Donnerstag, 18. Oktober 2018

11 Freunde, 203



Rezension


11 Freunde
Magazin für Fußballkultur
Nr. 203, Oktober 2018
120 S.








Große Namen ziehen immer, daher gibt es im Heft längere Artikel über Jürgen Klopp in Liverpool, Mesut Özil und Deutschland sowie Cristiano Ronaldo bei Juve. In der Fankurven-Nostalgie-Serie wird die Ostkurve des VfL Bochum vorgestellt („Insgesamt gilt: Die Lage ist mitunter besser als die Stimmung, was vor allem an diesem blöden Bundesliga-Phantomschmerz liegt.“) Über große Träume in Wattenscheid gibt es hier auch zu lesen. Interessantes aus der DDR-Fußballgeschichte erfährt man aus einem Interview mit Jürgen Croy („1989 wurde er zum besten Spieler der DDR-Geschichte gewählt, obwohl er mit der BSG Sachsenring Zwickau nie einen Meistertitel gewann.“)

Der beiliegende Stadionposter zeigt das Estadio José Amalfitani des CA Vélez Sársfield in Buenos Aires.

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Schwarz auf Weiß, 43




Rezension


Schwarz auf Weiß
Das Sportclub-Fanzine
№ 43, September 2018
44 S.









Anfang der 1990er Jahre war das Fanzine Schwarz auf Weiß maßgeblich für die Entwicklung der Fankultur der Friedhofstribüne am Sportclub-Platz verantwortlich und erschien dann bis 2004 in 41 Ausgaben. Zur Initiative Come Together – Kommts zsamm zur Wiedervereinigung von WSC und WSK gab es 2010 eine Sonderausgabe und jetzt kehrt das Heft mit einer regulären Ausgabe zurück. Darin gibt es gleich mehrere interessante Texte.

„Was ist der Wiener Sport-Club?“ Mit einer gewichtigen Frage beginnt das Heft gleich ohne Umschweife ein großes Thema anzureißen − die Frage, wofür der Verein nach der erkämpften Rückführung der 2001 als Wiener Sportklub abgetrennten Fußballsektion in den Breitensportverein Wiener Sport-Club 2017 nunmehr stehe. „Der WSC ist ein relativ biederer mittelgroßer Vorstadtverein, dessen Image zwar sein größtes Kapital ist, aber kaum Niederschlag in der Realität des Vereinsalltages findet.“ analysiert die Autorin oder der Autor schonungslos und benennt eine klare Zukunftsperspektive: „Mehr so werden, wie alle glauben, dass wir sind.“

Klare Aussagen folgen auch zur Thematik „Derby of Love ... ich kann's nicht mehr hören.“ Das Derby mit der Vienna hat sich im Laufe des letzten Jahrzehnts nicht nur immer größeren Publikumszuspruchs und medialen Interesses erfreut sondern wurde auch kommerziell interessanter. Die Austragung eines Freundschaftsspiels im Juni als Kulmination der „Eventisierung“ des Spiels durch die beiden beteiligten Vereine wird kritisiert und etwas mehr Feingefühl verlangt. Es gibt aber auch eine Abgrenzung von der Redaktion bekannten Teilen des Vienna-Anhangs, der ebenfalls „Unbehagen“ auslöse, und zwar mit „entbehrlichen“ Aktionen: „Wenn gewisse Südtiroler Studentenultras plötzlich einen auf harte Rivalität machen und bestenfalls halblustige Provokationen per Spruchband loslassen, ist das mehr als mühsam.“

Interessant sind ein Hintergrundtext zu den Solidaritätsbekundungen mit Afrin beim Spiel gegen Neusiedl im Frühjahr samt Hinweis auf Brösel, die es danach gab, und der Matchbesuchsbericht bei Austria Salzburg gegen FC United of Manchester im Sommer. Für eine Humornote soll offenbar ein „Interview“ mit dem 1911 gewonnenen Challenge-Pokal (ja, mit dem Pokal) im Heft sorgen. Für die Servicefunktion im Alltag beginnt SaW wiederum eine Serie von Toilettentests der Ostliga, standesgemäß auf der Friedhofstribüne. Weitere Artikel behandeln u.a. das Hallenturnier der Fußballfans gegen Homophobie und die Position, warum Politik auch ins Stadion gehöre, kritisieren innere Entwicklungen in der FHT oder geben einen Rückblick auf zehn Jahre Ute-Bock-Cup.

