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Samstag, 7. Januar 2023
Lost Ground Stadio Comunale Acerra
7.1.2023
Das nördlich des Stadtzentrums der kampanischen Stadt Acerra liegende städtische Stadion wurde zu Jahresende 2014 wegen Baufälligkeiten der Tribünen und der Flutlichtmasten geschlossen. Die Polisportiva Acerrana spielt heute in einer neuen Anlage. 2017 und 2018 wurde die Anlage bis auf die nun renovierte Tribüne abgerissen. Bei den Abrissarbeiten kamen antike römische Ruinen zutage, die in archäologischen Ausgrabungen erforscht wurden. Anschließend wurde hier ein Park errichtet.
Die große Längsseitentribüne mit 2.450 Plätzen prägte das Stadion. Das Spielfeld war von einer Laufbahn umgeben.
Am Spielfeld hatte es einen Rasen gegeben. Von diesem war wenig zu sehen, als hier am 18. März 1985 Diego Maradona zu einem Benefizspiel auflief. Es regnete in Strömen und das Spielfeld war zu einer Schlammgrube verwandelt, wie in TV-Bildern des Matchs zu sehen ist. Aufgrund des Regens wurde zum Aufwärmen bereits der Parkplatz herangezogen.
Maradona war der Bitte des aus Acerra kommenden jungen Napoli-Spielers Pietro Puzone gefolgt. Ein Bub aus Acerra hatte eine Gaumenfehlbildung und man brauchte Geld für eine Operation in der Schweiz. Ein Spiel im Stadio San Paolo lehnte Napoli-Präsident Ferlaino ab, so organisierte man das Spiel hier im Stadio Comunale von Acerra. Maradona kam mit zwölf Napoli-Spielern und bezahlte selbst die Versicherung für eine etwaige Verletzung seiner wertvollen Beine. Das Spiel soll 9:1 geendet haben.
Maradona in Acerra 1985 ist mittlerweile auch Gegenstand eines Buchs und eines Films namens La Partita nel Fango; un giorno nella vita di Maradona von Gabriella Simoni geworden.
Im Maradona-Band der ballesterer bibliothek erklärt der Sportjournalist Carsten Fuß über Maradona: „Er wollte vor allem Fußball spielen, aber so sozialistisch war er schon, dass er den Leuten etwas zurückgeben wollte. Am besten illustriert das das Spiel in Acerra. (...) Dieses Match vereint so vieles: Dass er für diesen Jungen spielt, dass er das Spiel ernst nimmt und sich im Schlamm wälzt. Und dass er ein Tor erzielt, das sein Jahrhunderttor gegen England 1986 vorwegnimmt.“
Im März 2022 wurde in Erinnerung an dieses Ereignis hier eine Statue Maradonas im Dress, das er 1985 trug, aufgestellt.
Sonntag, 25. Dezember 2022
Ballesterer Bibliothek 2: Diego Armando Maradona

