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Sonntag, 29. Dezember 2019

Heart of Midlothian – Aberdeen 1:1 (0:0)

Schottland, Scottish Premiership, week 21, 29.12.2019
Tynecastle Park, 17.788

Auch wenn die Hearts nach Führung noch den Ausgleich hinnehmen mussten, feierte der schottische Tabellenletzte den Punktgewinn gegen Aberdeen. Gegen die um die Europacupplätze mitspielenden Gäste zeigten die Hearts ein engagiertes Spiel und gingen bald nach der Pause auch durchaus verdient in Führung. Ebenso engagiert war allerdings ein mit glatt Rot geahndetes Torraub-Foul. Der Ausgeschlossene wurde für sein Tackling jenseits des Erlaubten beim Abgang vom Platz von den Rängen stürmisch bejubelt, der nachfolgende Freistoß brachte aber den Ausgleichstreffer von Aberdeen. Unterm Strich war die Aktion also doch ein Minusgeschäft. Es blieb aber beim 1:1 und die Hearts haben jetzt fünf Punkte Rückstand auf den Vorletzten. Da es der erste Punktgewinn nach fünf Niederlagen in Serie und das erste Tor in vier Heimspielen war, herrschte dennoch so etwas wie Zufriedenheit oder eher Hoffnung auf Besserung.
Der in großer Anzahl angereiste Auswärtsanhang füllte zwei Drittel einer Hintertortribüne und zeigte sich u.a. mit hämischen Gesängen wie „You're going down, you're going down, Hearts are going down“ zur Melodie von Football's coming home oder „Hearts are falling apart again“ nach Love will tear us apart von Joy Division gleich von Beginn an gut aufgelegt.
Der Heart of Midlothian Football Club wurde 1874 gegründet. Midlothian ist die traditionelle Grafschaft (county), in der Edinburgh liegt. The Heart of Midlothian ist ein 1818 erschienener Roman des schottischen Schriftstellers Walter Scott benannt, der sich um das so benannte Gefängnis Old Tolbooth in Edinburgh dreht. Nach dem Roman benannte sich später ein Tanzklub, das Heart of Midlothian Quadrille Assembly, und Freunde und Mitglieder dieses Tanzklubs übernahmen den Namen als sie 1874 den Fußballverein gründeten. Ihre besten Zeiten hatten die Hearts an der Wende vom 19. zum 20.Jh. und in den 1950er/60er Jahren. Viermal wurde man schottischer Meister (1894/95, 1896/97, 1957/58 und 1959/60), achtmal Cupsieger im Scottish FA Cup (1890/91, 1895/96, 1900/01, 1905/06, 1955/56, 1997/98, 2005/06 und 2011/12) und viermal gewann man den Ligapokal (1954/55, 1958/59, 1950/60 und 1962/63). In den Cupfinalspielen 1896 und 2012 trafen die Hearts jeweils auf den Stadtrivalen Hibernian. Das Cupfinale von 1896 wurde im 1899 abgerissenen New Logie Green in Edinburgh ausgetragen und ist das einzige Finale des seit 1873/74 ausgetragenen Scottish FA Cup, das außerhalb Glasgows stattfand. Zuletzt standen die Hearts 2019 zum insgesamt 15. Mal im schottischen FA-Cup-Finale, verloren es aber 2:1 gegen Celtic. 2013/14 wurden den Hearts aufgrund Überschuldung und nicht bezahlter Gehälter und Steuern nach Konkurs der Firma des russisch-litauischen Eigentümers 15 Punkte abgezogen, worduch man in die zweite Liga absteigen musste. Man schaffte aber den sofortigen Wiederaufstieg und spielt seit 2015 bis zumindest 2019/20 wieder erstklassig.
Größter Europacuperfolg der Hearts war das Erreichen des Viertelfinales im UEFA-Cup 1988/89, wo man gegen Bayern München ausschied. Am Weg dorthin warf man dankenswerterweise in der zweiten Runde knapp aber doch die Wiener Austria mit 0:0 im Tynecastle und 0:1-Auswärtssieg in Wien aus dem Bewerb.
Der Tynecastle Park oder das Tynecastle Stadium, wie es von 1996 bis 2017 genannt wurde, wurde 1886 eröffnet und ist damit eines der ältesten Stadien Schottlands. Den Rekordbesuch gab es hier mit 53.396 Zuschauerinnen und Zuschauern bei einem Cupspiel gegen die Rangers 1953. Nach dem Taylor-Report wurden 1994 und 1995 die drei Tribünenseiten abseits der alten Haupttribüne abgerissen und neugebaut. 2017 wurde dann auch diese 1914 nach Plänen des berühmten britischen Stadionarchitekten Archibald Leitch errichtete Haupttribüne abgerissen und neugebaut. Nun bieten alle vier Tribünen einen optisch ähnlichen Eindruck. Heute gibt es hier einen Kapazität von 19.852 Plätzen.
Vor dem Spiel wurde die Stadt Edinburgh besichtigt.