Der spannendste Teil des Hefts blickt auf die Geschichte des Fanzines Schwarz auf Weiß und die Anfänge der Friedhofstribüne zurück − von den Anfängen mit Schreibmaschine und Tuschestift-Schablone und der Verwendung eines Computers ab der vierten Ausgabe. Die autobiographischen Erzählungen von SaW-Gründer Kurt Reichinger führen von den 1970er Jahren und Auswärtsfahrten zu viert oder fünft über Inspiration durch Reisen in Großbritannien in den 1980er Jahren, der Etablierung der Friedhofstribüne zu seiner Rückkehr nach Fanszenen-Pause in die Anhängervereinigung des Wiener Sportclub. Diesem 1952 gegründeten Fanklub steht Reichinger heute vor. Es ist wohl nicht falsch, wenn die SaW-Redaktion schreibt: „Seine Lebensgeschichte ist gleichzeitig ein gutes Stück Zeitgeschichte. Sie steht für die Entwicklung einer kritischen Fankultur in Österreich und am Sportclubplatz.“ Seine Geschichte ist auch ein Miterleben des sportlichen Entwicklung des Vereins, der Anfang der 1990er Jahre noch in der Bundesliga spielte. In Reichingers Worten: „Diese Zeit ist in meinem Kopf immer noch drin. Meine ernstzunehmenden Gegner sind Sturm, Wacker und so weiter. Dass wir heute nach Neusiedl fahren ist mir immer noch fremd. Das ist wirklich eine Bruchlinie in unserem Anhang zwischen den Generationen.“

Sonntag, 14. Oktober 2018

Ravenna – Sambenedettese 2:0 (1:0)

Italien, Serie C, Girone B, 6a giornata, 14.10.2018
Stadio Bruno Benelli, 1.806

Mit einem verdienten Sieg feierte Ravenna den dritten vollen Erfolg hintereinander. Sambenedettese bleibt sieglos im Tabellenkeller. Auffälligster Ravenna-Spieler war der bullige Stürmer Nocciolini, nicht nur wegen seines Vollbarts sondern auch weil er das 1:0 erzielte und nach Elferfoul das 2:0 selbst verwandelte.
In der Curva Mero hatte man zu feiern. Als Gründungsjahr von Ultrà in Ravenna gilt 1982. Seit seinem Verkehrsunfalltod im Jahr 2002 ist die Curva Nord nach dem ehemaligen Spieler und Kapitän Vittorio Mero benannt. Die Trommel kam einem zeitweise fast lauter vor als der vor und nach dem Spiel über dem Stadion kreisende Polizeihubschrauber.
Gegenüber versuchten sich 224 Auswärtsfans inklusive Bayern in der Hoffnung und sangen für Samb, mussten aber erneut eine Niederlage sehen. Es wird wohl eine schwierige Saison.
Der Ravenna FC wurde 1913 als Unione Sportiva Ravennate gegründet. 1920 wurde Ravennate mit dem 1919 gegründeten Audace FC fusioniert und 1921 mit der SG Forti zur US Ravennate Forti per essere Liberi . 1928 löste sich der Verein in seine verschiedenen Sportsektionen auf und die AC Ravenna wurde als Fußballverein gegründet. 1946 wurde daraus nach einer Fusion mit der SS Edera die Società Sportiva Edera Ravenna. 1949 benannte man sich in US Ravenna um. Von 1954 bis 1964 hieß man Sarom Unione Sportiva Ravenna bevor man wieder zum Namen US Ravenna zurückkehrte. 2001 ging die US Ravenna nach dem Abstieg aus der Serie B bankrott und Ravenna Calcio wurde als Nachfolgeverein neugegründet. 2012 folgte ein weiterer Konkurs, nach dem die Società Cooperativa Ravenna Sport 2019 neugründet wurde. 2013 änderte man den Namen in Società Cooperativa Sportiva Dilettantistica Ravenna Football Club 1913 und 2017 schließlich zum heutigen Ravenna Football Club 1913. Die größten Erfolge waren die insgesamt sieben Saisonen in der Serie B 1993/94, 1996/97 bis 2000/01 und 2007/08.
Österreichische Trainer in Ravenna waren 1926 bis 1928 sowie 1931 bis 1932 Adolf Maurer und dazwischen 1930 bis 1931 Maximilian Schiffmann.
Im Februar 1994 verbrachte Rapid ein Wintertrainingslager in Ravenna. Neben Testspielen gegen die lokalen Vereine Vechiazzano (3:0 für Rapid) und Faenza (4:0) sowie Vasas aus Budapest (2:1-Sieg) traf Rapid damals auch auf den damaligen Zweitligisten Ravenna (1:1).
Das Stadio Bruno Benelli wurde 1966 als städtisches Stadion eröffet. 1970 wurde es zum Andenken an den ehemaligen Bürgermeister Bruno Benelli benannt, unter dessen Amtszeit es errichtet worden war. Mit dem Aufstieg in die Serie B wurden die Kurven und die Distinti um Stahlrohrgerüste erweitert, sodass es hier heute 12.020 Plätze gibt. Den Rekordbesuch gab es bei einem Cupspiel von Ravenna gegen Juventus 1998, zu dem sich hier 11.518 Zuschauerinnen und Zuschauer einfanden.
Vor dem Spiel wurde die Stadt Ravenna besichtigt.

