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Samstag, 17. Januar 2026

Hércules de Alicante – Sevilla Atlético 0:0

Spanien, Primera Federación, grupo 2, jornada 20, 17.1.2026
Estadio José Rico Pérez, 6.875

Pfiffe gab es von den Rängen des beeindruckenden Stadions nach dem torlosen Remis. Mittelfeldgeplänkel und nicht zu Ende gespielte Torchancen prägten die Partie. Hércules dominierte. Der Sevilla Atlético Club, die zweite Mannschaft des FC Sevilla, kam zu wenig Möglichkeiten. Der Schiedsrichter ging mehrmals zur VAR-Kontrolle an den Fernseher hinaus, was das Spiel verzögerte.
Vorige Woche hatte ich Hércules de Alicante auswärts im Derby bei Real Murcia beim größtmöglichem Spiel der Saison gesehen, bei dem auch hier das Stadion gut gefüllt ist. Auch gegen die Zweitvertretung des FC Sevilla gab es einen guten Besuch, wenngleich sich das Publikum im großen Stadion verteilt. Die 2008 gegründete Curva Sur Hércules steht im Eck der Nordtribüne (!) und supportete dort ordentlich, nachdem man sich zu Beginn noch etwas Zeit gelassen hat. Politisch ist man rechtsextrem ausgerichtet, zeigte dies aber nicht auffällig nach außen hin.
Der Hércules Club de Fútbol wurde 1922 in der Stadt Alicante gegründet. Einen Vorläuferverein gab es als Hércules Foot-ball Club bereits seit 1914. 1935 stieg Hércules erstmals in die Primera División auf. Am längsten hielt man sich acht Saisonen von 1974 bis 1982 durchgehend in der obersten Liga, ansonsten blieben es meist kurze Gastspiele. Zuletzt spielte man 1996/97 und 2010/11 für jeweils ein Jahr erstklassig. 2021/22 bis 2023/24 war Hércules nur mehr viertklassig, ist seit 2024/25 aber wieder in der drittklassigen Primera Federación. Zumeist spielte der Verein in der Segunda División (44 Saisonen), 20 Saisonen waren es insgesamt in der Primera División.
Der Wiener Peter Artner, Ex-Austrianer der u.a. bei Admira Wacker und der Salzburger Austria gespielt hatte, spielte hier 1996/97 in der Primera División.
Das Estadio José Rico Pérez wurde 1974 eröffnet und hat heute eine zugelassene Kapazität von 24.704 Plätzen. Es wurde nach dem damaligen Präsidenten des Hércules CF benannt. Im damals 33.500 Plätze umfassenden Stadion fanden bei der WM 1982 zwei Gruppenspiele und das Spiel um den 3. Platz statt. Achtmal trug die spanischen Nationalmannschaft hier auch Länderspiele aus, zuletzt 2015 gegen England. In einer Finanzkrise des Vereins ging das Stadion 1994 gegen eine Schuldentilgung in den Besitz der Stadt über, 2007 übernahm es der Klub wieder in sein Eigentum. Im oberen Rang der Gegentribüne wird jedes Jahr mit Sitzschalen das laufende Jahr geschrieben, sodass jetzt 1922 – 2026 steht.

Sonntag, 11. Januar 2026

Real Murcia – Hércules de Alicante 1:1 (1:0)

Spanien, Primera Federación, grupo 2, jornada 19, 11.1.2026
Estadio Nueva Condomina, 24.053

