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Donnerstag, 27. November 2025
Raków Częstochowa – Rapid 4:1 (2:0)
UEFA Conference League, Liga, 4. Runde, 27.11.2025
Zagłębiowski Park Sportowy, 8.457
Vierte Niederlage im vierten Spiel der Conference League Liga. Die Tabelle lügt nicht und ist schonungslos: Vier Spiele, vier Niederlagen, Torverhältnis minus zehn, null Punkte. Das ist der Status von Rapid.
Es braucht nicht viel, um gegen Rapid im Herbst 2025 zu gewinnen. Es reicht im wesentlichen, organisiert Fußball zu spielen. Es ging einen Sommer lang von den Ergebnissen her gut, eine Ansammlung an ein paar Rapidlern und bestbezahlten Einzelkönnern aufs Feld zu schicken, die sich noch finden sollten. Im Lauf einer Saison geht das aber nicht gut, wenn sich daraus keine Mannschaft bildet oder gebildet wird. More of the same mit einzelnen Positionswechseln ist selten ein tauglicher Lösungsweg, wenn man auf dem Holzweg ist. Das ist seit Wochen absehbar und überrascht nicht.
„Wir wollen Rapid sehen!“ war so schon bald aus dem mit 800 Leuten gefüllten Gästeblock zu hören, die neben rund hundert weiteren Rapidfans den nicht allzu langen Weg von Wien nach Sosnowiec auf sich genommen hatten, um sich das anzusehen. Zu Beginn hatte es noch eine Choreo im Rapid-Balkenmuster gegeben und trotzigen Support. Nach der Rapidviertelstunde packten die Gruppen ein und verließen den Sektor. Ein unmissverständliches Zeichen. Die von nicht mehr wenigen kommenden „Stöger raus!“-Rufe waren deutlich.
Bisher hatte ich Raków Częstochowa nur in Auswärtsspielen, bei Polonia Warszawa vor acht Jahren und bei Sturm Graz 2023 gesehen und auch dieses Match hier gegen Rapid war ja nur aus formalen Gesichtspunkten ein Heimspiel, da es nicht in Częstochowa sondern in der achtzig Kilometer entfernten Stadt Sosnowiec stattfand. Der Raków-Support war eher unterdurchschnittlich und nichts Besonderes. Mit dem Wort „Scheiße“ in Verbindung mit dem Vereinsnamen Rapid und „Auf Wiedersehen!“ kannten sie auch übliche deutschsprachige Vokabeln. Ein Spruchband „Raków podał Ci rękę jak sprawdzałeś klasówki, a Ty jak Judasz chcesz się sprzedać za złotówki“ beschimpfte den Trainer als Judas, nachdem dieser erklärt hatte, schnellstmöglich von hier weg zu Legia Warschau wechseln zu wollen. Die Szene hatte sich in den 1990er Jahren mit Gewalt gegen den Anhang von AZS (Volleyball) und Włókniarz (Speedway) in Częstochowa und das den Norden der Stadt beherrschende Widzew Łódź durchsetzen müssen, informiert das Lexikon Fanszene Polen, konstatiert ihnen aus dieser Entstehungsgeschichte einen eigenen, radikalen Stil und bewertet sie als „sehr kompakt und schlagkräftig, eben einfach Old School“. Freunde des ungarischen Videoton der dortigen Red Blue Devils aus Székesfehérvár und von Chemik Kędzierzyn-Koźle hingen am Zaun am Sektor. Die verbundenen Stomil Olsztyn und Lechia Gdańsk wurde auch mit Sprechchören begrüßt.
Der RKS Raków Częstochowa wurde 1921 als Racovia in der als größtem polnischen römisch-katholischen Marienwallfahrtsort bekannten oberschlesischen Stadt Częstochowa (deutsch Tschenstochau) gegründet und heißt seit 1927 (mit Unterbrechung 1951 bis 1957 als Stal) nunmeher RKS Raków Częstochowa. RKS steht für Robotniczy Klub Sportowy („Arbeitersportklub“). 1994/95 bis 1997/98 spielte Raków erstmals einige Saisonen in der polnischen ersten Liga, war danach aber bald wieder wie zuvor zweit- oder drittklassig und zeitweise viertklassig. 2014 kaufte sich der aus Częstochowa stammende Millionär Michał Świerczewski den damaligen Drittligisten, den er mit seinem Geld 2017 in die zweite Liga und 2019 in die Ekstraklasa aufsteigen ließ. Seit 2019/20 spielt man nun zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte erstklassig, etablierte sich aber diesmal, wurde zum Spitzenverein und gewann Titel mit dem polnischen Meistertitel 2022/23 und den polnischen Cupsiegen 2020/21 und 2021/22. Der Infrastrukturausbau hielt mit dem sportlichen Aufstieg nicht Schritt. das 1955 eröffnete Stadion war 2019 nicht erstligatauglich, weswegen man die Heimspiele zunächst in Bełchatów austrug. Kleinweise wurde das Stadion seither ausgebaut und seit 2021 spielt man dort wieder national und trug auch Qualifikationsspiele im Europacup dort aus. Für Gruppenphase und nun diese derzeitige Liga muss man aber weiter ausweichen und tut dies seit Neueröffnung hier in Sosnowiec.
