Übersichtsseiten:
▼
Samstag, 14. Februar 2026
Tatran Prešov – Košice 1:4 (1:3)
Slowakei, 1. liga, 20. kolo, 14.2.2026
Futbal Tatran Aréna / Štadion Ladislava Pavloviča, 6.398
Nach fast neun Jahren gab es wieder das ostslowakische Derby in Prešov. Der Matchplan von Tatran Prešov scheiterte wohl schon in den ersten Minuten, in denen der im Sommer aus Kapfenberg gekommene Deutsche Moritz Römling Rot sah und der FC Košice in Überzahl in Führung ging. Sie zogen auf 0:3 davon, ehe Tatran am Ende der ersten Hälfte ein Tor gelang. Der Stadionsprecher machte bei der Durchsage des neuen Spielstands das klassische Spiel, indem er „Tatran“ vorsagte und das Publikum „jeden“ (eins) schrie sowie daraufhin „Košice“ vorsagte und von den Rängen ein lautes „nula“ (null) kam, auch wenn es 1:3 stand und er lachend korrekt mit „tri“ (drei) abschloss. Am Ende stand jedenfalls ein klarer Erfolg der Gäste. Beide Vereine stehen auf Tabellenplätzen für das Untere Play-off.
Mit der Rückkehr in die erste Liga nach dem Abstieg 2018 mit neuem Stadion setzte Tatran Prešov in dieser Saison Ausrufezeichen. Dazu gehört Beachtliches, das von der Fankurve bei Heim- und Auswärtsspielen gezeigt wurde.
Die Ultras Tatran 1898 hatten sich am Nachmittag im Stadtzentrum getroffen und waren gemeinsam zum Stadion marschiert, voran mit Banner mit dem lateinischen Stadtnamen Fragopolis. Die Geschichte der Fanbewegung hier reicht Jahrzehnte zurück, die aktuelle Ausformung hat man aber erst voriges Jahr gebildet. Letztes Jahr war eine große Zäsur, da der Verein nach vielen Jahren mit Heimspielen weit außerhalb der Stadt wieder in das neugebaute Stadion nach Prešov zurückkehrte. In einem jüngst erschienen Interview auf ultras-magazine.com auf erklärten sie, dass der Altersdurchschnitt bei der Rückkehr hoch war und sie während des letzten Jahrzehnts eine Generation verloren haben, jetzt aber wieder Zulauf der Jugend da ist. Befreundet ist man mit JKS Czarni Jasło aus Polen, die auch stark vertreten waren, und eine gute Beziehung hat man mit Slovan Bratislava (die an diesem Tag selbst spielten). Zu Spielbeginn zeigten die Ultras Tatran eine Choreographie mit (allerdings verkehrt gezeigter) Blockfahne in der Mittel und Glitzerzetteln an den Seiten über die ganze Hintertortribüne. Mit Pyro, Fahnen und Einsatz von Schals gab es einiges zu sehen und immer wieder Lautes zu hören. Dem sportlichen Ergebnis wurde getrotzt und nach dem Ende dennoch mit der Mannschaft Tatran bejubelt.
Ein Banner mit durchgestrichenem Vogel als Symbol der Stadt Košice hing am Heimfansektor. In der zweiten Hälfte gab es damit auch Fahnen. Vice versa hing drüben ein durchgestrichenes Pferd als Symbol der Stadt Prešov am Auswärtssektor.
Neben Antikoňare (koňare heißt Pferdezüchter und ist der historische Spitzname der Leute hier) gegen Prešov war vorne am Sektor der Gäste nur ein großer Fetzen der Hooligans Rebels VSS zu sehen. Zahlreich hatte man zum Derby blau-gelbe Hauben mit dem durchgestrichenen Pferde-Symbol auf. In Blau und Gelb tauchten sie den Sektor mit langen Luftballons in einer optischen Aktion in der Anfangsphase des Spiel. Mit einer Choreographie zur zweiten Spielhälfte nahmen sie das Pferde-Thema noch einmal auf. „Každý kôň má svojho pána.“ („Jedes Pferd hat seine Herrn“) hieß es zum Bild eines unglücklich dreinschauenden grün-weißen Pferds, geritten von einem blau-gelben Reiter mit Košice-Wappen und Stadtansicht dahinter. Nach der Blockfahne kam eine schöne Menge Pyro.