Samstag, 13. Oktober 2018

Rimini – Teramo 1:1 (0:1)

Italien, Serie C, Girone B, 6a giornata, 13.10.2018
Stadio Romeo Neri, 2.711

Mit einem Tor nach Corner in der Nachspielzeit schaffte Rimini doch noch ein Remis gegen Teramo. Die Gäste waren nach neun Minuten in einem ausgeglichenen Match in Führung gegangen. Aufsteiger Rimini spielte zwar gefällig aber ohne Zug zum Tor.
Die Curva Est bejubelte den Last-Minute-Treffer ausgelassen. Mit den Red White Supporters, einer 2013 gegründeten Gruppe, wurde im Namen ein historisches Banner aus dem Jahr 1981 wiederaufgenommen. Ein Spruchband forderte Gerechtigkeit für Stefano Cucchi. Er starb 2009 in Untersuchungshaft, nachdem er von Carabinieri, die ihn verhaftet hatten, geprügelt wurde. Seine Todesursache und die Täter wurden zu vertuschen versucht. Mit der Zeit wurde die Stimmung in der Kurve immer besser. Zu Spielbeginn waren angesichts langer Schlangen vor den Kassen und dem Einlass aber auch bei weitem noch nicht alle der 2.711 Zuschauerinnen und Zuschauer im Stadion (1.450 paganti, 1.261 abbonati). Die Rivalität zu Teramo wurde in Gesängen entsprechend gewürdigt. Eine paar Leute auf der Distinti drückten mit Gesten und Aufblasbanane ihr Abneigung zum Auswärtssektor hin ebenfalls recht unmissverständlich aus.
Rund hundert aus Teramo supporteten augenscheinlich recht anständig. Akustisch waren sie auf der Haupttribüne gegenüber der Heimkurve nicht oft zu vernehmen.
Der Rimini FC wurde 1912 als Fußballabteilung innerhalb des Sportvereins Libertas gegründet. 1939 änderte der Verein seinen Namen in Rimini Calcio. 1994 ging man erstmals in Konkurs. Ein neugegründeter Verein trat als Rimini Calcio Football Club die Nachfolge an bis auch dieser Verein 2010 pleiteging und die AC Rimini 1912 neugegründet wurde. Der jüngste Konkurs folgte 2016. Seither tritt man als Rimini Football Club 1912 an. Man begann 2016/17 in der fünftklassigen Eccellenza Emilia-Romagna und stieg 2017 in die Serie D und 2018 in die Serie C auf. Die größten Vereinserfolge waren die insgesamt neun Saisonen (jeweils dreimal drei Jahre) in der Serie B 1976/77 bis 1978/79, 1979/80 bis 1981/82 und 2005/06 bis 2008/09.
Das Stadio Romeo Neri wurde 1934 mit faschistischem Namen als Stadio del Littorio eröffnet. Vor dem Stadionbau von 1933/34, der eine Radrennbahn und drei getrennte Tribünen mit 4.000 Plätzen besaß, stand hier eine 1911 erbaute Pferderennbahn. Damals hieß die Sportanlage prato della Sartona, benannt nach der Gräfin Teresa Sartoni, die das Land ab 1812 besaß. Nach der Befreiung 1945 hieß das Stadion einfach Stadio Comunale bis es nach dem Tod des aus Rimini stammenden Turners und dreifachen Olympiasiegers von 1932 Romeo Neri 1961 nach ihm benannt wurde. In den 1950er und 1970/80er Jahren wurden die heutigen Tribünen auf der gegenüberliegenden Längsseite und die ersten Stahlrohrgerüste in der Kurve gebaut. 2014 wurde die Längsseite auf Inititive der Curva Est hin in den Vereinsfarben und mit Rimini-Schriftzug gestrichen. Insgesamt hat das Stadion heute eine Kapazität von 9.768 Plätzen. Am Spielfeld wurde ein Kunstrasenbelag verlegt.
Vor dem Spiel wurde die Stadt Rimini besichtigt.