Samstag, 4. Juni 2016

knockin' on heaven's TOR




knockin' on heaven's TOR
Fußball und Religion

Diözesanmuseum Graz
Sonderausstellung 2016

26.5.-9.10.2016








Dem Fußball ist eine Sonderausstellung des Diözesanmuseums der römisch-katholischen Diözese Graz-Seckau gewidmet, nicht zufällig im Jahr einer Europameisterschaft. Themenstellung ist hier naheliegenderweise Fußball und Religion. Kulturelle Parallelen in Inhalt, Ablauf, Inszenierung und Faszinosum für den Anhang werden anschaulich dargestellt. Die in Graz selbst erarbeitete und augenscheinlich sehr gut recherchierte Ausstellung ist interessanter als diejenige, die anlässlich der EM 2008 im Wiener Diözesanmuseum zu sehen war. Leider fasst auch sie das Themenfeld Religion zu eng und blickt fast nur auf die eigene Konfession, die Bezeichnung „Fußball und katholische Religion“ wäre hier treffender gewesen. So sind manch Parallelen in pompöser Inszenierung von Katholizismus und Fußballkultur sehr anschaulich, in anderen christlichen Konfessionen geht es ja aber z.B. nüchterner zu und andere Religionen haben wiederum andere Rituale. Dieses Defizit bleibt aber als einziger Kritikpunkt. Positiv ist die starke Präsenz von Rapid und überaus überraschend ist, dass dieser Blog im Ausstellungstext zitiert wird.


Das Grazer Diözesanmuseum liegt gleich neben dem Grazer Dom.


Beginn der Ausstellung


Zu verschiedenen Begriffen werden Assoziationen, Gegenstände und Handlungen aus den beiden Bereichen Fußball und (katholische) Religion gegenübergestellt. Manchmal ist dies weniger überzeugend wie in der Parallelisierung des Mannschaftskapitäns im Fußball und des Heiligen Franz von Assissi als „kirchlichem Spielführer“, der seinem Anhang Orientierung im Leben gäbe. Aber öfters ist dies gut gelungen, wie bei Gegenüberstellung der Fußballtrainer und Priester in ähnlicher Aufgabenstellung.


Der Inhalt zum Nationenwettstreit der Europameisterschaft: Christliche Schutzpatrone und Nationalheilige der teilnehmenden Länder.


Eine Statue von Aloisius Luigi Scrosoppi, der in der katholischen Kirche als Schutzpatron der Fußballer auserkoren wurde. „Demnächst stehen weitere Luigi-Statuen in den Fußballstadien von Udine und Rapid Wien.“ ist im Text dazu zu lesen. Eine Aufstellung im neuen Rapidstadion fände ich persönlich nicht begrüßenswert, da eine konfessionelle Punzierung der Offenheit Rapids für alle widersprechen würde.


Bemerkenswerte Fußballstadien und bemerkenswerte Kirchenbauten. „Einst waren Kirchen die größten und kostbarsten Gebäude. Kaum ein anderer Raum bot so vielen Menschen Platz. Größer und teurer sind heute Fußballstadien. Kein anderes Gebäude fasst mehr Besuchende. Sie sind Wunderwerke der Technik und Glitzerwelt.“ beschreibt der Text die Parallele im Kapitel Feierorte.


Das erste Fußballstadion in Österreich, das eine eigene religiöse Kultstätte erhielt, war das Reichshofstadion der Austria Lustenau. 2007 wurde am Gelände des aus katholischer Tradition stammenden Vorarlberger Vereins eine in Containerbauweise gebaute Kapelle aufgestellt.


Das neue Weststadion Rapids in Wien-Hütteldorf soll einen Andachtsraum erhalten. Es wird hier im Text zwar die katholische Beratung dafür genannt, der Raum sollte aber nicht einer bestimmten Konfession, Richtung oder Religion zugeordnet werden. Denn in Hütteldorf sollte nur die Religion Rapid vorherrschen.


„Eine Person, zwei Mitgliedschaften.“ heißt es hier über Taufschein und Sturm-Graz-Vereinsmitgliedschaftskarte eines beiderseitigen Anhängers.


„Wie im Stadion konnte man früher auch in der Kirche einen eigenen Sitzplatz erwerben. Dazu musste der sogenannte Stuhlzins entrichtet werden. Der Platz war mit Nummer oder Namensschild gekennzeichnet.“ informiert der Text zum Namensschild aus dem 19.Jh. der Kirche in St. Veit im Vogau und einer Abo-Karte bei Sturm Graz im Liebenauer Stadion. Im genannten Sektor 12 herrscht allerdings seit der Verlegung des Sturm-Fansektors freie Platzwahl und es wird gestanden, nicht gesessen.


Musikalische Begleitung gehört zum katholischen Gottesdienst wie zur Fankultur. Hier zu sehen ist u.a. eine Trommel der Grazer Sturmflut.


Besonders amüsant ist die Parallelisierung der effektvollen Inszenierung mit Weihrauch hier und mit Bengalen dort.


Fußballdressen und Messgewänder katholischer Priester


Fußballgötter. Ein großes Thema für sich. Hier werden Córdoba 1978, die Verehrung Hans Krankls bei Rapid und ein Rapid-Werbesujet mit christlich-religiöser Anspielung aus dem Jahr 2002 thematisiert.


Als Beispiel quasireligiöser Verehrung Hans Krankls dient das Plakat zur Krankl-Ausstellung im Rapideum 2013, einer Paraphrase des Turiner Grabtuchs. Zu meiner großen Überraschung und Freude wird ein Zitat aus meinem damaligem Bericht über die Ausstellung in diesem Blog als Begleittext verwendet.


Eine wahrhaft kultische Verehrung wird Diego Maradona in Neapel zuteil. Hier eine kleine Nachbildung des Maradona-Altars in Neapel.


Einer der letzten römisch-katholischen Päpste war bei „unvereinbaren“ Fußballvereinen gleichzeitig Mitglied, bei Schalke 04 und Borussia Dortmund sowie beim FC Barcelona und bei Real Madrid. Das zeugt weniger von Fußballbegeisterung als die Mitgliedskarte des jetzigen Amtsinhabers, der Mitglied bei San Lorenzo in seiner Heimat Buenos Aires ist.


Reliquien werden verehrt. Als Beispiel dienen hier auch Mauerteile des abgerissenen Hanappi-Stadions.


In einer Sammlung von Schals darf natürlich ein Rapid-Schal nicht fehlen, auf dem von der Religion Rapid die Rede ist.


Vereinschroniken und Pfarrchroniken


Zum ersten österreichischen Meistertitel von Sturm Graz 1998 hängte der Pfarrer einer Grazer Kirche eine 16 Meter lange Sturm-Fahne an den Kirchturm und läutete die Glocken. Die Fahne ist in der Ausstellung an der Decke zu sehen.


Rapid-Gewand auch für Kinder


Weihnachtslieder, von Fußballmannschaften gesungen

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