Rezension
ballesterer bibliothek 2
Diego Armando Maradona
Wien, Dezember 2022 148 S.
Buenos Aires, Neapel, Argentinien, Welt, Öffentlichkeit, Kunst – nach diesen Begriffen beschreibt die zweite Ausgabe der ballesterer bibliothek in thematischen Kapiteln Diego Maradona.
Die ersten drei Kapitel beschäftigen sich mit für Maradona prägenden Orten. In Buenos Aires werden Herkunftsstadtviertel und Jugendvereine besucht und beschrieben. Großartig sind die Fotos aus einem früheren Wohnhaus der Familie Maradona, das zu einem sichtlich liebevoll gestalteten Museum umgewandelt ist, und das Interview mit seinem Betreiber. Er ist ehemaliger Klubsekretär der Argentinos Juniors, der 1977 den ersten Profivertrag Maradonas verfasste.
Neapel ist ohne Maradona nicht mehr vorstellbar und Maradona wäre ohne Neapel nicht das gewesen, was er war. Das wird auch hier noch einmal klar, wenn man mit dem ballesterer aus der Spaccanapoli in die Quarteri Spagnoli wandert.
In den folgenden drei Kapiteln widmet sich das Buch drei Themen. Zur Geschichte Maradonas in der argentinischen Nationalmannschaft ragt die WM 1986 heraus. Sie wird betrachtet und dazu gibt es Fotostrecken über Maradona im Nationalmannschaftsdress 1979 (Junioren-WM), 1982, 1990 und 1994.
Die ganze Welt kannte Maradona und so gab es auch Österreich-Konnexe. Vom Live is Life über einen zehnsekündigen Auftritt in einer der seinerzeit beliebten Trash-TV-Fernsehserien im Wörthersee-Milieu. Die argentinische Nationalmannschaft hatte einen Wörthersee-Aufenthalt im Vorfeld der WM 1994 bevor sie „nach Zagreb, wo eine Partie gegen Kroatien ansteht“, abreiste.
Einen besonderen Einblick gewährte Oliver Pohle von den Ultras Rapid dem ballesterer in seine, mit Stücken aus zwei Jahrzehnten Sammelleidenschaft gefüllte, Iglesia Maradoniana Viena.
Das Kapitel Öffentlichkeit analysiert Maradonas Verhältnis zu Medien und thematisiert auch sein Verhältnis zu seinen Frauen, die er betrog, schlug, belästigte und mit seinen Kindern ohne zu zahlen alleine ließ. Als Mensch ist Maradona verstorben, im Kapitel Kunst ist aber seine Fortwirkung zu sehen.
Viel wurde über bereits Maradona geschrieben und gesagt, dennoch gewinnt man in diesem Buch neue Perspektiven.
Dienstag, 3. September 2019
Diego Maradona – Rebell. Held. Gott.

Rezension
Diego Maradona
Rebel. Hero. Hustler. God.
Regisseur: Asif Kapadia
Großbritannien 2019
130 Min.
Österreich-Premiere: Votivkino Wien, 3.9.2019
„Diego hat ein fantastisches Leben gelebt und ein furchtbares.“ sagt an einer Stelle im Film Maradonas früherer persönlicher Fitnesstrainer Fernando Signorini über ihn. Der britische Regisseur Asif Kapadia hat packende, gut ausgewählte Bilder aus TV-Berichten und privaten Videos montiert und mit Interviewaussagen von Maradona selbst sowie von Weggefährtinnen und Weggefährten oder Journalisten unterlegt. Er zeichnet damit das Leben und die Karriere Diego Maradonas nach, wobei der Schwerpunkt auf den sieben Jahren in Neapel von 1984 bis 1991 samt den beiden Weltmeisterschaften mit Argentinien 1986 und 1990 liegt. Die Zeit davor und danach wird kursorisch, zur Abrundung der Biographie behandelt.
Regisseur Asif Kapadia hatte zuvor u.a. biographische Filmdokumentationen über den Autorennfahrer Ayrton Senna 2010 (Senna) und die Sängerin Amy Winehouse 2015 (Amy – The Girl Behind the Name) veröffentlicht. Beide verstarben jung. Diego Maradona ist dem Tod bislang entkommen, auch wenn er aufgrund seines Lebenswandels nahe dran war. Das ist hier aber nicht Thema. Ausschnitte eines TV-Interviews zu einem Drogenentzug Maradonas werden gezeigt.
In Neapel wurde Maradona zur religiös verehrten Gottheit. In den letzten Jahren war Napoli zeitweise nah dran wie schon lange nicht, aber die einzigen beiden italienischen Meistertitel von Napoli blieben bislang jene mit Maradona. Als Fußballgott wurde Maradona hier bejubelt, konnte sich alles erlauben, aber wurde auch von der Begeisterung der Menschen und ihm nahekommenden Journalisten stark bedrängt. Einige Bilder zeigen das nachdrücklich. Themen des Films sind seine fußballerische Karriere, aber auch die enge Beziehung zur Camorra, Frauen und Betrug sowie seine Drogensucht.
Nachdem es immer nur steil bergauf ging, wird die WM 1990 als dramatischer Einschnitt beschrieben, nach dem Maradona in der italienischen Öffentlichkeit aufgrund des italienischen Ausscheidens gegen Argentinien zur Hassfigur wurde, allen bisherigen Schutz verlor, und nun für Drogenhandel gerichtlich verurteilt und wegen Doping für ein Jahr international gesperrt wurde. So steil es bergauf gegangen war, so tief und rasant war der Fall. Er brach ihn als Mensch.
Eine interessante Randnotiz ist, dass aus dem englischen Originaltitel Diego Maradona – Rebel. Hero. Hustler. God. im deutschen Verleihtitel Diego Maradona – Rebell. Held. Gott. gemacht wurde. Die nicht unwichtige Komponente des Schwindlers wurde hier aus unbekannten Gründen entfernt. Der wesentliche Untertitel blieb: Gott.






