Donnerstag, 5. März 2020

1899fm – Folgen 22 und 23




Rezension


Heinz Deutsch
1899fm
Rapidfunk
1899fm.net







Goalie Richard Strebinger spricht in Folge 22 des Podcasts über seine Karriere und die Situation bei Rapid. Angesprochen auf die kürzlichen Abschiede findet Strebinger für Alfred Körner u.a. die zutreffenden Worte „Er war halt wirklich Rapid.“ und erinnert sich auf Andy Marek angesprochen, wie er schon als Kind von Rapid die Mannschaft, den Präsidenten Rudi Edlinger und eben Andy Marek kannte, der eben immer zu Rapid dazugehört hatte. Interessant ist, wie Strebinger sein Tormannspiel entwickelte. Er habe sich als Nachwuchsspieler Tormänner im Fernsehen angeschaut. „Dann bin ich am Wochenende auf den Platz gegangen und habe gesagt: ‚Papa, der Helge steht so da.‘ oder: ‚Der Buffon macht das so. Bitte lass' uns das probieren. Schieß' mir den Ball jetzt zehnmal Richtung Kreuzeck oder flach und ich probiere es nachzumachen.‘ Deswegen habe ich, glaube ich, früh angefangen, ein bisserl mein eigener Trainer zu werden, egal in welchem Bereich, und früh reingehört, was tut mir gut. Egal, ob beim Essen oder beim Training.“ Als beste Spiele Strebingers für Rapid nennt Deutsch die beiden Europacupspiele gegen FCSB und auch Strebinger nennt das Auswärtsspiel in Bukarest. Es wäre eines der emotionalsten Spiele gewesen. Strebingers Worte in der Entrup-Debatte kommen nicht zur Sprache, sehr wohl aber sein zum Blick im Nachinein auf seine Aussagen in der Wöber-Debatte. Hier sagt Strebinger , dass er weiter zu seinen Aussagen stehe, sich mit Wöber persönlich gut verstehe und er nicht mitschreien würde, aber er die Fans verstehe, da deren Zugang zum Verein noch einmal ein anderer wäre als für ihn und man das auch anerkennen müsse.

Mit Gerhard Niederhuber vom Klub der Freunde des S.C. Rapid ist in Folge 23 ein jahrzehntelang aktiver Anhänger zu Gast. Der Anhängerklub feiert nächstes Jahr sein 70-jähriges Bestehen und ist damit der älteste seiner Art bei Rapid. Niederhuber blickt auf eine unfassbar lange Fanbiographie zurück. Als erstes Rapidspiel, das er besuchte, nennt er hier das Abschiedsspiel für Max Merkel (Anm.: 31.3.1954). Beeindruckt habe ihn dann ein 5:1-Rapid-Auswärtssieg am Wackerplatz (Anmerkung: laut Rapidarchiv 24.4.1954). Ab dann wäre er immer öfter zu den Rapidspielen gekommen. Er erinnert sich an viele Unterschiede aus früheren Zeiten zur heutigen Gegenwart. So sei die Rapidviertelstunde viel rhythmischer eingeklatscht worden. „Den Ryhthmus vom Rapidviertelstunde-Einklatschen kannst du heute nicht mehr mithalten, weil ununterbrochen geposcht wird. Das war aber nicht das richtige Einklatschen.“
Heinz Deutsch erinnert daran, dass als der Klub der Freunde 1951 gegründet wurde, Österreich noch in vier Besatzungszonen geteilt war und der Bundeskanzler Leopold Figl, der Bundespräsident Theodor Körner und der Wiener Bürgermeister Franz Jonas geheißen haben. Die Gründung erfolgte, da damals Rapid seine Fans verweigerte, Mitglied zu werden. Daher haben im November 1951 99 Rapidanhänger einen eigenen Anhängerklub gegründet, dem man beitreten konnte. Derzeit gebe es über 60 Mitglieder. Aber als er 1968 beigetreten sei, wären es über 900 Mitglieder gewesen, da man weit und breit der einzige Anhängerklub Rapids gewesen ist. 37 Jahre lang veranstaltete der Klub einen gut besuchten Ball. Im Vorstand sei er seit 1972, seither schreibe er auch die Klubzeitung Grünzeug (Anm.: Das Heft erscheint aktuell im 48. Jahrgang! Die älteste Rapid-Zeitschrift, online auf der von EwkiL:Rapid betreuten Website klubderfreunde.at nachzulesen). Seit 1990 ist Niederhuber Obmann, tritt aber demnächst in die zweite Reihe.
Höhepunkt der Erzählungen Niederhubers war die Geschichte von der Einwechslung eines gesperrten Spielers Rapids bei einem Derby (26.3.1983, 1:0), auf den Niederhuber aufmerksam gemacht hatte, weswegen das Spiel wiederholt werden musste. Das Wiederholungsspiel am 12. Mai gewann Rapid 3:0 und wurde dann dank dieses besseren Torverhältnisses Meister. Niederhuber bilanziert trocken, er habe damit Rapid zu einem Titel verholfen. Nostalgisch blickt er aber nicht zurück, da sich der Fußball weiterentwickelt hat. Jeder U17 oder U19-Spieler sei fußballerisch heute durch anderes Training besser als die Spieler vor siebzig Jahren. Als große Rapid-Momente seiner Rapidfanlaufbahn natte Niederhuber er erstes das 5:0 gegen Dynamo Dresden 1984, zweitens das 7:0 bei Red Bull 2008 und drittens − überraschend − den heroischen Auswärtssieg der Rapid-Amateure mit sieben Leuten beim Wiener Sportklub ebenfalls 2008. Alles Spiele aus der jüngeren Vergangenheit. Die beste Aussage im Gespräch: „Ich kenne fast keine anderen Leute als Rapid-Anhänger.“

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