Donnerstag, 19. September 2019

11 Freunde, 214



Rezension


11 Freunde
Magazin für Fußballkultur
Nr. 214, September 2019
120 S.









In der Saison 1983/84 gab es der Serie VIII der rumänischen Divizia C eine faszinierend ausgeglichene Abschlusstabelle, in der den Zweitplatzierten und den Tabellenletzten an der 16. Stelle nur drei Punkte trennten. Emanuel Roşu klärt über die Hintergründe auf: In der Bergbauregion hatte es wenige Jahre zuvor 1977 große Streiks gegen die elenden Arbeits- und Lebensbedingungen gegeben. Die kommunistische Staatsführung machte Zugeständnisse wie die Einführung des freien Sonntags anstelle der Sieben-Tage-Arbeitswoche und ließ die Wortführer der Proteste in Gefängnisse und Zwansgarbeitslager einsperren. Ein weiteres Mittel zur Befriedung der wirtschaftlich wichtigen Region war aber auch der Fußball. Heimsiege wurden gefördert, aufgrund der rauen Atmosphäre bevorteiliten die Schiedsrichter die Heimmannschaften und nicht zuletzt gab es oftmals Spielabsprachen. Die Spieler waren Angestellte der Werksmannschaften der überwiegend aus Bergbauvereinen gebildeten Liga. Wenn sie durch Niederlagen Unzufriedenheit auslösten, wurden sie von der Werksführung zur Arbeit unter Tage im Bergbau geschickt. Diese war gefährlich. Verletzte und Tote waren im rumänischen Bergbau nichts Ungewöhnliches.

Weitere Themen im Heft sind die üblichen Interviews mit diversen Akteuren des Fußballbetriebs, ein Fotoessay zu Fußball in Jamaika, Frauenfußball in Somalia und ein Interview mit dem langjährigen persönlichen Fitnesstrainer von Diego Maradona, Haupterzähler im kürzlich erschienen Film Diego Maradona – Rebell. Held. Gott. In der Fankurven-Nostalgiereihe wird von der Entwicklung von Fankultur beim MSV Duisburg erzählt.

Der beiliegende Stadionposter zeigt diesmal das Parken in Kopenhagen. Dazu gibt es einige Informationen zur Stadiongeschichte.

Für Freundinnen und Freunde des Nationalismuswettstreit-Fußballs gibt es ein eigenes Beilagenheft zur U21-EM-Qualifikation. Solche Extrahefte hatte es bislang nur bei den Kampfmannschafts-Turnieren gegeben. Wie immer sind Informationen und Hintergründe zu lesen sowie manch Humor zu überstehen. Ein Gag ist der Abdruck von Jugendspieler-Fotos von jeweils eine, später berühmten Fußballer des Landes bei der Vorstellung der aktuellen Teams.

Mittwoch, 18. September 2019

Gerhard Hanappi – Fußballer und Architekt


Rezension


Christoph Lechner / Katalin Hanappi / Roman Horak / Matthias Marschik (Hg.)
Gerhard Hanappi
Fußballer und Architekt
Zürich 2019 (Park Books)
264 S.








„Das Doppeltalent Gerhard Hanappi durchlief im Nachkriegs-Österreich eine Karriere sowohl als Fußballer wie – bis zu seinem frühen Tod – als Architekt.“ Das Buch beleuchtet in Beiträgen verschiedener Autorinnen und Autoren beide Kapitel seines Lebens und stellt dazu auch die Person Gerhard Hanappi vor.

Katalin Hanappi hat einen wunderbaren Film über ihren Großvater gedreht, Gerhard Hanappi − Ballkünstler und Architekt. Sie beschreibt hier das Filmprojekt sowie die Familiengeschichte und Biographie des Gerhard Hanappi mit vielen Details. Michael Hanappi widmet sich seinem Vater als Fußballer und Hardy Hanappi schreibt zu seinem Vater über dem Thema Fußball und Musik. Kulturwissenschaftler Roman Horak trägt einen Essay aus seiner persönlichen Perspektive über den „Gestalter – auf dem Rasen und in der Welt“ bei.

Die im Buch versammelten Texte bringen viel zum Umfeld und zur Einordnung des Lebens Hanappis in seine Zeit. So schreibt Stadthistoriker Andreas Weigl über den Wiener Bezirk Meidling in jener Zeit, in der Hanappi dort aufwuchs. Fußballhistoriker Matthias Marschik betrachtet die Wiener Fußballwelt der 1940er bis 1960er Jahre, die sich während dieser Zeit der Karriere Hanappis stark veränderte. Rapidhistoriker Domenico Jacono portraitiert Hanappi als den „totalen Rapidler“, wie er mit seiner Lebensgeschichte geradezu das Idealbild eines Rapidlers verkörperte und auch wie er sich am Schluss gegen Öffnung des Vereins in Richtung Kommerzialisierung stemmte und deswegen mit ihm brach. Stadionhistoriker Bernhard Hachleitner kontextualisiert Hanappis Stadionarchitektur in einem spannenden Text in der Stadionbaugeschichte der 1970er Jahre und Architekt Christoph Lechner resumiert über Hanappis Bauten aus architektonischer Sicht. Fotografien von Wolfgang Thaler erinnern wehmütig an das Hanappi-Stadion, begleitet von einem Text von Lina Morawetz. Bei den Bildern wird einem richtig schwer ums Herz.

Sonntag, 15. September 2019

Rapid – Admira Wacker 5:0 (1:0)

Bundesliga, 7. Runde, 15.9.2019
Weststadion, 15.100

Nach anfänglich zäher Partie wurde es dann doch noch ein schöner Kantersieg. Schöne Tore. Ohne hoffärtig wirken zu wollen, war die Admira Wacker ein dankbarer Gegner. Man kann jetzt von einer Siegesserie sprechen.
Zwanzig Jahre Spirits Rapid wurden im Block West mit Choreographie zu Spielbeginn als Jubiläum begangen und natürlich auch noch der Derbysieg weitergefeiert.
Im Gästeblock wurde der neue Trainer per Spruchband willkommen geheißen. Als Zeichen der Rivalität war in Hinblick auf ihr nächstwöchiges Spiel gegen St. Pölten ein Banner mit durchgestrichenem SKN-Wappenwolfskopf aufgehängt. Dazu gab es einige grundsätzliche Botschaften auf Spruchbändern.
Rapid-Legende Jimmy Hoffer war vor kurzem zu seinem Jugendverein in die Südstadt zurückgekehrt. Er wurde beim Aufwärmen vom Block West besungen – bei seiner Einwechslung als Gegenspieler dann zwar nicht, aber nach Schlusspfiff wieder ausgiebig. Brauchen können sie ihn bei Admira Wacker im Kampf um dem Klassenerhalt wohl. „Auf dem Weg zum Ziel heißt es durchzuhalten und Rückschläge in Stärke umzuwandeln. Wie ich zuletzt betreff Admira Wacker schrieb, wird das thematisch auch von den Fans besungen – ,Marmor, Stein und Eisen bricht, aber uns're Wacker nicht‘ – wie der Originaltext lautet. ,Doch Admira Wacker nicht‘ war eine Abwandlung meinerseits, um dem Vereinsnamen gerecht zu werden.“ schrieb der Blog Kurvenlage.