Das im Februar 2023 eröffnete Neubaustadion Zagłębiowski Park Sportowy hatte ich bereits im Dezember 2023 bei einem Spiel des Heimvereins Zagłębie Sosnowiec hier besucht. Aufgrund starken Schneefalls hatte Rapid das Abschlusstraining am Vortag nicht wie üblich hier abhalten können, um den Rasen für das Spiel zu schonen. Stattdessen wurde improvisiert im alten Stadion von Sosnowiec, dem Stadion Ludowy, trainiert.
Zwanzig Jahre nach der mit sechs Niederlagen in sechs Spielen abgeschlossenen Champions-League-Gruppenphase 2005 schickt sich Rapid an, das 2025 in dieser Liga zu wiederholen. Diesmal eben Conference statt Champions.
Donnerstag, 30. November 2023
Sturm Graz – Raków Częstochowa 0:1 (0:0)
Europa League, Gruppe D, 5. Runde, 30.11.2023
Stadion Liebenau, 12.517
Dämpfer für Sturm Graz mit Niederlage gegen Raków Częstochowa. Wie in der Hinrunde ein 0:1-Auswärtssieg auch in der zweiten Begegnung der Vereine in der Gruppe der Europa League. Der vorab zu sehende Optimismus, mit einem Punktgewinn erstmals seit 2000/01 eine Gruppenphase zu überstehen und im Frühjahr 2024 im Europacup zumindest eine Etage tiefer in der Conference League weiterspielen zu können, wich sichtlicher Ernüchterung nach dem Tor zehn Minuten vor Ende. Eine Runde ist noch ausständig, in der es für Sturm Graz zu Sporting nach Lissabon geht. Sturm Graz und Raków Częstochowa gehen punktegleich in den letzten Spieltag und Kampf um den dritten Platz in der Tabelle.
„Sturm, du holst vielleicht irgendwann den Europacup – scheißegal, ob ich das noch erleb“ ist ein bekannter Gesang der Grazer Nordkurve. An diesem Abend war dies der Leitspruch der in mehreren Schritten durchgeführten Choreographie. Zunächst waren dazu ein schwarz-weißes Bild mit Zetteln in Grautönen zu sehen. Daraufhin erschienen eine ausgestreckte Hand und ein Europacup-Pokal, die sich annäherten und ein Glitzerfolien-Fahnenmeer zum Vorschein brachten.
„Jesteśmy zawsze tam!“ („wir sind immer da“) ließ der Auswärtsblock zu Beginn einen der polnischen Support-Klassiker von sich hören. Für die Freunde von Videoton ertönte auch „Ria, Ria, Hungaria“. Den Status der Freundschaften in Polen sah man schon am Zaunbehang. Vorne hingen neben einem RKS Raków-Fetzen, einem für eine Person Tomek Trzymaj Się („Tomek, halte durch“) und dem der Gruppe Red Blue Youngs solche der erwähnten Freunde der Red Blue Devils aus Székesfehérvár, von Chemik Kędzierzyn-Koźle und von Stomil Olsztyn. Zum Wiederbeginn nach der Pause gab es eine Choreographie mit einer Schriftrolle mit Schreibfeder zu sehen und der Botschaft, für Raków tausende Kilometer unterwegs zu sein („tysiące kilometrów na szlaku“). Nach einer Viertelstunde Präsentation der Blockfahne gab es eine Pyroshow dazu mit zwei Reihen oben und unten. Danach blieb das Ding weiter oben. Wie man es von polnischen Choreographien kennt, werden diese nicht nur zu einem selbstgewählten Zeitpunkt präsentiert sondern – nachdem man sich die ganze Arbeit gemacht hat – auch recht lange gezeigt. In Minute 66 ging die Überrollfahne dann nach zwanzig Minuten wieder nach unten und wurde sogleich im Block zerrissen. Die Szene hatte sich in den 1990er Jahren in schweren Auseinandersetzungen gegen den Anhang von AZS (Volleyball) und Włókniarz (Speedway) in der Stadt Częstochowa (Tschenstochau) durchgesetzt, informiert das Lexikon Fanszene Polen und bewertet sie als „sehr kompakt und schlagkräftig, eben einfach Old School“.
Der RKS Raków Częstochowa hatte 2016/17 noch drittklassig gespielt als ich sie zuletzt gesehen hatte. Dank des vielen Gelds seines Eigentümers, eines Millionärs, wurden sie 2022/23 polnischer Meister und spielen nun im Europacup. In der Champions League-Qualifikation waren sie am F.C. København gescheitert und in die Europa League abgestiegen.
„Alle nach Lissabon!“ stand als Aufruf auf einem in Form eines Graffiti auf Sporting-grünem Untergrund gestalteten Spruchband vor Spielbeginn außen an der Nordkurve. Zur letzten Viertelstunde wurde das Bandl im Innenraum am Zaun aufgehängt. Auf der anderen Seite der Kurve hing man dazu den Hinweis auf die karitative Aktion schwoazehelfen.at auf.
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