Donnerstag, 21. Juni 2018

Osječko Informer




Rezension


Osječko Informer
2018
100 S.









In Osijek verbrachte ein Erfurter das Wintersemester 2016/17 im Rahmen des EU-Studierendenaustausch-Programms Erasmus und beschäftigte sich nicht nur mit Studium und Party sondern auch mit Fußball. Er besuchte Spiele des NK Osijek und weitere Matches in Kroatien und den umliegenden Ländern. Erlebnisse und Erfahrungen hat er zu Papier gebracht, mit Informationen und Interviews angereichert und ein Heft daraus gemacht. „Der Name Osječko Informer ist abgeleitet von der Osječko Pivo Brauerei, welche ich ganz solidarisch und aufopferungsvoll in dieser Zeit unterstützt habe.“

Den Auftakt der Reiseberichte macht Viktoria Žižkov in Prag, das zwar geographisch dadurch etwas aus dem Rahmen fällt, aber es ist ja auch wirklich schön dort. Die Reisen in der weiteren Umgebung Osijeks führten u.a. nach Rijeka, Split, Zagreb (Lokomotiva und Dinamo), Zaprešić, Slavonski Brod und Vinkovci in Kroatien, Sarajevo und Mostar in Bosnien-Herzegovina, Kotor in Montenegro, Belgrad (Roter Stern und Voždovac) und Novi Sad in Serbien, Budapest (Honvéd), Novo mesto in Slowenien, und auf ein Spiel nach Wien. Aus dem Beweggrund, das Ernst-Happel-Stadion zu sehen, kam er zur Partie der Wiener Austria gegen die Roma, um festzustellen, dass die Stimmung bei den Lilanen bescheiden ist: „Aber was im Praterstadion für eine Ruhe nach dem kurzen, exzessiven Torjubel ausbrach, verwunderte mich doch sehr. OK, die Austria spielt nicht zum ersten Mal international und die Fans sind schon einiges gewöhnt. Aber trotzdem, AS Rom! Europapokal! So abgebrüht kann man doch nicht sein.“
Ein unvollständiges Detail der immer informativen Ausführungen über Vereine, Szenen, Land und Leute: Als die Nazis das Wiener Praterstadion 1939 zum Gefangenenlager umfunktionierten und im Sektor B über tausend Menschen einsperrten, um sie anschließend von hier in KZ zu deportierten, wo fast alle umgebracht wurden, waren das zwar tatsächlich wie richtig geschrieben „polnisch-stämmige Wiener“. In einer Verhaftungswelle von der Polizei festgenommen, eingesperrt und schließlich ermordet wurden sie aber, da sie (in diesem Fall polnisch-stämmige Wiener) Juden waren. Ansonsten muss man die Informationsmischung im Heft aber sehr loben.

Da der Autor vor Ort in Osijek bald Kontakte in die heimische Fanszene knüpfte, gibt es im Heft auch ein Interview mit der Kohorta Osijek 1988 und einen Text über „Ultra sein in Kroatien“, die einige Einblicke geben. Ein gut gemachtes, kurzweilig zu lesendes und lehrreiches Heft.

Mittwoch, 20. Juni 2018

Pfarrwiese-Gedenktafel, Hütteldorf

19.6.2018

1912 zog Rapid von Rudolfsheim nach Hütteldorf zu und wurde hier heimisch. 66 Jahre lang spielte Rapid auf der legendären Pfarrwiese. Für 65 Jahre − mehr als die Hälfte der Vereinsgeschichte − war die Pfarrwiese die unbestrittene Heimat, bis 1977 wenige hundert Meter entfernt das spätere Gerhard-Hanappi-Stadion eröffnet wurde. Aufgrund Baumängel kehrte Rapid im Frühjahr 1978 nocheinmal auf die Pfarrwiese zurück. Dann war Schluss.

Nach langen Jahren, in denen das Thema immer wieder ergebnislos angestoßen worden war, wurde nun am 18. Juni 2018 vom SK Rapid eine Gedenktafel am Grund des 1981 abgerissenen Rapidplatzes errichtet. Seit 1986 befindet sich hier eine Tennisanlage.



Das klassische Panoramamotiv vom ursprünglichen Zustand des Jahres 1912 zeigt die Perspektive vom Standort der Gedenktafel. Durch das transparente Foto kann durchgeschaut werden, womit sich die Ebenen von historischer und gegenwärtiger Ansicht überlagern.



Ein informativer Text des Rapideum fasst die Bedeutung der Pfarrwiese für Rapid zusammen.



Ein Hütteldorfer Gedächtnisort.




Mehr dazu:

Bilder aus der Ausstellung Sport in Penzing, die 2016 im Penzinger Bezirksmuseum zu sehen war.


Ein Modell im Ausbauzustand der letzten Jahrzehnte der Pfarrwiese ist im Rapideum zu sehen.

Sonntag, 17. Juni 2018

Amateure Steyr - Bewegung Steyr 0:6 (0:2)

Oberösterreich, Relegation Bezirksliga, Rückspiel, 17.6.2018
Amateure-Platz, 470

Mit einem Kantersieg sicherte sich Bewegung Steyr, das im Hinspiel zuhause im Stadtderby noch unterlegen war, im Relegations-Rückspiel auswärts bei den Amateuren Steyr den Klassenerhalt in der sechstklassigen oberösterreichischen Bezirksliga Ost. So wie das Hinspiel durchaus offen, aber mit Vorteilen für die Amateure, gewesen war, begann auch das Rückspiel. Doch nach dem ersten Tor steigerte sich Bewegung immer mehr, während die Amateure nichts mehr entgegensetzen konnten und in ein Debakel liefen.
Der SK Amateure Steyr wurde 1920 als Sportklub Freiheit Steyr gegründet. 1922 bis 1925 spielte Freiheit Steyr erstmals in der oberösterreichischen 1. Klasse, der höchsten oberösterreichischen Spielklasse. 1923 wurde Freiheit in Arbeitersportklub Amateure Steyr umbenannt und die Vereinsfarben von Blau-Schwarz auf das heutige Blau-Weiß geändert. Der ursprüngliche Arbeiterverein orientierte sich in der politischen Polarisierung im Krisenjahr 1930, als die Steyr-Werke 70% der Arbeiterinnen und Arbeiter entließen, politisch um, trat aus dem Arbeiterfußballverband VAFÖ aus und dem bürgerlichen Fußballverband bei. Als im Zuge des Bürgerkriegs im Februar 1934 der SK Vorwärts Steyr wie alle sozialdemokratischen Arbeitervereine von der austrofaschistischen Diktatur behördlich verboten und aufgelöst wurde, wurde deren 1924 eröffneter alter Sportplatz, und somit ein nicht unwesentliches Vermögen, von den Behörden den Amateuren geschenkt. Als oberösterreichischer Meister 1937/38 stiegen die Amateure 1938/39 in die neugegründete Gauliga 17 auf, die unter der Nazi-Herrschaft im wesentlichen den Sportbereich des ehemaligen Österreich umfasste. Wie auch für die anderen Bundesländervereine (Wacker Wiener Neustadt und Grazer Sportklub), setzte es durch die übrigen Ligateilnehmer, die bisher unter sich gebliebenen und auf einem anderen Niveau spielenden Wiener Fußballvereine, laufend herbe Watschen und am Schluss der Saison stiegen die Amateure mit vier Punkten aus 18 Spielen wieder ab. 1943/44 stiegen die Amateure abermals auf. Zwei Runden vor Saisonende musste man aber zurückziehen, da man durch den Kriegsdienst der Spieler keine Mannschaft mehr stellen konnte. Die Amateure schlossen sich daraufhin dem eine Liga darunter in der Bezirksklasse Oberdonau, der höchsten oberösterreichischen Spielklasse, erfolgreich spielenden Stadtrivalen Vorwärts Steyr an. Die Einberufungen zum Kriegsdienst gab es zwar auch bei Vorwärts, im Vergleich zu den Amateuren hatte man aber ausreichend gute Spieler und war auch Herbstmeister 1943. Der Zusammenschluss spielte die Saison als Fußballgemeinschaft Steyr fertig. Die FG Steyr existierte bis Ende 1944. Nach der Befreiung 1945 spielten die Amateure wieder eigenständig in der 1. Klasse, der damaligen oberösterreichischen Landesliga, und 1949/50 sowie 1951 bis 1953 und 1953 bis 1955 in der österreichweiten zweiten Liga, der Staatsliga B. 1960 bis 1969 spielte man in der damals zweitklassigen Regionalliga Mitte. 1996 stiegen die Amateure erstmals in die fünftklassige 2. Landesliga Ost ab und purzelten dann im Laufe eines Jahrzehnts bis in die 2. Klasse hinunter.
Rapid gewann 1938/39 4:3 (Wiederholungsspiel nach wetterbedingtem Abbruch bei 8:2) und 3:1 gegen die Amateure Steyr sowie 1943/44 5:1 und 4:1, wobei diese Spiele nach dem Rückzug des Vereins aus der Meisterschaft annulliert wurden.
Der Amateure-Platz an der Lauberleite wurde 1924 als Vorwärtsplatz von Vorwärts Steyr eröffnet, die ihn gebaut und hier schon seit 1922 gespielt hatten. Die Amateure spielten von 1920 bis 1929 (gemeinsam mit dem Arbeiterturnverein Vorwärts Steyr) auf ihrer ursprünglichen Heimstätte neben der Industriehalle und dann bis 1934 am Rennbahnplatz. Seit 1934, als die Amateure den Vorwärtsplatz aus politischen Gründen überschrieben bekamen und das von den Austrofaschisten enteignete Vorwärts sich neben der Industriehalle einen neuen Platz aufbauen musste, ist der ehemalige Vorwärtsplatz nun der Amateure-Platz. In den 1960er Jahren wurde das Klubhaus von den Amateuren neu gebaut.
Literatur: Michael Stockinger, „...gar bald war auch ein Tor aus Balken gezimmert“. Arbeiterfußball in Steyr von 1919 bis 1945. in: Josef Stockinger (Hg.), Zeit, die prägt. Erweiterte Neuauflage, Steyr 2011, S.184-205