisburg bis hin zum jüngsten Extrembeispiel Aachen ging es dabei meist nicht nur, aber eben auch um politische Fragen. „Je mehr sich Ultragruppen in der Breite jedoch politisierten, desto mehr Konflikte mit den Hooligan-Gruppierungen hatten sie tendenziell. Dies führte teils so weit, dass mehr körperliche Auseinandersetzungen in einigen Fanszenen stattfanden als mit gegnerischen.“ Eine allgemein bekannte Trennlinie ist dabei, daß rechte Äußerungen als normal und Teil der Fußballkultur angenommen werden und linke Hinweise darauf und Positionierungen als unzulässige Einmischung und Hereintragen von Politik. Ein eindimensionales Verständnis, da z.B. Rassismus nicht unpolitisch ist.

Berichtet wird auch vom Fall der Aachen Ultras, die am Schluß zu einer drangsalierten und gewalttätigen Angriffen ausgesetzten Minderheit in einem Stadioneck wurden. Sie lösten sich auf, da sie alleingelassen dem Druck nicht mehr standhielten. Dabei ging es zum Teil um Old School gegen neuen Ultrastil, aber auch um den Ansatz einer gemeinsamen Fanszene von Ultras und Hooligans ohne Probleme mit Rechtsextremismus versus dem Verständnis einer Ultragruppe, die v.a. auf sich, ihre Gruppe und ihren eigenen Supportstil schaute und mit Rassismus nichts anfangen konnte. Das führte dann z.B. auch dazu, daß sie die kurvenübergreifende Kampagne 12:12 nicht mittrugen, die von denjenigen Leuten der eigenen Fanszene unterstützt wurden, die sie im eigenen Stadion und bei Auswärtsspielen angriffen.
Aachen ist wohl ein Extrem, aber ein Beispiel für das atavistische „Recht des Stärkeren“, worunter Transparent seinen Schwerpunkt subsumiert.

Sehr schön ist wieder einmal die Stadion-Fotostrecke, diesmal überaus gelungene Bilder des schneebedeckten Leimbachstadions im deutschen Siegen.

Freitag, 28. Dezember 2012

Transparent 3


Rezension


Transparent
Magazin für Fußball & Fankultur
Nr. 3/2012
66 S.







Höhepunkt des Hefts ist das Interview mit dem vor einem Monat verstorbenen Holocaustüberlebenden Miloš Dobrý, der vom Fußballspielen im KZ erzählt. Das Interview wurde geführt und eingeleitet von Patrick Stegemann. Im KZ Theresienstadt waren regelmäßige Fußballspiele Teil der NS-Propaganda von einer vorgeschützten Normalität. Für die Beteiligten brachte es etwas zu essen und damit ein Stück Leben, wie Dobrý erzählt: „Denn Essen war die Hauptsache. Es bedeutete Überleben. Wir haben nie gewußt, ob am nächsten Tag einer spielen kann oder ob er in den Transport geschickt wurde.“
Die Allgegenwart des systematischen Tötens und doch willkürlichen Todes erwähnt Dobrý, wenn er sich an den Zeitpunkt des Versuchs eines Fußballspiels in Auschwitz erinnert, wo der allgegenwärtige Hunger Bewegung eigentlich verunmöglichte: „Aber wir haben nicht länger als 30 Minuten gespielt. Wir konnten ja kaum die Beine heben. Ich weiß noch ziemlich genau, daß das gegen Ende Februar 1944 gewesen sein muß, denn im März ist der Transport, der vor uns gekommen ist, in der Nacht vergast worden.“
Sport aus eigenem Antrieb war auch ein Zeichen des Überlebenswillens, denn üblicherweise wurde neben der harten Zwangsarbeit körperliche Betätigung wie herumlaufen, herumspringen etc. als zusätzliche Folter der geschwächten Menschen eingesetzt.

„Eine verfahrene Situation“ ist das Verhältnis von Fußballfans und Polizei in Deutschland heute, schreiben Pavel Brunßen und Peter Römer. Beiderseits nimmt man sich als Feindbild und willkürlich handelnder, aggressiver homogener Block wahr. Wenn die Polizei dann am Spieltag eine „Faninformation“ veröffentlicht, sieht sie das als kommunikativen Schritt, während dies von Fans oft auch nur als Liste an Verboten wahrgenommen wird. „Gerade jugendliche Fans kommen durch polizeiliche Maßnahmen zu einem staatskritischen Bild, das sich ohne ihr Interesse am Fußball so wahrscheinlich nicht entwickeln würde.“ resumieren die Autoren die gesellschaftspolitische Auswirkung.
Im Rahmen des Schwerpunkts erzählt Thalia Hirsch vom freundlichen Verhalten der Polizei in Manchester gegenüber den Fans von Borussia Dortmund (Coverbild). Man wäre dort als „friedlicher Fußballfan wahrgenommen und aus diesem Grund respektvoll behandelt“ worden, „was wiederum den Respekt der Fans gegenüber der Polizei steigerte“. Die Dortmunder hatten ja anderswo auch schon ganz anderes erlebt.

Vom „Fußball unter Ausschluß der Öffentlichkeit“ in Italien erzählt im Heft Kai Tippmann: Von der erfolgreichen behördlichen Erstickung der Ultràbewegung zur Beendigung der Gewalt, die mit ihren − alle Fans betreffenden − Schikanen zu einer Entleerung der Stadien führte.
Die Zeitschrift mausert sich. Die Artikel sind gescheit und das thematische Spektrum erweitert sich. Gut ist auch, daß Groundhoppingberichte durchaus auch etwas länger sein dürfen, wenn sie Interessantes erzählen. Der eine oder andere Lektoratsfehler rutscht noch durch, aber diese Kinderkrankheiten werden vergehen.