Die Österreich-Premiere des Films wurde vom Ballesterer präsentiert. Chefredakteur und Neapel-Kenner Jakob Rosenberg sprach einleitende Worte.

Ab 5.9.2019 im Kino.
Dienstag, 13. Januar 2015
Cappella di Maradona, Neapel
11.1.2015
In der Bar Nilo auf der Piazzetta Nilo in der Altstadt gibt es einen Maradona-Altar. In Neapel gibt es eine Tradition von Marterln und kleinen Altären an Privathäusern. Die Cappella di Maradona steht in dieser Tradition, nur gilt die religiöse Verehrung hier eben keinem christlichen Heiligen sondern einem Fußballgott.

Diego Armando Maradona kam 1984 nach zwei unglückseligen Jahren in Barcelona nach Neapel. Der international unscheinbare Mittelständler SSC Napoli zahlte eine Rekordablösesumme. Es war damals der teuerste Transfer der Fußballgeschichte. Maradona zahlte es dem Verein und der Stadt zurück. Napoli gewann mit dem weltbesten Spieler 1987 und 1990 die ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte, dazu 1987 auch den italienischen Cup sowie 1989 den UEFA-Cup. Die Titel beschreiben die gegenseitige Liebesbeziehung der Napoli-Tifosi und von Maradona aber nur unzulänglich. Das Abbild Maradonas prangt hier zwischen Marien- und Heiligenbildern.

Bis 2014 war der Altar an das Außenwand der Bar angebracht, seither befindet er sich im Innenraum derselben.

Barbesitzer Carmine „Bruno“ Alcidi führt die Bar Nilo in dritter Generation. Er und sein Vater haben den Altar 1991 errichtet. Unter dem zentralen Foto des Verehrten werden als Reliquie auch Haare Maradonas ausgestellt. Bruno Alcidi hat sie 1990 auf dem Rückflug von einem Europacupspiel vom Sitz seines Idols aufgesammelt.

Das Ende kam 1991 abrupt, als Maradona bei einer Dopingprobe Kokainkonsum nachgewiesen wurde. Verehrt wird er in Neapel aber ungebrochen weiterhin. Ein Glasflascherl enthält gesammelte Tränen aus dem Jahr 1991, als Maradona Neapel fluchtartig verließ.

Ein Ausdruck der kultischen Vermischung des christlichen Glaubens mit fußballerischer Verehrung ist die Garnierung des Maradona-Altars mit Figuren des gegenwärtigen Papstes und sowie des neapolitanischen Stadtheiligen San Gennaro.


Ein Zettel fordert dazu auf, nicht nur ein Foto zu machen sondern auch etwas zu konsumieren. Damit einem nicht der Fotoapparat runterfalle. Ich hoffe, dass dies dort mit Augenzwinkern geschrieben ist. Ein Espresso wurde jedenfalls getrunken.

Die Fotomontage La creazione di calcio („Die Erschaffung des Fußballs“) paraphrasiert die Szene der Erschaffung Adams (Creazione di Adamo) des Renaissancekünstlers Michelangelo aus der Sixtinischen Kapelle in Rom. Hier wird nicht Adam von Gott erschaffen sondern der Fußball in Person Maradonas.

Die Bar Nilo an der Piazetta Nilo.

Den Platz vor der Bar dominiert die erst im November 2014 restaurierte Figur des Flussgottes Nil aus dem römischen 1. oder 2. Jh. u.Z. Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg waren zwei der drei Engelsköpfe und der Kopf der Sphinx abgeschlagen und geraubt worden. Der Sphinx-Kopf wurde erst 2013 in einer Privatsammlung in Österreich gefunden und von der Polizei sichergestellt.

Epilog
Neben anderen mehr oder weniger Heiligen gibt es an den diversen Ständen mit geschnitzten Krippenfiguren in der Via San Gregorio Armeno in der Altstadt auch Maradona-Figuren zu erwerben. Die Vermischung von Religion und weltlichen Anbetungsfiguren ist hier Alltag.
In der Bar Nilo auf der Piazzetta Nilo in der Altstadt gibt es einen Maradona-Altar. In Neapel gibt es eine Tradition von Marterln und kleinen Altären an Privathäusern. Die Cappella di Maradona steht in dieser Tradition, nur gilt die religiöse Verehrung hier eben keinem christlichen Heiligen sondern einem Fußballgott.
Diego Armando Maradona kam 1984 nach zwei unglückseligen Jahren in Barcelona nach Neapel. Der international unscheinbare Mittelständler SSC Napoli zahlte eine Rekordablösesumme. Es war damals der teuerste Transfer der Fußballgeschichte. Maradona zahlte es dem Verein und der Stadt zurück. Napoli gewann mit dem weltbesten Spieler 1987 und 1990 die ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte, dazu 1987 auch den italienischen Cup sowie 1989 den UEFA-Cup. Die Titel beschreiben die gegenseitige Liebesbeziehung der Napoli-Tifosi und von Maradona aber nur unzulänglich. Das Abbild Maradonas prangt hier zwischen Marien- und Heiligenbildern.
Bis 2014 war der Altar an das Außenwand der Bar angebracht, seither befindet er sich im Innenraum derselben.
Barbesitzer Carmine „Bruno“ Alcidi führt die Bar Nilo in dritter Generation. Er und sein Vater haben den Altar 1991 errichtet. Unter dem zentralen Foto des Verehrten werden als Reliquie auch Haare Maradonas ausgestellt. Bruno Alcidi hat sie 1990 auf dem Rückflug von einem Europacupspiel vom Sitz seines Idols aufgesammelt.
Das Ende kam 1991 abrupt, als Maradona bei einer Dopingprobe Kokainkonsum nachgewiesen wurde. Verehrt wird er in Neapel aber ungebrochen weiterhin. Ein Glasflascherl enthält gesammelte Tränen aus dem Jahr 1991, als Maradona Neapel fluchtartig verließ.
Ein Ausdruck der kultischen Vermischung des christlichen Glaubens mit fußballerischer Verehrung ist die Garnierung des Maradona-Altars mit Figuren des gegenwärtigen Papstes und sowie des neapolitanischen Stadtheiligen San Gennaro.
Ein Zettel fordert dazu auf, nicht nur ein Foto zu machen sondern auch etwas zu konsumieren. Damit einem nicht der Fotoapparat runterfalle. Ich hoffe, dass dies dort mit Augenzwinkern geschrieben ist. Ein Espresso wurde jedenfalls getrunken.
Die Fotomontage La creazione di calcio („Die Erschaffung des Fußballs“) paraphrasiert die Szene der Erschaffung Adams (Creazione di Adamo) des Renaissancekünstlers Michelangelo aus der Sixtinischen Kapelle in Rom. Hier wird nicht Adam von Gott erschaffen sondern der Fußball in Person Maradonas.
Die Bar Nilo an der Piazetta Nilo.
Den Platz vor der Bar dominiert die erst im November 2014 restaurierte Figur des Flussgottes Nil aus dem römischen 1. oder 2. Jh. u.Z. Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg waren zwei der drei Engelsköpfe und der Kopf der Sphinx abgeschlagen und geraubt worden. Der Sphinx-Kopf wurde erst 2013 in einer Privatsammlung in Österreich gefunden und von der Polizei sichergestellt.
Epilog
Neben anderen mehr oder weniger Heiligen gibt es an den diversen Ständen mit geschnitzten Krippenfiguren in der Via San Gregorio Armeno in der Altstadt auch Maradona-Figuren zu erwerben. Die Vermischung von Religion und weltlichen Anbetungsfiguren ist hier Alltag.
Mittwoch, 7. Oktober 2009
Maradona by Kusturica

