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Freitag, 25. März 2022
Höllenritt 8
Rezension
Höllenritt
elitär unterwegs
Ausgabe 8
124 S.
Das Höllenritt-Jahr 2021 dauerte pandemiebedingt umständehalber von 6. Juni bis 13. November 2021. Das Heft bringt aus diesem Zeitraum 71 Spielberichte, darunter von allen für Zuschauerinnen und Zuschauer zugänglichen Pflichtspielen der BSG Chemie Leipzig (und einigen Testspielen) plus dem mit Leidenschaft nachgegangenen Groundhopping im regionalen Amateurfußball. Besonders hervozustreichen sind wiederum die Bonus-Berichte aus der Vergangenheit, von Chemie- bzw. FC Sachsen-Spielen gegen BFC-Dynamo 2004 (ein Testspiel zur Saisonvorbereitung!) und gegen Dynamo Dresden 2005 (DFB-Pokal im Zentralstadion).
Wie im Vorjahr bedeuteten die Spielbesuche zu Testspielen und „Covid-Cups“ im grenznahen Tschechien deutschen Hopper-Massenauflauf. „Schon am Parkplatz fiel auf, dass wir hier nicht alleine waren. So waren diverse Hopperbesatzungen aus Chemnitz, Aue, Dresden und Zwickau schon zugegen und ließen sich die ersten Pivos schmecken.“ erfährt man vom Spiel bei TJ Sokol Chyše. Das wurde beim anschließenden zweiten Matchbesuch bei TJ Sokol Pernink an diesem 12. Juni aber noch übertroffen: „Anders als beim ersten Spiel waren hier neben Chemnitz, Aue, Dresden und Zwickau auch Eintracht Frankfurt, Schalke, Dortmund, Babelsberg, Osnabrück, Nürnberg, Siegen und Bayern München vertreten. Auf rund 100 Zuschauer kamen vermutlich 70 Hopper mit deutscher Staatsangehörigkeit. Wenn ich einen Verein in der Aufzählung vergessen haben sollte, bitte einfach per Mail melden ;-).“ Den letztgenannten Aufruf kann ich hier natürlich nur unterstützen, damit alles seine Richtigkeit hat. In einem anderen Bericht findet man hier auch einen Service-Tipp zur Klobása-Qualitätskontrolle: „Hast du keine Fettflecke auf den Klamotten, ist es vermutlich keine richtige Klobása.“
Überhaupt ist der Informationswert des Hefts nicht zu unterschätzen. Lesen heißt ja lernen und so lernte ich nach Anwerfern der Google-Maschine ein neues Wort und seine Bedeutung, nachdem ich beim Lesen daüber gestolpert war: „Da wir mit einem Klappfix reisten, musste erst einmal ein passender Parkplatz gefunden werden und wir konnten neben dem Ground zum Glück einfach drei Parkbuchten blockieren.“ liest man hier im Text von einem Spielbesuch bei BSV Burg Stargard 09. Klappfix? Meinte erste Assoziation war, dass damit ein Klappfahrrad gemeint sein könnte. Aber warum braucht man dafür dann drei Parkplätze? So musste das Heft kurz weggelegt und zum Handy gegriffen werden, um nach diesem Wort zu suchen. Die Aufklärung löste eine Aha-Effekt aus. Optisches Highlight sind natürlich die Schisprungschanzen im Hintergrund in Bad Freienwalde.
In den Berichten von den Spielen der BSG Chemie Leipzig liest man von den Mitgliedern des Chemie-Fanclubs Höllenreiter – Das Elite-Gesindel hier von allerlei Geschehnissen. So von der absurden Posse mit dem Fußballverband rund um das seit Jahren virulente Thema des Flutlichts, der das teure Aufstellen eines mobilen Flutlichts zum ersten Meisterschaftsheimspiel notwendig machte. Von kreativen Corona-Schutzmaßnahmen in Meuselwitz, dort gab es nämlich „keine Coronaauflagen, außer Kartenpersonalisierung und Maskenpflicht auf den Wegen und ganz wichtig Zaunfahnenverbot!! Wie Corona damit besiegt werden sollte, konnte aber keiner so richtig in Worte fassen, weshalb es zum Spielanpfiff dann auch völlig logisch war, dass Diablos und Ultra Youth sämtliche Szenefahnen anflaggten.“ Von fragwürdigen Polizeieinsätzen bei den Auswärtsspielen bei Hertha BSC II und BFC Dynamo oder der Orange Times-Jubiläumschoreographie. Wieder ein gutes Heft.