24.000 Leute, davon 4.000 Gäste, im spanischen Drittliga-Clásico von Real Murcia und Hércules de Alicante. Vorige Saison hatte Real Murcia als Tabellenzweiter den Aufstieg verpasst. Hier im Derby gingen sie nach 13 Minuten in Führung und hielten diese lange. Doch ein beachtliches Freistoß-Tor zwei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit brachte den Ausgleich. Die Gäste hatten um den Punkt gekämpft. Das sah man auch daran, dass es gelbe Karten und eine rote Karte für den Co-Trainer ausschließlich für Hércules gab, während Real Murcia mit weißer Weste blieb.
Das Derby zwischen den beiden ist hier das herausragende Spiel im Saisonkalender. Die Rivalität war auf den Rängen erkennbar. Aber Beschimpfungen oder Hass waren nicht zu hören oder sehen. „En la gloria y en el barro, solo tú!“ („Im Ruhm und im Dreck, nur du!“) stand als Intro zu Spielbeginn auf einem großen Banner an der Südtribüne Fondo Sur von Real Murcia, wo die Raijos Granas (2013) standen. Es hatte Konflikte zwischen ihnen und den nicht mehr im Stadion präsenten Ultras Murcia (2007) gegeben, da letztere wegen Gewaltvorwürfen unter Druck standen. Raijos Granas distanzierten sich 2019 deswegen und wegen politischer Aktivität von Ultras Murcia. Öffentliche Aufmerksamkeit erregte ein Vorfall an Gewaltandrohung von letzteren gegenüber Raijos Granas 2022.
Einen mächtigen Block von 4.000 Leuten umfasste der Gästesektor. Große Abtrennungen von anderen Sektoren gab es nicht. Inmitten des blau-weißen Meers stand ein schwarz gekleideter Block der politisch stramm rechtsextremen Curva Sur Hércules (2008). Durchgängig Support gab es nicht. Hymne, Schalparade und Torjubel machten in der Masse Eindruck.
Der Real Murcia Club de Fútbol hat eine unklare Gründungsgeschichte mit verschiedenen Jahreszahlen. Der Verein feiert 2008 sein Hundertjähriges Jubiläum und bezog sich auf das Jahr 1908. 1894 wurde in Murcia erstmals Fußball gespielt. 1905 gab es mit dem Club Foot-Ball Association Murcia den ersten Verein. 1906 wurde der Murcia Foot-ball Club gegründet, der bis 1912 bestand. 1917 wurde wieder ein Murcia Foot-ball Club gegründet, der bis 1919 bestand. 1919 wurde in Nachfolge der Levante Foot-Ball Club gegründet, der sich 1922 in Murcia Foot Ball Club umbenannte und 1923 vom spanischen König Alfonso XIII. den Titel „Real“ (königlich) verliehen bekam. Die größten Erfolge waren die Saisonen in der spanischen ersten Liga Primera División 1940/41, 1944/45 bis 1946/47, 1950/51, 1955/56, 1963/64 und 1964/65, 1973/74 und 1974/75, 1980/81, 1983/84 und 1984/85, 1986/87 bis 1988/89, 2003/04 sowie zuletzt 2007/08. Die 1990er Jahre waren die Zeit der Krisen gewesen. 1990/91 führte Real Murcia 35 Runden die Tabelle der Segunda División an, um durch eine Niederlage in der letzten Runde auf den dritten Platz abzustürzen und das Aufstiegs-Playoff gegen Real Zaragoza zu verlieren und am Ende mit leeren Händen dazustehen. 1992/93 folgte ein Zwangsabstieg aus finanziellen Gründen in die drittklassige Segunda B, man schaffte aber noch den direkten Wiederaufstieg. Nach zwei aufeinanderfolgenden Abstieg war man 1995/96 aber in der viertklassigen Tercera Division angekommen. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zwangen den Verkauf des seit 1924 bespielten Heimstätte Estadio La Condomina an die Stadt Murcia. Auf wenn es danach wieder aufwärts ging, blieb das Geld ein Thema. Nach der Drittligasaison in der Segunda B 2020/21 musste Real Murcia in die viertklassige Segunda Federación zwangsabsteigen, schaffte aber es sogleich zurück in die nunmehrige dritte Liga, die Primera Federación.
Das Estadio Nueva Condomina wurde 2006 mit einem Länderspiel zwischen Spanien und Argentinien eröffnet. Der Name als „neues Stadion“ (estadio nueva) bezieht sich auf das alte Stadion im Stadtzentrum. Der Neubau befindet sich stattdessen mehrere Kilometer außerhalb in einem Gewerbegebiet neben einem Einkaufszentrum. Zum Zeitpunkt der Eröffnung gab es hier 31.179 Plätze. Danach sank die Kapazität durch diverse Maßnahmen auf 31.012. Das hat sich 2025 durch Errichtung neuer Videoanzeigetafeln und der Freigabe zuvor gesperrter Plätze verändert. Mit 31.436 Zuschauerinnen und Zuschauern hatte Real Murcia erst im Dezember 2025 im Sechzehntelfinale der Copa del Rey gegen Betis den Rekordbesuch im ausverkauften Stadion gefeiert. Im Ligaalltag waren im letzten Meisterschaftsspiel gegen CE Europa 10.351 dabei gewesen. 2024 verkaufte Real Murcia den Stadionnamen an einen Geschäftsmann namens Enrique Roca Fernández, der das Stadion nach sich selbst benannte.