Samstag, 6. Oktober 2018

Aberdeen – St. Mirren 4:1 (3:0)

Schottland, Premiership, week 8, 6.10.2018
Pittodrie Stadium, 14.003

Aberdeen gewann klar und deutlich gegen St. Mirren und machte damit wichtige Punkte, um sich für das obere Play-off (top six) zu qualifizieren. Nachdem die Aberdeener Torausbeute im bisherigen Meisterschaftsverlauf eher bescheiden war, trafen sie an diesem sonnigen Nachmittag gleich viermal ins Goal.
Die 375 Auswärtsfans aus St. Mirren machten sich zu Beginn bemerkbar, der Spielverlauf ließ sie aber bis auf den Torjubel beim Ehrentreffer bald verstummen. Circa zwei dutzend jugendliche Motivierte standen oberhalb im Auswärtssektor, versuchten sich zumindest anfangs an durchgehendem Support mit Trommel und beteiligten sich mit sichtlicher Freude am wechselseitigen Provozieren mit den durch einen Zaun abgetrennten Heimfans auf der Längsseite.
Gesanglichen Heimsupport gab es praktisch keinen. Die Zeiten der 2010 aufgelösten Red Ultras von Aberdeen sind vorbei.
Der Aberdeen Football Club entstand 1903 aus der Fusion der Vereine Aberdeen FC (gegründet 1881), Victoria United FC (1889) und Orion FC (1885). Seit 1905/06 spielt man ununterbrochen in der höchsten schottischen Liga, was ansonsten nach dem Abstieg der Rangers nur Celtic ebenfalls vorweisen kann. Den ersten großen Titel gab es mit dem schottischen FA-Cupsieg 1947 sowie dann dem schottischen Meistertitel 1955 und Ligacupsieg 1956. Seine mit Abstand erfolgreichste Zeit erlebte der Verein unter Trainer Alex Ferguson, der 1978 von St. Mirren hierherkam und bis 1986 dreimal Meister (1980, 1984, 1985), viermal FA-Cupsieger (1982, 1983, 1984, 1986), einmal Ligacupsieger (1986) und einmal Europacupsieger im Cup der Cupsieger 1983 wurde. Meister wurde man seither nicht mehr und hält weiter bei vier Meistertiteln, der schottische FA-Cup wurde 1990 noch einmal zum insgesamt siebten Mal gewonnen und der Ligacup noch dreimal, zuletzt 2014 zum insgesamt sechsten Mal. Die letzte Saison 2017/18 schloss man am ausgezeichneten zweiten Platz ab, womit man sich wieder für den Europacup qualifizierte. Man schied aber bereits beim ersten Antreten in der zweiten Qualifikationsrunde zur Europa League gegen den englischen Premier-League-Verein Burnley FC aus.
Rapid traf im UEFA-Cup 1989 in der ersten Runde auf Aberdeen. Das Hinspiel wurde im Pittodrie vor 18.000 mit Kranjčar-Auswärtstor 2:1 verloren und das Rückspiel im mit 19.038 Zuschauerinnen und Zuschauern ausverkauften Hanappi-Stadion mit Fjørtoft-Tor 1:0 gewonnen, womit Rapid aufstieg.
Das Pittodrie Stadium wurde 1899 eröffnet und ist seit Vereinsgründung 1903 die Heimstätte des Aberdeen FC. Bis in die 1960er Jahre nannte man das Stadion Pittodrie Park, seither heißt es Pittodrie Stadium. Es war das erste britische Fußballstadion, das bereits in den 1970er Jahren vollständig in ein Sitzplatzstadion umgewandelt wurde. Die älteste Tribüne ist der Main Stand aus dem Jahr 1925, die jüngste Tribüne der alle drei anderen Tribünen um das doppelte überragende, 1993 gebaute Richard Donald Stand. Heute hat das Pittodrie eine Kapazität von 20.961 Plätzen. Seit einem Jahrzehnt wird die Errichtung eines neuen Stadions im Westen der Stadt geplant, welches das Pittodrie ersetzen soll. Das Pittodrie soll dann abgerissen werden und hier sollen Wohnbauten errichtet werden. Anfang Juli 2018 gab es dafür einen Spatenstich, allerdings gibt es noch Anrainerproteste.
Vor dem Spiel wurde die Stadt Aberdeen besichtigt.