A5 / 2 € / erhältlich über elitegesindel @ yahoo.de
Dienstag, 16. März 2021
Höllenritt 7
Rezension
Höllenritt
elitär unterwegs
Ausgabe 7
104 S.
39 Spielberichte aus der zweiten Jahreshälfte 2020 bringt das Heft, von allen Pflichtspielen der BSG Chemie Leipzig plus Groundhopping. Dazu gibt es am Schluss auch wieder Spezialartikel mit Erinnerungen aus der Vergangenheit im Fanzine des Chemie-Fanclubs Höllenreiter – Das Elite-Gesindel.
Während in der Saisonvorbereitung von Chemie Leipzig fast alle Testspiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfanden und es daher hier keine Berichte davon gibt, waren bei den Pflichtspielen ab Mitte August Zuschauerinnen und Zuschauer in beschränktem Ausmaß zugelassen. So waren zum Regionalliga-Auftaktspiel gegen den BFC Dynamo keine Gäste erlaubt, aber immerhin 1.000 Heimfans auf Sitzplätzen. Die Kurve blieb verwaist bzw. anderen überlassen: „Wo sonst das Leben tobte, die Zaunfahnen hingen, war nichts. Einzig zwei Ziegen trieben am oberen Norddamm neuerdings dort ihr Unwesen.“ Anfang September konnte die Kapazität verdoppelt werden, Ende Oktober musste sie aufgrund Überschreitens des 7-Tage-Inzidenzwerts 20 auf 999 gesenkt werden und nach dem letzten Spiel am 1. November 2020 wurde der Fußballbetrieb wieder eingestellt. Dazwischen blieb das Stadionerlebnis pandemiebedingt trist, wie beim Spiel gegen Carl Zeiss Jena zu lesen ist: „Niemals hätte ich das noch vor fünf Jahren für möglich gehalten, dass es dieses Spiel auf Augenhöhe geben sollte. Und jetzt? Jetzt ist es wahr und man spielt in der Coronapandemie gegeneinander, wo keine Gästefans und nur 2.500 zugelassen sind? Das ist schon extrem bitter.“
Auch Auswärtsspielen, bei denen eigentlich keine Gästefans zugelassen waren und es vorab keinen Onlineverkauf gab, wie bei einem Spiel unter der Woche um 17:30 Uhr in Berlin beim SV Lichtenberg 47, waren die Höllenreiter gemeinsam mit 100 anderen Chemie-Fans vor Ort. („Und nein, mein lieber Turus, der Großteil der hier anwesenden Gäste bestand eben nicht aus diversen Exil-Chemikern aus Berlin. Hier war vom Allesfahrer bis hin zum Ultra alles vertreten, die man auch sonst immer antrifft.“) In Meuselwitz lernte man Ordner mit den Namen „Keine Ahnung“ und „Weiß ich nicht“ kennen. Dass Corona vor niemand Halt macht, zeigte sich beim Auswärtsspiel beim FC Viktoria 1889 Berlin, auf das die aktive Fanszene um die Diablos Leutzsch freiwillig verzichtete, nachdem jemand aus ihren Reihen Kontakt mit einer infizierten Person gehabt hatte. Beim Spiel beim VfB Auerbach wurde aufgrund Überschreitens der 7-Tage-Inzidenz-Grenze 90 Minuten vor Spielbeginn die zugelassene Kapazität von 1.500 auf 999 gesenkt.
Die geringere Anzahl an aktuellen Spielberichten gleicht im Heft einerseits die Rubrik Geschichten aus dem Archiv aus. Hier kann man eine Zeitreise im Kopf zwei Jahrzehnte zurück machen, zu Leipziger Derbys in den Jahren 2000 und 2005 oder zur Gewalt-Orgie beim Derby Dresdner SC gegen Dynamo Dresden im Jahr 2002. Andererseits bietet man darüber hinaus auch spannende und lehrreiche Texte zum Fußball in der DDR und in den Wendejahren anhand der damaligen Beziehungen der Chemie-Fanszene zu Wismut Aue und Union Berlin.
Die Hoppingberichte beginnen – wie könnte es im ersten Jahr der Pest auch anders gewesen sein – im Juni 2020 in Tschechien. Kollege FauliKev vermied zunächst den „Kartoffelauflauf“ deutscher Groundhopper ebendort und suchte sich nach mehreren Wochenenden für das Ende des Monats zur Premiere extra ein Spiel heraus, „was nicht gleich in jeder Facebook-Gruppe bzw. Groundhopper-App zu finden war.“ Beim Testspiel des FK Dolní Poustevna angekommen zeigte sich, dass das Vorhaben nicht wirklich gelang. Er vernahm „beim Betreten des Grounds schon den ersten fotografierenden Hopper. Aber damit nicht genug, sah ich Sekunden später ein Werder-Trikot und einen Typen, der seine Kartoffel-Tattoos auf seinem Oberkörper unbedingt präsentieren musste.“ Schließlich stellte er unter den 80 Zuschauerinnen und Zuschauern Hopper aus Aachen, Bremen, Freiburg, München, Basel und Remscheid fest.
