Mittwoch, 19. Juni 2019

100 Jahre Schwarz-Weiß Bregenz


Rezension


Verein der Freunde des Ballsports Bregenz / Schwarz-Weiß Bregenz (Hg.)
Andreas Dünser / Roland Jörg / Benjamin Fogarasi (Red.)
100 Jahre Schwarz-Weiß Bregenz
Bregenz 2019
82 S.






Vergangenes Wochenende feierte Schwarz-Weiß Bregenz mit einem 4:0-Sieg gegen den FC Höchst vor 1.500 Zuschauerinnen und Zuschauern und mit großer Choreographie im Bodenseestadion den Aufstieg in die drittklassige neue „Eliteliga“ (Nachfolgerin der aufgelösten Regionalliga West) und das 100-jährige Vereinsjubiläum. Zum runden Geburtstag ist auch eine Festschrift erschienen.

Es gibt einen Abriss zur Vereinsgeschichte und es wird geschildert, wie und warum bereits 1908 beim ersten Fußballspiel zweier Vorarlberger Mannschaften gegeneinander 1908 ein FC Bregenz als mutmaßliche Gymnasiumsauswahl gegen den FC Lustenau antrat, aber erst 1919 der Verein FC Bregenz gegründet wurde, der 1946 zu Schwarz-Weiß Bregenz wurde. Interessant ist, dass der heutige Stadionstandort der traditionelle Fußballstandort von Bregenz ist, auf dem schon 1908 gespielt wurde, und der in späteren Jahrzehnten aus- und umgebaut wurde. Von langen Auswärtsfahrten in der ersten Saison in der höchsten österreichischen Spielklasse 1966/67 (Staatsliga) erzählt der damalige Spieler Dieter Prantl im Interview: „Man hat in den Bus Liegen reingestellt, damit wir schlafen können, doch die BH hat gefordert, dass wir sitzen müssen − aus Sicherheitsgründen. Und dann haben wir es einmal probiert mit dem Flieger. Bavaria hieß die Airline, von München nach Graz, Auswärtsspiel in Kapfenberg. Es war ein schrecklicher Flug und letztlich durften wir wegen Nebels erst nicht landen, wurden auf Wien umgeleitet und sind dann mit Taxis von Wien nach Kapfenberg gefahren. Wir sind zu spät gekommen. Und die Einheimischen waren wütend und hatten eine blöde Röhre. Beim Einlaufen hat dann Gyula Szabó einem Zuschauer eine gescheuert.“

Eine gute Nachrede erhält der Rapidler Walter Schani Skocik, der in Bregenz Spielertrainer war und am Gymnasium als Sportlehrer arbeitete. Berührend ist die Geschichte des Sulejman Kulović, der dem jungen Eduard Erne als Kind in den 1960er Jahren zum guten Freund wurde. Bei einem Besuch in Sarajevo und auch beim FK Željezničar konnte er 45 Jahre später über sein weiteres Leben nichts mehr in Erfahrung bringen, bis er die Nachricht erhielt:„Sulejman Kulović wurde 1994 tot aufgefunden. Ermordet. In Ilidža, nah bei Sarajevo, das während der Belagerung von serbischen Truppen besetzt war.“

1999 stieg Schwarz-Weiß Bregenz nach 27 Jahren wieder in die Bundesliga auf. Hervorgehoben wird der gute Mannschaftsgeist und die spielerische Qualität („bestes Team der Vereinsgeschichte“) und dabei auch immer wieder der gute Axel Lawarée genannt, österreichischer Torschützenkönig mit Schwarz-Weiß Bregenz 2002/03 und in seiner Zeit bei Rapid ebenfalls ein großer Sympathieträger. Ein „denkwürdiges Spiel“ beschreibt Mitautor „Fogi“ mit der letzten Runde 2003 auswärts am Horrplatz, als in einem Fernduell zwischen Bregenz und der SV Ried der Abstieg entschieden wurde und Bregenz durch den Auswärtssieg beim mit seiner Meisterfeier beschäftigten FAK nicht abstieg. Er schildert anschaulich die Emotionen im Auswärtssektor. „Für mich persönlich ist nach dieser Saison ein Stern aufgegangen. Danach war es (fast) keine Option mehr, nicht zu einem Spiel zu fahren. Und der Mannschaft ging es genau gleich. In der darauffolgenden Saison eigentlich als Fixabsteiger gehandelt, stellte SW Bregenz schließlich mit dem fünften Platz 2003/04 den eigenen Rekord (6. Platz 1966/67) ein. Die an diesem Tag geschlossenen Bande halten ein Leben lang, und jeder der damaligen Spieler hat einen besonderen Platz in meinem Herzen.“

Nach Lizenzentzug und Konkurs 2005 wurde der Verein als SC Bregenz mit blau-weißen Vereinsfarben neugegründet. In verschiedenen Beiträgen wird deutlich, wie hochgelobt die für die Rettung und Weiterführung des Bregenzer Fußballs verantwortlichen Funktionäre sind und wie schwierig und von langen Diskussionen begleitet die Wiederaufnahme der schwarz-weißen Vereinsfarben 2009 und die schließliche Rückbenennung in Schwarz-Weiß Bregenz 2013 waren. Das Buch ist eine Festschrift, die interessante Aspekte versammelt. Eine umfassendere Geschichtsdarstellung in Form einer Chronik wird für die Zukunft angekündigt, da man durch die Arbeiten jetzt viel an Material gesammelt habe.

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