Donnerstag, 26. März 2020

Ballesterer 150




Rezension


Ballesterer
Nr. 150, April 2020
84 S.










Ballesterer brennt! Das Doppeljubiläum von 20 Jahren und 150 Heften wäre ein Anlass zum Feiern, führt aber angesichts hoher Schulden und prekärer wirtschaftlicher Lage vielmehr zu einer nüchternen Analyse mit unmissverständlich dramatischem Appell: „Ohne ein hohes Maß an Leidenschaft – und Selbstausbeutung – würde es den ballesterer nicht geben. Honorare und Gehälter sind niedrig und mussten öfter unbezahlt bleiben. Ändert sich nichts, können wir in dieser Form nicht weitermachen.“ rettet.den.ballesterer.at

„Aufgegeben wird ein Brief,“ verkünden Jakob Rosenberg und Nicole Selmer in ihrer Titelgeschichte trotzig-widerständig und beschreiben das sich verändernde Umfeld, in dem der Ballesterer erscheint. „Das Dilemma vieler unabhängiger Medien: zu klein für eine sichere Finanzierung, zu groß für ein Hobbyprojekt und zu wichtig, um aufzugeben.“ Über die Schwierigkeiten von kritischem Fußballjournalismus in Österreich gibt es dazu auch eine Gesprächsrunde mit drei Herren, die diesen in unterschiedlichen Formaten praktizieren. Moritz Ablinger steuert einen Erlebnisbericht aus sechseinhalb Jahren als Praktikant und Mitarbeiter des Ballesterer bei und erinnert dabei u.a. an den hervorragenden seinerzeitigen Athen-Schwerpunkt. Wenn ich nur einen einzigen Grund nennen müsste, warum ich möchte, dass es den Ballesterer weiter gibt – dann ist das, dass ich weiter aus solchen tiefgründigen Schwerpunkten lernen möchte.

Weitere spannende Artikel kommen von Alexander Juraske über den Wiener Fußballer Karl Glotzmann, den die Nazis ins KZ steckten, oder von Bernhard Hachleitner und Matthias Marschik über die Umstände des Baus des „Trabantenstadions“ der Südstadt.

Über den Stadionabschied in Rheydt steuere ich einen Artikel bei und im Rezensionsteil des Hefts gibt es ein Interview von mir mit Gunnar Hielscher zu seiner Pflästerstein-Ausgabe über österreichische Fanszenen.
In meiner Amateurfußballreihe Nebenschauplätze betrachte ich diesmal die Fortuna 05 in Wien-Döbling. Es ist die 36. Folge meiner Reihe und da ich alle neun Bundesländer gleichmäßig durchnehme, habe ich damit nunmehr den dritten Durchgang dieser Tour d'Autriche absolviert. Zwei Leserbriefe bemängeln korrekt zwei Fehler in vergangenen Folgen. In Heft 147 gab es einen grafischen Lapsus auf der Karte und in Heft 149 habe ich fälschlich gedanklich ein St. Johann in Oberösterreich mit einem St. Johann in Salzburg vermengt und letzterem den Spitznamen des ersteren Orts verpasst. Ich gelobe Besserung.

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