Weiters gibt es von zahlreichen Amateurfußballspielen im weiteren Umkreis der Heimatorte der Autoren zu lesen. Sie wurden mit ähnlicher Verve wie von mir in jener Zeit besucht, solange dies eben noch ging. „Dank Corona nehme ich neuerdings jeden Schrott mit.“ heißt es zu einem Testspiel im August in undiplomatischen Worten hier. Ich bin ja ein Freund des Unterhausfußballs. Man lernt daraus hier Plätze wie die von Tasmane besuchte Viadukt Arena in Leipzig kennen und erfährt auch Korrekturen von Groundbezeichnungen auf den normal verlässlichen fussball.de und europlan-online.de. „So weist nämlich die Webseite Europlan den Hauptplatz als ,Sportanlage Schulsiedlung Neuer Platz‘ aus. Dies ist aber falsch, da ich diesen Ground kenne, seit ich denken kann. Den oberen Platz (laut Europlan fälschlicherweise ,Sportanlage Schulsiedlung Alter Platz‘ dagegen gibt es erst seit 10 Jahren.“ Dies hatte beim Testspiel von LSV Großhartmannsdorf und BSG Motor Zschopau ebendort im Juli 2020 eine kleine Hopperversammlung zur Folge, denen FauliKev etwas den Spaß verderben musste. „Zu meiner Erheiterung waren besagte Autobesatzungen aus Aue, Dresden und Kalle-Malle allerdings alle hier, um den Nebenplatz endlich zu kreuzen. [...] Nach meiner Aufklärung war der kleine Hopperauflauf teilweise genervt und verfluchte diverse Webseiten in die ewige Verdammnis.“
Dienstag, 4. August 2020
Höllenritt 6
Rezension
Höllenritt
elitär unterwegs
Ausgabe 6
120 S.
Von 30 Spielen der BSG Chemie Leipzig 2019/20 sowie 35-mal Groundhopping in sieben Ländern liest man im Fanzine Höllenritt – elitär unterwegs des Leutzscher Fanclubs Höllenreiter – Das Elite-Gesindel.
Aus den Berichten von Chemie-Spielen ragt das Freundschaftsspiel gegen Eintracht Frankfurt am Bornheimer Hang anlässlich der Flutlicht für Leutzsch-Kampagne und des 15-jährigen Jubiläums der Freundschaft zwischen Ultras Frankfurt und Diablos Leutzsch hervor. „Utopisch wurde es dann nochmal am Ende, als beide Seiten noch bis gut 45 Minuten nach Abpfiff den jeweils anderen Verein und die jeweils andere Mannschaft feierten. Dieser Abend hätte von mir aus ewig weitergehen können!“ Weiters ist hier der Bericht vom Leipziger Derby interessant, bei dem der Chemie-Sieg auch historisch eingeordnet wird: „Es war der erste Derbysieg im AKS seit 17 Jahren, der erste Derbysieg einer Mannschaft mit dem Namen BSG Chemie Leipzig seit 1976, also seit 43 Jahren!“
Im Wintertrainingerlager 2019 war es hoch her gegangen, wie in Ausgabe 5 nachzulesen war. 2020 ging es nur zu einem Kunstrasenplatz in Thüringen. „Die örtliche Pension, die ich für eine Nacht im Nachbarort Berlingerode gebucht hatte, erreichten wir gute 90 Minuten vor Anpfiff. Hier war die Welt noch in Ordnung. Der Check-in erfolgte nämlich via Telefon am frühen Morgen gegen 8 Uhr mit den Worten ‚Sie haben Zimmer 7 und die Heizung läuft, viel Spaß!‘ Der erste Mensch, dem wir vor Ort begegneten, war übrigens ein Chemiker, der dieselbe Idee hatte wie wir.“
Beim Hoppen gibt es diverse Erlebnisse, wie beim Sachsenpokalspiel von SV Lichtenberg gegen SV Budissa Bautzen: „Der Eintritt wird hier auf dem Dorf übrigens erst bezahlt, wenn der Schatzmeister mit seiner 20 Jahre alten Tupperdose kommt und jeden Zuschauer einzeln abkassiert. Da ich aber meine Kamera dabei hatte, wurde ich von dem dezent ignoriert. Danach meinte er noch zu mir ‚Du bist doch von der Presse, mit deiner Kamera‘. Die Welt verstand er trotzdem nicht, also ich ihm drei Euro in die Hand drückte und eine Eintrittskarte samt Programmheft haben wollte. Vielleicht hätte ich ihm noch sagen sollen, dass Fußballspiele ohne Programmheft möglich, aber sinnlos sind.“ Besucht wurden u.a. auch Derbys in Edinburgh und Krakau.