Der Auswärtsmob war mit einem Sonderzug zum Hauptbahnhof gekommen, ein Marsch durch die Stadt zum Stadion war aber verboten und sie wurden stattdessen mit Shuttlebussen abgeschirmt hin- und her transportiert. Auch neben dem Auswärtssektor hatten sich erkennbar einige Leute aus Košice versammelt. Mit dabei waren an Fetzen an der Hinterwand des Sektors erkennbar und im Lauf der ersten Hälfte auch besungen Nitra (Vikings Nitra, deren Banner in der zweiten Hälfte nach vorn wanderte, und Trogari), Sparta Prag und Stal Rzeszów .
Der FC Tatran Prešov führt als Gründungsjahr 1898, als in der Stadt im damaligen Königreich Ungarn innerhalb der Habsburgermonarchie hier ein Fußballspiel zwischen den Budapester Vereinen Óbudai TE und Budapesti TC stattfand und danach noch am selben Tag, dem 25. Mai 1898, eine Fußballsektion im hiesigen Turn- und Fechtverein ETVE (Eperjesi Torna és Vívó Egyesület) gegründet wurde. Der Verein hatte wie damals gesetzlich für alle öffentlichen Bezeichnungen vorgeschrieben einen ungarischen Namen. Die Stadt hatte Anfang des 20.Jh. eine knappe slowakische Bevölkerungsmehrheit mit je einem Fünftel ungarischer und deutscher Minderheit. Nach dem Ende der Monarchie gab es in der 1918 gegründeten Tschechoslowakei im Jahr 1920 die Bildung des slowakischen PTVE Prešov und des ungarischen Törekvés Eperjes (Eperjes ist der ungarische Name der Stadt). 1931 wurde der ŠK Slávia Prešov gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg fusionierte 1946 Slávia Prešov mit Törekvés zum Verein PTS Prešov, der sich aber 1947 schon wieder in die Vereine Slávia Prešov und DSO Sparta Prešov aufspaltete. Diese beiden Vereine fusionierten 1949 erneut und bildeten den Verein Sparta Dukla Prešov. 1950 wurde daraus Dukla Prešov, 1951 ČSSZ Dukla Prešov, 1952 ČSSZ Prešov und 1953 erhielt der Verein erstmals den Namen Tatran, den er unter verschiedenen kleineren Veränderungen (2005 bis 2022 nannte man sich zum Beispiel 1. FC Tatran Prešov) bis heute führt.
Von der Jahresmeisterschaft 1950 an bis 1965/66, 1969/70 bis 1973/74, 1977/78 und 1978/79, 1980/81 bis 1987/88 und 1990/91 bis 1992/92 spielte der Verein in der gemeinsamen ersten tschechoslowakischen Liga und war danach 1993/94 Gründungsmitglied der ersten slowakischen Liga der eigenständigen Slowakei. Dreimal stieg Tatran aus der ersten slowakischen Liga ab, aber zunächst auch zweimal wieder auf. 2019 stürzte Tatran in die 3. Liga hinunter, aus der man erst 2022 wieder in die 2. Liga hinaufkam. Als Meister der zweiten Liga 2024/25 schaffte Tatran Prešov die Rückkehr in die erste slowakische Liga, in der man 2025/26 erstmals seit 2017/18 wieder spielt. Die größten Erfolge waren zwei zweite Tabellenplätze in der Tschechloslowakei 1964/65 und 1972/73 sowie zwei tschechoslowakische Cupfinalteilnahmen, die man allerdings beide verlor (1965/66 gegen Dukla Prag und 1991/92 als slowakischer Cupsieger gegen den tschechischen Cupsieger Sparta Prag. In der eigenständigen Slowakei stand Tatran Prešov 1993/94 und 1996/97 im slowakischen Cupfinale, unterlag aber 1994 in Brezno und 1997 in Trenčín jeweils Slovan Bratislava. Im Europacup schied Tatran Prešov 1966/67 in der ersten Runde des Cupsiegercups gegen Bayern München mit 1:1 daheim und 3:2-Niederlage in München nur knapp aus. 1973/74 kam man gegen Velež Mostar in der ersten Runde weiter und erreichte in der zweiten Runde nach 3:1-Hinspielniederlage gegen den VfB Stuttgart mit 3:1 nach 90 Minuten im Rückspiel einer Verlängerung, in der man aber verlor und ausschied. Im bislang letzten Europacupabenteuer bezwang Tatran Prešov im Cup der Cupsieger 1993/94 in der Vorrunde den nordirischen Bangor FC und in der ersten Runde Dundee United, bevor dann erst in der zweiten Hauptrunde gegen Real Zaragoza das Aus kam.