Rezension
Maradona by Kusturica
(Maradona par Kusturica)
Spanien/Frankreich 2008
Regie: Emir Kusturica
u.a. mit Emir Kusturica, Diego Maradona
"How Kusturica met Maradona" wäre ein passenderer Titel gewesen, denn Kusturica ist die eigentliche Hauptperson seines Films. Unterstrichen durch Ausschnitte früherer Filme Kusturicas (wenn ich böse wäre, würde ich sagen, daß nur noch die Einblendung von "DVD out now" gefehlt hätte).
Natürlich macht aber die Präsenz von Diego Armando Maradona Eindruck. Die irreale Theatralik der Bilder von Maradona in der Bombonera der Boca Juniors oder in den Straßen Neapels. Allein das unglaubliche Jojo der Körpergewichte zwischen Haut und Knochen und kugelrund fesselt bis zum Schluß. Die Präsenz des "alten" Maradona in Raum und Bild vergleicht Kusturica mit der Präsenz eines Revolutionärs in einem der Filme über die mexikanische Revolution 1910. Er unterstreicht dies schließlich mit Bildern Maradonas an der Seite der populistischen Linken Hugo Chávez und Evo Morales als Star einer Großdemonstration gegen Bush jun. 2005. In dieser Rolle wirkt Maradona aber viel weniger authentisch als in den Szenen, in denen er mit leuchtenden Augen neben Fidel Castro zu sehen ist.
Der Fußballer Maradona, der geniale Fußballer Maradona, ist in zwischengeschnittenen Youtube-Torparaden-artigen Szenen zu sehen. Der Eindruck eines im Schnellvorlauf agierenden Vollstreckers und Weitschußkönigs ist aber eine Verkürzung der fußballerischen Qualität Maradonas, auch wenn immer wieder das zentrale Moment ins Bild kommt, Kusturicas ikonenhafte Anbetung des Tors von Maradona gegen England bei der WM 1986 (das Tor von Maradona, nicht das andere - das war ja die Hand Gottes). Unterlegt sind die schnell geschnittenen und schnell abgespielten Torstakkatos mit God save the Queen der Sex Pistols. Ich mag das kraftvolle Stück. Es hatte seinen dramaturgischen Sinn als Hintergrund zur Begegnung Argentinien-England 1986 angesichts des Falklandkriegs. Auf die Dauer hat sich der tiefere Sinn seiner Verwendung aber genausowenig erschlossen wie die Verwendung eines doch einfach gestrickten Trickfilms. In Summe gehörte die Musik aber wie stets bei Kusturica zum besten des Films. Das Zusammenspiel der Hymne auf Maradona von Manu Chao zum Ende des Films mit den Einstellungen auf dessen gerührtes Gesicht war sehr schön.
Auf die langen Interviewpassagen Kusturicas mit Maradona und dessen gewiß philosophische Ausführungen kann ich zu meinem Leidwesen nicht eingehen, da mein Spanisch bei Null liegt und bei der gestrigen, vom Magazin Null Acht dankenswerterweise präsentierten Österreich-Premiere des Films keine Untertitel über diese achtlose Bildungslücke halfen. Ich kann mich dem getätigten Vergleich "Es ist wie bei einer Mathevorlesung: Ich weiß, daß es interessant wäre, wenn ich es verstehen würde." zwar nicht anschließen, teile allerdings dessen Tendenz. So blieben die englischen Passagen, das Verfolgen der Gestik und Sprachmelodie Maradonas in seinen Statements und die Kraft der Bilder, um festzustellen, daß das Machen eines Films über das eigene Idol, um diesem nahezukommen, eine individuell lohnende Perspektive sein mag, dies für andere aber nur bedingt von Mehrwert sein muß. Es wäre besser gewesen, wenn Kusturica sich mehr zurückgenommen hätte.
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