Der letzte Spielbericht im Heft stammt vom 8. März 2020. Dann war da ja was. Der freie Platz wird sinnvoll genutzt: Es gibt ein Pandemie-Tagebuch samt Warnhinweis, es könne „Spuren von Ironie enthalten,“ und einen Essay zur Lage des Fußballs. Sehr schön sind darüber hinaus die Geschichten aus dem Archiv: Autoren des Fanzines erzählen von sie prägenden Spielen. Es sind dies FC Sachsen Leipzig gegen FC St. Pauli 2003, FC Sachsen Leipzig gegen FC Berlin 1998, FC Sachsen Leipzig gegen VfB Leipzig 1998 und VfB Leipzig gegen FC Sachsen Leipzig 1999. Spannende Ausflüge in die Vergangenheit.
Dienstag, 28. April 2020
Höllenritt 5
Rezension
Höllenritt
elitär unterwegs
Ausgabe 5
128 S.
Im Fanzine Höllenritt – elitär unterwegs liest man von den Spielbesuchen des Fanclubs Höllenreiter – Das Elite-Gesindel bei der BSG Chemie Leipzig sowie von Groundhopping in acht Ländern.
41 der 82 Spielberichte im Heft behandeln die Chemie-Spiele der Saison 2018/19: Alle Spiele in der Oberliga Nordost Staffel Süd zwischen Regionalliga-Abstieg und Regionalliga-Aufstieg, die Highlights im DFB-Pokal und Testspiele. Der erste Bericht im Heft ist ein Chemie-Sommertestspiel im Juni 2018. Weitaus spannender wurde dann aber der Bericht vom Wintertrainingslager in Pilsen, wo die Fanszene von Viktoria Plzeň erst durch Mobilisierung ein Testspiel ihrer U21 gegen Chemie Leipzig zur Absage aus Sicherheitsgründen brachte (Hintergrund ist hier wohl v.a. die politische Differenz) und es dann auch noch zu einem Aufeinandertreffen in der Hotellobby kam.
Saisonhöhepunkt war der DFB-Pokal-Erstrundensieg des Fünftligisten Chemie Leipzig gegen den Zweitligisten Jahn Regensburg. „Dies war definitiv das beste was ich je in Leutzsch erlebt habe.“ wird dieser Tag euphorisch bilanziert. Der Sieg brachte aufgrund der Weigerung des DFB, das Zweitrundenspiel am Feiertag-Nachmittag auszutragen, das erste Flutlichtspiel in der Geschichte des Alfred-Kunze-Sportparks − mit aus England per LKW herangekarrten mobilem Flutlicht. Denn die Benefizspieleserie zur Finanzierung des Flutlichts läuft noch, im Heft findet sich der Bericht vom Spiel gegen Fortuna Düsseldorf im Rahmen dieser Kampagne.
Einiges an internationalen Reiseberichten im Heft kommt durch berufsbedingten Fahrten eines Mitglieds zu Europacupspielen von RB Leipzig zustanden. Weiters ist man neben einer Schweden-Reise (in unterschiedlicher Zusammensetzung) gleich zweimal beim tschechischen Mostecký FK in Most zu Gast. Bei ersten Besuch gab es Klobása, beim zweiten nicht − aber aber dafür ein anderes Erlebnis mit den bei fast jedem tschechischen Spiel in dieser Gegend so auch dort zahlreich anwesenden Fußballtouristen: „Neben ein paar Auern, die man kannte und mit denen man kurz quasselte, befanden sich unter den 100 Zuschauern auch Hopper aus Bremen, Braunschweig, Offenbach, Siegen, Kassel und Halle. Die Kollegen aus der Assistadt an der Saale schossen dabei aber den Vogel ab. Diese setzen sich hinter die Auer mit denen wir gerade redeten und checkten äußerst lautstark die Groundhopper App, wobei sie fast schon schreiend mit den Worten ,Boar zweimal Chemie, viermal Schacht!‘ feststellten, wer da ist.“
Neben dem internationalen Reisen gibt es vor allem aus dem deutschen Fußball einige Berichte. So liest man hier etwa vom 125-jährigen Jubiläumsspiel des ältesten Fußballvereins Sachsens, SV Lipisia 93 Eutritsch, zu dem dieser 2018 standesgemäß den ältesten Fußballverein der Welt, den Sheffield FC, zu Gast hatte. Oder man liest von BSG Motor Zschopau gegen FSV Zschopau/Krumhermersdorf im dortigen Stadion in der Sandgrube. Geographische Horizonterweiterung ist immer gut.
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