Dienstag, 2. April 2019

Forza Rapid, 18



Rezension


Forza Rapid
Die Hütteldorfer Revue
Nr. 18, 1/2019
100 S.









„Das ist für mich das Ärgste, das mir bisher an Respektlosigkeit entgegengebracht wurde, deswegen habe ich mit den Ultras abgeschlossen.“ sagt Hans Krankl im Interview zur Titelgeschichte zu einem UR-Spruchband im April letzten Jahres, das kulminierende Verärgerung mit trotzigem Verhalten artikulierte. „Glaubt's ihr, ich habe ein violettes Kleidungsstück daheim?“ fragt ein entrüsteter Krankl hier. Ein Portraitartikel erzählt im Heft über ihn und im Interview erzählt er von sich selbst, der großen Vergangenheit, seinem Bruch mit Rapid und wie das in seinem Hörensagen bei der Präsidentenwahl 2013 ablief.

Kinder sprechen die Wahrheit. „Ich finde, Rapid braucht kein E-Sports-Team. Wichtiger würde ich finden, dass es endlich einmal eine Damen-Mannschaft gibt.“ sagt die elfjährige Rosi Bachinger in einer Umfragerunde zum Computerspielen bei Rapid. Ich bin zwar im Grundsatz auf der Seite des ebenfalls interviewten Roman Zach-Kiesling („Ich habe keine Ahnung, um was es da geht − das ist mir völlig egal!“) zu finden. Warum Rapid allerdings an einer Sitzfleischförderung teilnimmt, aber als Fußballverein nicht Frauen auch Fußball spielen lässt, frage ich mich auch.

Die „Geschichte einer Disharmonie “ zwischen Polizei und Rapid-Fans erzählt Forza Rapid in Form einer Polizei-Chronologie von Vorfällen seit 2002. Die Rolle von dramatisierenden statt kritisch einordnenden Medien wird kritisch erwähnt und dazu auch Kurier-Faktotum Wolfgang Winheim zitiert, der keine Fehler sieht und von „wahren Fans“ und jenen, die „Hass säen“, spricht. Spannend, interessant und lehrlich ist demgegenüber ein Interview mit der Rechtshilfe Rapid. Sie erzählen von ihrer Arbeit, ihrer Entstehung und ihren gesammelten Hinweisen, dass der Derby-Kessel von der Polizei lange vorher geplant war (Polizei und Absperrgitter vorbereitet an der Brücke, aber nicht beim Stadioneingang, reibungsloser Ablauf der Einkesselung ohne sichtbare Befehle, vorbereitete Formulare in hoher Stückzahl etc.). Einen Rückblick auf die damaligen Ereignisse geben auch von Forza Rapid zusammengestellte Zitate von Beteiligten, Eingekesselten, Polizei, Medien etc. jener turbulenten Tage danach. Die Unwahrheit von Polizeiminister Kickl im Parlament, „Es hätte jeder dort rausgehen können, wenn er seinen Ausweis gezeigt hätte.“, wird u.a. dabei ebenso wiedergegeben wie die Aussage des als Rapid-Fan eingekesselten ehemaligen Rapidspielers Thomas Prager, dass dem eben nicht so war. „Ich glaube wir waren ziemlich die ersten, die bei der Polizei hinten raus wollten. Es wurde uns mitgeteilt, dass niemand raus darf und es eine Ausweiskontrolle gibt. Wir zückten beide sofort den Ausweis, jedoch ohne Chance − die Polizisten wussten selber nicht, wie wo was wann.“

In der Reihe der Interviews mit den fünf K, die 1988 die Ultras Rapid gegründet haben, kommt last but not least Sabine Karl zu Wort. Sie erzählt von ihren jahrzehntelangen Aktivitäten für die Ultras, den Block West und als aktives Vereinsmitglied für den SK Rapid. Ein Highlight sind die als Illustration beigefügten Faxe, die sie als für Administration Verantwortliche seinerzeit an Rapid schickte. Thema des Gesprächs ist auch ihre Mitwirkung am Projekt Fan.Tastic Females – Football Her.Story, für das sie interviewt wurde. Ich hoffe, diese Ausstellung auch einmal in Wien sehen zu können.

Weiters im Heft zu finden sind u.a. positiv gehaltene Portraits von Dietmar Hoscher, Richard Strebinger, Franz Blizenec und ein Interview mit dem Schauspieler und Rapid-Fan Morteza Tavakoli (ebenfalls beim Derbymarsch von der Polizei stundenlang festgehalten).

In meiner Reihe Rapid around the world schreibe ich hier diesmal über den ASV Hohenau.

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