Rapid spielte vor fast exakt genau dreißig Jahren am, 8. Februar 1996, im arabischen Trainingslager in Al-Ain im arabischen Emirat Abu Dhabi gegen Tatran Prešov und verlor dieses Wintervorbereitungstestspiel in der nachmaligen Meistersaison 1995/96 mit 0:2.
Die Futbal Tatran Aréna bzw. das Štadion Ladislava Pavloviča wurde im Mai 2025 eröffnet. Bis dahin hatte es fast ein Jahrzehnt gedauert. Nach Vorstellung der Stadionneubaupläne 2016 zog Tatran Prešov zu Jahresbeginn 2017 aus dem hier am Gelände ein Stück versetzt hin gelegenen alten Stadion aus. Tatran Prešov spielte von 2017 an eineinhalb Jahre in Poprad. Bauarbeiten in Form des Abrisses der Stehplatztribünen gab es aber erst ein Jahr später 2018. Die Saison 2018/19 spielte Tatran in Stropkov und kehrte nach dem Abstieg aus der zweiten Liga für die Drittligaspiele im Sommer 2019 auf das zu drei Vierteln abgerissene Stadion in Prešov zurück, wo nur mehr die Haupttribüne stand und weitere Bauarbeiten und der beabsichtigte Neubau nicht in Sicht waren. Die letzten Spiel im übriggebliebenen Rest des alten Stadions spielte Tatran im Jahr 2020. Die letzte Drittligasaison spielte man in Veľký Šariš, in der zweiten Liga 2022/23 und 2023/24 in Ličartovce und zuletzt 2024/25 wieder in Stropkov. Zwischenzeitlich hatte es in Prešov im Jahr 2023 tatsächlich einen Baubeginn gegeben. Hintergrund war der Zuschlag für die Austragung der U21-EM in der Slowakei 2025, wofür der Slowakische Fußballverband einen Neubau in Prešov als Austragungsort erkor. Am Gelände des alten Trainingsplatzes und einem Teil Spielfeld des alten Stadions wurde das heutige neue Stadion gebaut. Zuletzt wurde im April 2025 die noch an der Straßenseite stehende Haupttribüne des alten Stadions abgerissen. Mit Fertigstellung 2025 hat man an der neuen Haupttribüne eine Gedenktafel für den in Prešov geborenen und verstorbenen Ladislav Pavlovič angebracht und das Stadion ehrenhalber mit dem Zweitnamen Štadión Ladislava Pavloviča versehen. Pavlovič spielte 1948 bis 1966 für Tatran und auch 14-mal für die tschechoslowakische Nationalmannschaft. Das neue Stadion hat eine Kapazität von 6.500 Sitzplätzen. Neben Spielen der U21-EM 2025 war das neue Stadion im Sommer 2025 auch Austragungsort der Europacupspiele von Polissya Zhytomyr in der Conference League gegen Santa Coloma aus Andorra, Paksi FC und die Fiorentina.
Vor dem Spiel habe ich die Stadt Prešov besichtigt.


















































































Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen