Mittwoch, 22. Februar 2023

Tornados spezial, 48





Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 48
96 S.










„SCR. Wie WIR.“ am Titelblatt ist ein unverkennbarer Anklang auf die ORF-Imagekampagne „ORF. Wie WIR.“ Die Führungsebene des SK Rapid wurde nach dramatischem sportlichen Misserfolg erneuert und an der Spitze steht nun als Präsident mit Alexander Wrabetz ein ehemaliger ORF-Generaldirektor. Die Vorgänge und die handelnden Personen werden im Heft bewertet und dies wird in deutlich kritischen Worten v.a. einer Person gegenüber getan. In Analysen am Heftbeginn und im Zuge des Berichts von der Vaduz-Katastrophe im Spielberichtsteil. Die wichtigste Rolle im Verein hat jetzt Steffen Hofmann, als Wahllistenorganisator, als Präsidiumsmitglied und nunmehr auch als Geschäftsführer. „Die Gefahr, dass Steffen Hofmann an seiner Legende kratzt, ist bei offiziellen Vereinsposten – wie es eben auch das Präsidium ist – immer gegeben. Dementsprechend waren wir anfangs nicht sehr begeistert, als wir von der ,Liste Hofmann‘ hörten. Auf der anderen Seite: Wenn es jemanden gibt, der die Rapidfamilie einen kann und bei allen Interessenvertretungen hoch angesehen ist, dann ist es Steffen Hofmann.“
Stichwort Legende: Zum in der Satzung verankerten und definierten Legendenstatus gibt es einen spannenden Text, der eine zeitgemäße Reform des Paragraphen andenkt. „Gedanken aus der Gruppe“ (eine als Kommentar zu wertende Textform) gibt es auch wieder und der Text beschäftigt sich mit dem Umgang mit Red Bull. Auch die WM 2022 ist Thema und der erste Artikel zur Problematik aus dem Tornados spezial 29 aus dem Jahr 2011 ist zur Nachlese abgedruckt.

Aktivitäten im Block West und der Tornados wie der berühmte Punschstand werden rekapituliert. Es gibt wieder einen Halbsaison-Rückblick der Green Monsters von Ferencváros sowie TR-Besuchsberichte zu lesen, wobei in der Herbstsaison 2022 jedenfalls das Auswärtsspiel von Ferencváros bei Qarabağ in Baku herausragt. Aufgrund des am nächsten Tag ebenfalls in Baku stattfindenden Rapidspiels bei Neftçi und der besonderen Reiseumstände mit abseits des stark platzbeschränkten Rapid-Flugangebots unleistbarer Flugkosten im vierstelligen €-Bereich bildete hauptsächlich der Rapidanhang den Fradi-Auswärtsmob. Die Kuriosität kann man hier nochmal im GM-Bericht, im TR-Besuchsbericht und im Bericht von der Rapid-Auswärtsreise Revue passieren lassen. Auch im Rückblick ist und bleibt das eine unglaubliche Geschichte und ich bin dankbar Teil dieser „elitären Allesfahrerrunde“, wie sie hier bezeichnet wird, gewesen zu sein.
Berichte zu Parma gibt es ebenso wieder und diesmal auch zu Nürnberg, wo von der 20-Jahres-Feier der UR-UN-Freundschaft und der Einladung zum Derby gegen Fürth im Sommer 2022 berichtet wird.

Mit 38 Seiten nimmt der Hauptteil des Hefts die Berichterstattung über die Rapid-Spiele in Cup, Meisterschaft und Europacup im Herbst 2022 ein. Die sportliche Bilanz war ja durchwachsen. Hier kann man nochmals nachlesen, was damals auf dem Feld und abseits davon an Wichtigem geschah und wie das erlebt wurde bzw. wie es die Autorin oder die Autoren der Berichte erlebten. Die Bebilderung ist wieder herausragend, etwa das Corteobild aus Vaduz mit der Burg im Hintergrund. Lebendig nachvollziehbar, was für Zwängen man im modernen Fußball ausgesetzt ist, macht das „Drama in drei Akten“ über die wahrlich aufgrund der Europacupauslosungs-, Spieltags- und Reisemöglichkeiten-Unklarheiten verrückten Tage Ende Juli 2022.

Eine sehr gute Sache im Heft ist das abschließende Gästesektorranking. Nach den Kriterien Einlasskontrollen, Polizei, Biersorte, Essen, Sicht, Zaun sowie Bauliches und Infrastruktur werden die Gästesektoren der Bundesliga sowie diejenigen der im Herbst 2022 im Europacup besuchten Stadien beschrieben und bewerten. Wer dabei am besten abschnitt und wer am schlechtesten, sei hier nicht verraten – die Lektüre des Hefts wird dringend empfohlen. Klar ist aber auch, dass wir auf die Bedingungen, mit denen wir in unserem Weststadion Gäste empfangen nicht stolz sein brauchen. „Es schmerzt, dass dieser Sektor dermaßen schlecht abschneidet. Wir sind froh, dass wir ihn nicht regelmäßig nutzen müssen, aber gleichzeitig empfinden wir auch eine gewisse Scham.“

Der Tod ist das Ende des Lebens, aber nicht das Ende der Erinnerung an das Leben. In der letzten Ausgabe mussten die Tornados vom Abschied ihres Mitglieds Bernd schreiben. Kurz vor Redaktionsschluss verstarb Luksus von den Ultras Rapid. Ihm wird im Vorwort gedacht.
Rezensionen, Streetart-Bilder und die beliebten amüsanten Schnappschüsse am Heftende schließen das Fanzine ab. Vereinspolitisches, Fußballkulturelles, Freundschaften, Rapid, Fanszene, Rezensionen, Humor – das ORF-Radio Ö1 hat den Slogan „Ö1 gehört gehört“, das Tornados spezial gehört gelesen.


A4-Format / 4,50 € / erhältlich bei den TR bei Rapid-Spielen oder über den deutschen Fachhandel blickfang-ultra.de und nofb-shop.de.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen